Der Spagat zwischen Beruf, Privatleben und Sport

Hobbysportler oder doch schon Athlet?

Hallo liebe Team Andro Blogleser, wie in der Überschrift schon zu erahnen, dreht sich in diesem Blog alles darum, welchen Stellenwert der Sport im Leben einnimmt und ob es wirklich nur noch Hobby oder schon in eine Richtung "Athletensport" geht. Diese Frage sollte jeder am Ende für sich selbst beantworten! Aber wo fange ich also am besten an?

Eine Frage, die mir sehr oft gestellt wird, lautet, ob ich den noch arbeiten gehe oder mit dem Sport mein Geld verdiene. Die kurze Antwort: Ich verdiene mein Geld noch mit normaler (ehrlicher) Arbeit. Die meisten sind dann mehr als erstaunt, wenn diese Antwort folgt und fragen, wie man das alles schafft. Ich denke hier in Deutschland ist es mehr als schwierig mit diesem Sport seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Natürlich je nachdem wo der persönliche Anspruch eines Lebensstandards liegt.

Foto: Matthias Busse

Vielleicht kurz zu mir: Ich bin gelernte Chemielaborantin und auch im Beruf tätig. Meine Arbeitszeit beträgt 40 Stunden pro Woche, die ich in Gleitzeit arbeite. Das heißt, ich kann den Beginn meiner Arbeitszeit selbst festlegen. In der Regel ist das aber von 06:00 Uhr bis 14:30 Uhr, da ich lieber den Großteil des Tages für mich habe. Und by the way: Ich bin ein #earlybird. Gearbeitet wird von Montag bis Freitag. Keine Schichten, kein Wochenenddienst. Sowas ist zum Beispiel auch richtig von Vorteil bzw. macht den Sport doch einfacher.

Mein Tag beginnt also um 04:30 Uhr

Aufstehen, anziehen, Essen vorbereiten oder auch nicht je nachdem, was die Kantine hergibt. Mit dem Hund kurz rausgehen. Danach fahre ich meist mit dem Rad auf Arbeit oder parke mein Auto etwas entfernt und laufe 15 bis 20 Minuten dahin. Mir ist es wichtig, neben dem ganzen Sport auch meine Freizeit aktiv zu gestalten und mich zu bewegen. Bewegen tun wir uns in der Regel nämlich alle zu wenig.

Sobald ich nachmittags wieder zu Hause bin, gehe ich mit dem Hund raus, vorausgesetzt die Kleine hat Lust. Bei schlechtem Wetter hat sie keinen Bock einen Fuß vor die Tür zu setzen. Kommt mir aber manchmal auch ganz gelegen. Somit kann ich dann einen kleinen Powernap mit ihr machen.

Je nachdem in welcher Phase ich mich befinde, also On- oder Offseason, habe ich etwas mehr oder weniger Zeit.

Offseason bestand zuletzt aus 3 regulären und 2 optionalen Trainingseinheiten. Das heißt die 2 optionalen Tage könnte ich auch weglassen, wenn die Regeneration mal nicht passt. Aber sowas war eigentlich bisher nie der Fall. Eher war es so, dass ich an einem der freien Tage vielleicht auch noch einmal Laufen gegangen bin oder ähnliches.

Da mein Training nicht rein studiolastig ausgelegt ist, kann ich schnell mal eine Einheit zu Hause absolvieren. Das sind Dinge wie Laufen, Freeletics oder zum Schwimmen in die Halle fahren. Die Reihenfolge der Einheiten lege ich mir selbstständig fest und bin somit zunehmend flexibel, was zum Beispiel treffen mit Freunden und Familie angeht.

Unter der Woche ist es dennoch so, dass ich meinen festen Rhythmus habe und weniger mit Freunden unternehme. Solche Sachen verschiebe ich dann eher aufs Wochenende. Aber seien wir ehrlich: Ich glaub mit oder ohne Sport, unter der Woche sind alle recht verplant.

