Mr. Olympia 2021: Die 212 und die restlichen Klassen

Kann Steve Benthin die Top 10 knacken?

Bis 2018 war die 212 eine klare Sache: Flex Lewis sammelte munter einen Titel nach dem nächsten, doch nachdem Flex seinen Rücktritt aus der Klasse erklärte, war die Spannung schlagartig zurück. 2019 holte sich Kamal Elgargni sicherlich für einige überraschend den Titel, 2020 schob sich Shaun Clarida an Kamal vorbei und geht somit als Titelverteidiger ins Rennen. Und dann ist da natürlich noch Steve Benthin, der wieder einmal bewiesen hat, was in ihm steckt und sich nach 2019 zum zweiten Mal qualifiziert hat.

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Beginnen wir mit Mr. M, Steve Benthin:

Steve Benthin


Oft abgeschrieben, häufig unterschätzt und doch ein Garant für gute Leistungen, das ist Steve Benthin, ein Athlet, der polarisiert wie kaum ein anderer im deutschsprachigen Raum. Denn klar: Steve gibt durchaus gerne mal den Pausenclown, tut dies jedoch stets mit der nötigen Selbstironie. Er ist einfach kein Typ, der sich zu ernst nimmt, was sehr viele Fans an ihm lieben, andere hingegen überhaupt nicht nachvollziehen können. Gleiches gilt für seine Essgewohnheiten: Während andere Athleten Monate vor der Show nur noch auf das Gramm genau abgewogene Mengen Brokkoli, Reis und Pute essen, lässt Steve es sich nicht nehmen, auch mal die ein oder andere Milchschnitte zu verdrücken. Aber der Erfolg gibt ihm Recht. Was viele nämlich nicht sehen, ist der Steve, der hart und ehrlich an seinem Körper arbeitet, der die Tipps, die ihm seit 2019 Dennis Wolf gibt, annimmt und umsetzt, der Steve, der wie er selbst sagt, „einfach nur Bodybuilding machen will“.


Doch was ist möglich für Steve? Er selbst sagt, er träumt von einem Platz in den Top 10. Dass es für ihn nicht zum Sieg reichen wird, davon ist er überzeugt. Mit seiner Einschätzung dürfte Steve auch sehr richtig liegen. Seit der Zusammenarbeit mit Dennis hat er seine Schwachstellen wie den Rücken, die letzte Härte im Gluteus, die Bauchkontrolle und die Präsentation deutlich verbessert. In Portugal zeigte er in diesem Jahr vielleicht die beste Form aller Zeiten. In dieser Form ist auch ein Platz in den Top 10 nicht unrealistisch. Steves Stärken sind vor allem von vorne die sehr gefällige Linie und die brutale Härte. Neben teils deutlich kleineren Athleten hat er sicherlich gewisse Massenachteile, aber wenn alles passt, kann Steve sein Ziel verwirklichen.


Doch wer holt den Sieg?

Shaun Clarida


Shaun ist ganz sicher pound by pound der brutalste Athlet in diesem Feld. Der nur knapp 158cm große US-Amerikaner hat gefühlt jeden Millimeter seines Körpers mit Muskeln bepackt. Im Vorjahr war Shaun zudem knüppelhart und zugleich unfassbar prall, was in dieser Kombination nur sehr wenigen Athleten gelingt.

Shaun Clarida beim Mr. Olympia 2019.

Shauns wohl einzige Schwäche ist die Tatsache, dass er vermutlich am Ende seiner Entwicklung angekommen ist. Es ist schlicht kaum vorstellbar, dass er doch noch eine Stelle an seinem Körper findet, auf die noch mehr Muskelmasse passt, ohne dass es ihn noch gedrungener wirken lässt. Kann er die Vorjahresform wiederholen, ist er ganz klar der Topfavorit.


Kamal Elgargni


Der 48-jährige Lybier holte 2018 völlig überraschen den Sieg bei der Arnold Classic um später im Jahr Dritter beim Mr. Olympia zu werden. 2019 zeigte er, dass diese Erfolge keine Eintagsfliege waren und holte sich den Sieg in Las Vegas. Eigentlich sollte seine Geschichte damit geschrieben sein und er verkündete noch auf der Bühne seinen Rücktritt, doch so ganz konnte er doch nicht vom Wettkampfbodybuilding lassen, sodass er 2020 zurückkehrte und sich nur Shaun Clarida geschlagen geben musste.

