Wie ging es nach den 12 Wochen weiter?

Ein Jahr mit einem Fitbit-Armband: ein Rückblick

Am 27.09.2017 war es soweit: Nach einiger Überlegung und nachdem ich aus dem Urlaub zurückgekehrt war, nahm ich erstmals mein frisch erworbenes Charge 2 an das linke Handgelenk, um diesem kleinen Gadget eine faire Chance zu geben. Kann ein Armband meinen Verbrauch genau genug messen, um mich bei meinem Zielen zu unterstützen? Ich war unschlüssig. Ein Jahr später bin ich nun um Einiges klüger.

Wie alles begann

Das Jahr 2017 war von relativer Ziellosigkeit geprägt. Der eigentlich im April angesetzte Marathon fiel kurzfristig wegen einer Erkrankung aus, wobei die Vorbereitung selbst auch nicht wirklich gut verlaufen war. Ich trainierte Beugen und Heben schwer, aber auch nicht wirklich fokussiert und das Gewicht lag bei knapp über 80 Kilogramm auf 174 cm Körpergröße. Sicherlich für Otto-Normal-Bürger immer noch in guter Form, jedoch nicht unbedingt meinen Maßstäben entsprechend. Dennoch schaffte ich es nicht, mich so wirklich zu motivieren.

Kalorien zählte ich zuletzt um 2015, wobei man mit der Zeit eine gute Orientierung für bestimmte Mengen bekommt. Problematisch sind dann wohl eher kleine Snacks oder große Ausnahmen, die jedoch nicht durch Minimalismus an anderen Tagen ausgeglichen wurden. Ich war bei weitem nicht fett, fühlte mich aber so und trotzdem benötigte es einige Zeit, bis der Leidensdruck groß genug wurde, wie man so schön sagt.


So war es dann im September soweit, dass ich eine gute Wheynachtsform erlangen wollte, wie ich es im Spaß formulierte und erstmals sollte mich dabei ein Fitnessgadget unterstützen. In meinen Seminaren gab es seit Jahren bereits immer wieder Menschen, die sehr begeistert von den Armbändern waren. War da also vielleicht tatsächlich etwas dran?

Trotz aller Skepsis von meiner Seite, war mein Gedanke, im besten Fall doch eine bessere Kontrolle über meine Bilanz zu haben. Ich hätte das Defizit nicht nach Gefühl legen bzw. eine Kalorienzahl mehr oder weniger mit Hilfe von Formeln willkürlich wählen müssen, sondern könnte mich an einer konkreten Zahl orientieren, was entsprechend auch das Ziel war. Es sollten 300 kcal im Schnitt sein, die täglich eingespart werden, bzw. 2.100 kcal pro Woche. Am 27.09.2017 ging es schließlich los. Ganz entgegen aller Diättraditionen an einem Mittwoch.

Die ersten 12 Wochen

Um es kurz zu machen: Es lief besser als erwartet. Man könnte sagen: perfekt! In einem ersten Artikel veröffentlichte ich bereits am 01.01.2018 das 12-Wochen-Fazit und präsentierte ausführlich die vom Charge 2 gesammelten Daten.

Ich war schon immer ein Freund vom sinnvollen IIFYM, so dass eine Diät nicht zwangsläufig Einschränkungen oder Verzicht für mich darstellte. Dennoch machte die Tatsache, die volle Kontrolle zu haben und nicht auf weniger als nötig verzichten zu müssen, die Diät in den ersten 12 Wochen so entspannt, wie noch nie in meinem Leben.

Gleichzeitig kamen im Zuge des ersten Artikels natürlich zig Kommentare bezüglich der Genauigkeit auf. Eines sei daher klargestellt: Dieser Erfahrungsbericht ist weder gesponsert noch will ich irgendjemanden zu irgendwas überzeugen. Darüber hinaus gibt es weitere Anbieter von Fitnessarmbändern, die vermutlich ähnlich, wenn nicht sogar genauso gut funktionieren. Wenn so ein Armband bei dir allerdings nicht funktioniert, könnte es an den im Folgeartikel dargestellten Gründen liegen. Die Geräte müssen – genauso wie Formeln – immer von einem gesunden Körper ausgehen und selbst dann sind sicherlich Abweichungen möglich. Summieren sich diese tatsächlich auf die Woche betrachtet so sehr, dass es nicht zu erwarteten Veränderungen kommt, so sollte man nicht zwangsläufig der Technik die Schuld geben. Es gibt eine Vielzahl an möglichen Gründen, dass das Problem beim Anwender liegt.

