Mr. Olympia 2021: Der Showdown in der offenen Klasse

Big Ramy vs. Hadi Choopan vs. Brandon Curry – Wer holt sich den Sieg?

Arnold Schwarzenegger, Lee Haney, Dorian Yates, Ronnie Coleman, Jay Cutler, Phil Heath: Die Namen der Sieger beim Mr. Olympia begeistern bis heute jeden Bodybuildingfan. Auch 2021 stehen gleich zwei Titelträger auf der Bühne: Big Ramy, der amtierende Mr. Olympia und sein direkter Vorgänger Brandon Curry. Gute Chancen dürfte sich zudem Hadi Choopan ausrechnen, der nach einem dritten und einem vierten Platz in den beiden vergangenen Jahren nach Höherem streben wird.

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Big Ramy

Dass der Ägypter das Potenzial hat, Mr. Olympia zu werden, war sehr früh zu erkennen. Die schiere Masse kombiniert mit einer durchaus gefälligen Linie schrien von Anfang an geradezu nach Topplatzierungen und doch blieb Ramy lange Zeit unter seinen Möglichkeiten. Der Grund hierfür liegt aus heutiger Sicht auf der Hand: Jahr für Jahr versuchte man, Ramy noch massiver, noch voller auf die Bühne zu stellen, was immer zulasten der Form ging und ihn regelmäßig Plätze kostete. „Würde er einmal hart kommen“, war oft zu hören; 2020 kam er – vermutlich dank seines neuen Coaching-Teams um Dennis James und Chad Nicholls – in Topform und holte sich direkt verdient den Sieg.

Big Ramy beim Mr. Olympia 2020.

Ramy ist ganz klar der Athlet, den es zu schlagen gilt. Kann er die Form des Vorjahres wiederholen oder gar toppen, dürfte es beinahe unmöglich werden, ihn zu besiegen, denn muskulär spielt Ramy in einer Liga für sich: schon fast groteske Oberschenkel, eine unglaubliche Breite im Oberkörper, man fühlte sich 2020 ein wenig an Ronnie Coleman zu seiner Prime erinnert. Sicher ist aber auch: Ramy ist auf diese Topform angewiesen, denn zum einen ist das Teilnehmerfeld in der Spitze stark besetzt, zum anderen verliert Ramy einen gehörigen Anteil seines Wow-Effekts, wenn er auch nur ein wenig off ist.

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Brandon Curry

Lange Zeit haftete Brandon der Ruf des ewigen Talents an, das nie das Potenzial abrufen wird, dass möglich wäre. Sein Oberkörper gehörte seit Beginn seiner Profilaufbahn zum Besten, was die Pro League zu bieten hat, während seine Beine und vor allem seine Form dieses Niveau deutlich nicht erreichten, was ihn häufig weit ins Mittelfeld zurückwarf. 2019 änderte sich das: Brandon hatte sichtbar an seinen Beinen gearbeitet, die zwar immer noch leicht dem Oberkörper hinterherhinken, aber absolut wettbewerbsfähig sind. Vor allem aber: Brandon war in Form. Er wird wohl nie den grainy Look eines Dorian Yates präsentieren, aber der früher teils doch eher verwaschene Look war verschwunden. Und das wurde belohnt: Brandon holte sich verdient den Sieg.

Brandon Curry beim Mr. Olympia 2019.

Die Frage ist nun, was Brandon tun kann, um Ramy zu schlagen, denn auch 2020 war er in sehr guter Form und musste seinen Titel abgeben. Kommen beide in Topform, wird es auch in diesem Jahr schwer für den Amerikaner, da Ramy insbesondere im Unterkörper einen klaren Massevorteil hat. Brandon wird sicherlich im vergangenen Jahr daran gearbeitet haben, doch Schenkel im Ramy-Format wird er in diesem Leben nicht mehr bekommen. Er wird daher wohl noch stärker darauf setzen, den Faktor Ästhetik zu betonen, also seine Vorteile in Sachen Linie auszuspielen.