Kamal Elgargni beim Mr. Olympia 2019.

Kamal zeigt trotz seiner verhältnismäßig breiten Taille eine durchaus gefällige Linie, die er perfekt zu inszenieren weiß. Zudem ist seine Konditionierung stets auf den Punkt. Damit hat er alle Instrumente in der Hand, Shaun einen heißen Kampf zu liefen.


Derek Lunsford


Derek galt bereits 2019 als der designierte Nachfolger von Flex Lewis. Und doch wollte es ihm weder 2019, noch 2020 gelingen, diesem Status gerecht zu werden. Dabei bringt Derek alles mit: er hat eine schöne Struktur, volle und pralle Muskeln, doch leider schaffte er es in der Vergangenheit nicht, seine Form auf den Punkt zu bringen, was ihn stets Platzierungen kostete.

Derek Lunsford beim Mr. Olympia 2019.

In Topform ist Derek sicher ein Athlet, der um den Sieg mitkämpfen kann. Jedoch ist ihm dies bislang nicht gelungen. Vielleicht täte er gut daran, einen Tick weniger auf Fülle zu setzen, da er zuletzt auch etwas überladen aussah.


George Peterson †


Eigentlich hätte an dieser Stelle die Einschätzung zu George Peterson stehen sollen, der ganz sicher zum Kreis der absoluten Topfavoriten zählte. Tragischerweise wird George jedoch am Wochenende nicht auf der Bühne stehen, nie mehr wird er auf einer Bühne stehen, denn George verstarb am Mittwoch vor der Show auf seinem Hotelzimmer aus noch ungeklärten Ursachen.

George Peterson † beim Mr. Olympia 2019.

Möge George in Frieden ruhen!


Ahmad Ashkanani


Seit Jahren schon zählt Ahmad zum Kreise derer Athleten, die immer im Rennen um den top Spot sind, wenngleich Ahmad, der zeitweise Flex Lewis bedrohlich nahe kam, in den letzten Jahren etwas an Boden verloren hat und 2020 nur noch Fünfter wurde.

Ahmad Ashkanani beim Mr. Olympia 2019.

Ahmad ist sicherlich einer der massivsten Athleten im Teilnehmerfeld, was aber zu Lasten seiner Struktur geht. Zudem hatte er in den letzten Jahren immer mit Formproblemen zu kämpfen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass er zurück in die Top 3 kommen wird.


Keone Pearson


Keone war einer der aufkommenden Superstars der Classic Physique als er recht unerwartet in die 212 wechselte und 2020 völlig überraschend verkündete, dass er aufgrund körperlichen und geistigen Stresses auf eine Teilnahme am Mr. Olympia verzichten wird. Mit einem deutlichen Sieg bei der Chicago Pro meldete er sich in diesem Jahr zurück und möchte nun seine Reise an die Spitze der Klasse forsetzen.

Keone Pearson beim Mr. Olympia 2019.

Bereits bei seinem vierten Platz bei der Arnold Classic 2020 zeigte Keone, welch Potenzial in ihm steckt. Gelingt es ihm, eine Topform auf die Bühne zu zaubern, gehört er sicher zum Kreis der Kandidaten für das Finale.


John Jewett


Der Viertplatzierte von 2019 setzte im vergangenen Jahr aus. Nun ist er zurück und wird mit aller Sicherheit versuchen, sich wieder ins Finale vorzukämpfen.

Keone Pearson beim Mr. Olympia 2019.

John besticht durch eine sehr schöne Linie und gute Härte. Wenngleich die Top 3 wohl nicht erreichbar sein sollten, ist ein Finalplatz durchaus greifbar.


Prognose


Den Sieg in der 212 werden aller Voraussicht nach erneut Shaun und Kamal unter sich ausmachen. Derek muss endlich einmal eine Tophärte abliefern, dann könnte er durchaus ein Wort um den Sieg mitreden. Für Steve ist ein Platz in den Top 10 möglich, dafür muss aber alles zusammenpassen.


Men’s Physique


Im vergangenen Jahr konnte sich der Viertplatzierte von 2019, Brandon Hendrickson, im gewohnt leistungsdichten Feld der Men’s Physique durchsetzen, Vorjahressieger Raymont Edmonds auf den zweiten Platz verweisen und damit nach 2018 den zweiten Titel holen.

