Ab 30.11.2018 erhältlich - auch vorbestellbar

Jusup Wilkosz: "Was bleibt" - Exklusive Leseprobe aus der Romanbiographie

Am morgigen Freitag, den 30.11.2018, erscheint eine limierte und mit zahlreichen Bildern gespickte Hardcover-Version als Jubiläumsausgabe zu "Was bleibt", dem biographischen Roman über das Leben von Jusup Wilkosz, dem Drittplatzierten des Mr. Olympia 1984. Zu diesem Anlass freuen wir uns, euch schon heute eine exklusive Leseprobe zum Buch geben zu können:

Die Jubiläumsausgabe von "Was bleibt" über Jusup Wilkosz' Leben. Bildquelle: Südwestbuch Media Publishing

Leseprobe aus „Was bleibt“

Einige Tage waren seit dem Brief vergangen, es war am späten Vormittag, da klingelte es an der Eingangstür. Joseph stand am Fenster und spähte hinter dem Vorhang verborgen hinaus. Draußen stand der Gerichtsvollzieher von neulich, dieser Herr Reichel, und mit ihm zwei Polizisten. Joseph wurde rot vor Augen. Zorn stieg in ihm auf, ein gewaltiger, ungebändigter Zorn. Jetzt wurde es ernst. Sie wollten ihn hier raushaben, bitte sehr, dann sollten sie nur kommen. Er würde sich zu wehren wissen. Er nahm von der Wand die Armbrust, die ihm die Schweizer damals beim Wettkampf in Zürich geschenkt hatten. Er setzte sorgsam den Bolzen der Waffe ein, spannte den Hahn, Mit der Armbrust in der Linken ging Joseph langsam zur Tür. Wieder klingelte es, diesmal länger und eindringlicher. Dann pochte jemand energisch. Joseph fasst die Klinke und zog mit einem kräftigen Ruck die Tür auf. Der Gerichtvollzieher fiel ihm wie eine reife Frucht entgegen. Er packte ihn und riss den Überraschten ins Innere.
„Verschwindet, ich bin bewaffnet. Diese Armbrust ist kein Kinderspielzeug. Los, haut ab, ich will hier keinen mehr von euch sehen! Ist das klar?“
Die beiden Polizisten, durchaus erfahrene Männer, hatten nicht damit gerechnet, mit einer Armbrust bedroht zu werden. Sie hoben die Hände und zogen sich langsam zurück. Joseph grinste, schloss die Tür und wandte sich dem Vollzugsbeamten zu. „So, jetzt zu uns beiden.“
Der Gerichtvollzieher wich zurück und hob beschwörend die Arme.
„Tun Sie mir nichts. Ich musste doch nur meiner Pflicht nachkommen. Glauben Sie mir. Ich persönlich habe nichts gegen Sie, Herr K.“
„Machen Sie sich nicht ins Hemd. Sie sollen denen da draußen nur mitteilen, dass ich hier keinen mehr sehen will. Ist das klar?“
Der Mann nickte ängstlich. Joseph packte ihn, öffnete wieder die Tür, schob ihn hinaus und bedeutete dem Verängstigten mit einer kurzen Bewegung seiner Armbrust, endlich zu verschwinden. Reichel ließ sich das nicht zweimal sagen und eilte wie ein Hase davon.

Ein Bild aus glanzvollen Zeiten: Jusup Wilkosz und Albert Busek. Bildquelle: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Der Vorblick des Autors Heiger Ostertag zu "Was bleibt"

