Brusttraining für Frauen

Sollten Frauen ihre Brust trainieren?

Der Oberkörper steht bei den meisten Frauen nicht grade im Zentrum ihrer sportlichen Bemühungen. Die Brust wird neben dem ganzen Booty-Training häufig gleich ganz weggelassen. „Ich will doch keine sichtbaren Brustmuskeln haben!“, so die Überlegung dahinter. Und das ist durchaus nachvollziehbar. Aber spricht nicht vielleicht doch etwas für das Brusttraining als Frau?

Werden Brüste vom Brusttraining kleiner?


Räumen wir erstmal mit einem gängigen Vorurteil auf: Nein, die weibliche Brust wird vom Training der darunter liegenden Muskulatur nicht kleiner! Das eine hat mit dem anderen gar nichts zu tun. Es handelt sich hier um völlig verschiedene Gewebsarten.

Foto: Aliona Hilt

Der Eindruck ergibt sich wohl von den Bildern sportlicher Frauen, die häufig verschwindend kleine Brüste haben. Das liegt aber nicht an deren Muskelaufbautraining, sondern daran, dass sie zumeist einen unterdurchschnittlichen Körperfettanteil haben. Und da die Brust zu großen Teilen aus Fettgewebe besteht, wird sie mit dem KFA unweigerlich auch abgebaut. Ein weiterer Grund könnte sein, dass Frauen mit einem sportlichen Talent (in den meisten Sportarten) eher nicht zu einem Körpertyp neigen, der mit großen Brüsten gesegnet ist.

Die zusammengefasste „Entwarnung“: Durch eine ernährungsbedingte Senkung deines Körperfetts wird deine Brust sehr wahrscheinlich kleiner werden. Das ist der Preis, der für weniger Reiterhosen und Cellulite zu zahlen ist. Mit dem Training bzw. Muskelaufbau der Brust hat das aber überhaupt nichts zu tun. Die Angst vor weniger Oberweite sollte dem also nicht im Wege stehen

Brusttraining für ein schöneres Dekolletee?


Sehr gut entwickelte Brustmuskeln sind sogar in der Lage, die weiblichen Brüste ein Stück weit „zu pushen“ bzw. anzuheben, wodurch die optische Illusion einer größeren Oberweite entstehen kann. Bis das eintritt, muss allerdings schon ordentlich Muskulatur aufgebaut worden sein. Doch der Effekt ist existent und machbar!

Keine Angst vor der Männerbrust!


Und nein, du wirst auch nicht gleich aussehen wie Arnold Schwarzenegger mit Milchdrüsenaufsatz! Wie für jede Muskelgruppe gilt auch für die Brust: Als Frau bist du durch deinen Hormonhaushalt so im Aufbau limitiert, dass du nicht versehentlich und über Nacht riesige Muskelberge aufbauen wirst.

Um dir hier die Angst zu nehmen, schaue dir mal Bilder von Powerlifterinnen an, die teilweise dreistellige Kilobeträge im Bankdrücken bewältigen. Dir wird garantiert auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches an deren Brust auffallen. Auf den zweiten und dritten übrigens auch nicht.

Brusttraining gegen Winkearme


In vielen Brustübungen wie Dips, Liegestütze, beim Bankdrücken und seinen verwandten Übungen mit Kurzhanteln oder am Gerät ist auch der Trizeps involviert. Diesen gut in Schuss zu halten, ist garantiert allen Frauen ein Anliegen.
Der Trizeps macht zwei Drittel unseres Oberarmes aus und sollte der Schwerpunkt sein, wenn es dir um schöne, straffe Arme geht.
Leider wird er im Alltag kaum beansprucht und ohne gezieltes Training kommt es bei den meisten Frauen schnell zu den gefürchteten „Winkearmen“. Wer richtig Masse auf der Bank bewegt und eine nennenswerte Zahl sauberer Liegestütze schafft, kommt diesem Schönheitsfehler garantiert zuvor.

Brusttraining für mehr Grundkraft


Im Brusttraining wird häufig auch die vordere Schulter beansprucht. Das hat nicht nur optische Vorzüge, sondern hilft dir auch bei anderen Übungen wie Military Press, Kurzhantel-Schulterdrücken etc. weiter. In Abhängigkeit von Übung, Technik und individuellen Hebeln können auf der Rücken, Core usw. involviert sein.

Zudem wird bei allen schwer ausgeführten Mehrgelenksübungen das Nervensystem und dein Mental Game gefordert. Je nach Trainingsziel und –schwerpunkt kann sich Brusttraining allein aufgrund seiner Synergieeffekte lohnen.

Balance is the key


Generell sollte es der Selbstanspruch einer jeden Sportlerin sein, den gesamten Körper zumindest annähernd gleichmäßig zu trainieren. Das hat nicht nur etwas mit einem gewissen Ehrenkodex zu tun. Dysbalancen sind nie eine gute Sache. Sie können zu Haltungsschäden, Schmerzen und Verletzungen führen. Die Tatsache, dass viele Frauen zwar ihren oberen Rücken durchaus ernsthaft trainieren, die Brust aber völlig ignorieren, ist daher nicht gut.

Und apropos sportlicher Anspruch: Die McFit-Mitgliedskarte und Gymshark-Leggings am Start, aber nicht einen Liegestütz schaffen? Komm schon, das geht besser!

Brusttraining für Frauen – ein Fazit


Sollten Frauen also ihre Brust trainieren, und wenn ja, warum? Hier die Zusammenfassung:
  • Nicht Brusttraining führt zu kleineren Brüsten, sondern ein niedriger Körperfettanteil.
  • Eine gut trainierte Brustmuskulatur kann für mehr optisches Volumen sorgen und die Brust größer erscheinen lassen.
  • Die Angst vor riesigen Brustmuskeln ist unbegründet.
  • Brusttraining kräftigt auch andere Muskeln, darunter die weibliche Problemzone Trizeps, und verbessert die allgemeine Athletik.
Immer noch nicht überzeugt? Wie immer gilt: Du bist auch als Frau deines eigenen Glückes Schmiedin. Es wird niemandem negativ auffallen, wenn du das Brusttraining komplett streichst. Ich persönliche würde aber immer von einer bewussten Inkaufnahme derartig ungleichmäßiger Entwicklungen abraten.

Ein paar Sätze Brust pro Woche bringen niemanden um – und was den Männern Spaß macht, bereitet dir vielleicht ja auch überraschend viel Freude! Es ist dann auch völlig ok, den Trainingsschwerpunkt auf gesellschaftlich relevantere Körperteile zu legen. Du wirst schon wissen, was ich meine.

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