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Homegym einrichten: Was braucht man?

Es ist mal wieder einer dieser Tage. Eigentlich möchte man gleich rückwärts wieder aus dem Studio stolpern, denn es ist einfach der Bär los. Überfüllt! Stickig! Die Luft kann man schneiden! Erst eine halbe Stunde Stau bei der Anfahrt, dann war das Handtuch in den Tiefen der Trainingstasche unauffindbar und jetzt betreiben auch noch ein paar Hungerhaken Rudelcurlen im einzigen Rack weit und breit! Wie schön wäre es da, seine eigene kleine Muskelschmiede zu haben.


Dieser Gedanke wird schon so manchem einmal durch den Kopf geschossen sein. Aber wie realistisch ist das Ganze? Wie teuer wird das Vorhaben und kann ich dann überhaupt noch vernünftig trainieren? Oder bin ich verdammt mein Dasein als ewiger Lauch im feuchten Keller zu fristen, weil ich keine HammerStrength-Maschine mehr im Zugriff habe?

Es kommt darauf an!

Wie auch beim Training und bei der Ernährung, hängt der Erfolg für den geneigten Homegym-Bauherren vor allem von guter Planung ab. Denn auch die Ausstattung eines Homegym muss sich sinnvollerweise an den Zielen des Trainierenden orientieren.

Natürlich kann man als Anfänger und Sparfuchs mit Springseil, Thera-Band und Yogamatte im heimischen Wohnzimmer loslegen. Nur ist klar, dass das auf Dauer in etwa so sexy ist wie ein Spitzenpolitiker im Tigertanga. Nehmen wir von dieser Idee also gleich wieder Abstand und wenden uns der kleinstmöglichen sinnvollen Homegym-Konfiguration zu.

Homegym 1.0: Die Trainingsecke

Die Trainingsecke klingt zwar immer noch nicht besonders sexy, ist zum Glück aber auch keine geschützte Marke, mit der ich Fitnessmobiliar verkaufen müsste. Die Idee dahinter ist einfach, sein Training in einen Bereich der eigenen Wohnung (oder des Kellers oder der Garage) zu verlegen, der auch noch anderweitig genutzt werden kann. Der minimale Platzbedarf für ein einigermaßen entspanntes Training beträgt dabei etwa 2 x 3 Meter.

Das Equipment wird vor allem nach dem Gesichtspunkt ausgewählt, dass es platzsparend verstaut und schnell und einfach auf- und wieder abgebaut werden kann.

Wie schon erwähnt, muss das Equipment natürlich auch zum geplanten Training passen. Gerade beim Konzept der Trainingsecke wird das entsprechend recht minimalistisch ausfallen, sprich mit Hantelstangen, Gewichtsscheiben und so wenig weiteren Platzfressern wie möglich:
  • eine Langhantelstange
  • zwei Kurzhantelstangen
  • mindestens 100 kg an Gewichten, je nach Trainingsstand
  • eine Schrägbank
  • Fallschutzmatten
Für ein zielführendes aber minimalistisches Training des ganzen Körpers ist nicht mehr nötig, aber auch nicht viel weniger.

Hanteln und Gewichte sollten dabei ein No-Brainer sein. Ohne den Kniebeugenständer kommt man allerdings schnell in Schwierigkeiten. Eben bei Kniebeugen oder auch beim Bankdrücken, sobald die Gewichte etwas höher werden. Eine vernünftige Schrägbank ist für viele Übungen unverzichtbar, könnte aber notfalls noch eine Weile verschmerzt werden. Notfalls greift man halt erst einmal zu Kurzhanteln oder macht Floor Presses und legt die Langhantel dann provisorisch auf zwei Stühlen ab.

Fallschutzmatten sind hingegen nicht nur beim Kreuzheben eine gute Idee, auch der Bodenbelag und die Nachbarn sind dankbar, wenn diverses Equipment eher sanft abgelegt werden kann.

Soviel zu den Grundlagen. Was aber, wenn der Geldbeutel und vor allem der vorhandene Platz mehr hergibt?

Homegym 2.0: Der Trainingsraum

Du hast also einen ganzen Raum zur Verfügung, den du exklusiv dem Training widmen willst? Willkommen in der Königsklasse der Heimtrainierenden, du hast das Potential ein Homegym einzurichten, bei dem so mancher Wellness-Studiobetreiber blass werden würde!
Prinzipiell wird dein Enthusiasmus nun nur noch von drei Dingen gebremst: Dem verfügbaren Platz, der Dicke deines Geldbeutels und vielleicht irgendwann von der Baustatik.
Jedenfalls kannst du gleich richtig loslegen. Das heißt, es ist kein mobiles Inventar nötig. Es kann also deutlich stabiler werden!

