The Bad Ass

Mike Sommerfeld – ein polarisierendes Talent

An seiner Person scheiden sich die Geister: Mike Sommerfeld ist kein Typ Mensch, auf den sich alle einigen können. Umso mehr feiert ihn eine treue Fangemeinschaft, die er sich in den sozialen Medien aufbauen konnte. Sportlich zählt der IFBB Pro zweifelsohne zu den talentiertesten Bodybuildern, die Deutschland derzeit zu bieten hat. Grund genug also vor seinem Olympia-Debüt einen Blick auf Mike bisherigen Weg zu werfen.

Mike Sommerfelds früher Karrierestart


Mike Sommerfeld wurde 1994 in Heidelberg geboren. Er war laut eigener Aussage kein einfaches Kind und kein einfacher Jugendlicher, zeigte aber gute Leistungen in der Schule und legte schon früh eine beeindruckende Disziplin im sportlichen Bereich an den Tag.

Schon mit 11 Jahren unternahm Mike erste Schritte im Krafttraining und Bodybuilding. Als Teenager konnte er bereits eine überdurchschnittliche Muskelmasse präsentieren. Mit 17 stand Mike das erste Mal auf der Bühne und gewann auf Anhieb die Deutsche Jugendmeisterschaft 2011. Er wechselte früh von der NABBA zum DBFV und legte einen erfolgreichen nationalen Karrierestart bei den Junioren hin.


Auch auf internationalen Bühnen machte Mike eine, wortwörtliche, gute Figur. So konnte er bei den Arnold Classic Europe Amateur 2014 als jüngster Starten einen sehr guten dritten Platz bei den Junioren holen, schaffte es 2016 ebenfalls auf das Siegerpodest. Die Proficard hatte sich das Wunderkind mittlerweile völlig zurecht als realistisches Ziel gesetzt.

Mit dem Gesamtsieg auf der Royal London Pro 2018 holte er sich schließlich die Eintrittskarte ins Profilager. Mit grade einmal 24 Jahren zählte er zu den jüngsten Bodybuildern, denen dieser Schritt gelungen war.

Der Klassenwechsel und das (Corona?-)Drama um den Mr. Olympia 2020


Bei seinem ersten Profiwettkampf startete der 1,72 Meter große Athlet in der 212er-Klasse. Doch das Debüt auf der Romania Pro 2019 ging mit einem 13. Platz gründlich schief. Als Konsequenz wechselte Mike in die Men’s Classic Physique. Offenbar die richtige Entscheidung: Noch im selben Jahr wurde er hervorragender Zweiter auf der Dennis James Classic Pro, im Folgejahr ebenfalls Zweiter auf dem British Grand Prix Pro. Auf der Xtreme Bodybuilding & Fitness Pro 2021 sprang dann der erste Sieg bei den IFBB Pros heraus, vor dem Deutschen Urs Kalecinski. Der erste Platz hier bedeutete auch die direkte Qualifikation für den Mr. Olympia 2021.

Aus sportlicher Sicht hat sich der Klassenwechsel also bislang mehr als bezahlt gemacht. Mike gesteht sich dennoch eine gewisse Wehmütigkeit zu – sein Herz hänge sehr an den „schweren Jungs“, und er hatte eigentlich immer eher den Wechsel in die offene Klasse als den nächsten Karriereschritt in Betracht gezogen.

Neben der schmerzlichen Niederlage von Rumänien erfuhr Mike Sommerfelds Laufbahn 2020 einen weiteren Knick von großer medialer Tragweite: Seinen geplanten Einstand beim Mr. Olympia 2020 musste der Heidelberger in letzter Minute absagen. Angeblich hatte er zunächst nichts von dem zur Einreise in die USA notwendigen Coronatest gewusst. Später soll der Transfer an fehlenden Visumsunterlagen gescheitert sein. Einige Ungereimtheiten in der Story ließen viele Szenebeobachter vermuten, dass Mike seine zum damaligen Zeitpunkt sehr dürftige Form schlicht nicht auf der Bühne präsentieren wollte. Was an den Gerüchten dran ist, wird wohl ewig sein Geheimnis bleiben.


Ein schwerkranker Profisportler


Supertalent hin oder her: Mike wurden in jüngster Vergangenheit doch einige sehr schwere Steine in den Weg gelegt. 2018 wurde bei ihm die Stoffwechselkrankheit Porphyria variegata festgestellt. Aufgrund eines Gendefekts kann die Leber hierbei bestimmte Enzyme nicht mehr produzieren, woraus sich verschiedene schwere Symptome ergeben. In Mikes Fall kam es zu einem extremen Hautausschlag und Leberversagen.

Der ein oder andere Leser wird sich sofort fragen, wie sich eine Erkrankung der Leber mit dem im Profibodybuilding üblichen Medikamentengebrauch verträgt. Tatsächlich stellt diese Kombination Mike und seine Coaches vor außergewöhnliche Herausforderungen und Risiken. Laut eigener Aussage beendete ein Vorbereiter nach Bekanntwerden der Diagnose die Zusammenarbeit mit ihm, da er die Verantwortung für die körperliche Unversehrtheit seines Athleten nicht mehr tragen wollte. Seine eingeschränkte Fähigkeit, leistungssteigernde Substanzen zu verarbeiten, könnte auch ein Grund sein für seine Abkehr vom Schwergewichtsbodybuilding.

Mike spricht übrigens offen über seinen Konsum und hat seine ungefähren Einnahmen in einem Interview mit dem YouTuber und Podcaster Max Madsen offen gelegt. Mit der Unterstützung habe er im Alter von 16 Jahren begonnen.


Mike Sommerfeld – nicht jedermanns Sache


Sein YouTube Channel bringt es auf über 28.000 Abonnenten, sein Instagram-Profil @mikethebadass auf 124.000. Seine Gefolgschaft kriegt die tolle Freakshow eines Topathleten geboten – doch längst nicht jeder in der Szene feiert Mike Sommerfeld. Seine bisweilen nahezu überhebliche Art stößt vielfach auf Ablehnung. Allein an seinem etwas selbstherrlichen Künstlernamen „The Badass“, laut ihm ein Überbleibsel seiner Kindheit, stören sich viele Bodybuilding-Fans. Mike versucht es mit der Scheiß-egal-Einstellung eines frühen Arnold Schwarzeneggers – er will gar nicht von allen geliebt werden.

Der gelernte Einzelhandelskaufmann lebt heute von seinen Sponsoren, Werbeinnahmen, Coaching, Merchandise und einigen digitalen Produkten. Menschlich mag man ihm zumindest kritisch gegenüberstehen – seine sportliche Leistung bleibt, insbesondere vor dem Hintergrund seiner gesundheitlichen Probleme, in jeder Klasse eine ganz beeindruckende.

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