Wenn ich in der Vorbereitung stecke, merke ich doch, dass ich zunehmend ein- und somit auch angespannter bin. Der Trainingsplan bestand in dieser Saison aus 6 festen Einheiten mit zusätzlich einem Cardio-Konto, welches bei 3 x 20 Minuten lag. Zusätzlich kam morgens noch Posingtraining im Tabata Stil hinzu. Oder eben allgemein Posingtraining, was ebenfalls noch einmal Zeit in Anspruch nahm und auch am Wochenende einplant wurde.

Eine normale Studio Trainingseinheit dauert 60 bis 90 Minuten. Hinzu kommen Warm Up und Stretching. Am Ende halt noch 20 Minuten Cardio plus Umziehen, Duschen etc. pp. Ist man in Summe bei fast 2 bis 2,5 Stunden. – Zum Glück aber, wie gesagt, nicht in jeder Trainingseinheit.

Entweder geht es danach noch Einkaufen oder nach Hause, mit dem Hund noch einmal raus und Essen kochen.

Ich koche echt gern und will abends was Ordentliches essen, auch wenn es nur eine große Schüssel Matschiporn (Grüße an die aktiven Follower meiner Insta-Stories) ist. Aber dadurch, dass ich ja immer anders esse, dauert das ganze Abwiegen und Tracken etc. auch seine Zeit.

Danach habe ich dann ca. noch eine Stunde Zeit mich von drittklassigen Fernsehsendungen berieseln zu lassen und runterzukommen. Nebenbei noch das übliche Facebook und Instagram hustle, um dann spätestens 21:00 Uhr im Bett zu sein. Ja für viele ist das mega zeitig und im Sommer ist es auch noch hell. Aber Schlaf ist ein absolut wichtiger Faktor, um leistungsfähig zu sein. Wenn ich zwei Tage nur um die 5,5 Stunden schlafe merke ich das sofort in der Trainingsleistung. Also heißt es 21:00 Uhr Schicht im Schacht.

Noch einmal aufgeschlüsselt:
  • 04:30 Uhr: aufstehen, fertig machen für die Arbeit, evtl. Essen kochen, Posing, Hund raus
  • 05:20 Uhr: Start Richtung Arbeit
  • 06:00 – 14:30 Uhr: Arbeiten
  • 14:30 – 16:00 Uhr: Hund bespaßen, Naping, Zeit für Kleinkram
  • 16:00 – 19:00 Uhr: Gym (mit Fahrzeit) evtl. einkaufen
  • 19:00 – 20:30 Uhr: Essen kochen, Quality Time, Hund, Social Media, sonstiges
  • 20:30 Uhr: versuchen, ins Bett zu gehen
So sieht´s aus. Für viele ist es vielleicht eintönig, immer denselben Trott zu haben, aber ich brauche die Routine und teils positiven Stress.

Meine Familie und Freunde werden jedoch IMMER Vorrang haben, sollte etwas Schwerwiegendes passieren. Sport hin oder her.

Foto: Matthias Busse

Dennoch versuche ich, wirklich alle Termine um das Training zu planen. Das ist halt wirklich mein Hauptfaktor und nimmt einen sehr großen Stellenwert ein. Sonntags bekomme ich in der Regel meinen neuen Plan für die kommende Woche und kann schon grob planen, wie ich was trainiere (kommt natürlich auch auf die Tagesform / Regeneration an). Dienstags ist auch oft mein langer Tag auf Arbeit, sodass ich dort dann schon versuche, eine Einheit hinzuschieben, die ich zu Hause absolviere.

Ein offenes Ohr für seine Freunde zu haben, ist da manchmal schwierig. Man möchte zuhören, ist aber gedanklich oft schon mit anderen Dingen beschäftigt bzw. hat gerade keinen Nerv dafür. Aber ich denke, sowas ist menschlich, wenn man es anspricht und wird auch verstanden, da es jedem mal so geht. Wichtig ist, sich halt auch dafür Zeit zu nehmen und nicht nur die Ego-Schiene zu fahren. Die richtigen Freunde sind tolerant, aber man kann ihnen auch nicht alles abverlangen. Da gehört es auch dazu, mal was zurückzugeben. Sonst steht man irgendwann ganz alleine da und wer weiß, wie schnell sich Prioritäten, bezüglich Sport, ändern können.

