Des bedarf's

Markus Rühl – The German Beast

Er zählt zweifelsohne zu den berühmtesten deutschen Bodybuildern aller Zeiten: Markus Rühl bewegte sich nicht nur in puncto Muskelmasse in ganz anderen Sphären als die Konkurrenz. Es war dem Hessen auch stets ein Anliegen, den Fans eine besondere Show auf der Bühne zu bieten – und auch abseits der Scheinwerfer weiß Rühl bis heute bestens zu unterhalten.

Vom Rehatraining zum Massemonster


Markus Rühl wurde 1972 im hessischen Roßdorf bei Darmstadt geboren. Er spielte während seiner Kindheit und Jugend Fußball und fiel zunächst nicht durch brachiale Muskelmasse auf: Er erzählt noch heute gern von den 63 Kilogramm, die er bei 1,78 Meter Körpergröße als junger Erwachsener auf die Waage brachte.


Um seine Oberschenkelmuskulatur nach einer Knieverletzung zu kräftigen, meldete Rühl sich mit 19 in einem Fitnessstudio an. Der Azubi merkte schnell, dass ihm der Muskelaufbau lag. Er entwickelte eine große Leidenschaft Sport und arbeitete sich innerhalb kürzester Zeit auf ein Gewicht von über 100 Kilogramm hoch.

1995 gab Markus Rühl sein Wettkampfdebüt in der Schwergewichtsklasse des Bachgau-Cups und holte hier auf Anhieb den Klassen- und Gesamtsieg. Es folgte ein zweiter Platz beim Großen Preis von Hessen - ein gelungener Einstieg ins Wettkampfbodybuilding.

Der große Durchbruch gelang ihm mit dem Sieg auf der Deutschen Meisterschaft 1997. Mit mittlerweile 113 Kilogramm Wettkampfgewicht war Markus Rühl nicht mehr zu übersehen. Er erhielt die IFBBB Profi-Lizenz und startete noch im selben Jahr auf dem Deutschland Grand Prix, wo er einen 10. Platz belegte.

Im Folgejahr kam es zum ersten Auftritt im Mutterland des Bodybuildings: Die New Yorker Night of Champions 1998 beendete Rühl mit dem 9. Platz, und trotz der noch großen Distanz zum Podium versetzte er die amerikanischen Fans bereits in Verzückung. „The German Beast“ ward geboren – der Massigste unter den Massigen wurde zur Attraktion jeder Profi-Show.

Durchgestartet bei den Profis


2000 holte Markus Rühl bei der Toronto Pro seinen ersten Profisieg. Die Night of Champion 2000 beendete er auf Platz 2, musste sich hier nur Jay Cutler geschlagen geben – eine fragwürdige Entscheidung des Kampfgerichts, die das Publikum entsprechend erzürnt quittierte.

Den Saisonhöhepunkt 2000 stellte schließlich die Teilnahme am Mr. Olympia dar. Hier verfehlte Markus Rühl nur knapp den Finaleinzug. Seine Gewichtskurve verlief weiter nach oben: In Las Vegas stand er mit beeindruckenden 125 Kilogramm auf der Bühne. Und die Fans wussten die Show, die „das Massemonster“ ihnen bot, durchaus zu würdigen.

2002 holte sich Markus Rühl endlich den Sieg bei der Night of Champion. Die „Ruhl! Ruhl! Ruhl!“-Rufe des amerikanischen Publikums – das so seine Probleme mit der Aussprache der deutschen Umlaute hatte – sind bis heute legendär. Und wohlverdient:

Nicht nur Rühls brutale Masse und Form, sondern auch sein kreatives Posing, gern zur Musik von Rammstein, brachte richtig Leben in die Veranstaltung. In jeder seiner Shows war dem Hessen seine Freude und Energie anzusehen. Ein großer Pluspunkt, den viele Bodybuilder am Ende ihrer knallharten Wettkampfdiäten nicht mehr anbieten können.

Dem großen Triumph von New York folgte ein eher enttäuschender 8. Platz beim Mr. Olympia 2002. Dafür brachte das Folgejahr wieder große Erfolge: Bei den Arnold Classic 2003 kam Rühl in einem absolut erstklassigen Teilnehmerfeld auf den 3. Rang, beim Mr. Olympia schaffte er mit dem 5. Platz seine erste Finalplatzierung. Sein Landsmann Günter Schlierkamp auf Platz 6 komplettierte das tolle deutsche Ergebnis beim hochklassigsten Bodybuilding-Wettkampf der Welt.

In den Folgejahren sollte Rühl der Finaleinzug in Las Vegas nicht mehr gelingen. Er belegte noch zwei sehr gute dritte Plätze beim IFBB Austria Pro Grand Prix 2006 und wiederum bei der New York Pro 2009. Nach einer nicht weiter erwähnenswerten Teilnahme am Mr. Olympia 2009 (Platz 15) beendete der Deutsche seine Karriere.


Die Marke Rühl – des bedarf’s


Zweifelsohne gibt es höher dekorierte Bodybuilder als Rühl, auch im deutschsprachigen Raum. Dennoch hat es niemand vermocht, seine eigene Person zu einer derart starken Marke zu Formen.

Seine beinah unmenschliche Masse erregte die Aufmerksamkeit der Fans in aller Welt, sein anziehendes Wesen erledigte den Rest. In einer Sportart voller stiller, ich-bezogener Arbeitstiere war Rühl der Gast, den sich jeder Veranstalter nur wünschen konnte. Rühl blieb auch abseits der Bühne nahbar und lies die Anhängerschaft offen an dem ungewöhnlichen Alltag eines IFBB-Pros teilhaben. Seine Dokumentationen wie Made in Germany und Big and loving it wurden Bestseller. Besonders legendär sein „Bodybuilding-Einkauf“ im Tanktop unter den entsetzten Augen der Passanten – das YouTube-Video bringt es heute auf fast 2.5 Millionen Aufrufe.

Freundlich, authentisch, mit hessischem Dialekt und derbem Humor – die Person Markus Rühl ist einfach eine runde Sache. Auch mehr als 10 Jahre nach Beendigung seiner Karriere bleibt Rühl immer im Gespräch. Er betreibt eine eigene Bekleidungs- und Supplementmarke, coacht und gibt Seminare in ganz Deutschland. Sein sehr erfolgreicher YouTube-Channel soll offensichtlich ein Gegengewicht zum modernen „Fitness-Hipstertum“ darstellen. Oldschool, simpel und schwer – Rühls Botschaft an uns Trainierende ist klar.

Von seiner Ex-Frau Simone, ebenfalls Bodybuilderin und ein wertvoller Sidekick in seinen alten Videos, trennte er sich 2010. Die beiden verbindet aber bis heute eine tiefe Freundschaft. Im August 2017 heiratete Rühl erneut, 2016 war er zum ersten Mal Vater geworden.

Rühl polarisiert die Bodybuilding-Fans, nicht wenige stören sich an seinem vermeintlichen Festhalten an schlecht gealterten „Weisheiten“ der 90er-Jahre und der mangelnden Offenheit für Neues. Dabei sind seine bisweilen harten Seitenhiebe auf die Influencer-Konkurrenz stets mit einem Augenzwinkern zu verstehen.

Der sanfte Riese ist eben genau das: Sanft und im Grunde herzensgut. Und egal, wie man zu seinen Methoden stehen mag: Von dem Entertainment, das er dem Publikum bei jedem seiner Auftritte zu bieten wusste, kann jede Generation von Bodybuildern noch viel lernen.

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