Hadi Choopan

Lange Zeit war es dem Iraner aufgrund von Visa-Schwierigkeiten nicht möglich, sich in den USA mit den Besten der Besten zu messen. 2019 dann die Wende: Hadi räumte zunächst im kanadischen Vancouver ab, um wenig später in die USA einzureisen und sich einen mehr wie verdienten dritten Platz beim Mr. Olympia zu sichern, wobei nicht wenige ihn sogar noch weiter vorne sahen. Im vergangenen Jahr wurde er dann Vierter, wobei man auch hier diskutieren kann, inwieweit Phil Heath hier einen Bonus als siebenmaliger Mr. Olympia hatte, der ihn vor Hadi schob.

Hadi Choopan beim Mr. Olympia 2019.


Hadis Form ist eine Bank: Dass er einmal nicht absolut in shape erscheint, ist kaum vorstellbar. Auch muskulär hat er im Grunde keine Schwächen. Sein einziger Schwachpunkt könnte seine Linie sein: Hadi wirkt durch die verhältnismäßig breite Taille teils etwas blocky, was gerade im Vergleich zu Athleten wie Brandon auffällt. Doch kann er dem brutale Masse und eine freakige Konditionierung entgegensetzen, sodass Hadi ganz sicher um den Sieg in Orlando mitkämpfen wird.

William Bonac


William ist Pfund für Pfund der vielleicht kompletteste Athlet im Feld. Es gibt keine Partie, wo man sich noch mehr Muskeln auf diesem Körper vorstellen könnte. Diese unfassbare Muskeldichte verbindet William fast ausnahmslos mit einer sehr guten Form, was ihn immer zu einem Kandidaten für die ganz vorderen Plätze macht.

William Bonac beim Mr. Olympia 2020.

Sein großes Problem im Kampf um den Sieg ist wohl seine Körpergröße. Im Vergleich mit deutlich größeren Athleten wie Brandon oder Ramy erscheint er doch etwas schmaler. Diesen Nachteil kann William nur schwer kompensieren, zumal sein Frame absolut ausgereizt zu sein scheint. Ihm bleibt daher nur, auf eine absolute Tophärte zu setzen und zu hoffen, dass einer der drei Erstgenannten die Form nicht ganz genau trifft.


Nick Walker

Mit seinem Sieg bei der Arnold Classic vor zwei Wochen hat Nick sich weit nach vorne in den Favoritenkreis gekämpft. Dabei bestach er vor allem mit absolut brutaler Härte.


Doch auch Nick ist durch seine Körpergröße und damit auch seinen Frame limitiert, zumal er strukturell nicht die besten Voraussetzungen mitbringt. In der Form der Arnold Classic ist er dennoch sicherlich ein Kandidat für das Finale, wenn die anderen Athleten die Tür offen lassen, vielleicht sogar für mehr.


Roelly Winklaar


Roelly ist nicht nur ein Liebling der Fans, sondern auch klar einer der größten Freaks der Szene mit den vielleicht besten Armen der ganzen Pro League. Klar ist aber auch, dass Roellys Struktur nicht die allerbeste ist und er in absoluter Topform kommen muss, um seinem Anspruch, mit den Besten der Welt mitzuhalten, gerecht zu werden.

Roelly Winklaar beim Mr. Olympia 2019.

Zuletzt waren Roellys Auftritte keineswegs vielversprechend. In Tampa ging er unter, in Alicante musste er sich deutlich verbessert dennoch Nathan de Asha, der nicht am Mr. Oylmpia teilnimmt, geschlagen geben. Nun setzte er die Arnold Classic aus, um sich voll auf den Mr. Olympia zu konzentrieren. Sollte er diese Zeit genutzt haben und eine Topform abliefern, ist er sicher im Rennen um die Top 5.


Hunter Labrada

Der Sohn des legendären Lee Labrada hat sich in nur kurzer Zeit in die vorderen Reihen der Pro League gekämpft. Wie schon sein Vater weiß Hunter mit einer sehr ästhetischen Linie zu überzeugen, hat jedoch auch in den letzten Jahren ordentlich an Masse zugelegt. Dennoch ist Hunter vielleicht der krasse Gegenentwurf zu Freaks wie Nick Walker und Roelly Winkaar.


Die Frage wird sein, welches Paket er auf die Bühne bringen kann und ob er rein muskulär in der Lage ist, mit den Topathleten Stand zu halten. Tendenziell wird es für Hunter eher um einen Platz in den Top 10 gehen.


