Muay Thai – Der thailändische Nationalsport

Zur Geschichte des Muay Thai:

Die Geschichte des Muay Thai geht fast 2000 Jahre zurück und wurzelt im alten China.

Nachdem die Kampfkunst in Thailand Fuß gefasst hatte, entwickelten die Thailänder sie schnell weiter. Vor allem in Kriegszeiten mit rivalisierenden Nachbarvölker wie den Burmesen oder Koreanern, war eine effektive Kampfkunst überlebensnotwendig. Die auf diese Art entstandene "Auslese" von effektiven und nicht effektiven Kampftechniken, hat das Muay Thai bis heute geprägt.

Die Blüte des Muay Thai begann Anfang des 18.Jahrhunderts unter König Pra-Chao-Sua der selbst ein erfahrener Thaiboxer war und von dem erzählt wird, er habe die Angewohnheit gehabt, des öfteren nachts den Palast zu verlassen, um selbst maskiert an Kämpfen teilzunehmen.

Die heutige Austragungsform des Muay Thai wurde stark vom europäischen Boxen beeinflusst, was die Einführung des ersten offizielle Rings 1921 und das Benutzen von Boxhandschuhen ab 1929 zur Folge hatte. Mittlerweile ist auch das Tragen eines Mundschutzes Pflicht. Zu Zeiten von König Pra-Chao-Sua waren Rundenzeiten unbekannt und es wurde nur mit Hanfbandagen und einem Tiefschutz aus einer Kokosnussschale gekämpft.

Heute ist Muay Thai der thailändische Nationalsport und seine Popularität ist ungefähr mit der des Fußballs hierzulande zu vergleichen. - Er bietet jungen Männern und mittlerweile auch Frauen einen Weg aus der Armut, sofern sie sich als gute Kämpfer erweisen, da die Siegprämien für thailändische Verhältnisse sehr hoch sind und mit steigendem Level der Kämpfe weiter zunehmen.

Die Kampftechniken des Muay Thai:

Da das Thaiboxen in vielen Kriegen auf dem Prüfstand stand und von diesen auch maßgeblich beeinflusst wurde, sind die Techniken, die heute gelehrt werden, nur solche, die auch wirklich funktionieren.

Diese bestehen aus verschiedenen Faustschlägen, Tritten, Knie- und Ellbogenstößen. Da diese, zumindest im höheren Amateur-, sowie im professionellen Bereich, ohne Schutzausrüstung (bis auf die Boxhandschuhe) und mit voller Härte ausgeführt werden, trägt das Muay thai zu Recht den Titel eine der härtesten, wenn nicht die härteste Sportart der Welt zu sein. Ebenfalls erlaubt ist das „Clinchen“, bei dem sich die Gegner gegenseitig umklammern und hauptsächlich mit Knien aber auch mit den Ellbogen versuchen den Gegner kampfunfähig zu machen, sowie verschieden Würfe und gedrehte Schläge mit dem Ellbogen und dem Faustrücken.

Die Wettkampfregeln:

Die Regeln variieren zwischen den einzelnen Verbänden, sowie zwischen denen hierzulande und in Thailand.

Gemeinsam haben sie jedoch alle die Aufteilung der Kämpfer in verschiedene Gewichtsklassen und die Verpflichtung zum Tragen von Mundschutz, Tiefschutz und Boxhandschuhen.

Erlaubt sind alle oben genannten. Techniken, diese dürfen auch gegen die Oberschenkel des Gegners ausgeführt werden. Nicht erlaubt sind Attacken gegen den Genitalbereich, Kopfstöße, Schläge mit der Innenhand und Attacken gegen die Rückseite des Gegners, sowie das Attackieren des anderen nach dem seine Knie oder Arme den Boden berühren oder nach Einschreiten des Kampfrichters.

Im Newcomer- und im Jugendbereich ist außerdem das Tragen verschiedener Schutzausrüstung vorgeschrieben. Hierzu gehören meist Schienbein- und Spanschutz, Kopfschutz, Ellbogenschützer und unter Umständen eine Kampfweste.

