The Booster Evolution

Die Geschichte der Pre-Workout-Booster

Booster gehören vermutlich zu den beliebtesten Supplementen in Bodybuildingkreisen, was sich nicht nur anhand der Vielzahl an Anbietern und Produkten, die um Käuferschaften werben, festmachen lässt. Sie werden als Spaß-Supplemente bezeichnet, geraten hin und wieder in die Kritik und durchlaufen, wie es scheint, einer gewissen Veränderung über die Zeit. Der folgende Artikel soll die Geschichte der Pre-Workout-Booster unter die Lupe nehmen.

Foto: Matthias Busse

Bodybuilding und Booster – keine Geschichte der Neuzeit!

Auch wenn man vermuten könnte, dass die Geschichte der Pre-Workout-Booster mit einem Produkt wie Jack3D begonnen werden sollte, sind Stimulanzien rund um das Training herum keine Erfindung der letzten Jahre, wie Conor Heffernan es in seinem 2017 erschienenen Artikel A History of Pre-Workout Supplements darstellte. Auch wenn Bodybuilding-Pioniere wie Eugen Sandow oder Georg Hackenschmidt selbst auf Kaffee verzichtet haben sollen, war Koffein bereits damals aufgrund seiner stimulierenden Wirkung ein beliebtes Mittel, um die Trainingsleistung zu verbessern.

Auch Arnold Schwarzenegger und Frank Zane sollen regelmäßig zum schwarzen Heißgetränk gegriffen haben. Noch weiter trieb es jedoch Sergio Oliva. Die amerikanische Seite Greatestphysiques.com beschreibt auf ihrem Sergio Oliva Profil, dass dieser während des Training ständig eine Thermoskanne mit heißem Kaffee bei sich getragen haben soll. Als Begründung habe Sergio angegeben, dass dieser ihm Energie böte und gleichzeitig schwitzen ließe.

Während Koffein somit als Vorreiter der Stimulanzienbooster betrachtet werden kann, sind auch Pump-Booster keine neue Errungenschaft. Vince Gironda war nicht nur für eine Vielzahl spezieller Trainingsübungen wie Sissy Squats oder Gironda Dips bekannt, sondern beschritt auch im Ernährungsbereich für die damalige Zeit ungewohnte Wege. Neben einer kohlenhydratreduzierten und proteinbetonten Ernährung, der Eier und Fleisch als Basis dienten, nutzte Gironda auch eine Vielzahl an Supplementen.

Vince entstammte der Goldenen Bodybuildingära, in der der Pump ein vielbeachteter Faktor im Training war, wie jeder anhand Arnold Schwarzeneggers Zitat aus Pumping Iron bezüglich the greatest feeling in the gym nachvollziehen kann. Während die meisten Menschen jedoch vermutlich in erster Linie Lebertabletten mit Vince Gironda in Verbindung brachten und Schwarzenegger und Co. gerne auch mal zu Whisky für einen gesteigerten Pump auf der Bühne nutzten, soll Vince regelmäßig zu Vitamin B3, auch bekannt als Nicain, gegriffen haben.

Dieses sorgt für den sogenannten Niacin Flush, bei dem die Haut gerötet ist und ein Hitzegefühl entsteht. Der Flush entsteht bei deutlichen Überdosierungen und ist eher als Nebenwirkung zu verstehen, die in pharmazeutischen Präparaten mit Niacin-Anteil durch die Kombination von Flush-Blockern verhindert wird. In Deutschland eher weniger verbreitet, wird der Nutzen dennoch auch heutzutage noch auf amerikanischen Seiten besprochen. In diesem Zusammenhang sei jedoch auch gewarnt: Während Dosierungen von ca. 500 mg das beschriebene Flush Syndrom mitsamt erhöhter Durchblutung auslösen, können noch höhere Dosierungen gesundheitlichschädlich wirken, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung ausgiebig warnt.

Auf den ersten Bodybuilding-Pre-Workout-Booster musste die Welt jedoch noch ein wenig warten, bevor Ultimate Organe 1982 das Licht der Welt erblickte.