Akim Williams


Akim war wohl die positive Überraschung des Mr. Olympia 2020. Er kletterte um drei Plätze nach oben und wurde völlig verdient Sechster. Akim ist ein sehr ausgewogener Athlet, der keine wirkliche Schwäche offenbart.

Akim Williams beim Mr. Olympia 2020.

Zuletzt enttäuschte Akim bei der Arnold Classic jedoch ein wenig und wurde aufgrund einer nicht optimalen Form nur Fünfter. Es wird für ihn also darauf ankommen, die verbliebenen zwei Wochen bestmöglich zu nutzen, um die Ergebnisse der Vorjahre zu bestätigen.


Justin Rodriguez


Wie Akim handelt es sich bei Justin um einen sehr ausgewogenen Athleten mit schöner Linie, der in aller Regel eine sehr gute Form auf die Bühne bringt.

Justin Rodriguez beim Mr. Olympia 2020.

Justin dürfte ein typischer Kandidat für die Top 10 sein, dessen Masse aber kaum für die Finalplätze reichen dürfte.


Ian Valliere


Der Schwager von Chris Bumsteadt zählt zu den größeren und vor allem auch wuchtigeren Athleten der Pro League mit mächtigen Armen und guten Beinen. Die doch sehr breite Mittelpartie lässt ihn aber häufig etwas blocky erscheinen.

Ian Valliere beim Mr. Olympia 2020.[/caption]

An einem guten Tag ist Ian die Wiederholung des Vorjahreserfolgs, wo er Siebter wurde, zuzutrauen, zudem reist er nach dem zweiten Platz bei der Arnold Classic mit Rückenwind nach Orlando.


Patrick Moore


Für Patrick, der 2019 in Kalifornien Tim schlug und später ein starkes Debüt beim Mr. Olympia hinlegte, stellen sich dieselben Fragen wie für Hunter: Patrick bringt trotz einer leichten Beinschwäche eine wunderschöne Linie mit einer beeindruckenden Schulterbreite mit.

Patrick Moore beim Mr. Olympia 2019.

Doch reicht die Masse, um gegen einen Ramy oder einen Hadi zu bestehen? Das wäre doch eher eine Überraschung. Sein Ziel wird sein, wie 2019 in die Top 10 zu kommen.


James Hollingshead


Etwas unter dem Radar fliegt häufig der Engländer James Hollinghead. James holte sich beim British Grand Prix 2020 seine Qualifikation für den Mr. Olympia und besiegte dabei unter anderem Regan Grimes.


James erinnert durch seinen grainy look ein wenig an den legendären Dorian Yates und ist im Grunde ein Athlet ohne nennenswerte Schwäche. Es wird spannend sein zu sehen, wie er sich im Duell mit den besten der Welt schlägt.


Regan Grimes


Der Kanadier, der seine Profikarriere in der offenen Klasse startete, um dann in die Classic Physique zu wechseln, ist zurück in der Open und versucht nun, an den guten Platzierungen aus der Classic anzuknüpfen.


Doch hat er das Potenzial, die Top 10 zu knacken? Viel wird davon abhängen, ob er endlich einmal richtig in shape kommt. Seine Linie wird ihm nicht im Weg stehen.


Prognose


Das waren also die Favoriten auf Platzierungen in den Top 10. Doch wer wird sich letztlich den Sieg holen? Klarer Favorit ist ganz sicher Big Ramy, doch sollte er auch nur den kleinsten Fehler machen, stehen mit Hadi und Brandon zwei Athleten bereit, die in der Lage sind, ihm den Titel wegzunehmen. Dahinter wird ein Kampf um die beiden verbleibenden Finalplätze entstehen, wobei William Bonac die besten Karten haben dürfte. Doch mit Nick Walker, Roelly Winkaar, Hunter Labrada, Ian Valliere, Akim Williams und James Hollingshead stehen eine Reihe von Athleten bereit, die ihre Chance wittern. Für Regan Grimes und Patrick Moore wird es wohl um die Top 10 gehen, Hassan Mostafa, Andrea Presti, Mohames Shaaban und Vladyslav Sukhoruchko werden maximal Außenseiterchancen auf einen Platz in den besten zehn haben.

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