Von einer Größe für alle zur Maßanfertigung

Maßgeschneiderte Ernährung (I)

Ein Artikel von T-Nation.com
von Signor John Berardi, Ph.D.

Das Schneider Kontinuum: Von einer Größe für alle zur Maßanfertigung.

Während meines Trips nach Europa hatte ich die Gelegenheit einen Schneidermeister in einer kleinen Stadt in Italien zu besuchen. Ein entfernter Cousin von mir war auf der Suche nach einem neuen Anzug und begierig darauf, mir die altbekannte italienische Handwerkskunst vorzuführen. Aus diesem Grund brachte er mich zum Geschäft von Signor Caruso.

Signor Caruso hat sein ganzes Leben damit verbracht maßgeschneiderte Anzüge herzustellen. Sein Geschäft war klein und mit Material und Handwerkszeug überfüllt. Dort lagen Muster und Ballen der feinsten Stoffe, aus denen die besten Anzüge der Welt von Hand hergestellt werden, wobei jeder Zentimeter dem Kunden perfekt angepasst ist, jeder Schnitt mit Perfektion ausgeführt wurde und jede Naht perfekt genäht ist. Carusos Anzüge sind atemberaubend anzusehen, sie scheinen den Durchschnittlichen in einen Eleganten verwandeln zu können.

Ich gebe zu, dass ich niemals wirklich ein Anzugtyp war. In der Wirklichkeit war ich die meiste Zeit meines Lebens als Erwachsener der schlimmste Alptraum eines jeden Schneiders: der Gewichte hebende Student – zu eigentümlich geformt, als das etwas passen würde und zu arm um zahlen zu können. Außerdem hatte ich, abgesehen von ein paar Hochzeiten hier und da, niemals viel Verwendung für einen Anzug. Doch Caruso bei der Arbeit zuzusehen war fast etwas Inspirierendes.

Caruso fertigt maßgeschneiderte Anzüge an. Maßgeschneiderte Anzüge sind das Feinste, was man für Geld kaufen kann. Sie werde vollständig nach den Wünschen des Kunden auf seine Körpermaße zugeschnitten. Material, Stil und Passform werden vom Kunden gewählt. Selbst die Form der Taschen und die Art der Nähte sind kundenspezifisch. Unter Kennern besitzen diese Anzüge ein höheres Ansehen als Anzüge von der Stange oder Made to Measure Varianten von Designeranzügen, die vom Hersteller nach Kundenwunsch umgestaltet werden.

Ein guter maßgeschneiderter Anzug liegt preislich oberhalb von 4000 Dollar und es bedarf drei bis fünf Termine zum Anpassen und mehrere Monate der Herstellung. Während ich dem Meister bei der Arbeit zusah, wurde mir klar warum dies so ist: die Kunstfertigkeit und Aufmerksamkeit für jedes Detail, die sich in diesem einen Kleidungsstück vereinen, sind wirklich erstaunlich. Er scherzte, dass man bei solch einem Anzug kein besonderes Ereignis zum Tragen benötigen würde – bei solch einem Anzug finden die Ereignisse den Träger.

Maßgeschneiderte Ernährung

Wenn man einen perfekten Körper möchte und dies ohne chemische Unterstützung erreichen will, dann sollte die Ernährung besser auch maßgeschneidert anstatt von der Stange sein.

Man muss seinen Ernährungsplan präzise auf die eigenen individuellen Bedürfnisse zuschneiden. Man braucht mehr als einen Ernährungsplan, wie man ihn auf einer Website oder in einem Magazin finden kann – oder man muss zumindest wissen, wie genau man diese Ernährungspläne modifizieren kann, so dass sie zu den persönlichen Bedürfnissen passen und dabei helfen, die eigenen Ziele zu erreichen. (Ich gehe mal davon aus, dass man Ziele hat.)

Das Ziel dieser Artikelserie besteht darin, dem Leser genau dies beizubringen: Wie man seine Ernährung mehr wie Caruso und weniger wie JC Penny zusammenstellt. Um dies zu tun, muss man zunächst seine Erwartungen modifizieren: dies ist kein Ernährungsartikel sondern das, was ich als einen Fortschrittsartikel bezeichnen würde.

Man wird in diesem Artikel keine Tipps und Tricks finden. Man wird genauso wenig Rezepte oder Mahlzeitenpläne vorfinden. Weiterhin wird man keine Biochemie in diesem Artikel finden. Was man finden wird, ist die Methode, welche einer Optimierung und Individualisierung der Ernährung zugrunde liegt und welche die Methode zum Finden der persönlichen perfekten Ernährung darstellt.

