Glutamin: Die Krönung der Supplements?

Ein Artikel von Bodybuilding.com
von David Robson

Glutamin, eine nichtessentielle Aminosäure, hat sich unter Bodybuildern den Ruf als die Königin unter den Aminosäuren verdient. Ist dieser Ruf gerechtfertigt? - Dieser Artikel wird einen genaueren Blick auf die Forschung bezüglich Glutamin werfen und versuchen genau zu bestimmen, was es bewirkt und warum viele Bodybuilder seine Effizienz so hoch bewerten.

Was ist Glutamin und was bewirkt es?

Glutamin macht zwei Drittel der in freier Form in der Muskulatur vorliegenden Aminosäuren aus und das meiste des Glutamins, welches sich im Blutkreislauf befindet, wird in den Muskeln und Organen hergestellt. Glutamin wird verdaut und in den Verdauungsorganen chemisch verändert und kann somit nicht direkt aus der Nahrung aufgenommen werden. Stattdessen ist es wahrscheinlich am besten, es zu supplementieren, doch dazu später mehr.

Ausgangsstoffe für die Glutaminsynthese beinhalten viele der Aminosäuren, insbesondere die verzweigtkettigen Aminosäuren. Dies unterstreicht die wichtige Bedeutung einer direkten Aminosäurezufuhr und des Verzehrs qualitativ hochwertiger, proteinreicher Nahrungsmittel, aus welchen diese Aminosäuren extrahiert werden können. Die direkte Einnahme von Glutamin in seiner L-Aminosäureform spielt jedoch eine einzigartige Rolle beim Muskelaufbauprozess. In den Achtzigern fanden Wissenschaftler heraus, dass die intramuskulären Spiegel freien Glutamins und die Proteinsyntheserate miteinander in Verbindung stehen(1).

Mit anderen Worten gesagt, bedeutet dies, dass das Muskelwachstum umso schneller vor sich geht, je höher der Spiegel freien Glutamins innerhalb der Muskulatur ist. Weiterhin kann ein Anschwellen der Muskelzellen als Reaktion auf eine Glutamineinnahme den Muskelanabolismus verstärken. Die Theorie besagt, dass Wasser, Ionen und Aminosäuren in die Zellen gelangen können, wenn die Serumglutaminspiegel hoch sind.

Es wird angenommen, dass der hierauf folgende Zustand zellularer Hydration die Zellwachstumsrate beeinflusst. Voluminisierte Zellen wirken nicht nur größer und ermöglichen einen besseren Pump, sondern unterstützen auch die Proteinsynthese. In der Tat kann ohne adäquate Glutaminspiegel die Proteinsynthese nicht stattfinden. An dieser Stelle sei daran erinnert, dass ein Überschuss an freiem Glutamin vorhanden sein muss, damit irgendeiner der hier beschriebenen Vorgänge stattfinden kann. Die Kernaussage ist, dass man seine Muskelglutaminspiegel so hoch wie möglich halten sollte.

Es gibt noch weitere Vorteile eines hohen Glutaminstatus: Neben der Verwendung zum Aufbau von Protein liefert Glutamin auch Stickstoffatome für Enzyme, welche stickstoffreiche Moleküle wie DNA Basen und Aminosäuren herstellen. Ein hoher Glutaminstatus kann in der Tat zur Herstellung anderer Aminosäuren und DNA Basen führen. Glutamin wird den Muskeln zugeführt, wenn Stickstoff (ein Nebenprodukt des Proteinstoffwechsels) in den Zellen benötigt wird. Bodybuilder benötigen eine kontinuierliche Stickstoffzufuhr, um eine positive Stickstoffbilanz aufrecht zu erhalten, und ein anaboles Umfeld, um kontinuierliches Muskelwachstum zu schafften.

