Mr. Olympia 2021: Fabian, Urs und Mike gegen die Weltspitze

Die beste Classic Physique-Konkurrenz aller Zeiten?

Nachdem die offene Klasse in diesem Jahr ohne deutschsprachige Beteiligung auskommen muss, dürften die Augen der Fans sich vor allem auf die Classic Physique richten. Neben der ohnehin stetig steigenden Beliebtheit dieser Klasse, die durch klassische Linien, elegantes Posing und top Konditionierung viele Fans zurückgewonnen hat, die dem Wettlauf nach immer mehr Masse in der offenen Klasse nichts mehr abgewinnen konnten, dürfte neben der starken deutschsprachigen Fraktion auch die Leistungsdichte an der Spitze ein wichtiger Punkt sein.

Hier findest du alle Infos zum Livestream und den Bühnenzeiten der Athleten.

Hier findest du das offizielle Tippspiel.

Doch werfen wir zunächst einmal einen Blick auf die deutschsprachigen Starter.

Fabian Mayr

Fabians Ausnahmetalent wurde bereits bei seiner ersten Show im österreichischen Leoben im Jahr 2013 deutlich. Schnell folgten erste internationale Erfolge: 2016 gewann er bei der NABBA den prestigeträchtigen Titel des Mr. Universe, 2017 wurde er Weltmeister der NABBA. 2020 holte sich Fabian, der nicht nur erfolgreicher Bodybuilder, sondern auch studierter Jurist und Unternehmer ist, mit dem Gesamtsieg bei der Arnold Classic die Profilizenz und bei seiner zweiten Pro Show, der Europa Pro in Alicante, im Sommer 2021 die Qualifikation zum Mr. Olympia 2021. Zuvor stand jedoch noch eine andere Show auf dem Programm, denn mit seinem Gesamtsieg in Columbus hatte er sich automatisch für die Arnolds in diesem Jahr qualifiziert. Eine Chance, die sich Fabian, als Kind der Steiermark wie auch der große Arnold Schwarzenegger, natürlich nicht entgehen lassen konnte. Mit einer guten Leistung sicherte sich Fabian dort den sechsten Platz und wird nun versuchen, auch beim Mr. Olympia eine Topplatzierung einzufahren. Das Ziel ist in jedem Fall klar: Top 10.


Und Fabian hat alles, um dieses Ziel zu verwirklichen: Linie, Konditionierung, Ausstrahlung, Präsentation. Wenn man bei ihm noch Schwächen ausmachen kann, dann eine gewisse Unsicherheit, die ihn manchmal auf die Bühne begleitet und ein wenig Masse im Bereich des Rückens. Dennoch ist Fabian ganz sicher ein Athlet, dem die Zukunft gehört und der sich bereits heute auch in den USA einen Namen gemacht hat, sodass man davon ausgehen kann, dass er auch in dem beinahe 30 Starter umfassenden Feld nicht übersehen werden wird.

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Urs Kalecinski

Wollte man den zweiten Athleten aus dem Team Outlaw in einem Wort beschreiben, dann wäre dieses wohl Potenzial. Mit nur 21 Jahren holte er sich 2019 in Island die Pro Card, wenig später setzte er mit einem sechsten Platz bei der Dennis James Classic ein erstes Ausrufezeichen. Nachdem er das komplette Jahr 2020 dem Aufbau widmete, kehrte Urs 2021 noch einmal drastisch verbessert zurück und holte sich nach einem zweiten Platz in Mexiko hinter Mike Sommerfeld mit einem Sieg in Tampa, bei einer der prestigeträchtigsten Shows der USA, die Qualifikation für den Mr. Olympia 2021.


Was kann man von Urs beim Mr. Olympia erwarten? Sicher ist, dass Urs, ähnlich wie Fabian, alles mitbringt, um sich einen Platz in den Top 10 zu sichern. Auffällig sind dabei neben seiner Linie und der atemberaubenden Form vor allem die sehr gut ausgeprägten Beine und das perfekte Posing. Einzig im Oberkörper könnte Urs sicher noch das ein oder andere Kilogramm an Muskelmasse vertragen. Dennoch: Niemand sollte sich wundern, wenn Urs die Top 10 knackt!