Optimal wäre es in diesem Fall nicht mit einem Kniebeugenständer anzufangen, sondern stattdessen gleich ein Power Rack oder Half Rack anzuschaffen.

Will man sich nicht nur dem Powerlifting hingeben, kommt schnell auch ein Latzug auf die Wunschliste. Der sollte sinnvollerweise auch gleich einen tiefen Seilzug mitbringen. Glücklicherweise gibt es viele Racks, die einen entsprechenden Latzug integriert haben oder sich nachrüsten lassen.

Darüber hinaus kann man sich den persönlichen Vorlieben entsprechend natürlich alles Mögliche in die Hütte stellen, denkbar sind eine Multi- oder Beinpresse und diverse Curl- / Fly- oder Beincurl-Adapter für die Schrägbank, eine professionelle Hantelstange, ein Kurzhantelset, Spiegel, Poster. Die Liste lässt sich endlos fortführen.

Homegym des Autors

Homegym: Was braucht man?

Nachdem wir nun eine grundlegende Einkaufsliste haben, stellt sich natürlich die Frage der Bezugsquelle. Der Markt für Hometraining kompatibles Gerät ist für den Einsteiger leider heutzutage etwa so übersichtlich, wie ein arabischer Basar für einen durchschnittlichen Mitteleuropäer.
Grundlegend kann man dazu sagen, dass es sich beim Inventar für das persönliche Trainingslager ähnlich verhält wie bei vielen anderen Dingen auch: Wer billig kauft, kauft zweimal!
Nun hat nicht jeder gerade einen mittleren vierstelligen Betrag auf der hohen Kante, der bedenkenlos in das Projekt Homegym gesteckt werden kann. Aber glücklicherweise gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma, und der heißt Gebrauchtmarkt!

Mit etwas Geduld und der Bereitschaft für ein Schnäppchen auch mal ein paar Kilometer auf der Bahn zu machen, kann man durchaus erstklassige Ausrüstung für kleines Geld bekommen.

Natürlich ist auch gegen Neuware nichts einzuwenden, aber egal wo man was kaufen möchte, sollte man für sich zunächst ein paar grundlegende Fragen klären:

Willst du die Sache erst mal ausprobieren und möglichst wenig investieren?

Gut, aber sei dir im Klaren, dass du vermutlich zweimal kaufst, wenn du schließlich doch dranbleibst. Und der Gebrauchtmarkt hat zwei Seiten: Zwar bekommt man ab und an ein Schnäppchen und staubt richtig gutes Material günstig ab. Aber den eigenen alten Kram wird man vermutlich nur zu Spottpreisen los.

Also wenn du erstmal langsam einsteigen und wenig investieren möchtest, würde ich dir wirklich ans Herz legen möglichst ausschließlich gebraucht zu kaufen.

Wie sieht es mit der Sicherheit aus?

Im Regelfall ist im Homegym vermutlich kein Spotter anwesend, der mir im Zweifelsfall helfen oder dir sogar das Leben retten kann.

Machen wir uns nichts vor, es haben sich schon Leute beim Bankdrücken schwer verletzt oder umgebracht, auf YouTube findet man einiges abschreckendes Material zum Thema.

Vor diesem Hintergrund wäre es völlig unverantwortlich allein im Homegym mit einer Drückerbank oder einem Kniebeugenständer ohne Sicherheitsablagen zu trainieren! Schließlich geht es uns darum stärker zu werden und nicht den nächsten Darwin-Award zu gewinnen.

Die Faustregel lautet dabei: Befindet sich dein Körper unter einer Langhantel, muss du sie jederzeit sicher ablegen oder abwerfen können, ohne dich dabei selbst zu gefährden. Im Zweifelsfall lieber die Hantel, das Rack oder den Boden beschädigen als die Hantel mit dem Gesicht zu fangen!

Wieviel Platz hast du wirklich zur Verfügung?

Eigentlich ist es logisch, aber man sollte immer im Hinterkopf haben, dass es sich bei der anzuschaffenden Ausrüstung um dreidimensionale Objekte mit nicht zu vernachlässigenden Ausmaßen handeln kann.

Das kann mehrere Schwierigkeiten mit sich bringen: Zum einen muss man, vor allem, wenn man gebraucht kauft, eventuell recht große Teile transportieren. Zum anderen muss das Equipment dann auch in den Raum passen. Dabei spielen nicht nur Länge und Breite, sondern vor allem auch die Höhe des Geräts unter Umständen eine nicht zu vernachlässigende Rolle - nicht jedes Rack passt automatisch auch in jedes KellerGym!