Aber selbst wenn so ein Gadget einem auf die Woche gesehen einen zu hohen oder zu niedrigen Wert anzeigt, so hat man dennoch eine Orientierung, die man als Maßstab nehmen kann. Einfach gesagt, die Ungenauigkeit für sich selbst abziehen oder addieren und man hätte keinerlei Nachteile mehr. Das Problem der meisten Personen liegt aber vermutlich – wie so oft – in mangelnder Geduld. Wenn du diesen Text liest und seit Monaten immer wieder den Kurs änderst, in der Hoffnung deinem eigenen Ideal näher zu kommen, überlege, ob dies nicht der Grund ist, dass du dich ständig nur im Kreis bewegst.

Marathon, Powerlifting, Bodybuilding in 4 Wochen

Da die Diät so einfach verlief, entschloss ich mich im Januar weiter zu machen und zu schauen, wie weit die Form noch verbessert werden könnte. Bereits 2011 war ich im Bodybuilding in der Athletik-Klasse des NACs gestartet und der letzte Powerliftingwettkampf lag nun auch ein wenig zurück. Zumindest für das Bewegen schwerer Gewicht hatte sich mein Feuer durch einige Zufälle wieder entfacht, und dass die Landesmeisterschaft des BVDKs quasi vor meiner Haustür stattfand, war mehr oder weniger ein Zeichen. Die 74er-Klasse war also für Ende April das Ziel.

Gleichzeitig lief die Vorbereitung für meinen dritten Marathon weiter. Die Anmeldung für das Anfang April stattfindende Event in Hannover wurde bereits im Herbst 2017 getätigt, da ich die Niederlage aus dem Vorjahr nicht so auf mir sitzen lassen wollte. Ich musste also zunächst gut 42 Kilometer laufen und drei Wochen später möglichst schwer Beugen, Drücken und Heben. Das klang nach einer Aufgabe nach meinem Geschmack.
Darüber hinaus eignete ich mir mit dem 01.01.2018 nun endgültig eine positive Verhaltensweise an: Ich ging jeden Tag mindestens 10.000 Schritte.
Nicht im Durschnitt auf die Woche betrachtet, sondern tatsächlich jeden Tag, was mir in den ersten 12 Wochen nicht immer gelang. Ich finde es nach wie vor erstaunlich, wie wenig man sich in einem normalen Alltag bewegt und selbst wenn man meint, relativ viel auf den Beinen gewesen zu sein, schafft man es kaum die 10.000 Schritte nebenbei zu erreichen, wenn man das Auto zur Arbeit nimmt und von Tür zu Tür fährt.

Auch diese Phase lief optimal. Ich hielt mein Defizit von 2.100 kcal kontinuierlich ein und nahm im Schnitt gesehen weiterhin kontinuierlich ab, während ich gleichzeitig meine Leistungen steigern konnte. Letzteres war sicherlich auch dem Fakt geschuldet, dass ich an der Langhantel einige Zeit nicht mit voller Intensität trainierte und nun im Januar erstmals begann, fokussierter an das Ganze heranzugehen.

Es lief sogar so gut, dass meine Beine – für meine Verhältnisse – relativ frei wurden. Ein Zustand, den ich selbst 2011 mehr schlecht als recht erreichte, so dass ich mich entschloss, auch die Norddeutsche Meisterschaft des NACs noch mitzunehmen. Wenn ich schon einmal in Form war und für den Powerlifting-Wetttkampf sowieso Gewicht haben musste, dann könnte ich auch eine Woche später mit Posingslip auf der Bühne stehen. Gesagt, getan.