Ultimate Organe: Die Mutter aller Pre-Workout-Booster

Der Ur-Steroid-Guru Dan Duchaine brachte nicht nur das Original Underground Steroid Handbook heraus, sondern mischte auch in der Gründerzeit der Supplementeindustrie kräftig mit. Ebenso wie andere Personen, die ursprünglich im Steoridbereich zu Hause waren, schwenkte er um, da mit dem Verkauf legaler Supplemente mehr Geld als mit Schwarzmarktpräparaten zu verdienen war, während man jedoch seine Produkte weiterhin an dieselbe Käuferschaft vertrieb. Entsprechend fließend waren zum Teil die Grenzen erster Produkte auf dem Supplementemarkt, wie die Geschichte der Supplementeindustrie eindrucksvoll zeigte.
Das 1982 auf den Markt gebrachte Ultimate Orange versprach mehr Energie, einen größeren Fokus und ein verbessertes Trainingsgefühl. Schlagwörter, die auch über 30 Jahre später in keiner Beschreibung fehlen dürfen.
Das Problem an Ultimate Orange war jedoch, dass die Nutzer sich diese Wirkung nicht nur einbildeten, sondern der Zusatz von Ephedrin ursächlich zu sehen war und zu Herzattacken bei gesunden Männern und Frauen geführt haben soll.

Dennoch etablierte Dan mit seinem Produkt die Philosophie der Pre-Workout-Supplemente. Die Jagd nach Leistungssteigerung, mehr Kraft und erhöhter Intensität brachten uns in den folgenden Jahren inzwischen etablierten Produkte wie Creatin für die Kraft oder Arginin und Citrullin für den Pump. Diese Entwicklung geschah jedoch nicht von heut auf morgen.

Obwohl bereits lange vor den 80er-Jahren die leistungssteigernde Wirkung von Creatin nachgewiesen wurde, findet man selbst zum Ende der 80er keine Werbung für entsprechende Supplemente in den Sportzeitschriften. Die bunten Anzeigen wurden von Proteinpulvern und Aminosäurenprodukten, die jedoch allesamt auf Muskelaufbau abzielten, dominiert. Sei es in Pulverform oder in Form von Produkten wie Seapower, das Bierhefe Extrakt mit gefriergetrocknetem Muskelfleisch kombinierte.

Foto: Werbeanzeige aus den 90er Jahren / Archiv von Frank-Holger Acker

Unmittelbar für das Training wurden zu dieser Zeit in erster Linie Produkte wie Muscle Fluids oder Sweet Sweat in Deutschland beworben. Diese wurden von außen auf die Haut aufgetragen und sollten so aufgrund der Wärmeentwicklung die Durchblutung der Muskulatur fördern und damit die Leistung steigern. Ein Effekt, wie man ihn heutzutage auch von Finalgon oder rotem Tiger Balm kennt.

Foto: Werbeanzeige aus den 90er Jahren / Archiv von Frank-Holger Acker

Die 90er: Creatin und Colostrol

Erst in den 1990er etablierte sich Creatin als kraftsteigerndes Supplement auch in den Bodybuildingkreisen, wobei die Entwicklung zögerlich vonstattenging. Suchte man 1992 noch vergeblich in Bodybuildingzeitschriften nach Anzeigen oder Informationen zum weißen Pulver, änderte sich dies drei Jahre später langsam.

Gemäß einer Werbeanzeige aus dem Jahr 1995 behauptete Hi Tec Nutrition von sich selbst als erste Firma der Welt Creatin Monohydrat auf den Supplementemarkt gebracht zu haben. Laut anderer Quellen soll eine kleine Firma namens EAS das Neuland betreten haben. Egal wer aber Creatin auf die Supplementeinkaufsliste brachte: Als Pre-Workout-Supplemente wurden Kraft- und Schnellkraftsteigerung versprochen und auch heute noch eher bekannte Hersteller wie Multipower schalteten bereits Anzeigen.
Schon damals wurde mit Ergebnissen wissenschaftlicher Studien geworben, die die Seriosität der Werbeversprechen unterstreichen sollten.
Dazu muss man sagen, dass dies eine Zeit lange vor der European Health Claims war, die die Bewerbung von Supplementen inzwischen stark einschränken, so dass neben Creatin auch weitere Produkte für den ambitionierten Bodybuilder an den Mann gebracht werden sollten.

Aminosäuren wurden in Kanülen angeboten, die optisch vermutlich bewusst an etwas ganz anderes erinnerten, bunte wissenschaftlich-anmutende Grafiken ergänzten die bereits in den 80er Jahren beworbenen Kohlenhydratpulver und mit Produkten wie demMetabolic Activator und MCT Power sollten bereits 1990 MCT-Fette als "einzigartige Energiequelle, die als Fett gespeichert werden kann", zugeführt werden.

