Folgenloser Genuss?

Mythos Süßstoff!

Süßstoffe waren, sind und bleiben ein kontrovers diskutiertes Thema. Sind sie nun ungesund? Gar gefährlich? Hindern sie den Fettabbau und sollten in einer Reduktionsdiät gemieden werden? Sind einige besser als andere? Diese Themen soll der folgende Artikel nun etwas genauer behandeln.

Ursprünglich wurden Süßstoffe entwickelt, um Diabetikern das Leben zu erleichtern. Denn diese Personen sollten Zucker nach Möglichkeit so gut wie machbar meiden. Um ihnen jedoch trotzdem die Möglichkeit zu gewähren, auch ab und an mal süß zu essen, kamen nach und nach künstliche Süßstoffe ins Spiel. Diese chemisch hergestellte Süße liefert kaum Kalorien oder muss nur in so kleinen Mengen eingesetzt werden, dass der Energiegehalt selbst keine entscheidende Rolle mehr spielt. Geht es um Kalorienreduktion, so ist es natürlich auch nicht allzu verwunderlich, dass die Diät-Industrie rasch auf dem Teppich stand und somit auch Übergewichtigen die Chance geben möchte, Getränke und Speisen gesüßt zu genießen. Möglicherweise witterte dieser Industriezweig aber vielleicht auch einfach einen lukrativen Markt? Wir wissen es nicht.

Ende des 19. Jahrhunderts wurde einer der ersten Süßstoffe entdeckt. Saccharin. Dieser war und ist sogar günstiger als Zucker. Kein Wunder also, dass dieser Süßstoff häufig und gerne eingesetzt wird. Oftmals steckt bei Produktentwicklungen – auch im diätetischen Bereich – nicht einmal die Absicht dahinter, ein für den Diabetiker oder sich auf Diät befindlichem Übergewichtigen etwas Gutes zu tun, sondern es geht einzig und alleine um Kosteneinsparungen – die man in diesen Fällen jedoch schön zu tarnen vermag.

Da Saccharin entsprechend schon etwas älter ist, spricht man bei diesem Süßungsmittel von einem Süßstoff der ersten Generation. Hierzu zählt man beispielsweise auch Cyclamat und Aspartam. Die Süßstoffe zweiter Generation sind neuere Süßstoffe, wie Acesulfam-K, Saccharose und Neotam. Die wohl neuartigste Variante der Süßung stellt Stevia dar. Auch wenn Stevia selbst schon altbekannt ist und von Naturvölkern schon Jahrzehnte zum Süßen von Tees verwendet wird.

Im deutschen Lebensmittelgesetzbuch werden Süßstoffe als Lebensmittelzusatzstoffe deklariert. Die bekanntesten und am häufigsten eingesetzten Süßstoffe sind mit Sicherheit die folgenden: Acesulfam-K, Aspartam, Cyclamat, Saccharin, Sucralose, Thaumatin, Neohesperidin, Neotam. Stevia ist zwar mittlerweile überall bekannt, jedoch ist dessen Einsatz noch als relativ gering einzustufen.

