Ruhe in Frieden

In memoriam: Jusup Wilkosz

Jusup Wilkosz zählt zu den erfolgreichsten deutschen Bodybuildern aller Zeiten und erlangte durch seine sehr ästhetische Physique auch in den USA hohes Ansehen. Gestern erreichte uns die traurige Nachricht, dass Jusup kurz nach seinem 71. Geburtstag von uns gegangen ist.

Die besten Augen für einen Formcheck: Arnold Schwarzenegger und Jusup Wilkosz beim Training / Bild: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Armtraining mit Arnie und Jusup. Bildquelle: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Jusup wurde am 8. November 1948 in Heilbronn geboren. In seiner Jugend war er erfolgreicher Gewichtheber, bevor er, angetrieben durch seine Frau Ruth, 1970 seine Liebe zum Bodybuilding fand. Sie war es auch, die Jusup später mit nach München in das Fitnessstudio von Albert Busek nahm, wo er die Bekanntschaft von Arnold Schwarzenegger machte und dessen Trainingspartner und Freund wurde.

Fortschritt prüfen und Posing üben. Bildquelle: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Die Zeit mit Arnold war sehr schön, neben dem Training hatten wir viel Spaß. Arnold hat mal zu mir gesagt: "Mein Leben ist wie ein Traum, ich hoffe, der hört nie auf". Beim Training war Arnold wie eine Lokomotive man musste sich nur anhängen. Wir waren gute Freunde, ich durfte sogar mal eine Zeit lang in seinem Haus wohnen und seine Harley fahren. Abends haben wir viel über das Training gesprochen. Franco Columbu kam zu dieser Zeit auch oft zu Besuch, dann gab es immer ein Glas Wein.

1978 nahm Jusup an der Weltmeisterschaft der Amateure teil und musste sich dabei einzig Mike Mentzer geschlagen geben. Nach seinem Sieg auf der Deutschen Meisterschaft und der Weltmeisterschaft im Jahr 1979 wechselte Jusup ins Profilager.

Jusup Wilkosz - der deutsche Herkules / Bild: Jusup Wilkosz Privatarchiv

1980 gelang ihm mit dem Sieg beim Mr. Universe sein vielleicht größter Erfolg, der ihm auch internationales Ansehen brachte. In den folgenden Jahren nahm Jusup wiederholt am Mr. Olympia teil und konnte mit zwei sechsten und einem zehnten Platz stets gute Resultate einfahren.

So nah dran an der Sandow-Trophäe wie kein Deutscher vor ihm: Jusup Wilkosz und der Mr. Olympia von 1984, Lee Haney / Bild: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Den Gipfel seiner großen Karriere erreichte Wilkosz 1984 in New York. Sein vierminütiger Auftritt zur Präsentation der Kür hinterließ nicht nur beim begeisterten Publikum, sondern auch bei den Kampfrichtern einen bleibenden Eindruck. Die perfekt auf die Musik abgestimmten Posen, die hervorragende Form, die bemerkenswerte Körperbeherrschung - all das machte Jusup Wilkosz zu einem der besten Poser, die das Bodybuilding in Deutschland je hervorgebracht hat. Mit seinem dritten Platz hinter Lee Haney und Mohames El Makkawy gelang ihm nach einer intensiven Vorbereitung mit Ed Corney 1984 die beste Platzierung eines Deutschen beim bedeutendsten Wettkampf des Sports bis Dennis Wolf es ihm 2013 gleichtat.



Zu seinem klassischen Körper sagte er in einem Interview mit uns im vergangenen Jahr: "Ich bevorzuge das klassische Bodybuilding. Natürlich entwickelt sich der Sport weiter, aber ich vermisse dabei die klassische Figur." Diese klassische Figur war es auch, die ihm den Spitznamen German Hercules einbrachte.

Jusup Wilkosz stand in seiner Karriere auf den größten Bühnen / Bild: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Verletzungen im Knie und an der Bizepssehne sorgten für ein deutlich zu frühes Karriereende, doch Jusup blieb dem Sport stets erhalten und gründete 1985 mit seiner Frau ein eigenes Fitnesstudio. Doch Jusups Leben kannte nicht nur die Höhen. Der viel zu frühe Tod seiner geliebten Frau Ruth warf ihn aus der Bahn und er brauchte lange, um sich davon zu erholen, nur um gleich den nächsten Nackenschlag zu kassieren: Eine erneute Vorbereitung auf den Mr. Olympia 1994 scheiterte an wiederkehrenden Verletzungen, gleichzeitig verlor er aufgrund von geplatzten Verträgen und gefälschten Unterschriften sein Studio und die Einnahmen aus Werbeverträgen.

Beeindruckendes Profil: The German Hercules. Foto: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Schmale Körpermitte, perfektes Posing. Foto: Jusup Wilkosz Privatarchiv

Dem Autor Dr. Heiger Ostertag ist es zu verdanken, dass Jusup 2007 wieder in den Fokus der Aufmerksamkeit rutschte. Dieser schrieb gemeinsam mit Jusup den Roman "Was bleibt: Die Reise des Jusup W.", der biographische und fiktive Elemente miteinander vereinte.

Jusup Wilkosz beim Signieren von Autogrammkarten in Oberkirch im Juni 2018. Bildquelle: Michael Belz / TEAM ANDRO

Motiviert durch die positiven Erinnerungen an die Höhepunkte seines Lebens fasste Jusup neuen Lebensmut und begann erneut mit dem Training. Wir trafen Jusup im vergangenen Jahr mehrfach und lernten ihn als sehr freundlichen und lebensfrohen Menschen kennen.



Im Januar diesen Jahres kam es dann nach langer Zeit zu einem Wiedersehen mit seinem alten Freund Arnold Schwarzenegger, das Jusup mit den Worten „Was für ein toller Tag“ beschrieb.

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Treffen mit Arnold

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Am 19. November 2019 verstarb die deutsche Bodybuildinglegende, wie seine Angehörigen über Jusups Social Media-Kanäle mitteilte. Wir möchten diesen hiermit unser tiefes Mitgefühl ausdrücken und viel Kraft in dieser schweren Zeit wünschen. Vor allem aber möchten wir an Jusups Leben erinnern, das Leben eines äußerst erfolgreichen Bodybuilders, vor allem aber eines äußerst sympathischen und herzlichen Menschen.



Ruhe in Frieden Jusup!

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