Die artgerechte Ernährung des Homo Sapiens

Im Land von Milch und Honig (IV)

Was die Milch macht und was nicht!

Unsere Milch scheint vor einigen Krebsarten schützen zu können und die anderen wiederum zu begünstigen. Das Wachstum von Krebszellen wird vor allem mit dem relativ hohen IGF Gehalt (Insulin like Growth Factor) in Verbindung gebracht. Insulin und IGF sind Wachstumshormone für die insulinunabhängigen Körpergewebe. Der CLA Gehalt dagegen soll krebshemmende Eigenschaften besitzen.

Eine Insulinresistenz und ständig hohe Insulinspiegel erhöhen ebenso den IGF Gehalt in unserem Blut. Und eine Insulinresistenz, und dadurch erhöhte Insulinspiegel, wird, wie wir schon gesehen haben, durch Immunreaktionen, vor allem chronische, durch Nahrungsmittel mit hoher glykämischer Last, dazu gehören alle kohlenhydratreichen Nahrungsmittel, wenig Bewegung und ständigem "Snacken" induziert.

Eigentlich können wir nicht mehr von Untersuchungen reden, weil die exakten Parameter oft gar nicht angegeben werden. Das ist irreführend. Aber wir versuchen es trotzdem.

Im Land von Milch und Honig!


Verschiedene Untersuchungen zeigen, dass Milch und Milchprodukte eine Insulinresistenz positiv beeinflussen können (Tremblay A, Gilbert JA 2009, Hirschler V. 2009). Sportler, vor allem Bodybuilder, konsumieren schon immer viel Milch, essen Quark, Käse und all diese Dinge und erkranken nicht häufiger als die Normalbevölkerung an Krebs oder Diabetes. Ebenso gibt es Länder, welche gut, gerne und viel Käse verzehren. Dazu gehören unter anderem Griechenland, Frankreich und Malta. Diese Länder zeigen weder eine extreme Anzahl an Schlaganfällen, Herzinfarkten, Krebs noch Diabetes (Debraj Mukherjee Chirag G. Patil 2011, Anthony S. Kim, MD; S. Claiborne Johnston, MD, PhD 2011). Milch und Milchprodukte, ausgenommen Vollmilch, sind nicht mit bösartigem Prostatakrebs assoziiert (Pettersson A et al 2012).
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    Die Untersuchungen, die zeigen, dass Milch gut oder schlecht ist, sind meistens keine tatsächlichen Untersuchungen oder randomisierte und placebokontrollierte Experimente mit Kontrollgruppen, wie der bereits angegebene direkte Vergleich von Cola und Milch , sondern stammen aus epidemiologischen Daten, wiederholten Fragebögen und ähnlich "ungenauen" Messinstrumenten.
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Und Metanalysen, welche diese recht schwammigen Daten auswerten, kommen zu dem Ergebnis, dass Milch und Milchprodukte sich eher positiv, als negativ, auf die Gesundheit auswirken können (Peter C. Elwood et al 2010). Ich weiß aber immer noch nicht welche Milch hier genau untersucht wird oder wurde.

Der Mehrverzehr von Milchprodukten korreliert auch in weiteren Untersuchungen mit einem geringeren Auftreten von Typ-2-Diabetes, Insulinresistenzen, Schlaganfall und Bluthochdruck (Choi HK et al 2005, McGregor RA, Poppitt SD. 2013). Eine epidemiologische Erfassung, welche jedoch keinen Aufschluss auf die genauen Wirkmechanismen gibt, konnte ebenfalls zeigen, dass der Verzehr von Milchprodukten das Risiko und Auftreten des metabolischen Syndrom X reduziert, den Blutdruck senken kann und dass diese Personen, welche öfter Milchprodukte verzehren, einen niedrigeren BMI aufweisen (Fumeron F et al 2011).

Die Verwendung von Milchprodukten während einer kalorienreduzierten Ernährungsweise scheint sich positiver auf Körperfettabbau und Muskelaufbau auszuwirken, als diese nicht zu verwenden (Abargouei AS et al 2012). Das kann an der konjugierten Linolsäure, den BCAAs, oder dem Calcium liegen, welche allesamt mit einem geringeren Körperefttanteil und erhöhtem Anteil an fettfreier Körpermasse korrelieren (Hanks LJ et al 2010, Carruth BR, Skinner JD. 2001, Gaullier JM et al 2004, Abreu S et al 2012, Mourier A et al 1997).