Man kann nach Trefferpunkten, Knockout oder Aufgabe des Gegners Gewinnen. - Es wird dabei meist über 3 Runden zu je 3min. gekämpft. Sollte der Kampf sehr ausgeglichen verlaufen, können die Kampfrichter bis zu 2 Zusatzrunden fordern um einen eindeutigen Sieger bestimmen zu können. Im Newcomer- und im Jugendbereich beschränkt man sich meist auf 2min. pro Runde.

Vai Kru:

Vor Jedem Kampf führen die Kämpfer ihr schuleigenes Vai Kru vor. Dabei handelt es ich um eine, von traditioneller thailändischer Musik begleiteter, rhythmische Bewegungsreihenfolge die verschiedene, an das Thaiboxen angelehnte Bewegungen enthält. Früher wie heute dient sie zur Ehrung des Trainers und als eine Art Meditation zur Vorbereitung auf den Kampf. Man kann Vai Kru grob mit "die Angst aus dem Herzen vertreiben" übersetzten.
Während des Vai Kru tragen die Kämpfer Stirnbänder(Mong-kon), die einen Teil der traditionellen Volkstracht bilden und erst direkt vor dem Kampf abgenommen werden.

Das Training:

Elementare Bestandteile des Trainings sind das Üben verschiedener Schlag-, Tritt-, Ellbogen- und Kniekombinationen sowie das Clinchen, Würfe und Techniken zum Treffervermeiden sowie Kontertechniken. Trainiert wird mit einem Trainingspartner (oft an verschiedenen Schlagpolstern und Pratzen), am Sandsack, beim Schattenboxen und vor allem im Sparring.

Außerdem wird das Training mit verschiedenen Übungen zur Abhärtung der einzelnen Gliedmaßen (vor allem den Schienbeinen) und des Bauches sowie mit Ausdauer, Schnellkraft und Kraftausdauerübungen ergänzt.

Die Trainingsausrüstung:

Zur absoluten Standartausrüstung eines jeden Thaiboxer gehören:
  • Eine Muay-thai-hose (diese Hose ist sehr kurz und hat Schlitze an der Seite um die Bewegungsfreiheit während des Kickens so wenig wie möglich. einzuschränken)
  • Boxhandschuhe
  • Handgelenksbandagen
  • Mundschutz
  • Schienbeinschutz
Diese wird meist noch ergänzt durch:
  • Fußbandagen
  • Sandsackhandschuhe
  • Ellbogenschoner
Trainingswesten, Pratzen, Helme und sonstige Trainingsutensilien stellt meistens das Gym selbst.

Das Aufwärmen:

Das Aufwärmtraining dauert meistens mindestens 30min. und besteht aus dem eigentlichen Aufwärmen(mind. 20min.) und dem darauf folgenden Stretching.

Das Aufwärmen setzt sich aus verschiedenen Übungen wie Seilspringen, Hampelmännern, Armekreisen etc. zusammen, während das Stretching hauptsächlich auf statisches Dehnübungen zurück greift, die alleine oder mit einem Partner ausgeführt werden.

Schattenboxen:

Hierbei übt man sich in der gesamten Bandbreite der Techniken gegen einen imaginären Gegner. Oft steigert man die Intensität durch die Verwendung von Fausthanteln und Gewichtsmanschetten um die Fußknöchel.

Übungen mit dem Trainingspartner:

Hierbei werden vorher festgelegte Bewegungsabläufe mit bzw. an einem Trainingspartner eingeübt. Diese werden, sofern der Partner nicht entsprechend gepolstert ist, mit sehr wenig Kraft ausgeführt, um den Partner nicht unnötig zu verletzten.

Sandsacktraining:

Am Sandsack können die erlernten Techniken mit voller Härte und Geschwindigkeit geübt werden, hierbei dient der Sandsack (sofern er fest genug gestopft wurde bzw. tatsächlich Sand enthält) auch als Instrument zur Abhärtung der Schienbeine, Ellbogen und der Knie.

