Helenes Blog

Warum sich Influencen mehr lohnt, als Wettkämpfe zu bestreiten

Der ein oder andere wird sich sicher schon einmal gefragt haben, was so ein Wettkampf eigentlich kostet. Hierbei muss man ganz klar zwischen Landesmeisterschaften und internationalen Meisterschaften unterscheiden. Im Folgenden möchte ich mich rein auf internationale Wettkämpfe beschränken, wie ich sie in der letzten Herbstsaison bestritt.

Theoretisch hat man das ganze Jahr über laufende Kosten. Sei es die Gebühr im Fitnessstudio, hochwertige Lebensmittel oder Supplemente (fällt bei mir dank Sponsoring durch Peak Performance Products heraus). Hinzu kommt noch die Betreuung durch einen Vorbereiter, wenn man das Ganze nicht selbstständig macht.

Was ich hier noch mit aufzählen möchte, ist das jährliche Blutbild, welches ich als Privatleistung mit abdecke. Letzteres ist auch ohne den Einsatz von Hilfsmitteln für mich wichtig, da Wettkampfdiäten ebenso Stress für den Körper bedeuten können und man mögliche Probleme so vermeiden kann. Sowas kostet je nach Anzahl der zu bestimmenden Werte bis zu 200€.

Foto: Helene Fiedler

Fangen wir also mit den Kosten für den eigentlichen Wettkampf an.

Zuerst bezahlt man eine Gebühr beim DBFV für die Starterlizenz, welche sich auf 50 € für ein Kalenderjahr bezieht. Die IFBB Card (blaues Buch) kostet nochmal 30 € pro Kalenderjahr. Danach folgen die Startgebühren für einen internationalen Start, welche sich zwischen 200 und 250 € belaufen.

Je nachdem, wo die Veranstaltung stattfindet (ich bleibe mal im Raum Europa), kommen diverse Reisekosten hinzu. Meist fliegt man zu dem Event. Kosten sind hier recht unterschiedlich. Ich würde mit Transfer zum Veranstaltungsort Pi mal Daumen 400 € rechnen. Könnte aber auch mehr oder weniger sein.

Auch bei der Wahl der Unterkunft ist es sehr unterschiedlich. Ein Hotel kostet natürlich oft mehr. Ich zum Beispiel mag Airbnb. Dort gibt es ganze Unterkünfte, was sich als enorm praktisch erweist, wenn eine Küche vorhanden ist. Das Ganze bekommt man meist für einen Bruchteil der sonstigen Hotelkosten (im Schnitt 200 € je nach Größe/Lage und Aufenthaltsdauer).

Damit ist das Ganze aber noch nicht getan.

Ein Wettkampfbikini, wenn er neu angefertigt wird, ist Handarbeit und mit Swarovski Steinen beklebt. Je nach Menge der Steine, variiert der Preis auch hier stark. Über eine Börse bei FB kann man auch gebrauchte Bikinis erwerben, die dann günstiger sind. Im Schnitt liegt man aber auch hier bei 250 bis 700 €.

Es folgt das Tanning. Es gibt Dienste vor Ort, die dies anbieten. Auch hier variieren die Preise stark. In Finnland hätte der ganze Spaß 150 € gekostet. Eine Flasche Top tan kostet ca. 25 € und eine benötigte Lackrolle gibt es preiswert im Baumarkt. Dazu benötigt man jedoch immer eine Person, die die Farbe aufträgt.

Bei uns Frauen kommen dann noch Make-up und Haare hinzu. Das kann man im besten Fall selbst erledigen und sich das Geld (60 bis 90 €) sparen.

Einmalige Anschaffungen sind Schuhe (ca. 60 €), Wettkampfschmuck günstig bei eBay und Co. (ich nehme auch jedes Jahr den gleichen), Haarteile (ca. 125 €) und evtl. Kleinkram.
Rechne ich also mal grob zusammen (einmalige Anschaffungen außen vor), sind wir für einen internationalen Wettkampf schnell bei fast 2.000 Euro.
Ja, da schluckt man erstmal, wenn man diese Zahl sieht. Dafür, dass man teilweise Stunden bei einer Anmeldung steht und auf den eigentlichen Wettkampf wartet, um dann 5 Minuten da oben präsent zu sein. Ich glaub, wir sind alle verrückt. Muss man vielleicht auch sein.