Zur Warnung sei gesagt, dass diese Methode recht simpel ist, aber sehr viel Disziplin bedarf. Die meisten Leser werden sie niemals in ihrer Vollständigkeit einsetzen. Diejenigen, die dies jedoch tun, werden so nahe an eine perfekte Ernährung herankommen, wie man dies alleine schaffen kann. Ich würde empfehlen, dass man sich zuerst mit den gesamten Prozess vertraut macht, bevor man die Teile auswählt, die man verwenden oder außen vor lassen möchte.

Wie bereits gesagt ist dieser Artikel nichts für jeden. Die meisten werden niemals einen perfekt maßgeschneiderten Plan haben, genau wie auch nur wenige im richtigen Leben einen maßgeschneiderten Anzug besitzen werden.

Nachdem all dies geklärt ist, können wir fortfahren.

Wo ist die eigene Vorlage?

Etwas bei Carusos Methode hat meine Aufmerksamkeit besonders erregt. Es steht außer Frage, dass die Anfertigung eines maßgeschneiderten Anzugs extrem komplex ist und neben einem qualifizierten, erfahrenen Schneider einer wiederholbaren Methode und akribischer Aufmerksamkeit bedarf. Trotz alledem erschien Carusos Methode fast simpel.

In der Tat beginnt jeder seiner maßgefertigten Anzüge mit ein und derselben Vorlage. Diese Vorlage oder dieses Schnittmuster wird dann im Verlauf vieler Anproben auf den entsprechenden Kunden zugeschnitten, bis es schließlich zu dem exquisiten maßgeschneiderten Anzug wird, für den 4000 Dollar und mehr bezahlt werden. Mit anderen Worten beginnt der maßgeschneiderte Anzug – das perfekte Kleidungsstück – als nichts anders als eine eine Größe für alle-Vorlage.

Richtig so, würde ich sagen. Ernährungstechnische Perfektion ist genau wie kleidungstechnische Vielfalt ein iterativer Prozess. Dies bedeutet, dass es vieler Iterationen oder Wiederholungen des Designprozesses bedarf, bis man am eigentlichen Ziel ankommt. Der meisterhafte Schneider erwartet nicht, den perfekten Anzug durch Handlesen bei seinen Kunden oder göttliche Eingaben herstellen zu können.

Stattdessen müssen seine Kunden für eine bessere Passgenauigkeit zum Anpassen, Maßnehmen und Modifizieren in sein Geschäft kommen. Dies ist wieder und wieder notwendig. Er lässt seine Kunden so oft wie notwendig wiederkommen und er modifiziert und passt den Anzug so lange an, bis er perfekt ist.

Mit unserer Ernährung müssen wir dasselbe tun. Man nimmt zunächst eine einfache Vorlage für einen Ernährungsplan, testet dies aus und modifiziert sie anhand der Resultate, die sie bringt. Nur so kann man am Ziel ankommen – dem perfekten Plan.

Wie es im Augenblick aussieht gibt es keine magische verordnete iss richtig anhand deiner DANN Hilfe. Das Beste, was wir zurzeit tun können, ist eine Prozedur anzuwenden, welche intelligentes Trial and Error mit wissenschaftlicher Methodik kombiniert. Wir beginnen mit einer Hypothese (d.h. unserem grundlegenden Ernährungsplan), welche auf den besten Informationen basiert, die uns zur Verfügung stehen (aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, anekdotische Hinweise, frühere Erfahrungen), wir testen diese Hypothese (d.h. wir ernähren uns für eine bestimmte Zeit nach diesem Plan) und wir modifizieren diese Hypothese auf Basis der Resultate unseres Tests (aufgebaute Muskelmasse, verlorenes Fett usw.).

Mit anderen Worten gesagt, bedarf es Zeit, Anstrengung, Disziplin und einem Blick für Details, um einen perfekten Plan zu erreichen. Doch zunächst benötigt man einen Ausgangspunkt, von dem man sich los bewegt, eine grundlegende Vorlage, mit der man beginnen kann, die man testet und bei Bedarf modifiziert.