Dazu kommt noch der Platzbedarf während der Benutzung - Die Langhantel ist in der Regel über 2 Meter lang, ragt also bei den Übungen seitlich aus dem Rack heraus. Bei Geräten mit Hebelarmen muss für das freie Schwingen eventuell Platz zu den Seiten oder der Rückseite gelassen werden.

Darüber hinaus musst du dir im Klaren darüber sein, dass aufgrund der Platzverhältnisse möglicherweise nicht alle denkbaren Übungen im Homegym durchgeführt werden können - Ist die Decke zu niedrig, wird es mit stehendem Überkopfdrücken oder mit Klimmzügen schwer. Ist nicht genügend Platz ein paar Matten auszulegen, wird das Kreuzheben zur Herausforderung.

Man sollte sich also die Zeit nehmen den Raum auszumessen, die Maße der anzuschaffenden Geräte zu recherchieren und im Idealfall eine grobe Zeichnung anzufertigen, wie das Gerät gestellt werden soll.

Bild: Matthias Busse

Sollen es 30 mm oder 50 mm (Olympia) Hanteln und Gewichte sein?

Die Sache ist nicht ganz so einfach zu beantworten, wie sie manchmal dargestellt wird. Der erfahrene Athlet wird sicher schnell Olympia rufen und ganz unrecht hat er nicht. Im Gegensatz zu den für den Heimtraining-Markt vorgesehenen 30 mm Hanteln stellt das Olympia-System in der Regel eine ganz andere Qualitäts- und damit auch Preisklasse dar.

Natürlich gibt es auch unzumutbares Olympia-Altmetall, aber im 30 mm Segment kann man sich leider fast darauf verlassen, verchromten Schrott zu bekommen.

Das muss nicht schlimm sein! Erinnern wir uns an den Grundsatz, dass das Equipment auch zum Trainierenden passen muss. Wenn ich also nur etwas für meine Fitness tun will und keine Bestrebungen habe, irgendwann mal 100 kg oder mehr zu beugen, kann ich mit 30 mm durchaus gut bedient sein!

Darüber hinaus gilt aber: Man wird für 30 mm Hantelstangen so gut wie nie Angaben zur Maximalbelastung finden. Und selbst wenn, sagt die angegebene Belastung noch nicht unbedingt etwas darüber aus, ob sie im breiten oder engen Griff gilt. Oder gar bei einer Punktbelastung in der Mitte wie bei Kniebeugen.

Es gilt also gerade bei der Langhantel die Empfehlung, spätestens bei einer geplanten Last von 100 kg sollte man sich absolut im Klaren darüber sein, was die Stange aushält! Hier sollte also besser gleich zu einer Olympiastange vom Markenhersteller gegriffen werden.

Soll das Homegym Heimtraining- oder Studioqualität sein?

Egal ob Hantelstange, Rack oder Latzug: Jedes denkbare Inventar gibt es in verschiedenen Preis- und Qualitätsklassen. Billig muss nicht gleich schlecht sein - bei einer Latzugstange macht es wohl keinen großen Unterschied, ob sie 30 € oder 80 € kostet. Aber bei Teilen der Ausrüstung, von denen sprichwörtlich das eigene Leben abhängen könnte, sollte man keine Kompromisse machen.

Viele Händler weisen für Ausrüstungsteile zumindest eine Maximalbelastung aus, welche aber natürlich nichts über die sonstige Qualität aussagt. Da sind Neupreis und Optik oft schon aussagekräftiger. Hast du keine großen Ansprüche, wird dir sicherlich auch der günstige 150,- € Latzug reichen. Mit der klapprigen Konstruktion musst du dann halt leben.

Willst du aber nennenswerte Gewichte bewegen, musst du dich natürlich fragen, ob die angegebenen 350 kg Maximallast für das erstrebte Power Rack auch ausreichen, wenn du die Hantel mal bei einer missglückten Kniebeuge unsanft in die Sicherheitsablagen werfen musst. Kraft ist schließlich nicht gleich Gewicht, sondern Masse mal Beschleunigung!

Worauf sollte man beim Gebrauchtkauf achten?

Beim Kauf von gebrauchten Gewichten kann man von einem guten Angebot ausgehen, wenn der Kilopreis bei etwa 1,- € liegt. Ansonsten sollten sie vielleicht nicht allzu rostig sein, wobei ein wenig Flugrost nicht schadet.

Bei allem anderen sollte man den Neupreis im Blick haben. Ebenfalls sollte man ein Auge auf die hoffentlich dem Angebot beiliegenden Fotos werfen. Auch bei Abholung ist die Ware genau zu prüfen. Im Idealfall ist das Objekt der Begierde noch aufgebaut und kann persönlich auf Herz und Nieren getestet werden.

