Unser Fazit

Das war die FIBO 2018

Diskussionen über die FIBO beginnen ja meist schon Monate vorher. Während die einen ihre Fans und Follower darauf einstimmen, zu kommen und sie an den jeweiligen Ständen zu besuchen, tauchen immer wieder Stimmen auf, die sich nicht (mehr) mit der FIBO identifizieren können (oder wollen) und nicht mit Kritik sparen. Zu Recht?

Grundsätzlich nein! Die FIBO wird ihrer Rolle als Leitmesse nach wie vor absolut gerecht. Sie bietet ein unglaublich breites Angebot für alle, die sich für Fitness, egal welcher Ausprägung begeistern oder damit sogar beruflich zu tun haben. Diesen Faktor darf man bei der Bewertung der FIBO nicht unterschätzen: Die Zielgruppe ist sehr heterogen und reicht vom Geschäftsführer einer lokalen Studiokette, die sich beispielsweise vor Ort über Neuheiten auf dem Markt der Software für die Mitgliederverwaltung informieren wollen, bis zum eingefleischten Bodybuilding-Fan, für den nur die dicken Jungs zählen. Dieser breiten Masse ein stimmiges Angebot zu machen, ist kein leichtes Unterfangen.

Homogenisierung der Messe: Gelungen?

Die Aufhebung der Einteilung der Messe in die drei Bereiche EXPERT, PASSION und POWER wie in den Vorjahren fiel vor Ort wenig auf, denn aufgrund der Verteilung der Stände ergibt sich eine derartige Trennung automatisch. Die grundsätzliche Frage muss hier sein, ob denn eine Aufhebung dieser Einteilung überhaupt sinnvoll ist. Die Idee, die Fitness-Community zusammenzubringen, Anknüpfungspunkte zu zeigen und Gräben zuzuschütten ist löblich, fraglich ist jedoch, ob das von den Besuchern überhaupt gewünscht ist.


Die Schlagwortwolke umfasst wahrscheinlich nur einen Bruchteil der Interessen, die Besucher dazu bewegen, den Weg nach Köln auf sich zu nehmen. Eine derart große Messe wie die FIBO kann diese Vielfalt der Interessen abbilden, das zeigt sie seit Jahren. Bei teils derart konträren Interessen ist es jedoch fraglich, ob man diese unter einen Hut bekommt oder ob eine derartige Vermischung nicht letztlich sogar für Unmut sorgt.

Wie schon angedeutet, waren die Hallen mehr oder weniger angeordnet wie im Vorjahr: In 10.1 tummelten sich viele Influencer und „Trendmarken“, aber auch der gesamte Bereich rund um Strongman, Crossfit und Powerlifting, 10.2 stand ganz im Zeichen des Bodybuildings, die anderen Hallen hatten allesamt ihr spezifisches Thema und sprachen daher auch originär nur eine spezifische Besuchergruppe an.

Ein weiterer Faktor, der die Homogenisierung vorantreiben sollte, war die Einführung der Live Cooking Area in 10.2. Wer also beispielsweise Sophia Thiel kochen sehen wollte, musste sich einmal durch die „Bodybuilding-Halle“ kämpfen. Das gelang zum Teil, auch anderen Gründen, auf die ich gleich noch eingehen werde, sollte man den Standort der Area dennoch überdenken.

Ronny Rockel und Carmine Stillitano beim Live Cooking auf der FIBO 2018


Insgesamt muss an diesem Punkt festgehalten werden, dass eine richtige Vermischung nicht stattgefunden hat. Ziel also verfehlt? Ich meine nicht. Wir reden nicht über eine homogene Szene, sondern eine Vielzahl einzelner Szenen, die irgendwo einen gemeinsamen Nenner haben, aber sich in vielen Punkten doch stark unterscheiden. Da muss doch gefragt werden, ob es überhaupt sinnvoll ist, diese Strategie weiter zu verfolgen.

Organisation: Top!

Nachdem die erste FIBO in Köln in einigen Bereichen ein organisatorisches Debakel war, wurde hier in den letzten Jahren enorm nachgebessert. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die Messe ist hervorragend organisiert, auch zu Stoßzeiten wurde ein kühler Kopf behalten.

Was jedoch hinterfragt werden sollte, ist der Standort der Live Cooking Area. Dabei ist es weniger die oben angesprochene Frage der Zielgruppe, die dagegenspricht, vielmehr ist es die Lautstärke in der Halle, die gleich für sich genommen noch ein Thema sein wird. Am Samstag war es dort so laut, dass man die Akteure trotz Mikrofon kaum verstehen konnte. Das ist anstrengend und nimmt dem Ganzen auch etwas den Reiz.

Ein Verlust: Der Wegfall der Bühne in 10.2

Natürlich kann man die Bühnenshows als Relikt aus einer vergangenen Zeit betrachten, aber dennoch: Ihr Wegfall durch das Nichtvorhandensein einer Bühne in 10.2 war doch spürbar. Die Idee des Live Cooking ist super, aber als Ergänzung zur Bühne wäre sie an einem anderen Standort wohl besser aufgehoben gewesen.