Süßstoffe und Sicherheit

Die Sicherheit von Süßstoffen und insbesondere derer, die im vorherigen Abschnitt beschrieben wurden, werden immer wieder heiß diskutiert. Die European Food Safety Authority (EFSA) hat zu diesem Zwecke bestimmte Standards eingerichtet, die beschreiben sollen, wie hoch die tägliche Einnahmemenge dieser Süßstoffe maximal ausfallen sollte, um gesundheitliche Probleme in jedem Fall zu vermeiden. Dieser Wert nennt sich ADI-Wert, oder vollständig ausgesprochen "Acceptable Daily Intake"-Wert. Jeder Süßstoff, der einen solchen Wert besitzt, hat jedoch schon einen aufwendigen Untersuchungsprozess hinter sich. Unter anderem wird beispielsweise die Toxizität des Süßstoffes getestet, also ob dieser giftige Wirkungen entfalten kann und wenn ja, ab wann. Diese Tests werden in der Regel an Mikroorganismen und Tieren durchgeführt. Die Ergebnisse werden unter anderem dem LD-50-Wert zugeschrieben. Dieser beschreibt, ab welcher Dosis eines, in dem Fall Süßstoffes, 50% der Versuchstiere gestorben sind. Hat man diesen Wert ermittelt, hat man bereits einen ersten Anhaltspunkt, wie gefährlich ein solcher Süßstoff ist oder werden könnte. Parallel dazu wird jedoch zusätzlich noch betrachtet, wie sich der Süßstoff im Körper exakt verhält. Wird er verstoffwechselt oder unverändert wieder ausgeschieden usw.? Wie verhält sich der Stoff im pharmakologischen Sinne? Ist er auch über eine Langzeitanwendung sicher? Alles Fragen, die während dieser Phase getestet und anschließend beantwortet werden müssen. Daher dürfte es also nicht verwunderlich sein, wenn ein Süßstoff oftmals erst nach jahrelangem Testen das grüne Licht bekommt. In jüngster Vergangenheit ist genau dies mit Stevia geschehen. Viele potentielle Anwender konnten es nicht verstehen, warum Stevia nicht schon viel früher zugelassen wurde, obwohl diverse Naturvölker Stevia schon seit einer geraumen Ewigkeit benutzen und es keine Probleme zu berichten gibt von Seiten dieser Stämme. Aber der EFSA reichen Erfahrungsberichte nun mal nicht aus. Entsprechend lange mussten wir uns alle gedulden.
Ist ein Süßstoff jedoch erst einmal zugelassen, dann kommt der ADI-Wert wieder ins Spiel. Dieser wird in mg/kg Körpergewicht angegeben. Der ADI-Wert ist eine weltweite Größe und beschreibt die Menge an Süßstoff, die maximal pro Tag aufgenommen werden kann – und zwar lebenslänglich – ohne davon negative Erscheinungen befürchten zu müssen. Dieser Zwischenwert ist der so genannte NOEL, der „No Observed Effect Level“, der bei Tieren beobachtet wurde. Für den Menschen geht man hier aber noch einmal auf Nummer Sicher und dividiert den NOEL noch einmal durch 100. Erst dann erhält man den ADI-Wert. Der ADI-Wert ist somit ein Hundertstel von dem, was in Experimenten bei lebenslänglichem Konsum zu keinerlei Problemen führte. Der ADI-Wert ist somit ein extremer Sicherheitswert. Und trotzdem ist der ADI-Wert mancher Süßstoffe noch immer so hoch, dass teilweise enorme Mengen dieser Süßung zugeführt werden müssten. Und das eben täglich, ein Leben lang! Eher nicht praxisrelevant – und somit sicher!
Der ADI-Wert ist jedoch kein statischer Wert, sondern ein Wert des aktuellen Wissenstandes. Findet man neue Fakten und gewinnt man neues Wissen über einen untersuchten Stoff, wird entsprechend eine Neubewertung des ADI-Wert vorgenommen und es kann zu Anpassungen der maximal empfohlenen Dosierungsmenge kommen.
Süßstoff

