Leistungssteigerung und Gesundheitsverbesserung

Heilpilze für Sportler: von Cordyceps bis Reishi

Pilze erleben in den letzten Jahren eine kleine Renaissance und erhalten auch im Bodybuilding und Fitness immer mehr Aufmerksamkeit, wenn es um ihre potentiellen Wirkungen rund um Gesundheit und Leistungsfähigkeit geht. Blickt man in die Geschichte der Menschheit zurück, so machen sich die Menschen bereits seit vielen Jahrhunderten Pilze zunutze. Während ihre Wirkungskraft im europäischen Raum im Mittelalter zunehmend in Vergessenheit geriet, sind Pilze in der traditionellen chinesischen Heilmedizin bereits seit über 4000 Jahre ein fester Bestandteil. Grund genug den Geschöpfen, die weder Pflanze noch Tier sind, ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken.

Was sind Pilze?


Etwa 25 Prozent der Biomasse auf unserem Planeten werden durch Pilze gestellt, die sich auf 1,5 Millionen Arten verteilen, von denen gut 2000 auch tatsächlich essbar sind. Dabei leben Pilze praktisch überall auf dem Planeten. In der Erde, in Holz, aber auch im Ozean oder sogar Insekten. Bis in die 1960er wurden Pilze zu den Pflanzen gezählt, was sich schließlich erst 1969 änderte. Der Grund hierfür ist, dass Pilze keine Photosynthese betreiben, sondern in der Regel totes Material aus Pflanzen oder Tieren zersetzen.

Der Großteil der Pilzarten sind mikroskopisch klein. Wenn wir dagegen an Pilze denken, fallen uns meist die Gewächse ein, welche im Herbst im Wald aus dem Boden sprießen. Dabei handelt es sich streng genommen jedoch nur um die Fruchtkörper, die der Pilz an die Außenwelt bringt, damit mit diesem die Pilzsporen verteilt werden und der Pilz Verbreitung findet. Der eigentlichen Pilz lebt als Myzel, also als Zellgeflecht, außerhalb der Sichtweite. Diese Vertreter werden auch als Großpilze bezeichnet und werden im Folgenden im Fokus stehen.


Während Pilze vermutlich auch schon vor 10.000 Jahren von unseren Vorfahren konsumiert wurden, gehen erste echte Belege beispielsweise auf die berühmte Ötzi-Mumie zurück, die Heilpilze mit sich führte. Auch in der Medizin des antiken Griechenlands erhielten Pilze eine gewisse Aufmerksamkeit. Die längste, durchgehende Tradition haben sie aber fraglos in der chinesischen Heilmedizin, die bereits Vertreter wie den heutzutage auch in Deutschland bekannten Reishi und andere Pilzarten aktiv zur Verbesserung der Gesundheit nutzten.

In diesem Zusammenhang muss jedoch betont werden, dass die Studienlage sich aus unterschiedlichen Gründen schwierig darstellt. Wenn, dann handelt es sich meist um Versuchsaufbaue im Reagenzglas oder mit dem Einsatz von Labormäusen. Die Zahl von klinischen Studien am Menschen beläuft sich auf etwa 400 Stück weltweit. Die medizinische Wirkung ist dabei einer Vielzahl an Stoffen in den Pilzen zuzuschreiben, die je nach Vertreter das Immunsystem anregen, anti-bakteriell oder fungizid wirken und andere Wirkungen haben können.

Wie werden Pilzsupplemente hergestellt?


Der Markt an Pilzsupplementen ist generell als schwierig zu bewerten. In der Literatur wird beispielsweise auf eine Studie aus dem Jahr 2017 hingewiesen, in der in den USA 19 Reishi-Produkte verglichen wurden. Nur fünf Vertreter hatten tatsächlich nennenswerte Mengen der bioaktiven Komponenten vorzuweisen. Selbst das Biolabel war kein Garant dafür, dass nicht Schadstoff oder Fungizide im Präparat enthalten waren.

In der traditionellen Medizin wurden lediglich die Früchte geerntet und entweder (grob) zerkleinert zum Essen getan oder als Aufgüsse und Tees konsumiert, wenn der Geschmack zu bitter war. Heutzutage basiert der Produktionsprozess dagegen auf dem Myzel, das in der Regel auf Getreide oder in Flüssigkulturen herangezüchtet wird. Die verschiedenen Anbieter beziehen ihren Rohstoff dabei in der Regel aus China – unabhängig davon ob es Bioprodukte sind oder nicht.

