Von Wales auf den Thron des 212 Olympia Showdowns

Flex Lewis: Der König der 212 Divison

Selten hat ein Bodybuilder seine Klasse so dominiert wie James "Flex" Lewis die 212 Division in den vergangenen Jahren. Nachdem er dort alles gewonnen hat, was es zu gewinnen gibt, will Flex 2020 in der offenen Klasse angreifen. Doch wie wurde aus dem walisischen Jungen der beste 212-Bodybuilder der Welt?



Flex Lewis in Zahlen

  • Flex wurde am 15. November 1983 in Llanelli (Wales) geboren.
  • Flex ist 165cm groß.
  • Sein Körpergewicht als aktiver Profi beträgt in Wettkampfform rund 95 Kilogramm.
  • Flex’ Wettkampfhistorie


Wales ist ein Landesteil des Vereinigten Königreiches im Westen von Großbritannien und zählt zu den sechs keltischen Nationen. Das kleine Land mit knapp drei Millionen Einwohnern ist geprägt von weitläufigen und hügeligen Wiesenlandschaften, Mooren und Gebirgen, das Klima ist feucht und windig. Große Bedeutung hat für die Waliser ihre Sprache, die den keltischen Sprachen zuzuordnen ist und formell dem Englischen gleichgestellt ist. Auf sportlicher Ebene dominieren Ballsportarten wie Cricket, Fußball, Hockey, vor allem aber Rugby. Der walisische Nationalsport bestimmte auch das Leben des jungen James Lewis über viele Jahre und ist für dessen Spitznamen "Flex" verantwortlich.

Geboren und aufgewachsen in Wales

Llanelli ist eine Küstenstadt nahe der zweitgrößten walisischen Stadt Swansea im Süden des Landes. Einst eine Hochburg der Kohle- und Stahlindustrie, setzte mit dem Schließen der Kohlegruben und dem zunehmenden weltweiten Wettbewerb der Stahlproduzenten Ende der 70er Jahre eine wirtschaftliche Krise ein. Flex‘ Kindheit war geprägt von der ökonomischen Krise seiner Heimatstadt, vor allem aber vom Rugby.

Der kleine Flex mit seinen Eltern.
Quelle: Flex Lewis Facebook

Bereits in sehr jungem Alter machte Flex seine ersten Gehversuche in dem rauen Ballsport und zeichnete sich dabei vor allem durch seine Beweglichkeit aus, was ihm den Spitznamen "Flex" einbrachte, den er bis heute trägt.

Seine Liebe zum Bodybuilding erwachte, als Flex ein Buch über Tom Platz im Bücherregal seiner Tante fand und fasziniert von dessen brachialen Beinen war. An diesem Tag entstand der Traum, ebenfalls derart muskulöse Beine aufzubauen.

Als Flex dann eine alte, rostige Hantelstange und plastiküberzogene Gewichtsscheiben im Schuppen seines Vaters fand, war er nicht mehr zu stoppen, auch wenn seine Eltern gegen das Krafttraining waren. Heimlich brachte er das Equipment in sein Zimmer und versteckte sie unter seinem Bett, um damit allnächtlich Kniebeugen auszuführen. Zunächst gelang ihm nur eine einzige Wiederholung, doch Flex blieb hartnäckig und so konnte er seine Leistung stetig verbessern bis er ganze 100 Wiederholungen schaffte. Kurz darauf wurden seine Eltern auf sein nächtliches Treiben aufmerksam und nahmen ihm die Hantel wieder weg.

Flex Lewis mit seinem großen Idol Arnold Schwarzenegger nach dem Sieg bei der Arnold Classic 2014.

Seine Liebe zum Kraftsport wuchs dennoch, vor allem geprägt durch die Filme seines größten Idols Arnold Schwarzenegger. Dennoch konnte sich Flex zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, einmal Bodybuilder zu werden.

"Just a small town kid with a dream, cheeky Welsh charm and a passion to be successful in life… don’t let anyone tell you can’t, when you believe you can!"

Erste Gehversuche im Gym

Im Alter von 15 Jahren betrat Flex erstmals ein Gym, um mehr Power für sein Rugbyspiel zu entwickeln, das er mittlerweile auf einem sehr hohen Niveau betrieb. Das Studio war geprägt von Powerliftern, deren Trainingsweise er schnell übernahm und sich fortan vor allem auf schweres Krafttraining konzentrierte.