"Das vorliegende Buch erzählt die Geschichte des Jusup W., im Roman Joseph K. genannt, die Geschichte eines ehemaligen Champions und vielfachen Siegers. Sie handelt von einem Mann aus der glitzernden Welt des Bodybuildings, einer wahren Extremsportart. Nur hier finden sich Ausnahmeathleten wie Jusup W., Männer, die in einer eigenen Sphäre des Glanzes und in einer für den außenstehenden Betrachter seltsamen Fremdartigkeit. Damit sie in ihrer Welt verbleiben können, sind Aktivitäten notwendig, die dem Normalsterblichen fremd sind und die zu erbringen, ihm sichtlich schwerfiele. Zudem scheinen im Milieu des Sportes andere Gesetze und Werte zu gelten. Die Luft an der Spitze ist sehr, sehr dünn und die Fallhöhe dadurch geradezu dramatisch. Wenn einer ohne Netz nach unten stürzt, ist der Aufschlag äußerst schmerzhaft und führt zu existenziellen Fragen. Der Boden der Realität ist eben ungefedert und extrem hart. Jahrelange Anstrengungen können sich über Nacht in nichts auflösen. Denn nur wenigen ist es vergönnt, an ihre sportlichen Erfolge anzuknüpfen und diese in ihr weiteres Leben zu übertragen. Hochleistungssport – die jüngsten Ereignisse haben dies wieder eindrücklich bewiesen - bringt nicht nur Gewinner hervor, sondern lockt auch Menschen an, die im Sportgeschäft das schnelle Geld wittern und ihren Anteil „an der Beute“ sichern wollen. Eine riesige Industrie verdient mit den Leistungen einiger weniger Sportler Milliarden. Der olympische Geist hat sich nahezu überall verabschiedet, doch immer wieder gibt es Idealisten und hervorragende Einzelpersönlichkeiten, die versuchen, in der Welt des Sportes Werte zu bewahren und konsequent ihren Weg zu gehen. Dem einen oder anderen ist Erfolg beschert; er wird für Tausende von anderen zum Vorbild. Aber es gibt auch den tragisch scheiternden Helden, der abrutscht und manchmal gar nicht weiß, wie und warum es ihn in die Tiefe hinabzog. Eine solche gefallene Größe ist der Protagonist dieses Werkes. Eine Persönlichkeit mit besonderen Qualitäten, in sich eigen und doch ein Mensch wie jeder andere auch.

Armtraining mit Arnie und Jusup. Bildquelle: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Das erste Treffen mit Jusup W. war eindrücklich. Ich sehe das Bild noch heute vor mir, der Mann, über den ich ein Buch schreiben würde. Genauer, einen Roman nach der Wirklichkeit, keine Biographie, sondern eine wahre literarische Geschichte – und der Mann lächelte. Er erzählte viel, sprach laut und eindrücklich. Mitunter wirkte das Gesagte etwas ungenau und verwirrend – aber das, was er erzählte, packte einen. Natürlich musste alles geordnet und gestaltet, durchdrungen und verfolgt werden. Erzählpartien wurden entwickelt, die fiktive Dialoge erzeugten. Spezielle Sportsituationen mussten für das Verständnis teils akribisch beschrieben werden – die Schwierigkeiten, die sich für den Spannungsbogen ergaben, kann man sich denken. Dazu kam die Idee, im Erzählen einen doppelten biographischen Ansatz durchzuführen. Parallel zum Fall den Aufstieg zu zeigen, dem verlierenden Helden, im Roman Joseph K., einen Sieger, Arnold S., zur Seite zu stellen, ohne dessen Rolle im Werk überzubetonen. Auch der weitere Hintergrund des Geschehens, der Sumpf sozusagen, wurde ausgeleuchtet, spekulativ natürlich, von den Recherchen aber realistisch und im Ablauf durchaus denkbar. Bald war klar, nicht jeder würde sich über das Ziel des Buches, die Wahrheit ungeschminkt darzustellen und das eine oder andere aufzudecken, freuen. Schon kurz nach dem Erscheinen des Romans gab es vehementen Widerspruch. Gegenbehauptungen wurden aufgestellt, Klagen von sich Betroffenen erhoben und versucht, das Buch herabzumindern oder den Inhalt in Abrede zu stellen. Doch es gilt, die Wahrheit ist nicht gedopt und sicher nicht käuflich! Aus den vielfältigen positiven Rückmeldungen heraus, die dem Helden und mir bei Lesungen entgegenströmten, bin ich zudem sicher, dass der kundige Leser findet, was er mit dem Kauf des Buches sucht: die Geschichte des Jusup W. aus der Welt einer besonderen Sportart, gute Unterhaltung, echte Spannung und den Blick hinter die Kulissen einer glitzernden und berauschenden Show-Welt.