Glutamin agiert außerdem als wirkungsvoller Ammoniak-"Fänger". Ammoniak ist eine auf die Muskelzellen stark toxisch wirkende Substanz. Glutamin ist dazu in der Lage, Ammoniak aus dem Körpergewebe zu entfernen, da es im Gegensatz zu anderen Aminosäuren, die nur ein Stickstoffatom besitzen, zwei Stickstoffatome besitzt. Diese zwei Stickstoffatome ermöglichen es dem Glutamin auch den Muskeln Stickstoff zuzuführen – also genau das, was ein Bodybuilder möchte.

Glutamin erhöht zudem die Fähigkeit des Körpers Wachstumshormone (HGH) auszuschütten. Wachstumshormone unterstützen die Verstoffwechslung von Körperfett und helfen bei der Unterstützung des Wachstums neuen Muskelgewebes. Schließlich kann Glutamin in der Leber zum Zwecke der Herstellung von Glukose verstoffwechselt werden und so de Glykogenspeicherung in der Muskulatur fördern(2). Dies ist ein weiterer Grund, warum ein hoher Glutaminstatus wichtig ist.

Während des Trainings oder anderer Zeiten stoffwechseltechnischer Belastung ist der Glutaminbedarf deutlich erhöht(3). Glutamin kann die Proteineinbehaltung und die Stickstoffbilanz signifikant verbessern, wenn Mikrotraumata als Folge intensiven Trainings auftreten.

Interessanterweise wird Glutamin seit Jahren in der Notaufnahme bei Patienten eingesetzt, deren Körper sich aufgrund von traumatischen Ereignissen in einem belasteten, katabolen Zustand befinden. - In dieser Situation entzieht der Körper den Muskeln Glutamin, um sich um dringlichere Probleme wie Herz- und Leberversagen kümmern zu können. Um einen Muskelabbau zu verhindern, werden diesen Patienten hohe Dosen Glutamin verabreicht. In gewissem Maße geschieht dasselbe bei Bodybuildern, die ihre Muskeln der Belastung durch das Training aussetzen. Hieraus resultiert der Bedarf für hohe Glutaminspiegel. Glutamin ist weiterhin essentiell für die Behandlung von AIDS und des chronischen Müdigkeitssyndroms.

Glutamin in Kürze

  • Beugt dem Muskelkatabolismus vor
  • Fördert den Muskelanabolismus
  • Erhöht die Stickstoffeinbehaltung
  • Verbessert die Funktion des Immunsystems
  • Steigert de Glykogenspeicherung
  • Erhöht die Wachstumshormonausschüttung
  • Unterstützt die Aufrechterhaltung des Säure/Basen Gleichgewichts des Körpers
  • Fördert die Gesundheit des Magen-Darm-Trakts
  • Unterstützt die Wundheilung
  • Hilft beim Fettabbau und der Erhaltung des Muskelgewebes

Spezifische Folgen des Trainings auf den Glutaminstatus

Die Verwendung von Glutamin im Körper wird über vier Pfadwege gesteuert. Ein vierfacher, länger andauernder Angriff auf die Glutaminreserven des Körpers erfolgt durch die synergistische Wirkung dieser vier Pfadwege.
  1. Die Kortisolausschüttung steigt exponentiell mit steigender Trainingsintensität an. Hierdurch wird der Glutaminbedarf der inneren Organe gesteigert und dies bewirkt eine Beschleunigung der Glu
  2. taminentnahme aus dem Blutkreislauf. Kortisol fördert den Glutaminabbau in der Leber, wodurch die Glutaminspiegel im Blut weiter sinken.
  3. Das Training steigert die körperliche Kohlenhydrataufnahme. Dies verursacht in der Regel einen Abfall des Blutzuckerspiegels und des Insulinspiegels. Hierdurch kommt es zur Glykogenneogenese, bei welcher die Leber Aminosäuren, insbesondere Glutamin, in Glukose umwandelt.
  4. Beim Training mit Gewichten entsteht als Nebenprodukt anaerober Stoffwechselvorgänge Milchsäure. Diese Milchsäure gelangt ins Blut und führt zu einer Übersäuerung des Blutes, was für das Muskelbrennen am Ende eines Trainingssatzes, der bis zur Erschöpfung fortgeführt wurde, verantwortlich ist. Der PH Wert des Blutes (der PH Wert gibt an, wie sauer oder basisch ein Medium ist, wobei ein PH Wert von 1 für den sauersten und ein PH Wert von 14 für den basischsten oder alkalischsten Zustand stehen) fällt durch die Milchsäure, was wiederum von den Nieren wahrgenommen wird. Diese werden hierdurch dazu gezwungen Glutamin aus dem Blut abzuziehen um den Blut PH Wert und damit das Säure / Basen Gleichgewicht wiederherzustellen.
  5. Training aktiviert das Immunsystem und das Immunsystem verwendet Glutamin als Energiequelle, wodurch die Glutaminreserven weiter erschöpft werden.