Foto: Werbeanzeige aus den 90er Jahren / Archiv von Frank-Holger Acker

Ein anderes Phänomen waren Kolostrum-Präparate. Dabei handelt es sich um die Muttermilch der ersten Tage nach der Geburt eines Kindes. Diese Milch ist fettärmer und enthält unter anderem Enzyme und Antikörper in deutlich größerer Menge, um Kinder bzw. Jungtiere zu stärken. Während Kolostrum in Deutschland zur Zeit keine Rolle auf dem Supplementemarkt spielt, was auch aufgrund der werbebeschränkenden Vorgaben der Health Claims liegen mag, ist das Produkt beispielsweise in Australien immer noch verbreitet. Das erfolgreiche Abschneiden der Australischen Olympiamannschaft im Jahr 2000 in Sydney wurde beispielsweise der Verwendung von Kolostrum zugeschrieben.

Pump-Supplemente waren dagegen auch noch Mitte der 90er kein Thema. Voluminöse Muskeln wurden durch das Training stimuliert, so dass Trainingsartikel wie beispielsweise das Durchblutungsprinzip den Pump fördern sollten. Und während die Aminosäure Arginin heutzutage in fast keinem Booster fehlen darf und gedanklich fest mit dem Thema verbesserter Pump verbunden ist, wurde noch 1995 in Bodybuildingzeitschriften lediglich die erhöhte Freisetzung von Wachstumshormonen propagiert. Vom Pump-Thema gab es keine Spur. Vielmehr konzentrierte sich die Industrie weiter auf das weiße Gold.

Muscletech kombinierte mit Cell Tech erstmals Creatin Monohydrat mit Dextrose. Die Geburtsstunde der Creatin Matrix Produkte, denen mit den Jahren weitere Creatin-Formen folgten. Während Abwandlungen wie Creatin Ethyl Ester (CEE) oder Creatin Malat heutzutage weniger im Käuferfokus stehen, hat zumindest Kre-Alkalyn noch heute eine solide Fanbase. Dennoch wuchs der Supplementemarkt, was Produkt- und Anbieteranzahl anging. Die Wahl, dieselben Produkte wie alle anderen anzubieten, oder etwas vermeintlich Neuartiges bieten zu können, ließ die Entwicklung der Pre-Workout-Supplemente schneller voranschreiten, als in der gesamten Zeit zuvor.

Arginin oder besser Arginin AKG (AAKG) läutete schließlich doch das Pump-Supplement-Zeitalter ein, wobei erst Anfang der 2000er mit No-Xplode von BSN ein klassischer Pre-Workout-Booster veröffentlicht wurde, wie wir ihn heute verstehen würde. BSN sicherte sich damals niemand geringeren als Ronnie Coleman als Werbefigur, so dass No-Xplode zum großen Verkaufsschlager wurde und viele Firmen die Zusammenstellung des Boosters für eigene Produkte mehr oder weniger genau nachahmten.


Der Hype um Pre-Workout-Booster, wie wir ihn ein paar Jahre später erleben sollten, war jedoch noch lange nicht in der Form aufgekommen. Vielleicht liegt es daran, dass es sich immer noch lediglich um die Kombination bereits bekannter Stoffe wie Koffein, Kreatin und Aminosäuren handelte, die mehr oder weniger gezielt und häufig bereits jahrzehntelang von Bodybuildern genutzt wurden. Was auch immer der Grund gewesen sein mag, 2005 sollte eine neue Zeitrechnung beginnen.

2005: Jack3D läutet ein neues Zeitalter ein

Der Begriff Game Changer beschreibt neu eingeführte Elemente oder Faktoren, die die bestehende Situation auf eine signifikante Art und Weise verändern. Für Pre-Workout-Booster war der Game Changer ohne Frage DMAA (1,3-Dimethylamylamin), das bereits wenige Jahre später seinen Weg auf Anti-Doping-Listen finden sollte.

Doch während DMAA heutzutage mit dem 2005 veröffentlichen Booster Jack3D gedanklich in Verbindung gebracht wird, war es eigentlich ein gewisser Patrick Arnold, der DMAA in Form von Pillen und eines Getränks auf den Supplementemarkt brachte. Im Gegensatz zu Jack3D, der eine ganze Pre-Workout-Booster-Bewegung ins Rollen brachte, wurden Patrick Arnolds Produkte allerdings unterschiedlich wahrgenommen und hatten nur begrenzten Erfolg – ganz anders als Jack3D.