So viel Spaß ihm das Training auch machte, irgendetwas fehlte ihm. Als er eines Tages alleine im Gym war, sprach ihn der lokale Bodybuilder Steve Naylor an und erklärte dem jungen Flex, dass er ein gutes Potenzial für die Bühne habe. Flex zögerte keine Sekunde und begann gemeinsam mit Steve zu trainieren. Vier Jahre später war es dann soweit: Flex nahm an seinem ersten Bodybuildingwettkampf, dem Junior Mr. Wales teil, wo er nicht nur den Gesamtsieg holte, sondern vor allem auch eine folgenschwere Begegnung machte.

Flex Lewis in jungen Jahren.
Quelle: flex Lewis Facebook

Die Begegnung mit Neil Hill

Neil Hill, zu diesem Zeitpunkt aktiver IFBB Pro, war beeindruckt von Flex‘ Potenzial und sprach ihn nach der Show an. Er überzeugte ihn zur Zusammenarbeit und nur vier Wochen später holte er den Sieg bei dem Junior Mr. Britain 2003. Das war der Startschuss für eine bis heute andauernde Zusammenarbeit der beiden, die bis ins Jahr 2007 zu insgesamt neun Siegen als Amateur führen sollte.

"For anyone who wants this to happen tomorrow you’re in the wrong sport. This is a marathon, not a sprint. Have patience young Jedi or you will ruin your Physique."

Bei den British Nationals 2007 holte sich Flex dann den Gesamtsieg und damit seine Pro Card. In seiner gesamten Zeit als Amateur gewann Flex jeden einzelnen Wettkampf, an dem er teilnahm.

Flex bei seinem Gesamtsieg bei den British Nationals 2007. Bei dieser Show holte sich Flex seine Pro Card.
Quelle: Flex Lewis Facebook

Über den großen Teich

In Großbritannien war Flex bereits zu einem Star der Bodybuildingszene herangereift und bekam so auch Aufmerksamkeit auf der anderen Seite des Atlantiks. Ed Connors, erfolgreicher Architekt und damals Mitinhaber der Gold‘s Gyms lud den damaligen Amateur in die Vereinigten Staaten ein. Nach anfänglichem Zögern erkannte Flex die Chancen, die sich ihm durch diese Reise boten und stimmte zu.

Bereits bei seiner ersten Trainingseinheit im Gold‘s Gym Venice wurde ihm klar, dass er es seinem großen Idol Arnold Schwarzenegger gleichtun und in die USA übersiedeln musste, wenn er seinen Traum von einer erfolgreichen Karriere als Profibodybuilder verwirklichen wollte.

Der junge Flex mit der Legende Jay Cutler.
Quelle: flex Lewis Facebook

Nach mehreren Monaten des Trainings im Gold’s wechselte Flex ins legendäre Kolosseum Gym von Milos Sarcev, wo er die Chance hatte, gemeinsam mit unzähligen Stars der Szene zu trainieren.

"It was one of the best experiences of my life. I got to train with the guys I looked up to in FLEX magazine, including Milos, Dennis James, Troy Alves, and newcomers Dennis Wolf and Hidetada Yamagishi. It was a Mecca outside of the Mecca. We lived in hotels. We would train together, eat together and hangout together. It became a real brotherhood, like a family. Back then we trained twice a day. It was brutal and will humble you fast."

2006, immer noch als Amateur unterschrieb er einen Vertrag mit Weider Publications und hatte die große Ehre, an einem Shooting für das FLEX magazine teilzunehmen.

Das erste Fotoshooting mit Starfotograf Per Bernal.
Quelle: Flex Lewis Facebook

Rasanter Aufstieg des "Welsh Dragon"

2008 nahm Flex in Tampa an seiner ersten Pro Show in der offenen Klasse teil und musste erstmals akzeptieren, am Ende nicht ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Dennoch beeindruckte er bei seinem Debüt, bei dem er den siebten Platz holte. Dieser siebte Platz sollte bis heute die schlechteste Platzierung sein, die er jemals erlangt hat.

