Macht Proteinriegel weich

Kollagenes Eiweiß in Proteinriegeln

Kollagenes Eiweiß in Proteinriegeln wird regelmäßig als vermeintlicher Kritkpunkt angeführt, wenn die Inhaltsstoffe eines Eiweißriegels analysiert werden. Dieses sei minderwertig und führe zu einer verminderten Qualität eines Riegels. Was dabei immer wieder vergessen wird: Kollagenes Eiweiß gehört in Proteinriegel und ist keinesfalls so schlecht, wie manch Kritiker den Verbraucher glauben machen möchte.

Was ist in meinem Proteinriegel drin?

Generell kann man anhand der Reihenfolge in denen die Zutaten aufgeführt werden, auch deren Anteil im Produkt abschätzen. Das bedeutet, was an erster Stelle der Aufzählung steht, nimmt den größten Anteil im Proteinriegel ein, während die Zutaten zum Ende der Liste am wenigsten im jeweiligen Produkt enthalten sind. So schreibt es die Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung vor.

Darüber hinaus müssen Bestandteile, die auf der Verpackung beworben werden, mit ihrem prozentualen Anteil angegeben werden. Aus diesem Grund wissen wir zum Beispiel, dass in der wohl beliebtesten Nuss-Schokoauftrich-Creme 16 % Haselnüsse enthalten sind. Da diese allerdings erst nach Zucker und Palmöl aufgeführt werden, machen Zucker und Palmöl jeweils mehr als 16 % des Endprodukts aus.

Entsprechend kann jeder Verbraucher sich jeden Proteinriegel selbst zur Hand nehmen und vergleichen, welche Inhaltsstoffe in welcher Reihenfolge aufgelistet sind. Der skeptische Blick wird dabei regelmäßig auch kollagenes Eiweiß entdecken, welches mal mehr oder weniger in einem Proteinriegel verarbeitet wurde. Aber ist das wirklich schlecht?

Kollagenes Eiweiß: Biologische Wertigkeit

Kollagenem Eiweiß kann je nach Zusammensetzung eine biologische Wertigkeit von 0 bis 20 erreichen, wobei die in Proteinriegeln verwendete Gelantine lediglich den Wert 0 hat.
Die Tatsache der geringen biologischen Wertigkeit sollte man jedoch nicht damit verwechseln, dass dieses Protein in Eiweißriegeln nutzlos wäre oder vom Körper nicht (für den Muskelaufbau) verwertet werden könnte!
Die biologische Wertigkeit trifft lediglich eine Aussage darüber, wie stark die acht essentiellen Aminosäuren im Produkt vorhanden sind und vergleicht dies mit dem Vollei, was eine Wertigkeit von 100 hat. Selbst Rinderfilet hat beispielsweise einen Wert von 87, was deutlich machen sollte, dass die biologische Wertigkeit nichts über die Qualität eines Lebensmittels aussagt.

In kollagenem Eiweiß ist die Aminosäure Tryptophan in sehr geringem Maße vorhanden, was den Wert von 0 bis 20 erklärt. Im Rahmen der Verdauung und Versorgung des Körpers kombiniert der Körper aber alle zugeführten Aminosäuren und wandelt diese je nach Bedarf um, da Muskelprotein beispielsweise andere Aminosäuren benötigt als Hormone oder Transportproteine.

Exkurs: Verdauung von (kollagenem) Eiweiß

Da vermutlich nicht jedem Leser bewusst ist, wie der Körper mit Protein umgeht, an dieser Stelle ein kleiner Exkurs. Lebensmittel gelangen über den Mund in den Magen und von dort in den Darm. Was am Ende übrig bleibt, wird über den After ausgeschieden. Kohlenhydrate, Fette und Proteine werden in den einzelnen Phasen unterschiedlich verarbeitet, weshalb wir uns nur Protein anschauen wollen:

Im Magen werden Proteine mittels Pepsin-Enzymen, die aus hunderten Aminosäuren bestehen, in Ketten mit einer Länge von 10 bis 100 Aminosäuren aufgespalten. Im Dünndarm erfolgt schließlich die Aufspaltung in Aminosäuren sowie Di- und Tripeptide, die aufgenommen und über die Leberfortader in die Leber gelangen. Eine genauere Beschreibung zur Nahrungsaufnahme findet ihr hier.

Von nun an stehen diese Aminosäuren dem Körper zur Verfügung. Dabei werden die Aminosäuren Teil eines ständigen Auf-und-Abbau-Kreislaufs, in dem der Körper Aminosäuren je nach Bedarf zerteilt und erzeugt.

Abbildung aus "Ernährung für (Kraft-)Sportler: Intermittent Fasting 2.0"

Die Neusynthese ist streng genommen sogar für die essentiellen Aminosäuren wie Tryptophan möglich (einzige Ausnahmen sind Lysin und Threonin), so dass der Körper vereinfacht gesagt auf Reserven zurückgreifen kann, aus denen er sich bei Bedarf Tryptophan bauen kann, wenn er diese Aminosäure für die Herstellung eines Proteins benötigt.

Kollagenes Eiweiß in Proteinriegeln ist nicht schlecht

Es gibt keinen Grund, sich über den Anteil von kollagenem Protein in Proteinriegeln zu große Gedanken zu machen, da in einer reichhaltigen Ernährung, wie sie in der westlichen Welt sichergestellt ist, die notwendigen Aminosäuren aus vielen vollwertigen Lebensmitteln kombiniert werden. Wer vor kollagenem Eiweiß warnt, hat schlichtweg die Verstoffwechselung von Aminosäuren nicht verstanden, schließlich käme niemand auf die Idee seinen Proteinbedarf lediglich über Götterspeise und Gummibärchen zu decken.
Hersteller nutzen kollagenes Eiweiß darüber hinaus gerne in Proteinriegeln, um eine weiche Konsistenz zu erzeugen, wie wir sie uns für Eiweißriegel wünschen. Ohne kollagenes Eiweiß wären einige Riegel also steinhart!
Wichtiger als die Frage, ob im Proteinriegel kollagenes Eiweiß vorhanden ist, sind die generellen Nährstoffe, die man im Rahmen seiner täglichen Ernährung zu sich nimmt. Eiweißriegel sollten immer nur als leicht transportierbarer Proteinsnack oder Süßigkeitenalternative verstanden werden. Wer dagegen Lebensmittel mit guten Tryptophan-Werten sucht, greift zu Reis, Hühnchen, Vollei und Haferflocken. Die typischen Bodybuildinglebensmittel, die bereits in geringen Mengen den täglichen Tryptophanbedarf decken.

Hinweis: Der Autor dieses Artikels bietet individuelle Trainings- und Ernährungsberatung und -betreuung an. Weiteres erfahrt ihr unter ► become-fit.de oder schaut einfach auf seiner ► Facebookseite vorbei.

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