MET-AD17-Diol

Anfang 2002 brachte der Online-Anbieter Sledge Hammer (http://www.sledge-hammer.com) ein Produkt namens MET-AD17-diol auf den Markt, bei dem zunächst niemand so recht wusste, was denn nun eigentlich dessen wirksame Bestandteile waren.

Unterstützt wurde die Produkteinführung durch eine breit angelegte Werbekampagne mit doppelseitigen Anzeigen in Zeitschriften wie Flex, Sport Revue & Co. Eine Werbestrategie also, die auf den jugendlichen Anabolika-Aspiranten abgestimmt war.

Hier ein paar Auszüge aus der Sledge-Werbung zu MET-AD17-diol:
  • "Es handelt sich hierbei um ein chemisch modifiziertes Produkt, welches von seiner Wirkungsweise her dem, in Insiderkreisen geläufigen Steroid Dianabol sehr nahekommt. Die Wirkungsweise von Dianabol ist hinreichend bekannt."
  • "Bei MET-AD17-diol handelt es sich um das erste Produkt seiner Art in Kapselform, das neben der 1-Testosteron Komponente die höchstmögliche Zufuhr des klinisch erwiesenen, hyperanabolen Wirkstoffs MET-AD17-diol gewährleistet."
  • "MET-AD17-diol bewirkt eine drastische Steigerung von Kraft und Muskelaufbau, verbunden mit einer bemerkenswerten Verbesserung der Trainingsintensität, vermehrter Aggression und Durchhaltevermögen."
Recht markige Sprüche also. Die Angabe der Inhaltsstoffe fiel allerdings deutlich spartanischer aus.
Da hieß es nur, dass das Produkt pro Kapsel 300mg "Met-AD17-diol/1-T proprietary blend" enthält. Was sich hinter diesem Phantasienamen verbirgt, verriet die Werbung allerdings nicht.

Der aggressive Werbefeldzug verfehlte sein Ziel nicht, und schon bald tauchten in den Internet-Foren zum Thema Bodybuilding die Berichte von Usern auf, die es probiert hatten. Auffällig daran war, dass durchgehend von starkem Kraft- und Muskelzuwachs geschrieben wurde. Allerdings auch von Nebenwirkungen wie deutlich erhöhten Leberenzymwerten, erhöhtem Blutdruck und Wasserretention.

Natürlich gibt es auch User, die nach der Anwendung von Andro- oder Norandro-PHs über Muskelzuwächse von einigen kg berichtet haben (es lebe der Placeboeffekt), jedoch war bei diesen Produkten das Meinungsbild stets viel gemischter. Mittlerweile überwiegt wohl die Anzahl derer, die diesen Wirkstoffen wenig zutraut.
Und mir ist kein einziger ernstzunehmender Beitrag bekannt, in dem von negativen Seiteneffekten auf Leber und Blutdruck oder Wasserretention im Zusammenhang mit den klassischen Prohormonen die Rede war.

Nachdem die etwas merkwürdigen Resultate mit MET-AD17-diol sich in der Bodybuilding-Forenlandschaft herumgesprochen hatten, führte dies teilweise zu recht kontroversen Diskussionen über Wirkung und mögliche Ingredienzen.

Das zog sich so eine ganze Weile hin, bis schließlich jemand den Entschluss fasste, Licht ins Dunkel zu bringen und eine Analyse von MET-AD17-diol zu veranlassen.
Horowitz von der Uni Köln konnte seinen Professor (Wilhelm Schänzer) am Institut für Biochemie nämlich davon überzeugen, das Produkt von Sledge einmal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das Resultat der sich anschließenden chemischen Analyse war dann so erstaunlich, dass es kurze Zeit später (Juli 2002) unter dem Titel "Anabolika als Nahrungsergänzungsmittel getarnt" durch die Medien ging. Den Artikel findet man auch jetzt noch auf einigen Web-Seiten, so z.B. unter http://science.orf.at/science/news/55507.

Die detaillierten Ergebnisse erschienen dann noch einmal in Form einer Studie23 (Geyer et al., 2003). Diese kann unter http://www.humankinetics.com/eJournalMedia/pdfs/566.pdf heruntergeladen werden.

MET-AD17-diol enthält demnach Methandienon, den Wirkstoff von Dianabol. Für die mengenmäßige Analyse vermischte man zum einen den Inhalt von zehn Kapseln, zum anderen wurden fünf Kapseln jeweils separat untersucht.

Aus den zehn Kapseln ergab sich eine Menge von 17,3 mg Methandienon pro Gramm Inhalt. Da eine Kapsel (lt. Hersteller) 300 mg beinhaltet, folgt hieraus eine durchschnittliche Menge von 5,19 mg Methandienon pro Kapsel.

