Forschungsergebnisse zu gesundheitlichen Aspekten von Koffein und Kaffee

Quelle: http://www.bodybuilding.com/fun/drobson147.htm
geschrieben von: David Robson


Koffein, das oft zu unrecht schlecht gemachte und wohl beliebteste Belebungsmittel, wurde in vielen wissenschaftlichen Studien im Bezug auf seine Wirkung auf die menschliche Gesundheit untersucht. Früher war man der Ansicht, dass Koffein und seine gebräuchlichste Darreichungsform, der Kaffee, ungesund sei und der Konsum minimiert oder ganz vermieden werden sollte. Aufgrund dieser Ansicht wurde Koffein von vielen Leuten als ein mit Zigaretten und Alkohol vergleichbares Laster angesehen.

In den letzten Jahren konnte jedoch durch Studien bewiesen werden, dass Koffein mehr positive als schädliche Wirkungen hat. Andere Studien haben gezeigt, dass Koffein eine effektive leistungssteigernde Substanz für viele Sportarten sein kann und dass Koffein den allgemeinen Gesundheitszustand und das persönliche Wohlbefinden verbessern kann. Eine Studie aus dem Jahre 2006 kommt sogar zu dem Schluss, dass Koffein dabei helfen kann, die Aktivitäten in der Horizontalen zu erhöhen.


Kaffee für mehr Sex?

Forscher der Southwestern University haben herausgefunden, dass Koffein Frauen in die Stimmung für Sex bringen kann. Laut Aussage der Forscherin Fay Guaracci, PhD, wurde bei weiblichen Ratten, die vor der Paarung eine Koffeininjektion erhalten hatten, festgestellt, dass sie nach dem ersten Paarungsakt bestrebt waren, die Paarung fortzusetzen. Laut Guaracci wollten diese Ratten erheblich früher wieder Sex mit den männlichen Ratten als die weiblichen Ratten, die kein Koffein bekommen hatten. Da dieses Grundverhalten für Ratten allgemein typisch ist, wurde die Motivation und die Geschwindigkeit, mit der die weiblichen Ratten mit und ohne Koffein zu den männlichen Ratten zurück kamen sorgfältig gemessen und dokumentiert.

“Die Ratte unter Koffeineinfluss kamen nach der ersten Paarung schneller wieder zu den Männchen zurück und blieben bei diesen, bis sie die gewünschte sexuelle Stimulation bekommen hatten,“ sagte Guaracci. Es wurde weiterhin festgestellt, dass diese weiblichen Ratten gezielt für Sex zu den Männchen zurück kamen und nicht nur der Gesellschaft wegen. Dies ging so weit, dass die koffeinbehandelten weiblichen Ratten die Gesellschaft anderer weiblicher Ratten mieden und gezielt aus sexuellen Motiven auf männliche Ratten zugingen.

Auch wenn diese Studie (Titel: Coffee, Tea and Me einen Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und gesteigerter sexueller Aktivität bei Ratten zeigen konnte, ist es vielleicht noch zu früh, Koffein als das nächste große Aphrodisiakum zu bezeichnen.

Laut Guaracci ist es noch zu früh, um eine Aussage darüber machen zu können, ob Koffein das Sexualleben der Durchschnittsfrau verbessern kann. Eine Einschränkung liegt z.B. in der Tatsache, dass bei der Studie eine einmalige Dosis Koffein an Tiere verabreicht wurde, die noch nie in ihrem Leben mit diesem Wirkstoff in Kontakt gekommen waren. In diesem Zusammenhang machte Guaracci den Vorschlag, dass Frauen, die nicht regelmäßig Koffein konsumieren, den gezielten Einsatz von Koffein vor dem Sex ausprobieren könnten. Guaracci sagte weiterhin, dass Untersuchungen bei Ratten mit regelmäßigem Koffeinkonsum mehr Klarheit zu diesem Punkt bringen könnte.

Man kann sich auch die Frage stellen, inwieweit das sexuelle Verhalten von Ratten auf das menschliche Sexualverhalten übertragbar ist, da es ja ganz offensichtlich große Unterschiede beim Sexualverhalten unterschiedlicher Säugetiere (zu denen ja auch der Mensch zählt) gibt. Laut Guaracci könnte eine Gemeinsamkeit in der Kontrolle liegen. „Die weiblichen Ratten scheinen beim Sex die Kontrolle zu übernehmen.“, sagte Guaracci.