Nur wenige Zeit später stand er dann schon wieder auf dem gewohnten ersten Platz: Er gewann bei der Europa Pro Show die 202 Division und wurde gleichzeitig erneut Siebter in der offenen Klasse.

"Being innovative in the gym is the key to growing long-term."

2009 trat Flex dann erstmals beim Mr. Olympia an und holte auf Anhieb den fünften Platz in der 202, um nur wenige Wochen später in Atlantic City den nächsten Profisieg einzufahren. Danach nahm sich Flex eine Auszeit und arbeitete das komplette Jahr 2010 daran, seinen Körper so zu verbessern, dass er auch bei der größten Show der Welt Chancen haben würde, um den Sieg zu kämpfen.

2011 nahm Flex dann an insgesamt fünf Wettkämpfen teil: Beim British Grand Prix holte er in der 202 den Sieg und wurde kurz darauf Dritter beim Mr. Europe in der offenen Klasse. Es folgten zwei zweite Plätze in der 202 in New York und beim Mr. Olympia, wo er sich nur Kevin English geschlagen geben musste. Bei seinem fünften Platz bei der Arnold Classic Europe in der offenen Klasse.

Shooting im Temple Gym nach dem British Grand Prix 2011 mit Per Bernal.
Quelle: Flex Lewis Facebook

Dominator der 212 Division

Der Mr. Olympia 2011 war der letzte Wettkampf, der in der 202 Divison ausgetragen wurde. Fortan wurde das Gewichtslimit um zehn Pfund angehoben, ein Segen für Flex, der so die Chance bekam, mit deutlich mehr Muskelmasse anzutreten. Die Folge: 2012 holte er sich den ersten Sieg in der 212 Division beim Mr. Olympia und blieb auch beim British Grand Prix und der EVLS Prague Pro in dieser Klasse ungeschlagen.

Der erste von sieben Siegen in Las Vegas im Jahr 2012.

2013 verteidigte er seine Titel in Las Vegas und Prag. Seine wohl erfolgreichste Saison sollte aber 2014 werden. Wenngleich Flex mittlerweile der dominierende Athlet der 212 war und schon drei Siege beim Mr. Olympia vorweisen konnte, fehlte ihm in seiner Titelsammlung noch ein bedeutender Titel: die Arnold-Statue, die dem Sieger der Arnold Classic verliehen wird. Als bekanntgegeben wurde, dass 2014 erstmals eine 212-Konkurrenz in Columbus stattfinden sollte, überlegte Flex nicht lange, nahm teil und holte sich vor den Augen seines größten Idols den Sieg.

Flex holt sich den Sieg beim ersten 212-Wettkampf auf der Arnold Classic 2014.

Später im Jahr verteidigte er erneut seinen Titel in Las Vegas, um in einer straffen Herbstsaison noch weitere Siege in Korea, Prag und San Marino einzufahren.

"Today, I am very proud to hold the Olympia title as the best 212 physique in the world and I plan to defend it for as long as he can. My accomplishments on and off the stage are a true testament to what dedication and hard work can get you. If you want something bad enough and set your mind to it, it can be achieved. When going for your goals, my motto is 'BELIEVE TO ACHIEVE' and 'LEAVE NO STONE UNTURNED.' I look forward to meeting my fans from all over the world and I'm thankful for each and every one of them."

In den Folgejahren reduzierte Flex die Anzahl der Wettkämpfe und nahm fast ausschließlich am Mr. Olympia teil.

Flex Lewis mit seiner Frau Ali und seiner Tochter Adiena Paige nach seinem Sieg beim Mr. Olympia 2016.

Dabei gelangen ihm vier weitere Siege, womit er auf insgesamt sieben Titel bei der bedeutendsten Show der Welt kommt.

Das Erfolgs-Team: Flex Lewis mit seinem Coach Neil Hill im Jahr 2017.
Quelle: Flex Lewis Facebook

Bereits vor seinem letzten Triumph im Jahr 2018 kündigte er an, nicht mehr in der 212 starten zu wollen. Doch an ein Karriereende denkt Flex noch nicht. Vielmehr plant er nach eigenen Angaben, 2020 in der offenen Klasse, in der er bislang noch nie einen Sieg erringen konnte, anzugreifen.

