Treffen mit einer Legende

Interview mit Jusup Wilkosz: "Ich bevorzuge das klassische Bodybuilding und Posen"

Es gibt diese besonderen Momente.

1984 in New York. Jusup Wilkosz wird bei der Mr. Olympia-Wahl zur Posing-Kür aufgerufen und schreitet gemessenen Schrittes auf die Bühne. Klassische Musik setzt ein, große Klänge hallen durch die weite, stickige Halle. Das Posing beginnt. Die Halle reagiert erst euphorisch, als die Musik ruhigere Töne anschlägt, verfällt sie in andächtiges Staunen, unterbrochen nur durch Szenenapplaus für die Posen. Jusups Bewegungen und die Begleitmusik nehmen noch einmal Fahrt auf, das Finale der Show naht und endet in tosendem Applaus und Schreien des begeisterten Publikums, Kußhände, Verbeugung. Sein atemberaubendes Gesamtpaket aus wunderschöner Linie, toller Härte, vollen Muskeln und perfektem Posing hinterließ auch bei den Kampfrichtern einen nachhaltigen Eindruck. Jusup Wilkosz wurde Dritter, eine Platzierung, die mit Dennis Wolf seither nur einem weiteren deutschen Bodybuilder vergönnt war.

2018. Auch so ein besonderer Moment: Ich erspähe Jusup Wilkosz und seine Begleiter an diesem Märznachmittag zwischen den vielen Menschen, die um unseren Treffpunkt flanieren. Er kommt direkt auf mich zu und ich habe die Ehre, dem wohl erfolgreichsten deutschen Bodybuilder die kräftige Hand zu schütteln. Aus diesem Treffen ist im Nachgang das unten folgende Interview entstanden - und noch etwas mehr...



Ein kurzer Überblick über sein Leben und seine Erfolge


Jusup Wilkosz wurde am 08. November 1948 im schwäbischen Heilbronn geboren. Sein Wettkampfgewicht betrug etwa 115 kg bei einer Körpergröße von 1,85m. Neben seinen Auftritten als Bodybuilder arbeitete er lange Jahre als Technischer Fernmeldeobersekretär, schauspielerte in diversen Produktionen etwa mit ARD und SDR (heute: SWR), drehte Trainingsfilme mit anderen prominenten Bodybuildern und gründete in den Achtzigern sein eigenes Fitnessstudio in Fellbach in der Nähe von Stuttgart. Heute führt Jusup Wilkosz das ruhige Leben eines Bodybuilding-Rentners und trainiert immer noch regelmäßig.

1978- VDH Deutsche Meisterschaft, Essen, Männer-Gesamtsieger
1978- Deutsche Meisterschaft, München 2. Platz, Klasse 3
1978- Weltmeisterschaft, Acapulco, Silbermedaille, Schwergewicht
1979- Deutsche Meisterschaft, München, Männer-Gesamtsieger, Schwergewicht
1979- Weltmeisterschaft, Columbus/Ohio, Goldmedaille, Schwergewicht
1980- Profi-Weltmeisterschaft, Columbus/Ohio, Sieger
1981- Canada Pro Cup, Toronto 5. Platz
1981- Grand Prix Belgien, Brügge, 3. Platz
1981- Grand Prix Wales, Cardiff, 2 Platz
1981- Mr. Olympia, Columbus/Ohio, 6. Platz
1982- Grand Prix Belgien, Brügge, 3. Platz
1982- Grand Prix Schweden, Göteborg, 6. Platz
1982- Mr. Olympia, London, 10. Platz
1983- Grand Prix Schweden, Göteborg, 3. Platz
1983- Grand Prix England, Birmingham, 3. Platz
1983- Grand Prix Schweiz, Zürich, 4. Platz
1983- Mr. Olympia, München, 6. Platz
1984- Canada Pro Cup, Toronto, 4. Platz
1984- Mr. Olympia, New York, 3. Platz
1986- Mr. Olympia. 12. Platz

Die Most Muscular von Jusup Wilkosz. Foto: Jusup Wilkosz Privatarchiv


Interview


TEAM ANDRO: Lieber Jusup, zuerst vielen Dank, dass du dir die Zeit für uns nimmst. Lass uns am besten vorne beginnen: Wie kamst du zum Bodybuilding?
Jusup Wilkosz: Ich war Gewichtheber und habe damit aufgehört, um auf Ganzkörpertraining umzusteigen. Ich habe in Stuttgart bei Peter Gottlob in "Peter's Gym" angefangen als Ausgleich zu trainieren.

TEAM ANDRO: Kannst du dich noch an deinen ersten Wettkampf erinnern? Wann war das und wie ging es aus?
Jusup Wilkosz: Mh, das war 1969 oder 70 mit Günter Heidenheim. Da bin ich in der Deutschen Meisterschaft bei den Junioren Dritter geworden.

TEAM ANDRO: 1979 konntest du die Deutsche Bodybuilding-Meisterschaft holen. Wann hast du den Entschluss gefasst, nach noch Höherem zu streben?
Jusup Wilkosz: Gleich danach (grinst)

TEAM ANDRO: Während deiner aktiven Zeit wurde Arnold Schwarzenegger ein guter Freund von dir. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Jusup Wilkosz: Arnold haben wir in München kennengelernt bei Albert Busek im Sportstudio. Durch meine Frau Ruth. Mike Mentzer war damals dabei, wir sind gemeinsam nach Österreich gefahren. Das war in den 70er Jahren.