Es scheint so, als ob sowohl in freier Wildbahn als auch im Labor die weiblichen Ratten darüber entscheiden, wann und wo die Paarung stattfindet.
Wie hoch wäre die Koffeindosis, die beim Menschen benötigt würde, um das sexuelle Verlangen zu steigern? Im Rattenexperiment wurden drei unterschiedlich Dosierungen (niedrig, mittel und hoch) eingesetzt. Laut Guaracci zeigte die mittlere Dosis die stärkste Wirkung, d.h. die Ratten, die diese Dosis erhielten kamen am häufigsten für Sex zurück zu den Männchen. Die niedrige Dosis entsprach ungefähr einem großen Latte Macciato bei Starbucks, welcher doch schon recht viel Koffein enthält. Wenn man die höchste Dosierung aus der Studie auf den Menschen übertragen würde, müsste man einige große Becher Kaffee auf einmal trinken, um diese Dosis an Koffein zu bekommen.

Diese Studie, welche in einer der nächsten Ausgaben von „Pharmacology, Biochemistry, and Behavior“ erscheinen wird, hatte das Ziel die chemischen Vorgänge und Strukturen im Gehirn von Säugetieren (inkl. Menschen und Ratten) zu erforschen, die bei der sexuellen Motivation eine Rolle spielen. Weitere Studien könnten neue Erkenntnisse über diese vielleicht bald beliebteste Anwendung bzw. Wirkung von Koffein bringen.


Koffein zur Förderung der Gesundheit?

Während die sexuell stimulierende Wirkung von Koffein noch weiterer Untersuchungen bedarf, wurden die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Koffein seit Jahren ausgiebig erforscht. Die Anzahl der Studien übersteigt die 19.000 und wächst ständig weiter. So können zwei der gravierendsten Erkrankungen unserer Zeit wahrscheinlich effektiv durch den verstärkten Konsum von Kaffee bzw. Koffein behandelt werden.

Forscher konnten zeigen, dass ein erhöhter Kaffeekonsum die Wahrscheinlichkeit an der Parkinsonschen Krankheit oder Diabetes zu erkranken deutlich reduzieren kann. Während einer Langzeitstudie bei der die Daten von 126.000 Personen über 18 Jahren analysiert wurden, berechneten Forscher der Harvard Universität, dass der Konsum von ein bis drei Tassen Kaffee täglich das Diabetesrisiko im einstelligen Bereich reduzieren kann.

Auch wenn an anderer Stelle häufig empfohlen wird, den täglichen Kaffeekonsum auf drei bis vier Tassen pro Tag zu beschränken um negative Auswirkungen auf die Gesundheit zu reduzieren, kommt die Harvard Studie zu einem anderen Ergebnis. Es konnte gezeigt werden, dass eine Erhöhung der Kaffeedosis auf sechs oder mehr Tassen pro Tag das Diabetesrisiko um 54% bei Männern und 30% bei Frauen reduzieren kann.
Auch das Risiko der Erkrankung an der Parkinsonschen Krankheit, einer unheilbaren fortschreitenden Nervenerkrankung, welche in der Regel ab einem Alter von 50 Jahren auftreten kann, konnte durch Koffein reduziert werden. Es gibt mindestens 6 Studien, die den regelmäßigen Koffeinkonsum mit einer Senkung des Parkinson Risikos um bis zu 80% in Verbindung bringen. Einige dieser Studien haben gezeigt, dass das Parkinson Risiko umso geringer wird, je mehr Kaffee man konsumiert.


Die Parkinsonsche Krankheit:

In Amerika erkrankt eine von 625 Personen an der Parkinsonschen Krankheit, wobei das Risiko einer Erkrankung mit zunehmendem Alter größer wird. Meist tritt dir Krankheit ab dem Alter von 55 Jahren auf. Die Symptome beginnen in der Regel bei den Extremitäten des Oberkörpers und sind zu Beginn der Erkrankung meist nur einseitig oder asymmetrisch vorhanden.

Auch Asthma und Kopfschmerzen können mit Koffein behandelt werden. Die einer großen Tasse Kaffee entsprechende Dosis Koffein befindet sich in einer Dosis der beliebten Schmerzmittel Anacin und Excedrin. Nach den Erkenntnissen italienischer Forscher kann Kaffee auch Karies vorbeugen. Trigonellin, die Komponente, die dem Kaffee sein Aroma und seinen bitteren Geschmack gibt, hat eine antibakterielle Wirkung und eine Antihaftwirkung, welche gegen Karies wirkt und die Anlagerung von Zahnbelag reduziert.