In diesem Teil der Artikelserie werde ich zeigen, wie man eine solche Vorlage erstellt. In Teil 2 und 3 der Artikelserie werde ich den Prozess der Individualisierung vorstellen, einige Beispielfälle zitieren und den Leser auf einige gute Werkzeuge und Ressourcen hinweisen, die bei diesem Prozess hilfreich sein können.

Zunächst hat jeder dieselben Bedürfnisse

Besprechen wir also zunächst diese Vorlage - den Ernährungsplan - mit dem man beginnt. Auch wenn es wahr ist, dass man am Ende einen speziellen Plan benötigt, der speziell auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten ist (sowohl physiologische als auch logistische), benötigt man diesen jetzt noch nicht. Zu Beginn unserer ernährungstechnischen Reise sind die persönlichen Bedürfnisse wahrscheinlich dieselben, wie bei jeder anderen Person in derselben Situation.

Man benötigt: einen einfachen Ernährungsplan, den man sofort verwenden kann und der die richtige Auswahl an Nahrungsmitteln und die richtigen Ernährungsgewohnheiten umfasst.

Man muss dazu in der Lage sein, diesen Plan noch heute in die Tat umzusetzen – nicht morgen, nicht nächste Woche und nicht nächstes Jahr. Der Plan muss so einfach und vollständig sein, dass man bereits mit der nächsten Mahlzeit beginnen kann und ihn danach mit jeder weiteren Mahlzeit fortsetzen kann, bis die Gewohnheiten, welche die Fortschritte ermöglichen, fest installiert sind.

Komplexe Formeln, Supplements, Makronährstoffverhältnisse, Mikronährstoffgehalt oder sogar (keuch) Kalorien sind Dinge, mit denen man sich am Anfang nicht auseinander setzen muss. Man sollte mich an dieser Stelle nicht falsch verstehen, am Ende wird man all diese Dinge berücksichtigen müssen. Sie werden zu den Variablen, die man später modifizieren kann. Für jetzt sollte man jedoch einfach akzeptieren, dass die Regeln, die ich gleich aufstellen werde, für den Anfang das Beste sind.

Wenn man mit einer anderen Vorlage beginnen möchte, dann kann man dies gerne tun – der in dieser Artikelserie beschriebene Prozess wird dabei helfen, die anfänglichen Fehler zu korrigieren.

7 einfache Regeln für den Start

Man beginnt mit einem Plan, der auf meinen 7 Gewohnheiten hocheffektiver Ernährungsprogramme beruht. Schlauer Name, nicht wahr? Wahrscheinlich sogar illegal, wie ich annehme - The 7 Habits of Highly Effective People (Die sieben Gewohnheiten hocheffizienter Menschen) von Steve Corvey ist ein sehr gutes Buch, das ich nur wärmstens empfehlen kann – vielleicht wendet diese Erwähnung den Prozess wegen der Verletzung Urheberrechts ab. Falls man diese Regeln noch nicht kennt, ist hier eine Zusammenfassung:
  • Gewohnheit 1: Iss alle 2 – 3 Stunden.
  • Gewohnheit 2: Iss vollständiges, mageres Protein zu jeder Mahlzeit.
  • Gewohnheit 3: Iss mit jeder Mahlzeit Gemüse.
  • Gewohnheit 4: Iss Obst/ Gemüse bei jeder Mahlzeit. Iss andere Kohlenhydrate nur nach dem Training.
  • Gewohnheit 5: Iss täglich gesunde Fette.
  • Gewohnheit 6: Trinke keine Getränke (Erfrischungsgetränke, Bier, usw.), die mehr als 0 Kalorien enthalten.
  • Gewohnheit 7: Iss vollständige Nahrungsmittel wann immer dies möglich ist.
Ich möchte, dass sich der Leser jetzt sofort ein Stück Papier nimmt und 6 auf diesen Prinzipien basierende Mahlzeiten zusammenstellt. Über die Portionsgrößen und das Verhältnis der Makronährstoffe muss man sich an dieser Stelle noch keine Gedanken machen, damit werden wir uns später noch befassen. Für den Augenblick reicht es aus sechs Mahlzeiten zusammenzustellen, die man jeden Tag essen könnte. Wenn man nicht jeden Tag dieselben sechs Mahlzeiten essen kann, dann sollte man sich acht, zehn oder zwanzig Mahlzeiten zusammenstellen. Die genaue Anzahl spielt keine Rolle, so lange für die nächsten drei bis fünf Wochen 90 % der Mahlzeiten, die man zu sich nimmt, sich auf diesem Zettel befinden und die 7 genannten Regeln erfüllen.