Dessen Originalrezeptur enthielt neben den bereits angesprochenen Creatin, AAKG und Koffein, ein Beerenextrakt, Beta Alanin und schließlich das hochwirksame DMAA. Diese ursprünglich zur Linderung von Beschwerden im Nasen-Rachen-Bereich entwickelte Substanz wurde von 1940 bis 1983 in Nasensprays verwendet, bevor die Genehmigung dafür zurückgezogen wurde.

Schon damals wies das Produkt allerdings gewisse Nebenwirkungen auf. Gesteigerte Euphorie und Konzentrationsfähigkeit sind genau die Punkte, die es für Bodybuilder und Kraftsportler als Teil von Pre-Workout-Boostern interessant machte. Bis 2012 wurde es in über 200 Nahrungsergänzungsmitteln eingesetzt, was die Bedeutung für den Supplementemarkt nochmals verdeutlicht.

Die Bezeichnung auf den Pre-Workout-Boostern war dabei nicht immer so eindeutig. Oftmals wurde DMAA unter dem Begriff geranium oil auf der Inhaltsliste aufgeführt, was nicht grundlos geschah: Als vermeintlich natürliche Substanz konnte DMAA in den USA als Nahrungsergänzungsmittel eingesetzt werden, ohne dass die Sicherheit in Studien nachgewiesen werden musste. Jonas Meissner rechnete jedoch mit Hilfe einer ausführlichen Studienauswertung vor, dass eine natürliche Herstellung von DMAA aus Geraniumöl unrentabel gewesen wäre. Es wird sich also um synthetisches DMAA gehandelt haben.

Unabhängig davon, ob natürlich oder unnatürlich, wurde DMAA 2010 von der WADA verboten, wobei es als Methylhexanamin der Gruppe der S6-Substanzen zugeordnet wurde. Dabei handelt es sich um Stoffe, die im Rahmen eines Wettkampfes nicht eingenommen bzw. im Körper nachweisbar sein dürfen, jedoch während Trainingsphasen erlaubt sind.

Dies wurde 2017 GNBF-Athlet Daniel Hering zum Verhängnis, der aufgrund der Einnahme von Methylhexanamin für 7 Jahre vom Verband gesperrt wurde. Gemäß eigener Aussage habe er wenige Tage vor dem Wettkampf einen Pre-Workout-Booster eines anderen Sportlers aus dem Studio zu sich genommen, wobei von einer Nachweiszeit von bis zu vier Tagen ausgegangen werden kann.


Hardcore-Booster in der Tradition von Jack3D

Mit der Aufnahme auf die Anti-Dopingliste wurde aber auch der Anfang vom Ende von DMAA und damit dem wohl berühmtesten Pre-Workout-Booster der Geschichte eingeläutet: Im Sommer 2012 verbot die EU den Stoff DMAA und ein Jahr später folgte schließlich 2013 auch das Verbot in den USA, was die Jagd nach der neusten, besten und effektivsten Stimulanziensubstanz eröffnete. DMAA folgte das schnell ebenfalls verbotene DMBA.

Weitere Stimulanzien wie Synephrin fanden ihren Weg auf den deutschen Supplementemarkt, am effektivsten gestaltete sich aber wohl das 2016 eingeführte DMHA, das auch in zuletzt in Deutschland aggressiv beworbenen Hardcore-Boostern enthalten war. Die chemische Bezeichnung von DMHA lautet 1,5-Dimethylamylamin und wer bis hierhin aufgepasst hat, wird feststellen, dass die Struktur dem DMAA sehr ähnlich ist.
Allen genannten Methylhexanaminen gemeinsam ist die teils unterschiedlich starke Wirkung, so dass je nach Sensibilität für die Stimulanzien mit den Hardcore-Booster auch das berühmte Extra-Skope entstand, da Anwender streng genommen nur an der Wirkung der Stimulanzien interessiert waren.
Alle restlichen Zutaten waren für manch Endverbraucher nur Füllstoffe oder so gering dosiert, dass tatsächlich ein Extra-Skope für eine potentielle Wirkung notwendig wurde.

Neben der pushenden Wirkung von DMHA setzen vereinzelt Hersteller in den letzten Jahren auch auf DMAE (Dimethylaminoethanol-Bitartrat), das wiederum ein Alkohol (Ethanol) und kein Methylhexanamin ist. Dieser Wirkstoff soll insbesondere den Fokus verstärken, wird in üblichen Hardcore-Boostern aber ebenfalls mit Synephrin und / oder Koffein als Stimulanzien kombiniert.