Hierbei muss erwähnt werden, dass die Kämpfer vorher ihre Hände und Handgelenke bandagieren und zusätzlich spezielle Sandsackhandschuhe tragen um die Verletzungsgefahr für Daumen und Handgelenke zu minimieren

Sparring:

Beim Sparring treten zwei Kämpfer, meist mit voller Schutzausrüstung, gegeneinander an, um die Kampftechniken in einer möglichst realistischen Kampfsimulation zu üben und zu perfektionieren. Es geht hierbei nicht darum, dass ein Kämpfer seine Überlegenheit dem anderen gegenüber zur Schau stellt oder diesen anderweitig demütigt, sondern darum miteinander ein Gefühl für den Kampf, die Kondition und vor allem für die eigenen Schwächen zu entwickeln. Hier wird auch, trotz der Schutzausrüstung, nicht mit voller Härte gekämpft. Einerseits um dass Verletzungsrisiko zu minimieren, andererseits um den Fokus auf den technischen Aspekt des Trainings zu richten und so zu gewährleisten das man auch Techniken ausprobieren kann, die noch nicht so gut sitzen, ohne dafür gleich mit härteren physischen Konsequenzen rechnen zu müssen.

Was nicht heißt, dass das Training der Nehmerqualitäten hier zu kurz käme, denn ein Frontkick zum Solarplexus oder ein Leberhaken können auch ohne volle Härte, durchaus eine durchschlagende Wirkung entfalten.

Abhärten:

Das Abhärten hat zum Ziel, den Kämpfer, auf die ihm im Wettkampf bevorstehenden Schmerzen möglichst gut vorzubereiten, so dass diese nicht zu einem frühzeitigen Abbruch des Kampfes führen.

Dabei muss man zwischen der Abhärtung von weichen und harten Körperpartien unterscheiden. Harte Körperpartien ( Schienbein, Ellbogen etc.) härtet man vor allem dadurch ab, indem man sie gegen harte Gegenstände schlägt (Bambusstangen oder wirklich harte Sandsäcke), was zur Folge hat, dass sich zum Beispiel die Knochenhaut an diese Art der Belastung gewöhnt und nicht mehr so schnell schmerzt bzw. die Nerven an besagten Stellen nach einiger Zeit weniger sensibel reagieren. In Thailand kommt zu diesem Zweck manchmal eine Gerätschaft zum Einsatz, die das gänzliche Abtöten der Nerven im Schienbeinbereich zum Ziel hat. Dabei handelt es sich um einer Art Eimer, der Mittels eines Scharniers um das Bein des Kämpfers geschlossen wird, so dass ein Hohlraum zwischen dem Eimer und dem Schienbein entsteht. Anschließend wird dieser mit zerstoßenem Eis gefühlt was eine Art Gefrierbrand in der Haut und damit das veröden der Nerven zur Folge hat.

Der Bauch dagegen kann nicht wirklich abgehärtet werden, allerdings kann der Kämpfer lernen die Schmerzen beim Einschlag besser zu ertragen und gleichzeitig die Muskeln schlagartig anzuspannen, um die Wucht des Aufpralls best möglich abzufangen. Dies trainiert man in dem man sich auf den Rücken legt, während ein Trainingspartner, einen Medizinball auch aus geringer Höhe kontrolliert auf den Bauch fallen lässt. Mit der Zeit, kann man den Ball dann aus immer höherer Distanz auf den Bauch fallen lassen und so können immer härtere Attacken eingesteckt werden

Thaiboxen und Bodybuilding:

Ein Thema, dass mich viele Jahre beschäftigt und gleichzeitig auch für viel Frust gesorgt hat.

Als erstes sei hier erwähnt, dass es sich hierbei um zwei Sportarten handelt, die nur sehr schwer unter einen Hut zu bringen sind und man dabei sehr viele Kompromisse eingehen muss. Die folgende Erörterung bezieht sich auf Gewichtsklassen unterhalb des Superschwergewichts auf die Regenerationsfähigkeit von Naturalathleten.

Das Ziel eines Bodybuilders ist es möglichst viel Muskelmasse aufzubauen, was leider viele negative Folgen auf das Thaiboxen hat. Da Muay Thai eine Ausdauersportart ist, bei der die Kämpfer nach Gewicht eingeteilt werden, kommt hier der negative Aspekt zusätzlicher Muskelmasse gleich doppelt zum Tragen. Einerseits verbrennen die zusätzlichen Muskeln auch zusätzliche Energie, was im Kampf schneller eine schnellere Ermüden zur Folge hat, andererseits hat das Mehr an Muskeln auch ein Mehr an Gewicht zur Folge, was einen schnell in eine höhere Gewichtsklasse katapultiert.
Kurz: Ich darf nach erfolgreichem Masseaufbau mit weniger Kondition gegen einen stärkeren Gegner antreten.