Warum ist Kaffee gut für die Gesundheit?

Die beobachteten gesundheitsfördernden Wirkungen des Koffeins wurden meist dann beobachtet, wenn Koffein in seiner gebräuchlichsten Form, nämlich Kaffee, konsumiert wurde. Man geht inzwischen davon aus, dass ein großer Teil der positiven Wirkungen des Kaffees von anderen Inhaltsstoffen als dem Koffein ausgehen. Die Insulinsensitivität (welche wichtig für die Vorbeugung von Altersdiabetes oder Diabetes vom Typ II ist) kann durch Chinin erhöht werden, welches im Kaffee enthalten ist.

Kaffee ist vollgepackt mit gesundheitsfördernden, freie Radikale bekämpfenden Antioxidatien. Man geht davon aus, dass der Durchschnittsamerikaner mehr Antioxidatien durch Kaffee zu sich nimmt als über den Rest seiner Nahrung. Antioxidatien verbessern und fördern den allgemeinen Gesundheitszustand und beugen Krebs, Herzkrankheiten und anderen Erkrankungen vor.

Die im Kaffee enthaltenen Wirkstoffe wie Antioxidatien, Chlorogensäure, Tocopherol und Mineralstoffe wie z.B. Magnesium sind besonders für die Diabetesvorsorge von Bedeutung, da all diese Stoffe die Insulinsensitivität verbessern. Für die Parkinson Vorbeugung hingegen ist das Koffein selbst die wirksame Substanz. Koffein ist in dieser Beziehung so wirksam, dass einige Antiparkinsonmedikamente aus diesem Grunde aus Koffeinderivaten hergestellt werden. Auch die leistungssteigernde Wirkung des Kaffees ist direkt auf das Koffein zurück zu führen.


Schlussfolgerung

Basierend auf den hier vorgestellten Forschungsergebnissen kann man davon ausgehen, dass Kaffee als ein sicheres und nicht gesundheitsschädliches Genussmittel eingestuft werden kann. Der Konsum mehrerer Tassen Kaffee pro Tag scheint der Gesundheit sogar zuträglich zu sein. Nachdem Kaffeekonsum früher als ungesundes Laster angesehen wurde, hat sich Kaffee im Laufe der letzten Jahre den Ruf eines gesunden Genussmittels mit positiven Auswirkungen verdient.

Die medizinische Forschung hat gezeigt, dass Kaffee mit all seinen Inhaltsstoffen eine Schlüsselrolle bei der Diabetes- und Parkinsonvorbeugung spielt. Auch die Rolle des Kaffees bei der sportlichen Leistungssteigerung, der Kariesprophylaxe und der Schmerzlinderung ist in der medizinischen Fachliteratur gut belegt. Nach neuesten Erkenntnissen könnte Kaffee sogar die Rolle eines Aphrodisiakums spielen, wobei es hier noch einiges an Forschungsbedarf gibt.

Aus all diesen Gründen könnte es eine gute Idee sein, Kaffee in seine tägliche Ernährung mit aufzunehmen. Kaffee zählt wohl zu den angenehmeren Möglichkeiten, die eigene Gesundheit zu verbessern.


Quellen

1 Anti-Aging Library. (2006). Caffeine: Sex Potion for Females? [ Online ]
2 Benedetti MD, Neurology, July 12, 2000; vol 55; pp 1350-1358.
3 Coffeesceince.org.(2006).
4 Disease fighting. [ Online ]
5 Frank Hu, MD, PhD, associate professor of nutrition and epidemiology, Harvard School of Public Health, Boston. Hu, F. Annals of Internal Medicine, January 2004; vol 140; pp 1-8
6 Guarraci, F. (2006). Pharmacology, Biochemistry and Behavior. Fay Guarraci, PhD, assistant professor of psychology, Southwestern University, Georgetown, Texas. News release, Southwestern University.
7 Schwarzschild MA, Chen J, Ascherio, A. Caffeinated clues and the promise of adenosine A(2A) antagonists in PD. Neurology 2002 58;8:1154-1160
8 Tomas DePaulis, PhD, research scientist, Vanderbilt University's Institute for Coffee Studies; research assistant professor of psychiatry, Vanderbilt University Medical Center, Nashville.
9 Terry Graham, PhD, University of Guelph, Canada.
10 Web MD.(2006). Coffee: The New Health Food? [ Online ]

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