Eventuell ist das auf die Stimulation von RXR (Retinoid X Rezeptor ~ Vitamin A Rezeptor) und PPAR durch Milchprodukte zurückzuführen (Suhara W et al 2009). Peroxisom-Proliferator-aktivierte Rezeptoren (PPARs) sind intrazelluläre Rezeptoren, die von einem Liganden aktiviert werden müssen und haben eine wichtige, regulierende Funktion in Bezug zum Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel, Entzündungen (Hemmung) und Zellregenerierung.

PPAR Agonisten, das bedeutet alle Dinge die diesen Rezeptor unterstützen, haben einen positiven Effekt auf Krankheiten wie Hyperlipidämie, Diabetes, Artherosklerose und Übergewicht. Die Stimulation dieser Rezeptoren erfolgt beispielsweise auch durch verschiedene "Antidiabetika" (Bhatia V, Viswanathan P. 2006).

Der PPAR alpha und delta, welcher von Milch stimuliert wird, erhöht die CPT1 (Carnitin- Palmitoyl- Transferase = "Carnitinabhängiger Fettsäuretransporter in unseren Mitochondrien") und dadurch die Fettoxidation und die Reduktion von freien Fettsäuren im Blut. Auch werden dadurch Uncoupling Proteine (UCP1 und 2) verstärkt gebildet, welche dazu dienen, überschüssige Energie in Form von Wärme zu verbrauchen ("Thermogenese").

Milchkonsum kann auch die "Langlebigkeitsgene" Sirt1 erhöhen, das körpereigene antioxidative System über NRF1 und PGC1alpha stimulieren und wie schon gezeigt uncoupling Proteine erhöhen. Auch die Mitochondrienvermehrung wird durch Milchkonsum angeregt (Bruckbauer A, Zemel MB. 2011). Im Vergleich mit Sojamilch kann normale Kuhmilch oxidativen und entzündlichen Stress, welcher mit Übergewicht verbunden ist, reduzieren (Zemel MB et al 2010).

Und der Konsum von Rohmilch kann schützend bei Asthma und Allergien wirken. Dieser schützende Effekt soll mit dem Molkenanteil der Milch assoziiert sein (Waser M et al 2007, Loss Get al 2011).

Zu den Milchprodukten zählen natürlich alle Dinge, die aus dem "weißen Gold" hergestellt werden. Zum Beispiel fermentierte Milchprodukte wie Joghurt und Kefir. Wenn der Milch verschiedene Probiotika (~ "für das Leben"), eventuell Milchsäurebakterien (Laktis) zugesetzt werden, wandeln diese, auch im Darm vorkommende Bakterien, den Milchzucker in Milchsäure um. Solche Milchprodukte sind also milchzuckerreduziert, schmecken etwas säuerlich und können, da die Milchsäure Flüssigkeit binden kann, das Stuhlvolumen etwas erhöhen und den Stuhl weicher machen.

Im Land von Milch und Honig!


Multiple Sklerose und Milch?

Bodybuilder und Kraftsportler verwenden extrem viele Milchprodukte: Magerquark, Hüttenkäse, Joghurt, Konzentrate und andere. Aber birgt dieser massive Konsum auch ein massives gesundheitliches Risiko?

Das Protein Butyrophilin aus der Milch soll eine Rolle bei der Entstehung von Multipler Sklerose spielen, da es dem Myelin Oligodendrocyte Glycoprotein (MOG) sehr stark ähnelt ("ein Protein des Rückenmarks") (Stefferl, Schubart et al, 2001).

Butyrophilin gehört zu den Minorproteinen in der Milch. Milch hat etwa 0,1g Butyrophilin, 6g Molken- und 27g Caseinprotein pro kg. Käse ist Milch in etwa 10- facher Konzentration und enthält somit 10x mehr Butyrophilin. Das bedeutet, dass vor allem konzentrierte Milchprodukte vermieden werden sollten, nicht unbedingt die gute Rohmilch vom Biobauern. Oder? Hat jeder Multiple Sklerose der Milch konsumiert?

Durch einen durchlässigen Darm gelangen Milchproteine wie Butyrophilin unverdaut ins Blut und können bei genetisch prädispositionierten Menschen an der Entstehung von dieser Autoimmunerkrankung beteiligt sein. Sahne, Butter und Käse weisen allerdings eine weitaus geringere Korrelation auf als "handeslübliche Milch". Welche Milch (Malosse D et al 1992)? Wie bitte? So ein Durcheinander.