Jack3D veränderte das Verständnis von Pre-Workout-Boostern und gezielter Trainingsmotivation einer ganzen Generation. Gut ein Dutzend Jahre nachdem der DMAA-Booster das Licht der Welt erblickte muss man sich jedoch die Frage stellen, ob Hardcore-Booster ihren Zenit überschritten haben und ihr erfolgreichstes Jahrzehnt bereits durchlebten.

Back 2 Pump: Umdenken im Booster-Sektor?

Die Wirkung von Hardcore-Boostern mit einer Form von Methylhexanaminen ist nicht nur stärker als die anderer Pre-Workout-Booster, sondern sogar so stark, dass sie der Droge Amphetamin ähnelt. So verwundert es vielleicht auch nicht, dass bereits 2012 die ersten Anwendungen von Pre-Workout-Boostern als Alkoholersatz im Internet diskutiert wurden und Booster-Vortrinken sowie diverse Fitness-Youtuber, die genau dieses Verhalten propagierten, folgten. Doch keine starke Wirkung ohne Nebenwirkung:

Aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit zu Amphetamin kann es passieren, dass durch die Polizei durchgeführte Drogentests positiv ausfallen. Dies sollte mittels Blutprobe zwar aus der Welt geschafft werden, aber bedeutet dennoch Stress und Unannehmlichkeiten beim Führen von Kraftfahrzeugen im öffentlichen Verkehrsraum.

Für die meisten Sportler aber vermutlich interessanter ist die negative hormonelle Wirkung, auf die ich bereits 2016 im Rahmen eines Artikels mit dem Titel Warum dich Trainingsbooster fett machen hinwies. Die stark pushende Wirkung von Hardcore-Boostern in der Tradition von Jack3D gehen nicht nur mit kurzfristigen Adrenalienanstiegen einher, sondern führen anschließend zu ungewünschten Cortisolausschüttungen. Diese haben nicht nur eine appetitbremsende Wirkung, sondern sorgen auch für ein Überangebot an Nährstoffen im Blut. Wer in dieses Szenario, ohne zu zögern, nach dem Training seinen mit Kohlenhydraten getränkten Post-Workout-Shake schüttet, arbeitet langfristig an Diabetes und fördert kurzfristig im schlechtesten Fall die Lipogenese.

Wäre all das nicht genug, folgt der kalte Entzug schneller als einem lieb ist und die Bedeutung des Wortes Booster Crash wird vermutlich den meisten Trainierenden der heutigen Generation bekannt sein, wenn sie regelmäßig zu Hardcore-Boostern greifen. Diese Abgeschlagenheit, nachdem die Wirkung des Hardcore-Boosters nachlässt, kann bis hin zu depressionsartigen Gefühlslagen führen, was immer mehr Sportler zum Umdenken anregt. Und die Hersteller reagieren.

Ein bekannter, dem Crossfit sehr naher Supplementhersteller wirbt seit einiger Zeit mit einem, wie er selbst sagt, cleanen Booster, der ganz bewusst auf Stimulanzien verzichtet und damit auch zu keinem Crash führt. Mitte Januar legten dann auch Peak und ESN nach, die zusätzlich zu ihrem bestehenden Sortiment nun jeweils einen reinen Pump-Booster auf den Markt brachten. Während Peak neben Taurin große Mengen von Citrullin und verschiedene Arginin-Formen in Rennen schickt, bei denen es fraglich ist, ob die vollständige Aufnahme überhaupt möglich ist bzw. die Mengen einen Mehrwert bieten, setzt ESN auf die Kombination verschiedener Pfade auf dem Weg zum optimalen Pump. Citrullin, Arginin und Taurin werden durch Ornithin und insbesondere GlyceroMax ergänzt.

Foto: Pump-Booster von ESN

Im Gegensatz zum selbsternannten cleanen Booster verzichten die neusten Produkte von Peak und ESN jedoch selbst auf Koffein als stimulierende Substanz. Das macht sie nicht nur für Sportler interessant, die unmittelbar nach dem Training schlafen gehen wollen, sondern macht sie damit tatsächlich zu reinen Pump-Booster. Ob damit 2018 ein neues Kapitel der Geschichte der Pre-Workout-Booster aufgeschlagen wird, muss die Zeit zeigen...

Hinweis: Der Autor dieses Artikels ist seit über 20 Jahren sportlich aktiv und bestritt erfolgreich Wettkämpfe unter anderem im Bodybuilding, KDK und Strongman. Für Team Andro hat er in den letzten fünf Jahren insgesamt 16 verschiedene und kostenlose Trainings- und Ernährungsprogramme konzipiert und betreut. Eine Übersicht findest du auf seiner Seite Become-fit.de.

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