Wenn man Hilfe bei der Zusammenstellung der Mahlzeiten benötigt, dann kann man sich Ernährungsartikel durchlesen oder sich in Foren Anregungen holen.

Stellen wir eins an dieser Stelle klar. Senior Carusos erster Schritt bei der Anfertigung eines maßgeschneiderten Anzugs beginnt mit einem eine Größe für alle Plan. Okay, zwei Größen – wir müssen Männer und Frauen berücksichtigen. Männern und Frauen muss man jedoch nicht sagen, dass sie mehr oder weniger geschlechtsbasiert essen sollen – sie tun dies typischerweise bereits. Jeder eine Größe für alle Plan ist zu Beginn gleichermaßen für den 150 Pfund schweren Hardgainer mit 7 % Körperfett sowie den 250 Pfund schweren Schwergewichtler mit 22 % Übergewicht geeignet.

Hier ist also mein Ratschlag für den Leser: Wenn man im Augenblick mit seiner Körperkomposition, seiner Gesundheit, seinen Energiespiegeln oder seiner täglichen / sportlichen Leistungsfähigkeit unzufrieden ist, dann sollte man unabhängig davon, ob man Anfänger oder Fortgeschrittener ist (wir werden dies in Kürze bestimmen), mit den 7 oben genannten Gewohnheiten beginnen. Hierfür stellt man sich einen Ernährungsplan zusammen, der exklusiv auf diesen 7 Gewohnheiten basiert und befolgt diesen selbst erstellten Plan ohne Modifikationen für drei bis fünf Wochen.

Details... und so weiter

Ich weiß, dass es ein hartes Stück Arbeit für mich wird, den Leser zu überzeugen. Dies beruht hauptsächlich darauf, dass wir darauf konditioniert wurden, zu glauben, dass man selbst etwas anderes als jeder andere braucht. Das ist im Grunde genommen auch richtig! Der beste Weg für die Zusammenstellung einer maßgeschneiderten Ernährung beginnt jedoch mit einem elementaren Basisplan, der basierend auf den persönlichen physiologischen Reaktionen individualisiert wird. Eine perfektere Individualisierung ist kaum möglich.

Die Leute neigen dazu sich am Anfang viel zu viele Gedanken über Kalorien, das Verhältnis der Makronährstoffe und andere Details zu machen, was aus meiner Sicht einfach nur verschwendete mentale Energie ist. Sich Gedanken über Kalorien oder Makronährstoffverhältnisse zu machen wenn man gleichzeitig Mahlzeiten ausfallen lässt und grobe Fehler bei der Auswahl der Nahrungsmittel und beim Nährstofftiming macht, ist genauso sinnvoll wie das gerade Hinstellen der Deckstühle auf der Titanic.

Über einen kurzen Zeitraum – in unserem Fall drei bis fünf Wochen, während man den Basisplan befolgt – wird nahezu jede halbwegs vernünftige Kalorienzufuhr, so lange die Auswahl der Nahrungsmittel exzellent ist (und das wird sie sein, wenn man die oben genannten Regeln befolgt), nur vernachlässigbare negative Auswirkungen auf die Körperzusammensetzung haben können. Einfach gesagt sind in diesem Stadium die sofortige Umsetzung und die Konsistenz wichtig, wogegen die Kalorienzufuhr es nicht ist.

Natürlich kann ein solcher Plan von Anfang an große körperliche Veränderungen bewirken, was jedoch nicht der Fall sein muss. Es kann genauso gut sein, dass sich der Körper während der ersten Wochen gar nicht verändert. Da ich davon ausgehe, dass körperliche Veränderungen genau das sind, was die meisten Menschen durch ihr Ernährungsprogramm erreichen wollen, möchte ich an dieser Stelle mit meinen Lesern ein grundlegendes Prinzip teilen:

Um die Körperzusammensetzung auf lange Sicht zu verbessern, muss man die Körperzusammensetzung kurzfristig vergessen.


Man sollte immer daran denken, dass wir an dieser Stelle von einem Langzeitprozess für die Optimierung der Nahrungszufuhr und der damit in Verbindung stehenden optimalen Körperzusammensetzung, Gesundheit und Leistungsfähigkeit reden. Damit dies funktionieren kann, muss man die Denkart eines Langzeitdenkers annehmen, welcher versteht, dass nicht kurzfristige Marotten oder Schemata zum Erfolg führen, sondern vielmehr die kontinuierliche Anwendung einfacher, korrekter Prinzipien.