Auch heute erhält man noch traditionell hergestellte Rohstoffe. Der Vorteil liegt darin, dass der Großteil der heilenden Mikronährstoffe im Fruchtkörper gespeichert sind. Gleichzeitig schmeckt Pulver aus dem Fruchtkörper aber meist auch bitterer. So ist beispielsweise bei Pilzen wie Reishi der Geschmackstest ein guter Indikator für die Produktqualität.

Das Wachstum im Bioreaktor verläuft auf diese Weise, dass eine kleine Menge Myzel in einen Tank gegeben wird und unter kontrollierten Bedingungen eine Woche lang wachsen kann. Die entstandene Biomasse wird abgeschöpft, getrocknet und zu Pulver verarbeitet. Auf diese Weise wird beispielsweise Reishi hergestellt. Aber auch Cordyceps Cs-4 wäre ein Beispiel für diese Form der Produktion. – Ein Nachteil dieser Produktionsweise ist, dass das Myzel einen Teil der Nährstoffe ans Wasser abgegeben hat.

Anders sieht es dagegen bei der zweiten, bereits genannten Variante aus. Hierbei wächst der Pilz auf einer Getreideart wie braunem Reis oder Hirse und wird schließlich, sobald das Substrat völlig vom Pilz bedeckt ist, zusammen geerntet. Anschließend erfolgt die Trocknung und Verarbeitung zu Pulver. Alle Nährstoffe bleiben auf diese Weise erhalten. Gleichzeitig verringert sich dadurch aber auch der reine Pilzanteil. Wenn ein Pulver auf diese Weise hergestellt wurde und laut Packungsangabe beispielsweise 60 Prozent hiervon Polysaccharide sein sollen, muss in der Regel der Stärkeanteil des ursprünglichen Substrats noch abgezogen werden.

Wenn „Pulver vom ganzen Pils“ auf dem Etikett zu lesen ist, handelt es sich in der Regel um eine Mischung aus Substrat, Myzel und Pilzfrucht. Auch hier ist ein Stärkeanteil enthalten. Tatsächlich aussagekräftig wäre theoretische die Angabe des Beta-Glucan-Triterpen- oder der Polyphenolgehalts. – Dies sind letztendlich die gewünschten Wirkstoffe aus den Pilzen.

Dosierung und Nebenwirkungen von Pilzprodukten


Bei der Herstellung von Extrakten werden die Wirkstoffe aus dem Pilzmaterial herausgeschwemmt und in konzentrierter Form gesammelt. Dies kann entweder mit heißem Wasser oder Ethanol erfolgen, wobei die meisten Wirkstoffe bei einem dualen Verfahren aus den Pilzen gelangen. Dabei wird erst mit Hilfe von Alkohol gearbeitet und anschließend ein Heißwasserauszug angewandt.

Wenn man dagegen ein Produkt wählt, dass auf Pilzsporen zurückzuführen ist, so sollten dies den Zusatz „sporbroken“ oder „shellbroken“ enthalten. Hier wurden die Sporen in der Regel mit Ultraschall weiteverarbeitet und die Heilstoffe auf diese Weise freigesetzt.

Aufgrund der darstellten Herstellungsprozesse ist eine generell Angabe über die optimal Einnahmemenge schwierig zu treffen. Die traditionelle Heilmedizin geht von 100 bis 150 Gramm Frischpilzen aus, so dass Dosierungsempfehlungen von Pilzsupplementen oft an diese Mengeangabe angeglichen sind. In der klinischen Forschung zur Krankheitsbekämpfung werden dagegen in der Regel sechs Kapseln mit 500 bis 1 000 mg des jeweiligen Pulvers bzw. Extrakts genutzt. Die Empfehlung von Nahrungsergänzungsmittelherstellern liegt im Zusammenhang mit der Vorbeugung in der Regel bei der Hälfte.

Die Einnahme sollte auf nüchternen Magen erfolgen und gilt in der Regel als sicher und ohne Nebenwirkungen, wobei im Einzelfall Wechselwirkungen mit Arzneimitteln möglich sind. Die Anwendungsgebiete sind dabei vielfältig. So sollen beispielsweise drei Kapseln Cordycepsextrakt (270 mg) bei Erschöpfungszuständen helfen. Zwei Kapseln Reishi-Extrakt zu je 400 mg sollen dagegen Schlafstörungen therapieren und in Kombination mit Hericiumextrakt (je 300 mg) sollen jeweils drei Kapseln die Grundsanierung des Darms sowie Leber und Galle unterstützen.

