Become a warrior!

Im Gespräch mit einem modernen Krieger, Ori Hofmekler Teil 2

Ein Artikel von Bodybuilding.com
Von Mike Mahler

Im zweiten Teil unseres Gespräches mit einem modernen Krieger, erfahren wir mehr über die Warrior Diät und wie sie Euer leben positiv verändern kann


[ Mike Mahler ] Du hast gesagt, dass die Absorptionsrate von Protein um 160% steigt, wenn man die Warrior Diät befolgt. Bedeutet das, dass man nun erheblich weniger Protein konsumieren müsste?

[ Ori Hofmekler ] Ganz genau. Interessant ist, dass der verstorbene Dan Duchaine in einem seiner letzten Artikel feststellte, dass er sein Körpergewicht mit nur 50-70 Gramm Protein am Tag halten konnte. Dieser immense Proteinkonsum ist nur ein Marketingtrick und jeder, der sich davon beeinflussen lässt, bekommt was er verdient. Wie kann man nur glauben, man bräuchte mehrere hundert Gramm Protein am Tag?

[ MM ] Da stimme ich Dir zu. Ich denke auch, dass die Leute viel zu viel Protein konsumieren. Du empfiehlst, tagsüber rohes Obst und Gemüse zu essen. Wäre es förderlich, auch abends rohe Nahrungsmittel zu konsumieren?

[ OH ] Das wäre es. Allerdings sind manche Gemüsesorten um einiges gesünder, wenn man sie kocht und Fleisch sollte sowieso gekocht werden. Der Vorteil beim Kochen von Gemüse ist, dass dabei viele Flavonoide und Ballaststoffe freigesetzt werden. Ein perfektes Beispiel hierfür sind Pilze. Pilze sind die beste Quelle für Polysaccharide, ein sehr gesunder Ballaststoff. Der einzige Weg, die Polysaccharide in Pilzen verfügbar zu machen, ist, sie zu erhitzen.

[ MM ] Eine Sache, die ich beim Befolgen der Warrior Diät bemerkt habe ist, dass man genau auf das Hunger hat, was der Körper benötigt, wenn man unterfüttert ist.

[ OH ] Richtig, wenn man am Ende des Tages isst, wenn man richtig Hunger hat, werden Verstand und Körper von selbst die richtigen Prioritäten setzen. Man wird genau wissen, was man an Nahrung benötigt.

[ MM ] Welchen Nutzen bringt die Warrior Diät noch?

[ OH ] Die Nutzen übersteigen die geistige und körperliche Gesundheit bei weitem. Jemand, der die Warrior Diät befolgt, wird sich leichter an ungewohnte Stresssituationen anpassen können, als andere Leute. Manchmal befinden sich Menschen in echten Überlebenssituationen, in denen Nahrung unerreichbar ist. Erst dann wird man lernen, wer man wirklich ist. Die Warrior Diät bereitet einen auf jede mögliche Veränderung vor und macht einen viel härter. Da man jeden Abend ein Festmahl hat, avanciert es aber nicht zur totalen Entbehrung.

[ MM ] Hast Du schon mal jemanden gesehen, der mit der Warrior Diät größere Mengen an Muskelmasse zugenommen hat?

[ OH ] Gute Frage. Ja, ich selbst habe im letzten Jahr 5,5 Kg zugenommen, bei gleich bleibendem Fettanteil. Ich halte mich ohne Probleme bei 5-6% Körperfett. Ich bin 50 Jahre alt und wiege ungefähr 77 Kilogramm. Viel wichtiger ist, dass ich mich sehr stark fühle und meine Sprintfähigkeit hat sich dramatisch verbessert. Mein Gesicht ist schmaler und sieht besser aus denn je.

Ich bekomme die ganze Zeit Emails von Leuten, die Fett verloren und gleichzeitig Muskeln aufgebaut haben. Allerdings muss ich dazu sagen, dass die Warrior Diät keine Bodybuilding Diät ist. Sie soll Dich besser in Form bringen. Wenn man das Ziel hat, Muskeln aufzubauen, kann man das auch mit der Warrior Diät. Allerdings wird es viel langsamer laufen. Der Vorteil ist, dass man keine großen Gewichtsschwankungen haben wird und die Gesundheitsrisiken umgehen kann.

[ MM ] Es scheint, als wäre die Warrior Diät vor allem für Leute, die schlank und stark sein wollen?

[ OH ] Ganz genau. Die Warrior Diät ist eine Lebensphilosophie und ein Krieger zu sein bedeutet auch, funktionelle Kraft zu besitzen. Man möchte keine Quadrizeps, die einen beim Rennen behindern oder die Fähigkeit zu kämpfen verringern. Rennen ist die erste Verteidigungstaktik und dabei sollten sich die Oberschenkel nicht gegenseitig behindern. Man sollte auch daran denken, dass Frauen eher auf einen schlanken, athletischen Körper stehen, als auf die kolossartige Bodybuildingform.

