Ist eine orale Glutamin Supplementation für Sportler von Vorteil?

Ein Artikel von Bodybuilding.com
von Derek Beast Charlebois

Die Mehrheit der Studien, welche die Wirkung von Glutamin auf die Proteinsynthese und den Proteinabbau untersuchen, verwenden ein Glutamininfusion als Art der Verabreichung. Eine Infusion oder Injektion von Glutamin führt zu höheren Plasmakonzentrationen von Glutamin und einer schnelleren Verfügbarkeit des Glutamins im Blutkreislauf. Diese könnte bedeuten, dass die auf diese Art und Weise ermittelten Ergebnisse nicht oder nur teilweise auf eine orale Einnahme von Glutamin zutreffen.

Zusätzlich hierzu wird etwa die Hälfte des oral aufgenommenen Glutamins von den Verdauungsorganen (insbesondere von den Zellen der Magenschleimhaut), der Leber und den Nieren verbraucht. Dies führt zu der weit verbreiteten Annahme, dass eine orale Glutamin Supplementation nicht besonders effektiv ist.

In diesem Artikel werde ich zuerst auf die Rolle des Glutamins in Körper und seine stoffwechseltechnischen Eigenschaften eingehen und anschließend die Ergebnisse der zurzeit verfügbaren Studien bezüglich einer oralen Glutamin Supplementation näher betrachten.

Welche Aufgaben hat Glutamin im Körper?

Glutamin ist eine glukogene (Glukose generierende), nichtessentielle Aminosäure, welche im Körper unterschiedliche Aufgaben erfüllt. Glutamin wird hauptsächlich in der Skelettmuskulatur und der Leber synthetisiert und dient als "Stickstoff Transporteur" zwischen den Organen, als Energielieferant für das Immunsystem und die Verdauungsorgane und als Ausgangsstoff für die Nukleotid Synthese (Holecek, 2002).

Glutamin ist ein wirkungsvoller Zellvoluminisierer (Haussinger und Kollegen 1993). Eine Vergrößerung des Zellvolumens stimuliert den anabolen Signalweg (Synthese von Protein und Glykogen) und unterdrückt den katabolen Signalweg (Proteinabbau) (Haussinger, 1993). Laut Houston (2001) "scheint der Glutaminspiegel in der Skelettmuskulatur und anderen Körpergeweben eine regulierende Funktion bei der körperweiten Proteinsynthese zu besitzen." Der Glutaminspiegel innerhalb der Muskulatur beeinflusst Proteinsynthese und Stickstoffbilanz und somit auch das Muskelwachstum (Van Acker und Kollegen 1999).

Für eine optimale Gesundheit und Hypertrophie der Skelettmuskulatur werden adäquate Glutaminkonzentrationen benötigt. Aus diesem Grunde ist es wünschenswert den Glutaminspiegel auf einem hohen Niveau zu halten, was besonders während und nach dem Training wichtig ist.

Glutaminstoffwechsel und Training

Während Zeiten starker Anstrengung, wie sie z.B. beim Training auftreten, sinken die Glutaminspiegel der Muskulatur. Das von der Skelettmuskulatur freigesetzte Glutamin stammt aus dem Muskelprotein, dem intramuskulären Aminosäurepool und vom Körper neu synthetisiertem Glutamin (Van Acker, 1999). Das vom Körper neu synthetisierte Glutamin wird unter Verwendung von verzweigtkettigen Aminosäuren (BCAAs), welche durch den Abbau von Muskelprotein zur Verfügung gestellt werden, hergestellt (Holecek, 2002).

Die Plasma- und Muskelglutaminspiegel sind nach dem Training reduziert und es kann mehrere Stunden dauern, bis diese wieder ihren Ausgangswert vor dem Training erreicht haben (Rowbottom, 1996). Eine Studie, welche die Wirkung einer oralen Zufuhr von freiem Glutamin und Glutaminpeptiden auf die Muskelglykogensynthese untersuchte, kam zu dem Ergebnis, dass der Plasmaglutaminspiegel nach dem Training bei der Kontrollgruppe, welche nur Glukose zu sich nahm, um 20 % reduziert war. Bei den Probanden, die Wheyprotein oder Weizenproteinhydrolisat in Verbindung mit einem Glukosedrink zu sich nahmen zeigte sich keine Reduzierung des Plasmaglutaminspiegels. Die Einnahme von freiem Glutamin in Verbindung mit Glukose führte im Vergleich hierzu zu einer Erhöhung des Plasmaglutaminspiegels um 200 % (Van Hall, 2000). Es bedurfte also einer Supplementation mit freiem Glutamin um die Plasmaglutaminspiegel nach dem Training zu erhöhen.