Die Weider-Bühnenshow 2016


Die Bühnenshows selbst waren in den letzten Jahren teils schon etwas ausgelutscht. Doch statt sie zu streichen, wäre es vielleicht doch besser gewesen, die Aussteller dazu zu animieren, diese Shows attraktiver zu gestalten.

Immer ein Thema: Die Lautstärke

Auf einer Messe ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass man nicht jede Stecknadel fallen hört. Was aber insbesondere in der Halle 10.2 teilweise abgeht, ist grenzwertig. Wenn von drei Ständen Musik in ohrenbetäubender Lautstärke dröhnt, verhindert das zum einen den Austausch zwischen Fan und Athlet, vor allem aber ist es enorm anstrengend. Es ist natürlich nichts gegen gute Stimmung einzuwenden, aber man muss sich schon die Frage stellen, ob die Lautstärke in diesem Ausmaß notwendig ist.

Die Besucherzahl: Ein leichter Rückgang?

Mir liegen derzeit noch keine offiziellen Besucherzahlen vor, gefühlt würde ich aber sagen, es war nicht so voll wie in den Vorjahren. Insbesondere am Freitag und heute spürt man, dass doch hier und da eine freie Lücke ist, wo sich sonst Menschenmassen durch die Gänge zwängten.

Sollten die Zahlen den Eindruck vor Ort bestätigen, muss man sich natürlich die Frage stellen, woran das liegt. Was man sicher sagen kann, ist dass die Kontrollen an den Fachbesuchertagen schärfer geworden sind. Hier wollte man teils zum Ticket noch den Personalausweis sehen. Aus Sicht der Aussteller, die vor allem auch das Fachpublikum ansprechen, macht das natürlich Sinn. Geschäfte macht man leichter, wenn die Stände und Gänge nicht von Scharen von Fans überrannt werden, die dazu noch die Lautstärke anheben. Von daher ist diese Entscheidung nach wie vor schlüssig.

Die FIBO 2018 am Freitag: Gut besucht!


Man sollte sich eher fragen, was man machen kann, um die Messe noch attraktiver zu gestalten. Mehr Seminare? Live Talks auf der Bühne, auch zu kontroversen Themen? Outdoor-Events? Ideen gibt es viele, auf jeden Fall sollten sich die Verantwortlichen Gedanken machen und nicht darauf vertrauen, dass der Fitness-Hype der FIBO auf ewig volle Hallen bescheren wird.

Oldschool vs Newschool: Das Interesse an den alten Hasen wächst wieder

Sehr erfreulich aus Sicht eines Bodybuildingfans: Während in vergangenen Jahren bei vielen Legenden vergangener Tage wenig los war, konnten sich Dorian Yates, Kevin Levrone und Co in diesem Jahr über mangelndes Interesse nicht beklagen.

Dorian Yates durfte sich auf der FIBO in diesem Jahr über lange Schlangen von Fans freuen!


Der Hype um die Fitness-Youtube-Szene lässt hingegen immer mehr nach. Schien es vor zwei bis drei Jahren noch so, als würden diese in absehbarer Zeit die ganze FIBO übernehmen, war von vielen in diesem Jahr gar nichts zu sehen.

FIBO 2015: Von den Stars von damals sieht man heute nur noch wenig.


Starke Männer und Frauen im Fokus

Nach dem Wegfall der Bühnenshows und der Reduktion auf eine Bühne in der Halle 10.1 rückten die Wettkämpfe der Strongmen und Powerlifter stärker in den Fokus. Hier wurden unglaubliche Leistungen geboten, unter anderem ein neuer deutscher Rekord im Loglift und einen gültigen Kreuzheb-Versuch mit dem vierfachen Körpergewicht.

Powerlifting on stage auf der FIBO 2018.


Viele Stars fehlten, viele waren da

Während es natürlich sehr erfreulich ist, dass alte Legenden wieder mehr Zuspruch bekommen, fiel das Wegbleiben vieler aktueller Stars schon auf. Phil Heath, Big Ramy, Shawn Rhoden, William Bonac… die Liste der Weggebliebenen ist lang und schade zugleich. Auch hier könnte man ansetzen, aber dann bitte nicht wie vereinzelt in den Vorjahren in abgesperrten Bereichen, in die man nur hereindarf, wenn man vorher für Summe x einkauft.

Dennoch gibt es natürlich noch genug Stars der Szene, die man antreffen konnte, beispielsweise Cedric McMillan, Dennis Wolf, Roelly Winklaar und viele mehr.

Wer Stars suchte, der fand sie auch: beispielsweise David Hoffmann.


Fazit

Jedes Jahr wird in Vor- und Nachberichterstattung kritisch auf die Zukunftsfähigkeit der FIBO geschaut. Und wie zu erwarten: Es gibt Punkte, an denen Optimierungsbedarf besteht, grundsätzlich aber kann man den FIBO-Machern attestieren, dass sie einen wirklich guten Job machen. Wir sind gespannt auf die FIBO 2019.

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