Am 07.04.2018 lief ich den Hannover Marathon in 3 h 31 min, am 28.04.2018 brachte ich 170-100-210 Kilogramm raw in die Wertung mit 73,3 kg auf der Waage und eine Woche später erreichte ich den fünften Platz von sieben Teilnehmern in der Athletik-II-Klasse des NACs, mit einem Juri Fege einen Platz vor mir, womit ich insbesondere unter Berücksichtigung der Gesamtumstände gut leben konnte.
Kleiner Disclaimer dazu: Ich hatte mir vor einigen Jahren den rechten Trizeps bei einem Motorradunfall so verletzt, dass ich bis heute eine muskuläre Dysbalance habe. Zeitweise war über Monate nicht an Bankdrücken zu denken. Ich bin inzwischen komplett uneingeschränkt, nur die Leistung wird wohl nie sonderlich gute Maßstäbe annehmen.

Das letzte halbe Jahr

Während der Hannover Marathon inzwischen gut ein halbes Jahr her ist, gingen seit dem Bodybuildingwettkampf fünf Monate ins Land. Während des Gewicht nach dem Bodybuildingwettkampf bei 74,2 Kilogramm im Schnitt lag, stabilisierte sich dieses schnell bei 75 Kilogramm, was ich seitdem halte.

Nachdem die Wettkampfsaison vorbei war, erhöhte ich die Kalorien auf Erhaltung – weiterhin bezogen auf die Werte des Charge 2 – und machte mehr oder weniger weiterhin das, was ich das halbe Jahr zuvor getan hatte. Ich trainierte schwer, ich lief relativ viel und aß, wonach mir is(s)t. Ich hatte in vielerlei Hinsicht ein phantastisches Jahr 2018 und eines der Puzzleteile, die mich zu diesem (Zwischen-)Fazit bringen, ist die Tatsache, bisher jeden Tag in Form gewesen zu sein, ohne das Gefühl gehabt zu haben, einen wirklichen Aufwand dafür zu betreiben.

Sportlich wurden darüber hinaus neue Ziele gesetzt. Während ich beim Beugen inzwischen bereits mehrfach mein doppeltes Körpergewicht achtmal im Training wettkampftief bewegte (also 8 x 150 Kilogramm bei 75 Kilogramm Körpergewicht), soll dies im November auf einem Single-Lift-Event der Grawa bestätigt werden. Darüber hinaus habe ich mir aber ein ungewöhnlicheres Ziel gesetzt:


Die Tatsache, mit über 3.300 kcal im Schnitt trotz einem Alter von 36 Jahren meine Form natural dauerhaft halten zu können, ist fraglos auch meinem Laufpensum geschuldet und bereits nach dem Hannover Marathon blieb es bei mindestens 20 Kilometern einmal die Woche auf nüchternen Magen. Ich war immer das Gegenteil eines metabolischen Wunderkindes. Das Laufen wurde also fester Bestandteil meines Sportlerlebens und sollte in Zukunft fortgeführt werden. Ich fasste den Entschluss in 80 Marathons um die Welt zu laufen, oder anders ausgedrückt: In den nächsten Jahren 80-mal den Marathon an möglichst vielen verschiedenen Orten weltweit zu laufen.

Mitte September ging es somit bereits wieder in Kassel auf die Strecke und mit Graz und New York sind noch mindestens zwei weitere Läufe im Jahr 2018 außerhalb der deutschen Landesgrenzen geplant. Das Charge 2 ist dabei weiterhin ein sinnvolles Hilfsmittel, wenn es darum geht, meine Pulsveränderung zu überwachen und mein Schlafverhalten zu reflektieren, meine Alltagsaktivität hochzuhalten und einen realistischen Eindruck von meinem Kalorienverbrauch zu erhalten.


Es half mir, meine sportliche Leistungsfähigkeit noch einmal strukturiert zu steigern und ich will es bereits nach diesem einem Jahr aktuell nicht mehr missen. Wie die Reise weiterverläuft, wird man sehen. Ich war das letzte Jahr über auf jeden Fall gut auf Kurs.

Hinweis: Mehr über die Reise in 80 Marathons um die Welt gibt es auf dem dazugehörigen Blog. Oder schaut einfach bei meinem Instagram oder Podcast-Magazin TheCoachCoachCorner vorbei.

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