Fortschritt prüfen und Posing üben. Bildquelle: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Die reinen Fakten sind rasch erzählt. Jusup W. wurde 1948 in Heilbronn geboren und begann bereits 1965, im Alter von nur 16 Jahren, mit dem Gewichtheben. Schnell folgten unzählige Gewichtheber-Titel in der Jugend- und Junioren-Klasse, wofür Jusup insgesamt dreimal vom damaligen Bundespostminister Dollinger in Bayreuth geehrt wurde. Da die Muskeln im Gewichtheben sehr einseitig trainiert wurden, besuchte er später zum Ausgleich das Studio von Peter G. in Stuttgart. G.s geschultes Auge erkannte schnell Jusups hervorragende Veranlagung, und er animierte ihn zur Teilnahme an Bodybuilding-Meisterschaften. 1978 belegte Jusup bei seinem erstmaligen Weltmeisterschaftsstart den 2. Platz hinter Mike Mentzer und 1979 wurde er dann schließlich der erste deutsche Weltmeister im Schwergewicht. Im gleichen Jahr lernte er auch Arnold Schwarzenegger kennen, freundete sich mit ihm an und sie trainierten zusammen für Arnolds Comeback Anfang der 80er Jahre. Doch anders als Arnold beschloss Jusup, in Deutschland zu bleiben, wo er um seine Entlassung bei der Post bat, um mit Peter G., dem damaligen „Kraftsport-Guru“, ein Studio in Fellbach bei Stuttgart zu eröffnen. Die absolute Krönung seiner Karriere erlangte Jusup 1984, […] bis heute ist er der einzige Deutsche (neben Dennis Wolf 2014, Anm. der Redaktion), der einen 3. Platz auf der „Olympia“ geschafft hat. An diesen Lebenslinien orientiert sich der Roman und ist, bei allen literarischen Freiheiten, damit ein sehr realistisches Buch. Um diese wahre Grundlinie, die mal 75 Prozent, mal 100 Prozent des beschriebenen Geschehens ausmacht, ranken sich Geschichten, wie sie möglicherweise passiert sein könnten. Das eine oder andere Gespräch ist sicher so oder ähnlich geführt worden, auch wenn sich die Erinnerung der Protagonisten daran getrübt hat. Natürlich gab es auch Stellen im Leben des Helden, die nicht einfach zu schildern waren. Innere Vorgänge, tiefe persönliche Problematiken, die sich auftaten. Manches konnte daher nur angedeutet werden. Schön waren und sind die zahlreichen Anekdoten, die Jusup W. zu erzählen wusste, Geschichten auch aus der Begegnung mit Herrn Schwarzenegger, die man im Allgemeinen noch nicht kannte. Der Roman selbst entstand in den Jahren 2005/2006. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 2012 und die Gesamtgeschichte ist weitergegangen. Bei seinem Erscheinen fand „Was bleibt“ in der Bodybuilding-Szene begeisterte Annahme. Der Held der Geschichte, Jusup W., war plötzlich wieder im Rampenlicht der Medien, Wir traten gemeinsam bei Lesungen auf; so in Berlin, in Essen, in Stuttgart, Nürnberg und in vielen anderen Orten. Neben den Printmedien fing auch das Fernsehen wieder an, Interesse zu haben und es schien deutlich aufwärts zu gehen und sich möglicherweise eine neue Karriere abzuzeichnen. Doch ob es für Jusup W. wirklich aufwärts ging und was am Ende bleibt und blieb, das sind Fragen, die seltsam offenbleiben. Einige der neuen Erlebnisse und der glänzenden Aspekte sind in dieser Auflage mit eingearbeitet worden. Lesen Sie selbst die packende Darstellung eines vielfältigen, romanhaften Lebens!"
- Heiger Ostertag (2012)

Wer noch ein spannendes Weihnachtsgeschenk sucht oder sich selbst für das bewegte Leben von Jusup Wilkosz interessiert, dem sei "Was bleibt" unbedingt empfohlen (gibt's auch auf Amazon). Jusup Wilkosz ist übrigens gerne bereit, dein Exemplar von "Was bleibt" zu signieren. Über seinen Facebook-Kanal oder seinen Instagram-Account kannst du dafür mit ihm Kontakt aufnehmen.

Jusup Wilkosz beim Signieren von Autogrammkarten in Oberkirch im Juni 2018. Bildquelle: Michael Belz / TEAM ANDRO

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