Wie bereits angesprochen, ist es nahezu unmöglich, diese Werte zu überschreiten. Weder auf lange Sicht gesehen, noch kurzfristig. Selbst an einzelnen Tagen ist es eher unwahrscheinlich, diese Werte zu überschreiten, ohne dabei das Geschmacksempfinden zu überlasten. Ein durchschnittlicher mit Aspartam gesüßter Proteinshake enthält in der Regel zwischen 30-40mg Aspartam pro 300-400ml Fertiggetränk. Der ADI-Wert von Aspartam liegt jedoch bei 40mg pro Kilogramm Körpergewicht. Ein 85kg schwerer Athlet kann also rein theoretisch 80-90 solcher Shakes am Tag trinken und erreicht dann gerade einmal den ADI-Wert. Und in diesem Fall würde er sich in diesem Moment noch am untersten Rande des Pufferbereichs befinden. Und noch einmal zur Erinnerung: Selbst wenn dies passiert und man überschreitet den ADI-Wert an einem Tag, so ist das langfristig noch kein Problem und man hat strenggenommen noch immer den Faktor 100 als Sicherheitspuffer. Süßstoffe können demnach als sicher eingestuft werden, richtig? Richtig! Zumindest dem aktuellen Wissenstand nach. Das ist insofern bedenklich, als dass man noch nicht weiß, ob es nicht doch noch Wirkungen oder gesundheitsgefährdendes Potential gibt, welches man bisher nur noch nicht entdeckt hat. Denn dieser Fall kann rein theoretisch immer eintreten. Allerdings sind bisher keine medizinischen Erkenntnisse vorhanden oder Fälle aufgetaucht, die einen direkten negativen Einfluss auf die Gesundheit in Verbindung mit Süßstoffen aufweisen würden. Wer sich seiner Sache sicher sein möchte, der reduziert seinen Süßstoffkonsum oder verzichtet komplett darauf. Denn eines darf auch bei all den Untersuchungen zu einzelnen Süßstoffen und deren Toxizität nicht vergessen werden: Süßstoffe sind und bleiben hochtechnologische Produkte, die mit natürlicher Nahrung nichts, aber auch überhaupt gar nichts zu tun haben. Entsprechend sind es Fremdstoffe für den Körper. Aus diesem Blickwinkel heraus muss und soll jeder selbst entscheiden, wie er mit der Thematik umgeht. Daher soll dieser Artikel auch weder für, noch gegen den Einsatz von Süßstoffen sprechen, sondern lediglich als allgemeine Informationsquelle verstanden werden.

Süßstoffe und Krebs

Dass Süßstoffe krebserregend wirken können, ist sicherlich eine Aussage, die jeder schon einmal in Verbindung mit diesen künstlichen Süßungsmitteln gehört hat. Insbesondere die beiden Süßstoffe Cyclamat und Saccharin besitzen diesen Ruf. Und tatsächlich, Ratten die mit diesen Süßstoffen gefüttert wurden, erlitten tatsächlich mit überdurchschnittlicher Wahrscheinlichkeit ein Krebsleiden. Allerdings kann diese Studie nicht sonderlich ernst genommen werden, da eine Praxisrelevanz ausbleibt. Überträgt man die Menge an Süßstoff, die den Ratten täglich über einen längeren Zeitraum verfüttert wurden auf den Menschen, so müsste man jeden Tag rund 4000 handelsübliche Süßstofftabletten konsumieren. Und in diesem Fall wäre es wohl tatsächlich nicht komplett verwunderlich, wenn die jeweilige Person an Krebs erkranken würde. Allerdings wird dies so in der täglichen Praxis nicht passieren. Ein paar Süßstofftabletten über den Tag verteilt zum Kaffee oder ein paar Spritzer Flüssigsüße in den Magerquark oder Joghurt, das kommt bei weitem nicht an die Dimensionen, wie es bei der Rattenfütterung der Fall war! Und auch wenn es mit Sicherheit Personen gibt, die Süßstoff in sehr großen Mengen verwenden, einen bestätigten Krebsfall der darauf zurückzuführen wäre gibt es bislang noch keinen einzigen.

Blähungen und Verdauungsstörungen

Süßstoffe wurden in der Vergangenheit auch schon in Verbindung mit Magen-Darm-Belastungen gebracht und folglich Durchfall oder Blähungen. Doch auch hier gibt es bislang keinerlei Bestätigungen. Hierfür sind eher Zuckeraustuschstoffe verantwortlich, wie sie häufig in diversen Diätprodukten und Low Carb Produkten eingesetzt werden.

Süßstoffe und Hunger

Oftmals wird behauptet, der Einsatz von Süßstoffen würde den Appetit anregen und das Aufkommen von Hunger fördern. Doch auch hier gibt es keine eindeutigen wissenschaftlichen Beweise. Studien die zeigen würden, dass man von Süßstoffen zunehmen könnte, sind eher Mangelware. In Untersuchungen in denen dies passiert ist, weißen die Autoren meist darauf hin, dass die Körpergewichtszunahme nicht eindeutig auf den Konsum von Süßstoffen zurückzuführen ist. Nicht selten konnte sogar gezeigt werden, dass Süßstoffe den Appetit zu hemmen vermögen. Allerdings muss auch hier darauf hingewiesen werden, dass dies von den Autoren eine reine Vermutung ist und es auch hier keinen eindeutigen Nachweis gibt. Eher ist davon auszugehen, dass alleine schon die Beschriftung "light" oder "Diät" dazu verleitet anzunehmen, man könnte deutlich mehr davon essen. Meist schießen die Personen aber gerade dann über das Kalorienziel hinaus, was letztlich zu einer Gewichtszunahme führt. Aber auch dieser "Psychokrieg", bleibt zunächst Spekulation ohne direkten Nachweis.

