Die vegane Eiweißbombe

Lupine: Das bessere Soja?

Der Siegeszug veganer Ernährungsweisen scheint kaum aufzuhalten zu sein. Gerade Fitnessbegeisterte sorgen sich dabei jedoch häufig um ihre Proteinzufuhr. Eine der ältesten europäischen Kulturpflanzen überhaupt wird damit moderner denn je. Die Rede ist von den Lupinen.

Kaum ein originär aus tierischen Grundstoffen hergestelltes Lebensmittel, das es mittlerweile nicht in einer veganen Variante gibt. Zumeist bilden Erbsen, Linsen, vor allem aber Soja die Grundlage dieser Produkte. Lupinen fristen dagegen nach wie vor ein Nischendasein. Doch worum handelt es sich dabei und was kann diese Pflanze?


Lupine: Eine Einordnung


Die Lupinen gehören zu den Hülsenfrüchten, genauer gesagt zu den Schmetterlingsblütlern. Innerhalb der Gattung gibt es unterschiedliche Sorten, die sich hinsichtlich ihrer Nutzungsmöglichkeiten deutlich unterscheiden. Es handelt sich zumeist um mehrjährige krautige Pflanzen in mittlerer Höhe, wobei einzelne Sorten auch in Form von Sträuchern wachsen und über vier Meter hoch werden können. Optisch auffällig sind die Blüten, die dafür sorgen, dass manche Lupinensorten auch beliebte Zierpflanzen sind.

Ursprünglich wohl in Europa zu Hause, haben sich Lupinen mittlerweile über nahezu die ganze Welt ausgebreitet, auch weil der Mensch früh erkannte, welchen Wert die Pflanzen als Futtermittel für Tiere, aber auch als Nahrungsmittel haben. Bereits vor rund 4.000 Jahren wurden bestimmte Sorten angebaut. Bemerkenswert ist das vor allem vor dem Hintergrund, dass Lupine giftig sind und vor der Verwendung zunächst entgiftet werden mussten. Hierzu wurden die Samen bis zu zwei Wochen in Salzwasser eingelegt. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gelang die Entwicklung alkaloidarmer Sorten, sogenannte Süßlupine, die nur noch ein bis zwei Tage eingelegt werden müssen.

Was Lupinen so wertvoll macht


Lupinensamen sind eine hervorragende Eiweißquelle mit einem niedrigen Fett- und vor allem einen sehr niedrigen Kohlenhydratanteil. Zum Vergleich: Die Sojabohne liefert etwa genauso viel Protein (ca. 35 bis 45 Gramm je 100 Gramm Trockenmasse), enthält aber auch knapp 20 Gramm Fett. Lupinensamen nur vier bis sieben. Durch den hohen Anteil an Ballaststoffen (mehr als 15 Gramm) ist auch der Kohlenhydratanteil mit nur fünf Gramm deutlich niedriger als bei der Sojabohne (rund 15 Gamm und nur gut fünf Gramm Ballaststoffe).

Lupineneiweiß enthält alle acht essenziellen Aminosäuren, jedoch wenig Tryptophan. Das Aminosäureprofil ähnelt dem des Sojaproteins. Die biologische Wertigkeit liegt mit einem Wert von 60 knapp unterhalb von Soja, kann aber durch die Kombination mit anderen Lebensmitteln aufgewertet werden.

Lupinen sind eine gute Quelle für die Vitamine A und B1 sowie Kalium, Calcium, Magnesium und Eisen. Wie Soja enthalten auch Lupinensamen Phytoöstrogene, jedoch in einer 50-mal geringeren Konzentration. Die enthaltenen Ballaststoffe können Darmkrebs vorbeugen und wirken cholesterinsenkend. Die enthaltenen Fettsäuren sind überwiegend einfach und mehrfach ungesättigt. Durch den niedrigen Anteil an Kohlenhydraten ist zudem die Blutzuckerreaktion sehr gering.

Vielseitige Verwendungsmöglichkeiten


Reine Lupinensamen sind im Handel nicht erhältlich, jedoch werden sie in immer mehr Lebensmitteln als vegane Proteinquelle eingesetzt, beispielsweise in Gebäck. Hierfür kommt das sogenannte Lupinenmehl zum Einsatz, aus dem auch Lupinennudeln und viele andere Lebensmittel hergestellt werden. Ebenso erhältlich sind Produkte aus reinem Lupineneiweiß, dem Lupinenisolat, welches aber verhältnismäßig teuer ist. Als koffeinfreie alternative zum normalen Kaffee wird auch Lupinenkaffee angeboten.

Eine Besonderheit ist, dass Lupinensamen beim Kochen nicht mehlig werden wie andere Hülsenfrüchte.

Achtung Allergiker


Menschen, die allergisch auf Hülsenfrüchte reagieren, sollten sich mit Vorsicht an Lupinenprodukte herantasten, da die Gefahr von Kreuzallergien besteht, insbesondere bei Erdnussallergien. Lupinenprodukte zählen zu den 14 häufigsten Verursachern von Nahrungsmittelallergien. Ebenfalls vorsichtig sollten Menschen mit einer Histamin-Intoleranz sein.

Der ökologische Faktor


Spannend sind Lupine auch aus ökologischer Sicht. Die Pflanzen sind anspruchslos und kommen sowohl mit Frost als auch mit Hitze gut klar. Dadurch können Lupinen in Deutschland im Grunde überall angepflanzt und nicht gedüngt werden und stellen somit eine ökologisch wertvolle Alternative zu Soja dar, für dessen Anbau mehr und mehr Regenwaldfläche gerodet wird. Zudem entfällt der grenz- und teilweise kontinentübergreifende Transport.

Fazit: Die Renaissance der Lupinen steht bevor


Aktuell findet man Produkte aus oder mit Lupinensamen primär in Bioläden und Reformhäusern. Die ernährungsphysiologischen und ökologischen Aspekte sprechen aber klar dafür, dass Lupinen künftig eine deutlich umfänglichere Verbreitung erfahren werden, wodurch auch die Preise sinken dürften.


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