TEAM ANDRO: 1980 wurdest du IFBB Pro Mr. Universe. Was hat sich durch diesen Erfolg in deinem Leben verändert?
Jusup Wilkosz: Daß ich härter und regelmäßiger trainiert habe, jeden Tag. Ich hatte auch mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit und in der Presse wurde über mich berichtet. Zu dieser Zeit habe ich mein Buch „Was würde bloß die Emma dazu sagen“ geschrieben und herausgegeben.

TEAM ANDRO: 1984 wurdest du sensationell 3. bei der Mr. Olympia und bist damit bis heute der bestplatzierte deutsche Bodybuilder. Würdest du das als deinen größten Erfolg bezeichnen oder gab es einen Wettkampf, der dir noch mehr bedeutete?
Jusup Wilkosz: Nein, 84 in New York war mein größter Erfolg. Zu dieser Zeit war Ed Corney mein Trainingspartner für die Vorbereitung zum Wettkampf. Da habe ich sogar 3 Monate Sonderurlaub genommen um zwei Mal am Tag trainieren zu können.
Da war ich noch angestellt, Beamter auf Lebenszeit, als Technischer Fernmeldeobersekretär, im Fernmeldewesen.

Beeindruckendes Profil: The German Hercules. Foto: Jusup Wilkosz Privatarchiv


TEAM ANDRO: Der Drittplatzierte der Mr. Olympia 2017, William Bonac, bekam 100.000 Dollar Preisgeld. Wie war das bei dir damals?
Jusup Wilkosz: Da gab es einen Sponsorenvertrag, das Finanzielle hat damals meine Frau geregelt. Und es gab natürlich einen Pokal.

TEAM ANDRO: Wie hast du dir das Geld für den Bodybuilding-Alltag verdient?
Jusup Wilkosz: Wie gesagt im Fernmeldewesen. Ich habe dann 1985 ein Studio mit Peter Gottlob eröffnet, in Fellbach.

TEAM ANDRO: Wie sah in deiner aktiven Zeit deine Ernährung während der Wettkampfvorbereitung aus?
Jusup Wilkosz: Das hat hauptsächlich meine Frau gemacht. Es gab viel Fisch, Seelachs, Kabeljau, mit Endiviensalat oder Feldsalat. Ich habe mein Gewicht intuitiv und mehr über die Optik als über die Waage reguliert. Also immer mal wieder in den Spiegel geschaut und dann die Ernährung angepasst.

TEAM ANDRO: Welche Rolle spielten zu deiner Zeit Nährungsergänzungsmittel?
Jusup Wilkosz: Nahrungsergänzung gab es im Sinne von Mineralien und Vitaminen. Das waren damals Pads… Eiweißshakes natürlich auch. Trainingsbooster oder Kreatin gab es zum Beispiel noch nicht.

TEAM ANDRO: Wie kamst du deinem Spitznamen, „The German Hercules“?
Jusup Wilkosz: Das kommt von Albert Busek, er sagte es wegen meinem Bart und meiner klassischen Figur. Das war ungefähr 1980, The German Power (grinst)

TEAM ANDRO: Was denkst du über die heutige Bodybuilding-Weltspitze und die Richtung, in die sie sich entwickelt hat?
Jusup Wilkosz: Es ist eine Weiterentwicklung wie in allen Dingen. Motorräder, Autos die viel mehr PS haben als sie brauchen. So ist es mit dem heutigen Bodybuilding auch. Allerdings können die Athleten heute kaum posen und viele haben einen dicken Bauch. Ich bevorzuge das klassische Bodybuilding und Posing. Mir gefallen auch die weiten fast knielangen Hosen (*in der Men's Physique-Klasse, Anm.d.R.) nicht, weil man nicht sieht wie die Oberschenkel trainiert sind.

Schmale Körpermitte, perfektes Posing. Foto: Jusup Wilkosz Privatarchiv


TEAM ANDRO: Vermisst du die Zeit als professioneller Bodybuilder?
Jusup Wilkosz: Ich war nicht professionell, ich war der Amateur unter den Profis. Die Wettkampfzeit vermisse ich schon.

TEAM ANDRO: Wirst du heute immer noch nach Autogrammen gefragt?
Jusup Wilkosz: (Freut sich und lacht) Ja, Autogrammwünsche können über meine Facebook-Seite angefragt werden, die ich sehr gerne erfülle.

TEAM ANDRO: Nach deiner aktiven Zeit war es lange ruhig um dich. Was planst du für deine Zukunft?
Jusup Wilkosz: Heute mache ich Bodybuilding wieder als Ausgleich und trainiere 2-3 Mal in der Woche. Und ich verfolge die Bodybuilding Szene, lese darüber. Jochen, ein Freund von mir, verwaltet mein Internet. Ansonsten werde mir ab und an die Zeit nehmen, euch etwas von früher zu erzählen. Was haltet ihr davon? Falls ihr etwas Bestimmtes wissen oder eine besondere Geschichte hören wollt, schreibt es bei Team Andro ins Forum, dann krame ich mal in meinen Erinnerungen.

Jusup grüßt alle Team Andro-Member. Foto: Jusup Wilkosz Privatarchiv

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