Zusätzlich zu dieser Wiederherstellung und Erhöhung des Plasmaglutaminspiegels erhöhte die Glutamin Supplementation die Einlagerung von Muskelglykogen im selben Maße wie Glukose (Bowtell, 1999).

Die Bioverfügbarkeit einer oralen Glutamin Supplementation

Da Glutamin als wichtige Energiequelle für den Verdauungsapparat dient, sind manche Menschen skeptisch, was die Bioverfügbarkeit oral zugeführten Glutamins betrifft. Bowtell und Kollegen (1999) fanden heraus, dass 46 % einer oralen Gabe von 8 Gramm Glutamin im Blutkreislauf ankamen, während 53 % des verabreichten Glutamins im Verdauungstrakt, der Leber und den Nieren verstoffwechselt wurden.

Der Verbrauch von 53 % des oral aufgenommenen Glutamins durch Verdauungstrakt, Leber und Nieren klingt auf den ersten Blick wie eine schlechte Nachricht, doch man sollte bedenken, dass Glutamin als Energiequelle für diese Organe dient und der Bedarf an Glutamin während Zeiten erhöhter Belastung steigt (Van Acker und Kollegen. 1999). Durch die Zufuhr zusätzlichen Glutamins benötigen diese Organe weniger Glutamin aus der Skelettmuskulatur um ihren Glutaminbedarf zu decken.

Studien haben gezeigt, dass eine orale Glutamin Supplementation den Plasmaglutaminspiegel erhöht. Aufgrund der Tatsache, dass die Glutaminspiegel der Skelettmuskulatur und des Plasmas während körperlicher Belastung sinken, ist eine Glutamin Supplementation für den Sportler vorteilhaft.

Auch wenn es noch weiterer Untersuchungen bedarf, um die Wirkung oral zugeführten Glutamins auf die Proteinsyntheserate der Skelettmuskulatur genauer bestimmen zu können, zeigen die in diesem Artikel zitierten wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass es angemessen erscheint anzunehmen, dass eine Glutamin Supplementation aufgrund ihrer Fähigkeit zur Erhöhung der Plasmaglutaminspiegel eine positive Auswirkung auf die Proteinsyntheserate hat.

Quellen:

  1. Bowtell JL, Gelly K, Jackman ML, Patel A, Simeoni M, Rennie MJ. Effect of oral glutamine on whole body carbohydrate storage during recovery from exhaustive exercise.
    J Appl Physiol. 1999 Jun;86(6):1770-7.
  2. Haussinger D et al. Cellular hydration state: An important determinant of protein catabolism in health and disease. Lancet 341:1330-1332.1993.
  3. Holecek M. Relation between glutamine, branched-chain amino acids, and protein metabolism. Nutrition. 2002 Feb;18(2):130-3. Review.
  4. Rennie, M. J., A. Ahmed, S. E. O. Khogali, S. Y. Low, H. S. Hundal, and P. M. Taylor. Glutamine metabolism and transport in skeletal muscle and heart and their clinical relevance. J. Nutr. 126: 1142S-1149S, 1996.
  5. Rowbottom DG, Keast D, Morton AR. The emerging role of glutamine as an indicator of exercise stress and overtraining. Sports Med. 1996 Feb;21(2):80-97. Review.
  6. VanAcker BA,.et al. (1999) Glutamine:the pivot of our nitrogen economy? JPEN, 23:S45-8.
  7. Van Hall G, Saris WH, van de Schoor PA, Wagenmakers AJ. The effect of free glutamine and peptide ingestion on the rate of muscle glycogen resynthesis in man. Int J Sports Med. 2000 Jan;21(1):25-30.

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