Entspricht die Ware dann den Erwartungen, mag es zwar zeitraubend und unbequem sein das Gerät selbst zu zerlegen, aber beim späteren Aufbau ist es ebenfalls hilfreich, wenn man beim Abbau selbst Hand angelegt und die Schrauben in beschriftete Tütchen verpackt hat.

Genug gepredigt! Was kostet ein Homegym?

Wie wir bereits herausgefunden haben ist das hoch individuell und hängt nicht zuletzt vom Glück bei der Schnäppchenjagd ab. Es lohnt sich also immer die Augen in Online- und Zeitungs-Kleinanzeigen, sowie in Online-Auktionshäusern offen zu halten. Es wird immer wieder altes Homegym-Equipment abgestoßen oder Studios schließen und verkaufen ihr Gerät.

Aber ein paar Beispiele können natürlich nie schaden, daher habe ich ein paar mögliche Konfigurationen mit Neupreisen zusammengestellt:

Bild: Matthias Busse

Was kostet die Trainingsecke?

Wenden wir uns zunächst der Trainingsecke zu. Alles Grundlegende ist drin, große Gewichte sollen nicht bewegt werden. Es bleibt also bei der günstigen 30 mm Variante, der einzige wirklich große Kostenpunkt ist der Kniebeugenständer.
  • Hantelset 30 mm, 100 kg - 170 €
  • Schrägbank 130 €
  • Kniebeugenständer mit Ablage 370 €
  • 2 x Waschmaschinenunterlage 25 €
  • Gesamt 695 €

Was kostet eine grundlegende Ausstattung?

Die zweite Variante zeigt ein typisches Einsteiger-Homegym mit Ausbaupotenzial. Das Power Rack ist für den Heimgebrauch ausreichend dimensioniert und es ist möglich später einen Latzug nachrüsten. Auch die Bank lässt sich später noch mit weiteren Adaptern ausbauen. An Gewichten wird erst einmal das nötigste angeschafft, ebenso beim Bodenschutz.
  • Olympia-Langhantelset, 145 kg - 450 €
  • 2 x Olympia-Kurzhanteln 80 €
  • Power Rack mit Klimmzugstange 335 €
  • Schrägbank mit Adapterrohr 325 €
  • Beinbeuger / -strecker für Bank 95 €
  • 2 x Waschmaschinenunterlage 25 €
  • Gesamt 1310 €

Kosten für ein gut ausgestattetes Homegym

Und zu guter Letzt noch die Luxusvariante. Als Rack haben wir hier einen stabilen Hybriden aus Multipresse und Kniebeugenständer mit Latzug und der obligatorischen Klimmzugstange. An der Front der Multipresse ist ein Gunrack mit Sicherheitsablagen für freie Übungen angebracht.

Auch am sonstigen Equipment wird nicht gespart, es wird gleich auf etwas höherwertige Ausrüstung und Flexibilität bei den durchführbaren Übungen gesetzt. Diverse Adapter für die stabile Schrägbank, weitere Hantelscheiben und eine Beinpresse / Hackenschmidt-Maschine runden das Paket ab.
  • Olympia-Langhantelset, Gummiert, 140 kg - 440 €
  • 4 x 25 kg Scheiben, Gummiert 300 €
  • 2 x Olympia-Kurzhanteln 80 €
  • Multipress-Power Rack mit Latzug 1400 €
  • Diverse Latzug- / Ruder-Griffe 180 €
  • Stabile Schrägbank mit Adapterrohr 360 €
  • Bauchtrainier für Bank 50 €
  • Curlpult für Bank 150 €
  • Beinbeuger / -strecker für Bank 100 €
  • Bodenschutzfläche 190 €
  • Beinpresse / Hackenschmidt 1250 €
  • Gesamt 4500 €

Zu guter Letzt: Die Checkliste

Es gibt also bei der Einrichtung des eigenen Homegyms eine Menge zu bedenken. Hier noch die schnelle Checkliste für den Equipmentkauf:
  • Maße (L x B x H)
  • Platzbedarf in der Praxis
  • Sicherheit
  • Qualität
  • 30 mm oder 50 mm
  • Bodenschutz
  • Finanzen
  • Gebrauchtmarkt

Wo bekomme ich weitere Informationen?

Im Internet sind mittlerweile einige Blogs und Seiten mit Informationen über Homegyms aufgetaucht, bei denen man sich die eine oder andere Anregung holen kann. Eine Google-Suche kann da immer wieder neues und interessantes zu Tage fördern.

Außerdem gibt es gleich hier im Team-Andro-Forum zwei sehr beliebte Themen: den ► Homegym Bilderthread und die ► Homegym Kaufberatung. Hier sind viele Eindrücke und wertvolle Erfahrungen aus der Community zu finden und Fragen zum Thema werden gerne beantwortet.

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