[ MM ] Die Warrior Diät ist also nicht für breite Bodybuilder gedacht oder für Leute, die wirklich riesig werden wollen?

[ OH ] Nein. Man sollte aber bitte daran denken, dass ich nichts gegen Bodybuilder habe und einige meiner engsten Freunde selbst Bodybuilder sind. Wenn es das ist, was Du willst, dann habe ich da kein Problem mit. Es braucht Entschlossenheit und Disziplin, um ein massiger Bodybuilder zu werden und das respektiere ich. Die Warrior Diät zeigt eine Alternative auf, um Gewicht zuzulegen, ohne dabei die Funktionalität zu vernachlässigen.

[ MM ] Ich habe mit Pavel Tsatsouline (Autor von "Power to the People") an vielen Programmen für Krafttraining gearbeitet und habe viele seiner Ideen in mein Training und das meiner Klienten integriert. Eine Sache, die er wirklich hervorhebt, ist, sich auf funktionelle Kraft und ein starkes ZNS (Zentralnervensystem) zu konzentrieren, anstatt die Funktion der Muskeln durch Hypertrophie verbessern zu wollen.

[ OH ] Damit stimme ich absolut überein. Eines meiner Trainingsprinzipien nennt sich "kontrollierte Ermüdung"

[ MM ] Was hat es damit auf sich?

[ OH ] Man fängt damit an, dass man sich einem intensiven, kardiovaskulären Stress aussetzt, indem man 15-20 Minuten sprintet oder etwas ähnlich Explosives macht. Direkt danach geht man zum Gewichtstraining über. Ich habe gemerkt, dass meine Sprintfähigkeit meine Beinworkouts beeinträchtigt. Nach einem harten Sprint-Workout, kann ich nicht die gleichen Gewichte bewegen, wie normalerweise.

Wir befinden uns ständig in Bewegung und die Fähigkeit, schnell zu springen oder loszurennen, ist um einiges wichtiger, als unsere Werte beim Gewichtheben. Training mit kontrollierter Ermüdung macht einen also härter und hat einen Bezug zu Situationen, wie sie auch im echten Leben vorkommen können.

[ MM ] Siehst Du das Bankdrücken als funktionelle Übung an?

[ OH ] Nein. Ich weiß, dass viele Leute sehr gerne Bandkrücken machen. Allerdings hat diese Bewegung kaum Bezug zum echten Leben, es sei denn, man wird von einer monströsen Frau mit 150 Kilo vergewaltigt (lacht). Warum sollte man überhaupt Bankdrücken machen?

[ MM ] (Lacht) richtig, es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass man jemals in eine Situation kommt, in der man diese Bewegung ausführen muss.

[ OH ] Stimmt, und wenn man sich die Körper von richtigen Kriegern, wie Boxern, Athleten oder Kampfsportlern anschaut, sieht man, dass diese keine sehr große Brustmuskulatur besitzen. Übungen wie Military Press, Kniebeugen, Kreuzheben und Hantelschwünge, sind um einiges funktioneller.

[ MM ] Da muss ich Dir zustimmen. Ich habe mal Religion studiert und die Ernährungsweise einer Organisation mit dem Namen "Nation of Islam", ist hier vielleicht erwähnenswert. Der frühere Anführer der "Nation of Islam", Elijah Muhammad, empfahl einen, der Warrior Diät sehr ähnlichen, Ernährungsansatz. Jedes Mitglied sollte tagsüber nur Wasser trinken und abends mit ihrer Familie ein großes Festmahl abhalten. Sie taten das aus verschiedenen Gründen, unter anderem für geistige und körperliche Disziplin, sowie um tagsüber mental vollkommen wach zu sein.

Ich glaube, Malcolm X hat auch mal gesagt, dass der Instinkt, den Menschen am schwersten kontrollieren können, nicht der Sexualinstinkt ist, sondern das Verlangen nach Nahrung. Des Weiteren sagte er, dass, wenn man in der Lage wäre, den Hunger zu kontrollieren, alles andere kein Problem darstellen würde. Wenn man sich die Mitglieder von der N.O.I. anschaut, fällt einem auf, das kaum jemand von ihnen übergewichtig ist, die meisten sind schlank und in Form.

[ OH ] Sehr interessant. Der Gründer des Islam, der Prophet Mohammed, entsprang einem wilden, mediterranen Stamm. Ich denke, die muslimische Tradition des Ramadan imitiert die Art und Weise, wie diese Stämme damals lebten. Man isst tagsüber nichts oder nur sehr wenig. Die Menschen im mittleren Osten, die heutzutage noch so leben, haben Körper wie aus Stein gemeißelt! Die gleichen Araber, welche in die Städte ziehen, verweichlichen nach kurzer Zeit.