Glutaminquellen

Glutamin befindet sich in vielen proteinreichen Nahrungsmitteln wie Milchprodukten, Fisch, Rindfleisch und Bohnen. Die Einnahme eines glutaminreichen Proteinsupplements in Verbindung mit Kohlenhydraten nach dem Training sollte ausreichen, um den Glutaminstatus de Körpers aufrecht zu erhalten(4).

Noch besser ist jedoch die Einnahme eines Glutaminsupplements für sich alleine. Studien haben gezeigt, dass, wenn die Glutaminproduktion nach dem Training ausreichen ist, Muskelglutamin seine Aufgaben effektiver erfüllen kann(5). Dies ist gleichbedeutend mit einer verbesserten Proteinsynthese.

Eine erwähnenswerte Tatsache ist, dass durch das Kochen ein Großteil des in der Nahrung enthaltenen Glutamins zerstört wird. Roher Spinat und Petersilie sind eine bessere Wahl als Glutaminquellen. - Glutamin in Form von Supplements ist der beste Weg, um die Muskeln mit dieser wichtigen Aminosäure zu sättigen. Glutaminsupplements sollten hierbei am besten auf nüchternen Magen eingenommen werden. Weiterhin ist es wichtig Glutamin trocken zu lagern, da es ansonsten zu Pyroglutaminsäure umgewandelt wird.

Die empfohlene Dosierung liegt bei fünf Gramm pro Tag. Es empfiehlt sich jedoch mit unterschiedlichen Dosierungen zu experimentieren, um die ideale persönliche Dosis herauszufinden, da allgemeine Empfehlungen auf dem Durchschnittsbürger beruhen. Bezüglich einer toxischen Wirkung braucht man sich auch bei einer sehr hohen Glutaminzufuhr keine Gedanken zu machen, da Glutamin in keiner Dosierung schädliche Nebenwirkungen besitzt.

Schlussfolgerung

Glutamin, eine nichtessentielle Aminosäure, ist für das Muskelwachstum essentiell. Im Licht der unterstützenden wissenschaftlichen Untersuchungen und seiner großen Popularität scheint Glutamin eine lohnende Ergänzung des Supplementarsenals eines jeden Bodybuilders darzustellen.



Referenzen

  1. NHLBI, National Institutes of Health, Bethesda, Maryland. (2001). The story of Glutamine Synthetase Regulation: Journal of Biological Chemistry: 276 44357-44364.
  2. Van Hall et al (2000) The Effect of Free Glutamine and Peptide Ingestion on the Rate of Muscle Glycogen Resynthesis in Man, International Journal of Sports Med 21, 25-30
  3. Groff J, Gropper S, Hunt S. Advanced Nutrition and Human Metabolism Second Edition. St. Paul, MN:West Publishing Company.1995.
  4. Lacey JM, Wilmore DW. Is glutamine a conditionally essential amino acid? Nutr Rev. 1990;48:297-309.
  5. Walsh, N.P. (1998). The effects of high-intensity intermittent exercise on the plasma concentrations of glutamine and organic acids. European Journal of Applied Physiology. 77:434.

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