"Theoretisch" müsste Käse, da es mehr Butyrophilin enthält doch mehr Multiple Sklerose, sofern die ganze Sache stimmt, auslösen können? Oder spielt auch hier wieder die Qualität, Fütterung, Verarbeitung, Menge und andere Lebensstilfaktoren die entscheidende Rolle? Multiple Sklerose scheint häufiger in "modernisierten" Gebieten aufzutreten. Nordamerika, Europa. Interessant ist, dass ganz Afrika kaum von Multiple Sklerose betroffen ist, bis auf Kappstadt.

Liegt es an der Highttechumgebung? Der Ernährungsweise? Amalgangebrauch? Neurodegenerative Erkrankungen korrelieren z.B. mit Zahnarztbesuchen und Zahnärzte sind oft von solchen Erkrankungen heimgesucht. Liegt es an unseren Vorfahren? Dort wo Multiple Sklerose am häufigsten auftritt, Nordamerika, Europa und Neuseeland, dort wohnen Menschen die eigentlich aus dem (Nord-)Europäischen Raum stammen (Multiple Sklerose, Thieme Verlag). Oder liegt es an der Kuhmilch? Oder benötigt es erst mal ein leaky gut?

Was macht noch einmal ein leaky gut? Mit großer Wahrscheinlichkeit, wie wir schon gesehen haben, entstehen Autoimmunerkrankungen, dazu gehört die Multiple Sklerose, nur dann, wenn die Körperbarrieren "überwunden" wurden und "leaky" sind. Jedoch gibt es ebenfalls Zusammenhänge zwischen Typ-1-Diabetes, einem Autoimmungeschehen welches die Betazellen der Bauchspeicheldrüsen zerstört, und dem Kontakt von Caseinprotein der Milch im frühen Kindesalter (Monetini L et al 2002, Harrison LC, Honeyman MC. 1999, Luopajärvi K et al 2008, Wasmuth HE, Kolb H. 2000).

Im Land von Milch und Honig!


Das bedeutet, da Kinder bis etwa zum 2. Lebensjahr ein "leaky gut" aufweisen, verschiedene Nahrungsproteine, ungehindert und unverdaut, also intakt, in das Blut gelangen können. Dort wird das Immunsystem auf diese Fremdproteine aufmerksam und kann, wenn genetisch prädispositioniert, eine "molekulare Mimikry" auslösen ("Verwechselungsreaktion von Fremdprotein mit körpereigenem Gewebe, da es eventuell ähnlich aussieht").

Wie das leaky gut Syndrom bei einem Erwachsenen entsteht, haben wir ja schon ein paar Male gezeigt. Also wären Milchproteine nur dann gefährlich, wenn man ein permeablen Darm besitzt. Aber wollt ihr meine Meinung hören? Hätte ich Autoimmunerkrankungen in meiner Verwandtschaft oder selbst Multiple Sklerose, dann würde ich den Konsum von Milchprodukten zumindest sehr stark reduzieren, da es sich, rein wissenschaftlich, um einen Risikofaktor für Autoimmunerkrankungen handelt, und bei einer Laktoseintoleranz würde ich darauf vertrauen, dass mir Mutter Natur damit etwas sagen möchte und ebenfalls die Finger von Milchprodukten lassen und nicht "schon wieder" der Natur reinfuschen und mit Laktasekapseln arbeiten.

Das französische Paradox: alles Käse?

Der Rotweinhersteller, sagt, die Franzosen seien so gesund durch ihren Rotwein. Allerdings zeigt eine Untersuchung von 2012, dass Käse, vor allem Schimmelkäse, bestimmte Stoffe bildet, welche Entzündungsmarker wie den CRP, die Blutfettwerte, den Cholesterin, verschiedene Zytokine (Tumornekrosefaktor Alpha), positiv beeinflussen können. Auch bakterielles Wachstum kann durch Schimmelpilzkulturen gehemmt werden (Petyaev IM, Bashmakov YK. 2012). Also durch den Verzehr von Käse werden alle Risikofaktoren für das metabolische Syndrom und Herzkreislauferkrankungen reduziert. Der Blutdruck und schon beschriebene "Symptome" reagieren ebenfalls positiv auf einen gesteigerten Konsum von "guten" Milchprodukten. Ist die Gesundheit der Franzosen also auf den Käse zurück zu führen und nicht auf den Rotwein?

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Bilder: ILRI | Wikipedia.de | Florian Siepert

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