Freitag ist dann auch der Tag, wo ich merke, wie kaputt ich teilweise bin.

Das Training fordert zum Ende der Vorbereitung ziemlich und das zeitige Aufstehen schlaucht dann irgendwo auch. Wenn zum Beispiel noch Stress auf Arbeit hinzukommt, ist man mental einfach erschöpft. Die Überwindung zum Sport, an solchen Tagen, ist ein kleiner Kampf mit dem Schweinehund.

Es ist auch nicht immer so, dass ich "Yeah, Gymtime!" sage, aber ich weiß, sobald ich einmal angefangen habe und drin bin, passt das. Nach jeder Einheit bin ich auch vom Kopf her freier. Bei mir hat Sport einen absolut stressabbauenden Effekt.

Am Wochenende beginnt mein Tag gegen 08:00 Uhr. Ich versuche gleich vormittags den Sport zu erledigen, um den Rest des Tages wieder für andere Dinge nutzen zu können! Hier kommen dann eben treffen mit Freunden, sowie Dinge, die unter der Woche wenig Beachtung finden (Haushalt, Bürokram etc.). Oder ich lasse mal alle Viere gerade sein. So ein Couchtag und einfach mal nichts machen, muss auch mal sein.

Hinzu kommt noch, dass man seinen Urlaub für die Wettkämpfe nimmt. Die Anreise zum Wettkampf plus der Wettkampftag selbst sind alles andere als Urlaub. Aber es sind nur ein paar Tage im Jahr. Hinzu kommen ab und an Events wie Fibo oder Shop-Eröffnungen und Seminare. Was bei mir jetzt auch noch absolut überschaubar ist.

Manchmal ist es, als hätte man zwei Berufe. Der Richtige, mit dem man Geld verdient und eben der Sport, in dem man gut sein möchte, sich verbessern will, Leistung bringen will. In beiden musst du immer präsent sein, sonst wird das nichts.

Sollte jedoch mein richtiger Job unter einer Vorbereitung leiden, würde ich dahingehend auch die Bremse ziehen. Wie gesagt, da kommt halt das Geld rein. No Money, no Competition,

Könnte man sein Potential also besser als Vollzeit Sportler ausschöpfen? Ich denke ja! Beschweren will ich mich nicht. Ich habe die Schuhe ja selbst gewählt, die ich mir anziehe.

Viel größeren Respekt gebe ich denen gegenüber, die Kinder haben oder gar in irgendwelchen Schichtsystemen arbeiten und das zusätzlich stemmen. Das würde ich ganz ehrlich nicht schaffen. Allein wenn ich sehe, dass ich tagtäglich meinen Hund bei meinen Eltern parke. Sie sind mir in der Hinsicht eine unendliche Hilfe und sehen die kleine Gottseidank auch wie ein Enkelkind.

Aber wäre der Faktor nicht gegeben, sähe vieles ganz anders aus. Ich bin halt relativ ungebunden und kann deswegen das ganze so gut Händeln.

Mein Hobby zum Beruf zu machen, ist mir auch nie in den Sinn gekommen. Zum einem aus Angst die Freude daran zu verlieren, zum anderen, wenn ich Kosten / Nutzen sehe, dann bleibe ich doch gerne in der Chemiebranche. Zumal man für die Person, die man betreut, Verantwortung übernimmt. Und gerade dort, denke ich, stoße ich wissenstechnisch an meine Grenzen.

Zudem soll mir der Sport noch als Ausgleich zum Alltag dienen und die Option bieten. Ich kann, muss es aber nicht tun.

Hobbysportler oder doch schon Athlet?
Was denkst du?

Danke fürs Lesen,

Eure Helene

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