Aktuelle Studie

Mehr Kraft beim Bankdrücken mit der Freak Bar?

Die Steigerung der eigenen Leistung beim Bankdrücken kann sicherlich als eines der Hauptziele vieler Trainierenden verstanden werden, selbst wenn sie kein Powerlifting betreiben. Der Wunsch nach einer vollen Brust oder einfach nur das Bestehen der "Wie viel drückst du?"-Prüfung in geselliger Runde: Beim Bankdrücken zählt jedes Kilo. In diesem Zusammenhang hat der ein oder andere vielleicht bereits von der Freak Bar gehört, die vom viel beachteten Westside Barbell Club herausgebracht wurde. Eine Studie hat nun die Effektivität der Freak Bar für die Kraftsteigerung beim Bankdrücken untersucht.

Was ist eine Freak Bar?

Bei der Freak Bar handelt es sich um eine Langhantel, bei der der Griffbereich gegen einen Federwiderstand an der Hantel entlang bewegt werden kann. Das klingt zugegeben etwas kryptisch, so dass man sich dies getreu dem Motto "show, don’t tell" im folgenden Video anschauen kann.


Die Hantel ist für fast 500 Dollar auf dem Internetauftritt des Westside Barbell Clubs zu erwerben und wird neben dem Bankdrücken auch beispielsweise für Überkopfdrücken oder Kreuzheben beworben.

Dabei soll die Freak Bar die Muskeln, Weichteile, Bänder und Sehnen gleichermaßen auf eine gänzlich neue Art und Weise stimulieren. Ohne es direkt zu versprechen, wird damit durchaus die Hoffnung auf mehr Leistung geschürt. Aber darf man dies von der Freak Bar erwarten?

Eine aktuelle Studie aus April 2018 untersuchte genau diese Frage, indem der Einfluss der Freak Bar auf ein 6-wöchiges Bankdrückprogramm untersucht wurde. Schauen wir uns die Studie genauer an.

Bankdrücken: College Powerlifter an der Freak Bar

Die aktuell veröffentliche Studie des Health and Human Performance Laboratories aus New York steht in der Tradition spezieller Langhanteln, die im amerikanischen Raum gezielt von Powerliftern genutzt werden, um mehr Leistung zu erbringen.

Hanteln, wie die Tsunami Bar oder die Earthquake Bar erzeugen eine instabile Last, was wiederum die Muskelaktivierung verbessern kann. Dies wiederum führte in einigen früheren Studien zu deutlichen Leistungssteigerungen im Bankdrücken oder Kreuzheben, wobei die Ergebnisse insgesamt nicht eindeutig sind. Dennoch stellte sich die Frage, welche Erwartungen Trainierende an die Freak Bar stellen dürfen.

Die Studienteilnehmer

Als Probanden dienten im Rahmen der Untersuchung zehn College Powerlifter, die zufällig in zwei Gruppen unterteilt wurden, die entweder mit der Freak Bar oder einer normalen Langhantel Bankdrücken trainierten. Beide Gruppen trainierten sechs Wochen nach demselben Trainingsplan mit dem einzigen Unterschied, dass an einem Tag jeweils die genannten Hanteln für das Bankdrücken genutzt wurden.

Alle Teilnehmer waren um die 21 Jahre alt und nahmen in der Vergangenheit an mindestens einem Powerlifting-Wettkampf teil. Mit der Voraussetzung, dass man Teil des Powerlifting-Teams des Colleges war, wollte man zudem sicherstellen, dass die Probanden seit mindestens einem Jahr wöchentlich trainierten und mindestens zwei Jahre Trainingserfahrung vorwiesen.

Alle Teilnehmer beherrschten die Übung Bankdrücken und die Teilnehmer der Freak-Bar-Gruppe wurden zuvor in dieses spezielle Trainingsgerät eingewiesen.

Das Studiendesign

Vor dem sechswöchigen Durchlauf wurde ein Maximalkrafttest durchgeführt, wobei alle Teilnehmer dasselbe Aufwärmprogramm umsetzten, um unterschiedliche Vorbelastungen auszuschließen. Darüber hinaus wurde 48 Stunden später die isometrische Kraft sowie der Peak Impuls beim Bankdrücken getestet.

Das anschließende Trainingsprogramm war powerliftingorientiert und enthielt neben Kniebeugen, Bankdrücken und Kreuzheben weitere Assistenzübungen, wie beispielsweise auch enges Bankdrücken. Der Unterschied war, wie bereits angesprochen, lediglich das Nutzen der Freak Bar beim Bankdrücken am Donnerstag in der entsprechenden Gruppe. Den kompletten Trainingsplan stellten die Forscher zur Verfügung.

Die Ernährung wurde nicht im Detail überwacht, die Studienteilnehmer wurden aber angewiesen, ihre Ernährung nicht zu modifizieren und keine (neuen) Supplemente zu nutzen.

Konnte die Freak Bar die Maximalkraft beim Bankdrücken steigern?

Das Prinzip der instabilen Hanteln ist ein frisches Untersuchungsfeld in den Sportwissenschaften und macht auf dem Papier generell durchaus Sinn. Untersuchungen zu anderen Spezialhanteln kamen in der Vergangenheit zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Die aktuelle Studie ergab, dass die Freak Bar bezüglich der isometrischen Kraft durchaus zu einer Steigerung führte, wie sieht es aber im entscheidenden Bereich, der Maximalkraft, aus?
Beide Gruppen profitierten von dem Programm und konnten ihre Maximalleistung im Bankdrücken steigern. Der Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch nicht signifikant. Die Freak Bar hatte dahingehend auf die Gruppen bezogen statistisch gesehen keinen Vorteil gebracht.
Bei genauerer Betrachtung der Einzelfälle ist jedoch erwähnenswert, dass die Freak-Bar-Gruppe ihre Kraftsteigerung ohne Zunahme an Körpergewicht erreichte. Darüber hinaus konnten zwei Teilnehmer der Freak-Bar-Gruppe ihre Maximallast um neun Kilogramm steigern, wobei eine dieser Personen als deutlich fortgeschrittener Bankdrücker mit einem Benchpress/Bodyweight-Faktor von 1,7 bezeichnet werden kann. Er steigerte sich von 154 auf 163 Kilogramm.

Die Forscher kamen letztendlich zu dem Schluss, dass die Freak Bar durchaus ein interessantes Hilfsmittel für Assistenzübungen sein kann. Deutsche Powerlifter müssen aber nicht sofort eine Bestellung bei Westside Barbell abgeben, um für den nächsten Wettkampf neue Bestleistungen zu erzielen.

Quelle

Effects of a 6-Week Bench Press Program Using the Freak Bar in a Sample of Collegiate Club Powerlifters.

Hinweis: Der Autor dieses Artikels ist seit über 20 Jahren sportlich aktiv und bestritt erfolgreich Wettkämpfe unter anderem im Bodybuilding, KDK und Strongman. Für Team Andro hat er in den letzten fünf Jahren insgesamt 16 verschiedene und kostenlose Trainings- und Ernährungsprogramme konzipiert und betreut. Eine Übersicht findest du auf seiner Seite Become-fit.de.

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