Die Ergebnisse für die fünf Kapseln, die separat untersucht wurden, zeigt die folgende Tabelle:



Tja, da scheint Sledge ja nun wirklich ein ziemlich übles Zeug zusammengerührt zu haben. Und dabei hat er es noch nicht mal geschafft, dass wenigstens die Menge pro Kapsel einigermaßen konstant ist.

Hier kurz einige Fakten zu Methandienon, das nicht ohne Grund zu den hässlichen AAS gerechnet wird:
  • Der Wirkstoff wurde 1956 kreiert und gehört damit zu den frühen Schöpfungen aus dem Reich der AAS.
  • Ursprünglich kam Methandienon unter dem Produktnamen Dianabol (DBol) auf den Markt, das es allerdings schon seit Anfang der 80er Jahre nicht mehr gibt. Heutzutage gibt es stattdessen Produkte wie Naposim (Rumänien) oder Anabol (Thailand) und noch etliche andere.
  • Es ist 17-alpha-alkyliert. Durch diese Modifikation wird der Leber einer der Hauptabbauwege versperrt und die Substanz wird bioverfügbar. Etwa 2/3 landen bei oraler Einnahme im Blutkreislauf. Nachteil: Die Leber gerät unter Stress und reagiert darauf mit erhöhten Leberenzymwerten (und manchmal auch mit Schlimmerem).
  • Aus Methandienon entsteht im Körper eine biologisch besonders aktive Östradiolvariante: 17alpha-Methylöstradiol. Das führt dann gerne mal zu Feminisierungserscheinungen wie Gynäkomastie (auch Bitch-Tits genannt) oder Fettverteilung nach weiblichem Muster.
  • Die Östradiolbildung ist auch der Grund für Natrium- und Wasserretention, was wiederum oft mit erhöhtem Blutdruck einhergeht. Den typischen DBol-Konsumenten erkennt man daher auch gerne an seinem aufgedunsenen Look in Verbindung mit dem rotgesichtigen Aquariumsschädel
  • Die Nieren macht Methandienon sicher auch nicht besser.
  • Methandienon wirkt schnell und auch ziemlich stark, oft hat man schon nach vier Tagen den ersten merkbaren Kraftzuwachs. Nach einigen Wochen ist die Wirkung dann aber meist ausgereizt.
  • Bei Jugendlichen, die noch nicht ihre endgültige Körpergröße erreicht haben, kann es zum Epiphysenverschluss und damit zum irreversiblen Wachstumsstop führen.
  • Die Muskulatur, die man damit aufbaut, ist eher von niedriger Qualität. Nach dem Absetzen des Präparates ist diese kaum zu halten.
Evtl. mag nun der eine oder der andere erst recht mit MET-AD17-diol liebäugeln, wenn es denn ein echtes AAS enthält. Dazu sollte man aber bedenken, dass:
  • der Schwarzmarktpreis einer Tablette Naposim (5 mg Methandienon) bei ca. 20 Cent liegt, während 90 Kapseln MET-AD17-diol mit 75 EUR zu Buche schlagen, und eine Kapsel damit ca. 83 Cent kostet. Kein guter Deal also.
  • Sledge nichts daran hindert, die Formel zu ändern, wenn er aus irgendwelchen Gründen denken sollte, dass das eine gute Idee ist.
Im Juli 2003 hat Horowitz das Zeug dann noch einmal selbst analysiert - das Ergebnis kann unter http://www.bbszene.de/board/viewtopic.php4?t=38336 nachgelesen werden. Demnach enthielt Sledge's Special zu diesem Zeitpunkt immer noch Methandienon.
Ob das jetzt auch noch der Fall ist? Das wissen wohl nur Sledge und der liebe Gott.

In Italien übrigens scheint man Sledge?s Treiben recht kritisch gegenüberzustehen ? wie unter http://www.sport1.at/coremedia/generator/id=2213032.html zu lesen ist, hat man dort seine Web-Seite gesperrt, nachdem ein Athlet (wegen MET-AD17-diol) mit einer toxischen Hepatitis ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Fazit: Ein angebliches Prohormon mit Methandienon zu "tunen", ist aus meiner Sicht in etwa das gleiche, als würde ein Hersteller von Baldrian auf die Idee kommen, seine Produkte zur besseren Wirksamkeit mit Diazepam "aufzumotzen".
Bedenklich scheint mir vor allem, dass Sledge seine Werbung auf jugendliche BBer ausrichtet, denen dann als Nebenwirkung der irreversible Wachstumsstop droht.
Das Handwerk wird man ihm aber nicht so einfach legen können, auch wenn er dies sicher verdient hätte - als Gerichtsstand für eventuelle Streitigkeiten hat er sich nämlich Bosnien/Herzegowina ausgesucht.

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