Manche mögen jetzt damit argumentieren, dass man dafür auch mit mehr Schlagkraft in den Kampf geht, als das vorher der Fall gewesen wäre.
Auch hier fallen die Überlegungen ernüchternd aus: Erstens hängt die Schlagkraft auch stark von der Geschwindigkeit ab mit der man zuschlagt und die kann nach dem Training mit Gewichten (vor allem mit langsamen oder superlangsamen Wiederholungen) auch kleiner sein als vorher, was insofern negativ ist, da man mit schnellen Schlägen, die weniger hart sind seinem Gegner wesentlich besser zusetzten kann, als mit kraftvollen Schlägen die in Zeitlupe angeflogen kommen.

Zweitens werden durch Hypertrophietraining hauptsächlich die weißen, schnell zuckenden Muskelfasern trainiert, welche zwar, wie der Name schon sagt, schnell zucken, man folglich also vielleicht tatsächlich schneller und härter zuschlagen kann, allerdings auch schneller Ermüden.
Im schlimmsten Fall könnte das dann so aussehen: Ich teile in der ersten Runde einige Hammerschläge aus, die meinem Gegner zwar ganz schön zusetzten, aber hauptsächlich in der Deckung landen. Ab der zweiten Runde fehlt mir dann aber die Kraft, um meine Deckung oben zu halten, Geschweige denn noch kraftvoll auszuteilen, was mein Gegner praktisch dazu einlädt mich auf die Bretter zuschicken.

Drittens ist man jetzt vielleicht tatsächlich deutlich stärker als seine bisherigen Gegner, da man jetzt aber in einer höheren Gewichtsklasse antritt, sind die neuen Gegner stärker als die bisherigen und auch dieser Vorteil ist wieder eine Nullrunde.

Auch aus der Sicht eines Bodybuilders hat die Kombination dieser beiden Sportarten einige Nachteile: Wie jeder weiß, wachsen Muskeln nicht während des Trainings, sondern in den Regenerationsphasen, die ich allerdings stark verkürze, wenn ich zusätzlich zum Hanteltraining noch 2-4mal die Woche Thaiboxen gehe. Da ist Übertraining praktisch vorprogrammiert.

Fazit:

Bevor man sich also entscheide ein Tony Jaa mit Schwarzeneggers Körper zu werden, um anschließend in einem Teufelskreis aus Kontraproduktivität zu stecken, sollte man sich vielleicht überlegen, wo man seinen Schwerpunkt setzten will.

Als Thaiboxer kann man durchaus vom Training mit Gewichten profitieren, sofern diese explosiv und im Wiederholungsbereich der Kraftausdauer bewegt werden, allerdings sollte man sich dann schnell von dem Wunschgedanken trennen, mit denen im Bodybuilding üblichen Muskelbergen herum zu laufen.

Als Bodybuilder hingegen sollte man sich überlegen, ob man die starke Minimierung weiterer Fortschritte für diesen Sport in kauf nehmen will.

Man kann aber auch die Vorteile der beiden Sportarten vereinen, in dem man die Trainingshäufigkeit von beidem etwas runterschraubt, z.B. zweimal die Woche Muay Thai und zweimal die Woche Hanteltraining, wobei eine Einheit Hanteltraining am besten am Tag nach dem Thaiboxen statt findet und aus einem Ganzkörperprogramm besteht, gefolgt von einem trainingsfreien Tag zur Regeneration, was den zusätzlichen Vorteil bietet, dass man die Cardio-Einheiten im Fitnessstudio dann ganz weglassen kann. Allerdings sollte man sich dann auch auf die dementsprechend langsamen Fortschritte einstellen und jegliche Wettkampfambitionen ac acta legen.





Quellen:

  • Buch: Thai-Boxen...der Vollkontakt-Kampfsport aus Asien von Zoran Rebac
  • Und natürlich eigene Erfahrungen glücklich

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