Flex bei seinem letzten Triumph in der 212 Division beim Mr. Olympia 2018.

Im Gegensatz zu anderen Seriensiegern waren Flex‘ Siege nur selten Anlass zur Diskussion. 2016 und 2017 rückte ihm Ahmad Ashkanani durchaus auf die Pelle, doch Flex holte sich vor allem durch seine beeindruckende Rückansicht aus Sicht der meisten Experten verdient den Titel. Einzig sein Aufeinandertreffen mit Hadi Choopan beim Asia Grand Prix 2017 sorgte für Wirbel. So urteilte Dennis James, dass Hadi Flex in jeder einzelnen Pose geschlagen hätte. Nicht auszuschließen, dass sich die beiden im kommenden Jahr in der offenen Klasse erneut begegnen.

Flex Lewis vs. Hadi Choopan im Jahr 2017: Der wohl kontroverseste Sieg des walisischen Drachen.

Das Dragon’s Lair Gym

Flex ist nicht nur ein extrem erfolgreicher Bodybuilder, sondern hat sich in den vergangenen Jahren geschäftlich vielfältig betätigt. Unter anderem eröffnete er das Dragon’S Lair Gym in Boca Ranton, Florida. Das Besondere: Das Gym ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Flex mit seinem guten Freund, dem verstorbenen Dallas McCarver, im Dragon’s Lair Gym.
Quelle: flexlewis.net

In den vergangenen Jahren waren dort Topathleten wie der verstorbene Dallas McCarver, Josh Lenartowicz und Luke Sandoe regelmäßig zu Gast. Auch finden hier immer wieder Trainingscamps statt.

Flex mit seinem guten Freund, dem verstorbenen Dallas McCarver, im Dragon’s Lair Gym.
Quelle: Flex Lewis Facebook

Flex‘ Wettkampfhistorie

2003 EFBB Jr. Mr. Britain - 1. Platz
2003 EFBB Jr. Mr. Wales - 1. Platz
2003 EFBB Novice Mr. Wales - 1. Platz
2004 EFBB Jr. Mr. Britain - 1. Platz
2004 EFBB Jr. Mr. Wales - 1. Platz
2004 Nabba Jr. Mr. Britain - 1. Platz
2004 Nabba Mr. Europe - 1. Platz
2004 Nabba Mr. Universe - 1. Platz
2004 Nabba Mr. Wales - 1. Platz
2006 Mr. Britain U90 Division - 1. Platz
2006 Mr. Wales U90, Overall U90 Division - 1. Platz
2007 British Nationals (Earned Pro Card) Overall Division - 1. Platz
2008 Europa Pro 202 Division - 1. Platz
2008 Europa Pro Overall Division - 7. Platz
2008 Tampa Pro Open Division - 7. Platz
2009 IFBB 202 Challenge (Mr. Olympia) 202 Division - 5. Platz
2009 IFBB Atlantic City Pro 202 Division - 1. Platz
2011 Arnold Classic Europe Mens Bodybuilding: Pro Men - 5. Platz
2011 IFBB British Grand Prix Men's 202: Men's 202 List - 1. Platz
2011 Mr Europe Grand Prix Men's Open: Men's Open Lis - 3. Platz
2011 Mr Olympia Weekend Men 202: Open - 2. Platz
2011 New York Pro Championships Men's 202: Men's 202 Class - 2. Platz
2012 British Grand Prix 212 Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2012 EVL's Prague Pro 212 Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2012 Mr Olympia Weekend Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2013 EVL's Prague Pro 212 Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2013 Mr. Olympia Weekend Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2014 EVL's Prague Pro 212 Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2014 IFBB Arnold sports Festival: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2014 IFBB Korea Grand Prix 212: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2014 IFBB San Marino Pro: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2014 Mr. Olympia Weekend Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2015 IFBB Pro 212 - 1. Platz
2015 Mr. Olympia Weekend Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2016 Mr. Olympia Weekend Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2017 Mr. Olympia Weekend Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz
2017 IFBB Asia Grand Prix: IFBB Pro 212 – 1. Platz
2018 Mr. Olympia Weekend Bodybuilding: IFBB Pro 212 - 1. Platz

Die beeindruckende Rückansicht.

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