[ MM ] Ich denke, dass Menschen, die ein "hartes" Leben leben, immer besser in Form sein werden, als die Menschen in hoch entwickelten Teilen der Welt, die ein leichtes Leben führen.

[ OH ] Ganz genau Mike, also warum können die Menschen, die wissen, dass unser weicher Lebensstil nicht gut ist, keine Gegenrevolution starten und den Kriegerinstinkt mit unserem modernen Lebensstil kombinieren? Man kann reich und kultiviert sein, in der Stadt leben und trotzdem den "Pfad des Kriegers" bewandern.

Man muss etwas opfern, man kann nicht aussehen wie ein Bodybuilder auf Steroiden, aber das ist sowieso ein falsches Selbstbild. Ich bin kein Christ, aber im Neuen Testament sagt Jesus, dass jeder, der mehr als zwei Mahlzeiten am Tag isst, bei der dritten mit dem Teufel speist.

[ MM ] Interessanter Punkt.

[ OH ] Die Menschen wussten das, was ich inzwischen erzähle, schon lange vorher. Ich versuche nur, es ein bisschen einfacher zu machen und diese Diät ist wirklich nicht schwer zu befolgen. Das persönliche Wohlbefinden wird sich um einiges verbessern. Wenn man bei der Warrior Diät erst mal anfängt zu essen, dann isst man, was man will. Man isst soviel man will, von allen verschiedenen Nahrungsmitteln. Der Körper sagt einem, was man benötigt und man wird es in vollen Zügen genießen.

[ MM ] Sollte man während der Phase der Unterernährung alles Essen vermeiden, oder ist ein bisschen Obst und Gemüse in Ordnung?

[ OH ] Ersteres ist ein möglicher Weg, sehr drastisch, aber auch sehr effektiv. Die ideale Art, die Warrior Diät zu befolgen ist allerdings, ein bisschen Obst und Gemüse zu essen oder Obst- und Gemüsesäfte zu trinken. Warum? Obst und Gemüse hilft dabei, den Körper zu entgiften, versorgt ihn mit Vitaminen und Mineralien und hält den Organismus alkalisch.

Es gibt keinen Ersatz für die Phytochemikalien aus Obst und Gemüse und sie fordern die Verdauung kaum heraus. Man muss nicht viel davon essen und für dich Mike, reicht wahrscheinlich schon eine Portion Karottensaft. Wenn Du einen Apfel, eine Kiwi oder Papaya willst, hau rein. Der natürliche Zucker in diesen Früchten ist an die Ballaststoffe gebunden und besitzt einen sehr niedrigen glykämischen Index.

[ MM ] Wenn Du von Säften sprichst, meinst Du sicher frische Säfte, aus einem Entsafter, oder?

[ OH ] Natürlich, vollkommen frisch zubereitet. Man sollte seine Zeit nicht mit verzuckerten Fruchtsäften verschwenden. Benutze entweder einen Mixer, oder einen Entsafter. Beides ist ok, ich benutze einen Entsafter, weil es besser schmeckt und zu viele Ballaststoffe können bei manchen Menschen zu Blähungen führen. Minimiere die Verdauungsvorgänge und Dein Gehirn ist voll energiegeladen. Es ist der aktivste Teil Deines Körpers. Das Gehirn verbrennt 25% der täglichen Kalorien und sollte nicht vernachlässigt werden.

[ MM ] Eine Sache, die ich bei der Warrior Diät wirklich mag, ist Dein Fokus auf die Ernährung des Gehirns, den kaum eine andere Diät zu besitzen scheint.

[ OH ] Genau, das Gehirn ist die Energiequelle Nummer eins und es kontrolliert jede Deiner Bewegungen. Das Gehirn kontrolliert Deine Stimmung und die Art, wie Du deinen Körper wahr nimmst. Du solltest darauf bedacht sein, dass Dein Gehirn voll leistungsfähig ist. Es sollte aktiv sein und intellektuelle Höchstleistung ermöglichen. Koffein ist hier auch erlaubt und kann, in kleinen Dosen, die Gehirnfunktion verbessern. Auch die Aminosäure Tyrosin kann hier helfen.

[ MM ] Würdest Du empfehlen, dass die Menschen ihre Nahrung von biologischen Quellen beziehen, wo die Tiere ordentlich behandelt werden?

[ OH ] Ja, biologische Nahrungsmittel sind ideal und alle Mühen wert. Man sollte sich allerdings nicht zu sehr Sorgen, falls man nicht immer Zugriff darauf hat.

[ MM ] Nun, Ori, es war toll, mit Dir sprechen zu können und ich danke Dir für deine Zeit. Ich habe unglaublich von der Warrior Diät profitiert und hoffe, dass Dein Buch ein großer Erfolg wird.

[ OH ] Danke Mike und danke auch für deine Unterstützung.

Für mehr Informationen zur Warrior Diät und Ori Hofmekler, geht auf Oris Homepage, unter:
http://www.warriordiet.com

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