Helenes Blog

Gedanken nach Prag und Finnland

Warum nimmt man an einem Wettkampf teil? Steckt monatelang Energie, Zeit und Geld in eine Vorbereitung? Es ist die Herausforderung sich selbst zu schlagen. Zu sehen, was möglich ist und das Beste aus sich herauszuholen. Im Vordergrund sollte aber ganz klar die Leidenschaft dafür stehen. Dinge, die man nur halb angeht, werden nie 100 % erreichen und sind auch eher kurzweilig.

Der andere Punkt ist, man will ins Finale! Wenn man alles gegeben hat und man wirklich zufrieden mit der Form ist, jedoch keinen Finalplatz erreicht, ist das mehr als bitter. Man ist enttäuscht und irgendwo auch traurig. Klar, im Prinzip es geht um NICHTS. Das Thema hatte ich schon oft angeschnitten. Jedoch möchte man die Bestätigung auch irgendwo für sich selbst haben.

Mit der Form in Prag war ich mehr als zufrieden. Meiner Meinung nach war dies das beste Paket in 4 Jahren Wettkampfsport. Mir ist bewusst, dass das auch immer alles Geschmackssache ist. Leistungstechnisch bin ich zudem noch einmal ein Stück besser als im Vorjahr gewesen, was wiederum immer ein gutes Zeichen (gerade in der Diät) ist.


Wer kann schon sagen, dass er 1-week-out noch Bestleistungen in Freeletics abspult?! Bringt mir zwar auch keine Medaille, aber kopftechnisch ist das eine gute Bestätigung und dahingehend bin ich zumindest immer froh kein "Carbleerer Zombie" zu sein.
Nach der Mitteilung, dass man es nicht ins Finale geschafft hat, läuft man gefühlt gegen eine Glasscheibe. Ernüchterung tritt ein.
Danach fragt man sich "Warum?" und das Grübeln geht los. Woran lag es? Was will die Jury sehen? Wo schneidest du schlechter ab? Es werden Bilder und Videos geschaut und verglichen.

Der Faktor, dass ich mich selbst als zu unmuskulös empfinde, besteht irgendwie immer. Beine, Po, Rücken... ich sehe genug Baustellen. Trainiere ich nicht intensiv genug? Was müsste ich anders machen? Ist der Trainingsrhythmus, den wir eingeschlagen haben, effektiv genug?

Mit zunehmenden Trainingsjahren wird es nicht einfacher quantitative Muskelmasse aufzubauen. Und ich bin auch einfach nicht mehr der Typ dafür stumpf 5 bis 6 Tage die Woche Gewichte zu bewegen. Dafür ist mir das Spektrum, welches es an sportlichen Möglichkeiten gibt, zu groß. Hier wird der eine oder andere dann wieder einhaken und sagen, ja dann bräuchte ich mich ja auch nicht aufregen, dass ich nichts aufbaue. Die Diskussion hatte ich schon oft und viele denken immer noch, bei zu viel Bewegung verliert man alle Gainz. Selbst wiederum betreibt derjenige aber stundenlang exzessiv steady state Cardio. Da beißt die Maus keinen Faden ab.

Ganz klar muss ich bei mir sagen, dass mein Rücken im Vergleich zu den anderen Teilnehmerinnen schwach ausgeprägt ist. Oder ich stehe nicht optimal. Stichwort "Lat rausbekommen" fällt mir ohne Spiegel immer noch schwer. Dennoch ist die Rückansicht eine Ansicht von insgesamt vieren.
Dieses Jahr war ein mehr softerer Look gewünscht. Zumindest im Amateurbereich. Bei der Pro Show in Prag war es das komplette Gegenteil.
Die Frage ist nun, wie man zukünftig weitermacht. Mit dem Trend gehen? Ist der Trend vielleicht auch nächstes Jahr schon wieder ein anderer? Eine richtig klare Linie scheint es nicht zu geben und als Athlet ist es somit sehr schwer sich auf etwas einzustellen.

Die Frage, die ich mir darüber hinaus stelle, lautet: "Möchte ich mit dem Trend mitgehen?" Wenn ich erfolgreich sein will, MUSS ich das. Was bringt es mir, meiner Linie treu zu bleiben und dafür dann immer durchzurutschen?

Was ist aber, wenn ich dann dennoch schlecht platziert werde? Dann weiß ich, formtechnisch wäre mehr drin gewesen, habe mich aber versucht anzupassen. Schlechte Platzierung plus nicht so ganz zufrieden mit der Form wäre eine schlechte Kombination.

In Finnland verfolgten wir eine andere Strategie und kamen im softeren Look. Ich habe definitiv besser ins Bild gepasst, aber so richtig wohl fühlte ich mich nicht. Das Wissen, man könnte irgendwie besser (mein subjektives Empfinden und Geschmack) da oben stehen, bleibt.

Meine Fettverteilung ist zugegebenermaßen nicht die beste. Was so viel heißt wie, Oberkörper ist schnell fertig, nur die Beine hängen richtig nach und das Gesamtbild passt dann überhaupt nicht.
Leider habe ich da im Fettverteilungs-Topf etwas danebengegriffen.

Im Nachhinein stellt sich mir auch die Frage, ob ich zu hohe Erwartungen an mich selbst gestellt habe. Zu verbissen an die Sache herangegangen bin und mir damit zu viel Druck auferlegt habe. Bei der Deutschen Meisterschaft 2016 bin ich recht erwartungslos herangegangen und war wesentlich entspannter. Vielleicht war es die Aussicht, genauso gut abliefern zu müssen wie im Vorjahr oder eben daran anzuknüpfen.

Was ist also für kommende Wettkämpfe sinnvoll? Natürlich habe ich mir mit Frank bezüglich des Themas schon Gedanken gemacht. Vielleicht ist ein Jahr Pause mit Fokus auf Frühjahr- oder Herbstsaison 2019 denkbar. Aber wie es halt so ist, weiß ich, dass mir spätestens im Sommer nächsten Jahres die Finger kribbeln und das Feuer wieder brennt. Ich glaube, das Gefühl kennen auch nur Leute, die da richtig drinstecken. Und Hand aufs Herz: Jünger werde ich nun auch nicht mehr.

Foto: Helene Fiedler

Nach einigen Wochen Abstand vom Wettkampfgeschehen sieht man das Ganze auch etwas rationaler. Im ersten Moment ist man ja doch sehr emotionsgeladen. Man merkt schon, dass irgendwo persönlicher Druck wegfällt. Keiner stellt ja Forderungen an einen, zu gewinnen. Das tue nur ich an mich selbst. Zumal auch viele nach ein paar Wochen eh nicht mehr wissen, welchen Platz X ich auf der Meisterschaft Y gemacht hatte. Ich glaube, einem Großteil ist das auch relativ egal.

Für mich heißt es jetzt erst einmal Ausdiäten und einen neuen Plan schmieden, bis es wieder um den Kampf um den Einzug ins Finale geht.

Bis dahin
Sportliche Grüße
Eure Helene

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