Fünf Beispiele für Heilpilze


Philip Regenburg und Andreas Kappl beschreiben in ihrem Buch „Gesund mit Heilpilzen“ ganze 22 Heilpilze. Ich selbst möchte mich an dieser Stelle auf die Auswahl von fünf Vertretern beschränken und empfehle jedem, der weitergehende Informationen erhalten will, das genannte Buch.

Champignons

Beginnen wir mit Champignons, die sogar ohne Probleme im Supermarkt gekauft werden können. Die Anwendungsgebiete liegen demnach in der leberschützenden Entgiftung und der Reduzierung von Fäulnisbakterien im Darm. Insbesondere bei einem hohen Eiweißkonsum ist dieser Effekt durchaus interessant, da dieser zu einer Verschiebung des pH-Werts führen kann, was wiederum die Ansiedlung von Fäulnisbakterien fördert. Weitere Wirkungen sollen unter anderem die Reduzierung von Schweißgeruch sowie die Cholesterinsenkung sein.

Reishi-Pilze

Als zweites möchte ich den Reishi-Pilz nennen. Dieser gilt in der traditionellen chinesischen Heilmedizin als besonders wirksam und hat vielfältige Anwendungsgebiete. Neben der Anwendung bei Allergien und Asthma ist insbesondere die blutdrucksenden Wirkung zu nennen. Aber auch bei Erkrankungen durch Viren oder Bakterien soll der Pilz wirksam zur Heilung beitragen. Darüber hinaus ist er bei Neurodermitis einen Versuch wert.

Für Sportler ist Reishi insbesondere in Hinsicht der Durchblutungsförderung einen Blick wert und soll die sportliche Leistungsfähigkeit insbesondere im Ausdauerbereich verbessern. Je nach Herstellungsverfahren sollte die Dosierung unterschiedlich groß ausfallen. Bei der Verwendung von Dualextrakten wird eine Tagesdosis von drei bis neun Kapseln empfohlen.

Klapperschwarm

Wer dagegen mit Übergewicht und schlechten Blutfett- und Cholesterinwerten zu kämpfen hat, könnte Klapperschwarm probieren. In einer japanischen Studie konnte mit Hilfe von 10 Gramm Klapperschwammpulver eine durchschnittliche Abnahme von 5 bis 6 Kilogramm innerhalb von zwei Monaten erreicht werden, wobei sich die Blutwerte gleichzeitig deutlich verbesserten.

Cordyceps

Ein weiterer Star und den Heilpilzen ist fraglich Cordyceps. In den 1990er-Jahren führten viele chinesische Sportler ihre Erfolge bei Weltmeisterschaften und olympischen Spielen auf den chinesischen Raupenpilz zurück. Neben einer Steigerung der Libido und der männlichen Sexualhormone konnte in Studien an Leichtathleten auch eine Verbesserung der Ausdauer nachgewiesen werden. Zwei bis drei Kapseln eines entsprechenden Extrakts sollten am besten morgens auf nüchternen Magen eingenommen werden.

Eichhase

Als letztes sei an dieser Stelle Eichhase genannt. Dieser wirkt entwässernd und kann auf langen Flugreisen aufgrund seiner unterstützenden Wirkung bei Venenschwäche genutzt werden. Darüber hinaus wird der Pilz in der traditionellen chinesischen Heilmedizin gegen Haarausfall eingesetzt, da neben einer Vielzahl an Vitaminen auch sekundäre Pflanzenstoffe, die nur im Eichhase enthalten sind, den Hautstoffwechsel fördern und die Haarwurzeln kräftigen sollen. Als Diuretikum sollten 6 bis 15 Gramm genutzt werden, für andere Anwendungszwecke sollten auch 3 bis 6 Gramm genügen.

Heilpilze sind kein Allheilmittel


Pilze können für Bodybuilder und Kraftsportler ein interessantes Supplement sein, sollten jedoch nicht als Allheilmittel missverstanden werden. Insbesondere vor dem Hintergrund der sicheren Anwendung sind diese als Nahrungsergänzungsmittel aber sicherlich den ein oder anderen Versuch wert.


Hinweis: Der Autor dieses Artikels schrieb verschiedene Bücher zu den Themen Training und Ernährung, bietet individuelle Einzelbetreuungen an und führt auf Patreon ein Podcast-Magazin.

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