Brandon Hendrickson beim Mr. Olympia 2019.

Raymont Edmonds beim Mr. Olympia 2019.

Man darf stark davon ausgehen, dass die beiden auch in diesem Jahr den Sieg unter sich ausmachen werden.


Wheelchair Bodybuilding


Alles andere als ein Sieg von Seriensieger Harold Kelley wäre eine absolute Sensation.

Harold Kelley bei der Arnold Classic 2019.

Harold, der die Klasse seit Jahren nach Belieben dominiert, dürfte aber vermutlich selbst auf hochwertige Konkurrenz hoffen, die ihn richtig fordert.


Bikini


Auch die Bikiniklasse besticht traditionell durch eine hohe Leistungsdichte und ist immer für eine Überraschung gut, zumal die amtierende Siegerin Janet Layug nicht antreten wird. Gute Chancen dürften Top 4 der Arnold Classic 2021 Ashley Kaltwasser, Lauralie Chapados, Elisa Pecini und Jennifer Dorie haben. Die Vorjahresdritte Etila Santiago scheint ebenso wenig am Start zu sein wie Ex-Champion Angelica Teixeira.


Die Klasse ist unvorhersehbar, was die Spannung deutlich steigern dürfte.


Wellness

Zum ersten Mal wird die Wellnessklasse im Rahmen des Mr. Olympia ausgetragen. Prognosen sind daher natürlich schwierig. Wenn eine Athletin hervorzuheben wäre, dann vielleicht Francielle Mattos, die 2020 die Pro Card durch einen Sieg bei der Arnold Classic holte.


Schade aus deutscher Sicht: Lisa Meiswinkel hat sich zwar in ihrer ersten Profisaison die Qualifikation geholt, wird aber leider nicht antreten.


Figure


Die Figurklasse ist seit vier Jahren klar in der Hand von Cydney Gillon, deren Kombination aus Linie und Konditionierung auch kaum zu schlagen sein werden.

Cydney Gillon beim Mr. Olympia 2019.

Die einzige Chance auf eine neue Titelträgerin könnte darin liegen, wenn die Judges entscheiden, einen etwas softeren und auch muskulär reduzierteren Weg einschlagen zu wollen, wovon aber nicht auszugehen ist.


Fitness


In der Fitnessklasse geht Vorjahressiegerin und Gewinnerin der Arnold Classic 2021 Missy Truscott klar als Favoritin ins Rennen. Altmeisterin Oksana Grishina hatte zuletzt in der ersten Wertungsrunde zu kämpfen, konnte jedoch durch ihre nach wie vor überragende Kür viele Platzierungen gutmachen. Whitney Jones, die Drittplatzierte des Vorjahres dürfte aber ebenso ein Wort um den Sieg mitreden wollen wie die junge Ariel Khadr, die in Columbus Dritte hinter Missy und Oksana wurde.


Trotz Missys klarem Favoritenstatus ist in dieser Klasse nichts entschieden.


Women’s Physique


Vorjahressiegerin Sarah Villegas dürfte auch in diesem Jahr die Topfavoritin sein, zumal ihre ärgste Konkurrentin Shanique Grant ihre Wettkampfkarriere beendet hat. Ihre ärgste Konkurrentin dürfte daher die Vorjahresdritte Natalia Abraham Coelho sein.

Sarah Villegas beim Mr. Olympia 2019.

Durch das Karriereende der Siegerin von 2019 Shanique Grant verliert die Konkurrenz definitiv an Qualität. Ein Selbstläufer wird es für Sarah aber keineswegs werden.


Women’s Bodybuilding


Jake Wood kündigte es bei seiner Übernahme des Mr. Olympia an: Das Frauenbodybuilding kehrt zurück! 2020 war es dann soweit und Andrea Shaw holte sich den Sieg vor Margie Martin und Helle Trevino.


Andrea geht als Favoritin ins Rennen, doch sind Überraschungen nicht ausgeschlossen.


Und damit endet unser Ausblick auf die Entscheidungen des Mr. Olympia 2021. Wir werden euch wie gewohnt mit Liveberichten auf dem Laufenden halten und wünschen euch schon jetzt viel Spaß dabei!

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