Solange man also die sieben Ernährungsgewohnheiten nicht während mehr als 90 % der Zeit befolgt, sollte man die Waage, den Caliper und die Kalorientabelle zur Seite legen. Man sollte sich stattdessen Stift und Papier nehmen und seine 6 Mahlzeiten planen. Wenn man die passenden Nahrungsmittel für diese Mahlzeiten nicht im Haus hat, dann muss man sich eben eine Einkaufsliste machen und Einkaufen gehe.

Oh, ich kann schon die Schreie hören…

Ich gehöre zu den Fortgeschrittenen, Verdammt!

Bis jetzt habe ich darüber geredet, was für die Einführungsphase bzw. den ersten Schritt notwendig und hilfreich ist, wobei ich jedoch nicht wirklich definiert habe, was ich mit Einführungsphase meine.

Im Grunde genommen ist dies recht einfach. Wenn das Ziel darin besteht, die Körperzusammensetzung und das körperliche Erscheinungsbild zu verbessern, dann habe ich einen einfachen Test zur Hand, mit dem ich bestimmen kann, wo man sich in seiner ernährungstechnischen Karriere befindet. Man befindet sich noch in der Einführungsphase, falls man folgende zwei Fragen mit einem Nein beantwortet:
  1. Ist man, wenn man in den Spiegel schaut, mit den augenblicklichen Grad der Muskulösität und Schlankheit zufrieden? Mit anderen Worten gesagt, hat man sein Ziel bezüglich der Körperzusammensetzung erreicht?
  2. Hat man, falls die Antwort auf Frage 1 ein Nein war, für mindestens fünf Wochen einen Ernährungsplan befolgt, der die 7 oben genannten Ernährungsgewohnheiten berücksichtigt, wobei maximal 10 % der Mahlzeiten diese Kriterien verletzt haben?
Bevor man diese Frage beantwortet, sollte man kurz nachdenken. Ein Ja würde bedeuten, dass bei 6 Mahlzeiten pro Tag oder 42 Mahlzeiten pro Woche nicht mehr als 4 Mahlzeiten pro Woche ausgefallen sind oder eine der Regeln verletzt haben.

Die erste Frage stellt ein Beispiel für ergebnisbasierte Entscheidungsfindung dar. Wenn man bei einem Bestreben erfolgreich war, dann muss man dazu in der Lage sein, den Fortschritt und das Ergebnis der eigenen Anstrengungen messen zu können. In unserem Fall bewertet man subjektiv sein Erscheinungsbild. Falls man es wünscht kann man auch objektiv Gewicht, fettfreie Körpermasse und Fettmasse messen.

Die Grundaussage ist, dass man, falls man keine Fortschritte misst, seine Zeit verschwendet. Wenn man Ergebnisse misst, aber nicht mag, was diese Ergebnisse aussagen – wenn man z.B. trotz Einhaltung des augenblicklichen Trainings- und Ernährungsprogramms nicht so muskulös und schlank ist, wie man dies gerne wäre - dann muss man etwas verändern.

Die zweite Frage untersucht die eigenen Anstrengungen (oder ein Fehlen derselben). Wenn man seine Körperzusammensetzung verbessern möchte, aber nicht konsequent ein Ernährungsprogramm befolgt, welches die 7 Regeln erfüllt, dann sollte man entweder sofort damit anfangen oder aber seine körperlichen Unzulänglichkeiten akzeptieren lernen, da man mit diesen dann noch lange leben werden muss. Hey, manche Frauen stehen ja auf eine pummelige Körpermitte und Storchenbeine. Ich hoffe das hilft weiter.

Die meisten Menschen werden, wenn sie ehrlich sind, auf beide Fragen mit einem Nein antworten – dies gilt auch für einige Fortgeschrittene. Ich möchte an dieser Stelle eines klar stellen: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen einer langjährigen Trainingserfahrung und der Ernährungserfahrung, welche am ernährungstechnischen Geburtstag beginnt: den Tag, an dem man seine drei bis fünf Wochen des eine Größe passt allen Ernährungsprogramms unter 90 %-iger Einhaltung der 7 Ernährungsgewohnheiten beendet hat. Bis dahin ist man unabhängig davon, was man auf der Bank drückt, ernährungstechnisch gesehen ein Anfänger.