Mike Sommerfeld


Mike polarisiert und das bereits seit seinen Anfängen im Bodybuilding. Lange Zeit haftete ihm das Klischee des ewigen Talents an, der nie sein volles Potenzial, das früh erkennbar war, wird abrufen können. Spätestens 2018 widerlegte Mike diese Kritiker, als er sich in England die Pro Card holte. 2019 dann der erste Erfolg in der Pro League mit einem zweiten Platz hinter David Hoffmann bei der Dennis James Classic und 2020 mit einem dritten Platz in Alicante die Qualifikation zum Mr. Olympia 2020, den er jedoch aufgrund von Schwierigkeiten bei der Einreise verpasste. Nun ist es also an der Zeit, diesen Fehler wieder gutzumachen. Die Chance ist da, denn mit seinem Sieg in Mexiko holte sich Mike zum zweiten Mal in Folge die Qualifikation.


Mike hat eine außerordentliche Linie, die durch sehr gute Beine und einen enormen Frame bei schmaler Taille besticht. Ein Problem war in der Vergangenheit häufig die Form, auch, weil Mike aufgrund einer genetisch bedingten Erkrankung der Leber, Porphyria variegata genannt, in gewissen Bereichen vorsichtiger arbeiten muss als andere Profis. Doch scheint er dieses Problem gemeinsam mit seinem Coach Neil Hill in den Griff bekommen zu haben, was ihm die Tür zu Topplatzierungen öffnen könnte. Über welches Potenzial er verfügt, zeigte zuletzt sein Triumph über Urs, der nur wenig später in Tampa siegreich war. Für Mike gilt daher wie auch für Urs und Fabian: Wenn alles passt, ist ein Platz in den Top 10 keine Träumerei.


Doch wie sieht es mit den Kandidaten für den Sieg aus?

Chris Bumstead


Der amtierende Champion ist ganz klar der Athlet, den es zu schlagen gilt. Hatte Chris zu Beginn seiner Karriere noch mit Massedefiziten im Bereich des Rückens zu kämpfen, hat er – ganz ähnlich wie ein gewisser Phil Heath – diese Schwäche mittlerweile zu einer absoluten Stärke umgewandelt. Chris ist absolut komplett, im Grunde ohne irgendeine Schwäche: sehr ästhetische Linie, eine mit Blick auf das Gewichtslimit unglaubliche Muskulatur, top Härte, selbstbewusstes und gekonntes Posing.


Alles andere als der dritte Titel für Cbum wäre eine faustdicke Überraschung!

Terrence Ruffin


Terrence hat sich in den vergangenen Jahren extrem gut entwickelt und hat sich spätestens mit seinem zweiten Platz im Vorjahr und dem Sieg bei der Arnold Classic vor knapp zwei Wochen in Columbus in der absoluten Weltspitze etabliert. Er bringt vielleicht nicht ganz die Masse eines Chris Bumstead, steht diesem aber in Sachen Form und Linie nichts nach und ist sicher der beste Poser der gesamten aktuellen Pro League.

Terrence Ruffin beim Mr. Olympia 2020.

Chris ist spätestens nach Terences Sieg in Columbus gewarnt: Er darf sich nicht auch nur die kleinste Schwäche erlauben, will er Terrence hinter sich lassen.


Breon Ansley


Vier Teilnahmen in der Classic Physique beim Mr. Olympia, zwei Siege, ein zweiter und ein dritter Platz, so die stattliche Bilanz von Breon. Aber: Die Tendenz zeigt nach unten. Es ist unbestreitbar, dass Breons Linie zu den besten der Klasse gehört, seine Form ist normalerweise auf den Punkt, die Präsentation fantastisch. Dass ihn zunächst Chris und dann auch Terrence überholen konnten, liegt vor allem darin begründet, dass diese in den letzten Jahren signifikant an Masse aufbauen konnten, während Breon, vielleicht auch aufgrund des eher fortgeschrittenen Alters, in dieser Hinsicht wenig Verbesserungen vorzeigen konnte.

