Vom Handballer zum Bodybuilder

Heiko Kallbach – der „Grumpy Old Man“ des deutschen Bodybuildings

Die Oldschool-Fraktion des deutschen Bodybuildings hat so einige Vertreter, die ihre Meinung lautstark kundtun. Einer sticht hierbei besonders hervor: Heiko Kallbach. Die großen Erfolge sind zu seinen aktiven Zeiten zwar ausgeblieben. Doch im Social Media-Game genießt das ehemalige Schwergewicht heute umso mehr Aufmerksamkeit.

Hanteln in der Umkleide: Wie ein Handballer zum Kraftsport fand


Heiko Kallbach wurde 1967 in Cottbus in der ehemaligen DDR geboren. Hier verbrachte er seine Kindheit und Jugend. Wie in Ostdeutschland üblich, wurde Kallbachs sportliches Talent früh erkannt und gefördert. Schon als Fünfjähriger wurde er der Leichtathletik zugeteilt, später betrieb er Boxen, Judo und landete schließlich beim Handball. Hier spielte er sogar in der Oberliga, der höchsten Liga des Landes.

Foto: Instagram

Während seiner Ausbildung in einem nicht näher benannten Lehrberuf entdeckte er Trainingsgewichte in der Umkleidekabine seines Handballvereins. Sie läuteten seine ersten Gehversuche im Krafttraining ein. Schnell merkte Kallbach, dass er am Individualsport weitaus größere Freude fand als am Mannschaftsport. Er kehrte dem Handball den Rücken zu und fokussierte sich zunächst auf den Kraftzweikampf, wo er schon bald die DDR-Rekorde der Junioren im Bankdrücken und Kniebeugen brach.

Eine Kiezgröße im Bodybuilding


Nach dem Grundwehrdienst zog Kallbach von Cottbus nach Berlin. Mit der Stadt wurde er nicht wirklich warm, doch im Fitnessstudio fand er Anschluss an einige Personen „aus dem Milieu“. So zog er weiter nach Norddeutschland. Er wohnte zunächst bei seiner Freundin im niedersächsischen Pinneberg und später direkt an der Hamburger Reeperbahn, in deren Szene er aktiv war.

Dem Sport blieb Kallbach dabei treu. Im berühmten Olympic Studio in Hamburg St. Georg bereitete ihn Klaus Maibaum auf seine erste Wettkampfsaison im Bodybuilding vor. In den Jahren 1995 und 1996 wurde er Berliner und Norddeutscher Vizemeister sowie Dritter bei der Internationalen Deutschen Meisterschaft im Schwergewicht. Zudem gewann er einige regionale Wettkämpfe wie den Hamburg Cup.

Kallbach selbst führt die guten Platzierungen zum Teil auch auf mangelnde Konkurrenz zurück. Er wollte mehr. International durchstarten auf den großen Bühnen und natürlich: die Profi-Lizenz. Diese sollte ihn aus seinen Machenschaften aus dem Hamburger Kiez herausholen.

Glückloser IFBB-Profi


In der Saison 2000 sicherte sich Kallbach dann den Profi-Status des IFBB. Er wechselte den Vorbereiter und zog zurück nach Berlin. Als Vollzeit-Bodybuilder hatte „The Berlin Wall“ Großes vor, trainierte phasenweise zweimal am Tag und fraß gegen seinen mangelnden Appetit an. Mit fast 140 Kilogramm in der Offseason und immer noch 125 Kilogramm auf der Bühne spielte er in einer Masseliga mit Stars wie Markus Rühl. Mit seinen Kraftwerten – unter anderem 270 kg im Bankdrücken und 300 kg Kniebeugen für 10 Wiederholungen – zählte er zu den stärksten Bodybuildern seiner Zeit.

Doch bei den Profis lief es für Kallbach überhaupt nicht mehr. Der fünfte Platz beim Grand Prix Hungary 2003 und der sechste bei der Toronto Pro 2004 sollten seine besten Wettkämpfe bleiben. Ansonsten schaffte er nie die Top Ten, häufig reichte es nicht einmal für die Platzierung.

Kallbach fühlt sich bis heute ungesehen und unfair bewertet. Einige Beobachter halten die mäßigen Resultate angesichts seiner Linie und muskulären Schwachstellen für durchaus gerechtfertigt.

Nach einer beidseitigen Ruptur der Patellasehnen beendete Heiko Kallbach seine aktive Laufbahn 2007.


Wovon lebt Heiko Kallbach heute?


Parallel zu seiner Bodybuilding-Karriere absolvierte Kallbach den Fitnessfachwirt und träumte vom eigenen Studio. Wahrgemacht hat er seine Pläne bislang noch nicht.

Heute bestreitet der GN-Athlet seinen Lebensunterhalt als Wettkampfvorbereiter und Influencer. Seinem 2019 eröffneten YouTube-Kanal folgen 40.000 Abonnenten. Das Profil @heiko_kallbach hat 37.1k Follower auf Instagram. Der Mann mit der charismatischen Zahnlücke weiß die Fans durch seine unverblümte Art zu begeistern. Besonders sein News-Format „KalleReport“ findet großen Anklang in der Community. Rundumschläge gegen andere Fitness-Influencer und die derzeit angesagte Offenlegung des Steroidgebrauchs beherrscht Kallbach jedenfalls aus dem Effeff.

Man kann Kallbach vieles vorwerfen, genau wie allen anderen Verfechtern des Oldschool-Ansatzes, die sich immer allzu nostalgisch in der Vergangenheit verlieren. Volle Zustimmung können wir ihnen aber in einem gewähren: Bodybuilding bedeutet, auch mal ganz unverkopft Gas zu geben und zu leiden. Auch den Vorwurf der mangelnden Authentizität ist ihm nicht machen. Sein Content will vor allem eins: Unterhaltung bieten. Und auch das ist ja ein Mehrwert.

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