Was bringen mir Sponsoren?

In der heutigen Zeit, wo sogenannte Influencer weit mehr als 100k Follower bei Instagram haben, ist es schwer als Wettkampfsportler, überhaupt noch ein Stück vom Kuchen abzubekommen. Heutzutage zählt keine sportliche Leistung mehr, sondern nur, wie groß deine Reichweite ist. Und da Wettkampfsportler meist nur eine Randgruppe von Personen anspricht, ist das für viele Firmen auch nicht so lukrativ.

Klar, viele Influencer verkaufen sich gut, tolle Bilder in super Qualität. Da gibt es bei geschäftstüchtigen Personen mit sehr großer Reichweite schnell mal für 4 Posts um die 1000 €. Oder allein schon, wenn man eine Firma in seinem YouTube Video erwähnt, rollt der Rubel. Wobei YouTube und Co. auch Arbeit bedeuten und man auch dort immer am Ball bleiben muss.

Ich denke, dafür fehlt dem Großteil der Wettkampfsportler die Zeit, ganz zu schweigen auch die Lust. "Selber schuld!", könnte man jetzt sagen.

Foto: Helene Fiedler

Ich zum Beispiel habe nach zeitig Aufstehen, 9 Stunden auf Arbeit sein, privaten Krempel erledigen, Sport, etc. pp. nicht noch den Elan, mich in Schale zu werfen, und mit der Kamera loszuziehen. Zumal ich auch nicht 24/7 wie aus dem Ei gepellt aussehe und man braucht immer jemanden, der gute Bilder macht und sich etwas mit Bildaufbau auskennt.
Was man als Athlet durch ein Sponsoring "verdient", gibt man im gleichen Zug wieder dafür aus, um sein Hobby zu finanzieren bzw. nicht alles komplett allein zu stemmen.
Was ja nicht verkehrt und Sinn der Sache ist.

Deswegen bin ich froh, dass mich Peak Performance Products so gut unterstützt. Ich kann mich gut mit der Marke identifizieren, da ein Großteil des Teams nur aus Wettkampfsportlern wie Tim Budesheim, Pia Kramps, Mike Sommerfeld, Thomas Scheu, Birthe Mack, Eric Leto, Fabian Buchert usw. besteht. Außerdem mag ich die Produkte wirklich, auch wenn das immer etwas komisch klingt, wenn gesponserte Athleten so etwas sagen.

Für mich ist es auch wichtig, dass ich nur Produkte/Firmen weiterempfehle, dessen Produkte mich überzeugen und auch längerfristige Kooperationen sind wünschenswert. Klar, bekommt man immer wieder Angebote, aber mittlerweile bin ich auch auf dem Stand, dass ich meine Seele nicht mehr für eine Tüte Eiweiß oder Fitness Tee verkaufe. #nohate

Aber solche Angebote finanzieren mir halt, realistisch gesehen, auch nicht meine Wettkämpfe.

Hinzu kommt, dass mich Elena Shportun Sportswear dieses Jahr mit einem Bikini ausgestattet hat, welches mir zusätzlich einen großen Kostenfaktor abnimmt. Mittlerweile ist es mein 3. Wettkampfbikini von ihr.

Klar, dass ich zu meinem Sponsor Peak oder anderen Unternehmen, die mich unterstützen, immer mal wieder Werbung auf meinen Kanälen posten muss. Ich versuche das Ganze aber im Rahmen zu halten und nicht dauernd die Eiweißtüte in die Kamera zu halten. Dezente Produktplatzierung. Dennoch denke ich, ist es für viele lästig, was ich wiederum auch verstehen kann. Ich will auch nicht ausschließlich Werbung auf einer Seite sehen.

Habt also etwas Nachsicht mit uns Wettkampfathleten, wenn wir #Werbung posten.

Sportliche Grüße
Eure Helene

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