Breon Ansley beim Mr. Olympia 2019.

Doch Breon vorzeitig abzuschreiben, wäre gefährlich. Nach den Rückschlägen der beiden vergangenen Jahre dürfte er darauf brennen, es noch einmal allen zu beweisen und das Potenzial dazu hat er ohne jeden Zweifel. Chris und Terrence dürfen sich also keinerlei Fehler erlauben.


Robert Timms


Bis zur Texas Pro 2021 hatte wohl niemand Robert so wirklich auf dem Schirm. 2017 und 2018 konnte er sich zwar für den Mr. Olympia qualifizieren, doch musste sich nach einem sechsten Platz im Jahr 2016 2017 mit Platz 15 begnügen. Dann tauchte Robert ab, um in diesem Jahr wie Phönix aus der Asche wieder aufzuerstehen und bei der Texas Pro nicht nur zu siegen, sondern zu überragen.


Robert bringt die Linie und die Masse mit, um ganz vorne mitzuspielen und hat in seiner Auszeit auch sein Posing deutlich verbessern können. Auf ihn gilt es ein Auge zu haben.

Alex Cambronero


Das gilt natürlich auch für den Gewinner der letztjährigen Arnold Classic und Viertplatzierten des Mr. Olympia 2020. Alex hat rein körperlich im Grunde keine Schwäche und bringt absolut zuverlässig seine Form.

Alex Cambronero beim Mr. Olympia 2020.

Alex‘ größte Schwäche dürfte wohl seine eher etwas zurückhaltende Art sein. Anders als Terrence oder Chris versprüht er nicht dieses Charisma, hat nicht diese Aura. In einem erwartet leistungsdichten Spitzenfeld könnte das ein entscheidender Nachteil sein.


Courage Opara


Gleiches gilt auch für Courage Opara, der sich mit einem Sieg bei der Texas Pro im Dezember des vergangenen Jahres die Qualifikation zum Mr. Olympia holte und dort wird beweisen wollen, dass er zu mehr fähig ist als zum neunten Platz von 2019.

Courage Opara beim Mr. Olympia 2019.

Nach seinem vierten Platz bei der Arnold Classic dürfte Courages Motivation noch einmal gesteigert sein. Auch in Orlando ist er sicher ein Kandidat für die ganz vorderen Plätze.


Bryan Jones


Über eine mangelnde Auffälligkeit kann man sich bei Bryan Jones sicher nicht beklagen. Doch nicht nur seine Haare, auch sein beachtlicher X-Frame ziehen die Aufmerksamkeit auf ihn.


Mit brachialen Armen und einer ästhetischen Linie weiß Bryan zu überzeugen. Und doch fehlen ihm insgesamt sowohl etwas Masse als auch die allerletzte Härte, um ganz nach vorne zu kommen.


Wesley Vissers


Nicht vergessen wollen wir natürlich auch Wesley Vissers, die wie Fabian und Urs von Stefan Kienzl betreut wird. Wesleys Linie ist besonders, ebenso seine Ausstrahlung. Doch während er in einigen Posen absolut überragend aussieht, fällt er in anderen doch im Vergleich zur Weltspitze deutlich ab.


Nach einem enttäuschenden Abschneiden in Portugal holte sich Wesley doch auf den letzten Drücker mit einem Sieg in Rumänien noch das Ticket zum Mr. Olympia, wo er 2020 immerhin Elfter wurde. In Topform ist ihm eine solche Leistung auch in diesem Jahr wieder zuzutrauen.

Prognose


Chris Bumstead geht klar als Favorit ins Rennen, darf sich aber keinerlei Fehler erlauben, denn mit Terrence Ruffin und Breon Ansley warten mindestens zwei Athleten auf genau eine solche Chance. Nicht unterschätzen sollte man auch Alex Cambronero, Robert Timms und Bryan Jones. Für die drei deutschsprachigen Athleten, die allesamt zum ersten Mal beim Mr. Olympia starten, geht es um mehr als nur um das Dabeisein. Wenn sie ihre Hausaufgaben machen, haben alle drei Chancen auf die Top 10.

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