Falls man die erste Frage mit Nein beantwortet hat (d.h. man hat seine Ziele bezüglich der Körperzusammensetzung noch nicht erreicht), die zweite Frage jedoch mit Ja beantwortet hat (d.h. man hat den Status eines ernährungstechnischen Anfängers überschritten), dann befindet man sich auf dem richtigen Weg und kann gleich mit Teil 2 dieser Artikelserie weiter machen. Teil 2 und Teil 3 dieser Artikelserie beschreiben die nächsten Schritte dieses Weges.

Wenn man Frage 1 mit einem Ja beantwortet hat, dann hat man bereits alles Notwendige getan um seine Zeile zu erreichen und es steht mir nicht zu, die hierfür eingesetzten Methoden zu kritisieren. Sie funktionieren für einen persönlich und das ist das, was zählt. Ich bin nicht hier um Picasso beizubringen wie man malt.

Der Rest der Leser sollte die nachfolgende Checkliste durchgehen und sicherstellen, dass man alles notwendige tut, bevor man mit Teil 2 und Teil 3 dieser Artikelserie weiter macht.

Zusammenfassung und Checkliste

  • Man sollte ergebnisbasierte Entscheidungen treffen. Wenn man seine Ziele erreicht hat, ist das gut, wenn dies jedoch nicht der Fall ist, dann muss man seine Methoden untersuchen und verändern. Es hört niemals auf mich zu faszinieren, wenn ich Leute sagen höre Aber ich ernähre mich doch schon hervorragend. Hmm, ist man sich da ganz sicher?
  • Man muss seine ernährungstechnische Erfahrung realistisch bestimmen. Wenn man für 3 bis 5 Wochen einen Ernährungsplan eingehalten hat, der die oben beschriebenen 7 Regeln zu 90 % erfüllt hat, dann hat man die Einführungsphase erfolgreich hinter sich gebracht und kann mit Teil 2 dieser Artikelserie fortfahren.
  • Es ist erforderlich sich einen Ernährungsplan zusammenzustellen. Hierfür entwirft man sechs, zehn, zwanzig oder mehr Mahlzeiten und zwei Trainingsgetränke die auf den 7 Ernährungsgewohnheiten basieren. Hierbei sollte man bewusst Kalorien, Makronährstoffe, Mikronährstoffe und ähnliches ignorieren. Wichtig ist nur, dass alle Mahlzeiten die 7 Regeln erfüllen.
  • Man sollte sich den selbsterstellten Ernährungsplan ausdrucken und ihn an einer oder mehreren gut sichtbaren Stellen platzieren.
  • Man sollte sich für mindestens drei Wochen nach diesem Plan ernähren. Nach diesen drei Wochen kann man die Mahlzeiten verändern, so lange diese die genannten Kriterien erfüllen. Basierend auf dem Ernährungsplan sollte man sich eine Einkaufsliste erstellen und sich alles besorgen, was man für eine Woche an Nahrungsmitteln benötigt.
  • Man sollte so viele Mahlzeiten wie möglich im Voraus vorbereiten bzw. zubereiten. Hierdurch kann vermieden werden, dass man Mahlzeiten aufgrund inadäquater Vorbereitung oder Planung auslässt.
  • Man muss versuchen jede geplante Mahlzeit zu essen.
  • Man sollte die Anzahl der verpatzten Mahlzeiten zählen. Noch besser ist es, diese verpatzten Mahlzeiten einen Tag im Voraus zu planen und in Schummelmahlzeiten zu verwandeln. Pro Woche sind maximal vier dieser Mahlzeiten erlaubt.
Wenn man seinen Ernährungsplan für mindestens drei bis fünf Wochen konsequent befolgt hat (d.h. maximal 4 verpatzte Mahlzeiten pro Woche), dann kann man mit Teil 2 dieser Artikelserie weiter machen.

Was nun?

All dies sagt nichts darüber aus, wie es jetzt weiter geht. Einige Leser werden ihre Einführungsphase bereits hinter sich gebracht haben, andere werden nach der Lektüre dieses Artikels hoffentlich folgen. Es gibt noch vieles zu besprechen und in Teil 2 dieser Artikelserie werde ich mich mit dem Konzept der Individualisierung beschäftigen, der zu dem führt, was man als maßgeschneiderte Ernährung bezeichnen kann.

Wenn man bezüglich seiner Ernährung ein Meister werden möchte, dann sollte man weiterlesen!

Teil 2 findet ihr hier.

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