Süßstoffe und Insulinausschüttung

Ein weiterer aber sehr populärer Mythos. Doch dieser kann schon bei genauem Nachdenken entschärft werden. Was würde passieren, wenn Süßstoffe die Insulinausschüttung anregen würden und man würde eine Cola light trinken, ohne gleichzeitig etwas kohlenhydratreiches zu essen? Wofür ist Insulin zuständig? Um den Blutzuckerspiegel zu senken. Trinkt man nun aber die Cola light zu einem Zeitpunkt, zu dem der Blutzuckerspiegel überhaupt nicht erhöht ist, wird es gefährlich – laut der Theorie dass Süßstoffe den Insulinspiegel anheben würden. Denn nun würde es zu einer massiven und lebensbedrohlichen Unterzuckerung kommen. Ähnlich als würde man sich eine Insulininjektion verpassen bei sowieso bereits niedrigem Blutzuckerspiegel.
Wissenschaftlich betrachtet kann diese Aussage zusätzlich entkräftet werden. Es gibt keine Studie die zeigen würde, dass Süßstoffe die Insulinausschüttung in signifikantem Maße steigern würde.

Süßstoffe als Allergieauslöser

Auch hierzu wurde in der Vergangenheit heftig diskutiert. Und tatsächlich, das kann sogar möglicherweise passieren bei Süßstoffen, die Proteinbestandteile enthalten. Zum Beispiel Aspartam. Aber das kann auch bei allen weiteren Nahrungsmitteln passieren, die Proteine enthalten oder weitere Allergene. Daher ist auch diese Verallgemeinerung zu entkräften.

Mögliche positive Effekte von Süßstoffe – gibt es die überhaupt?

Einige der positiven Aspekte wurden ja bereits in der Einleitung angesprochen. Diabetiker und Übergewichtige können unter Umständen vom Einsatz von Süßstoffen profitieren, in dem Sie nun auch etwas „süß“ essen können. Für Diabetiker können Süßstoffe insulinunabhängige Zuckerersatzstoffe sein, Übergewichtige können möglicherweise davon profitieren, indem die Gewichtsabnahme erleichtert wird – zumindest psychisch, indem es auch während der Diät Süßspeisen gibt. Ob dies der richtige Weg ist? Fraglich!

Was jedoch viele nicht wissen, dass Süßstoffe wie Aspartam oder Saccharin sogar antioxidative Aspekte aufzuweisen haben. Diese würde ein klares Pro für die Gesundheit bedeuten. Allerdings sollte dies nur zur allgemeinen Information gelten. Die Deckung der täglich korrekten Menge an Antioxidanzien sollte auch weiterhin nicht über Süßstoffe erfolgen.

Zusammenfassend lässt sich jedoch sagen, dass die Thematik Süßstoff eine sehr kontroverse Diskussion darstellt, die jedoch mehr von Mythen als von Fakten genährt wird. Wissenschaftlich betrachtet sind alle zugelassenen Süßstoffe als vollkommen sicher einzustufen und können innerhalb des ADI-Wertes problemlos auch über längeren Zeitraum eingesetzt werden. Ob man dies nun tut oder nicht und sich vielleicht eher auf weniger süß trimmt oder sich auf Natursüße, wie Früchte verlässt, das ist eine Entscheidung, die jeder Einzelne für sich selbst treffen muss. Verwerflich ist der Einsatz dieser Substanzen jedoch nicht. Vielmehr ist auch hier einmal mehr an die Vernunft des einzelnen zu appellieren, auch hier mit Sinn und Verstand zu handeln. Dann ist unabhängig vom einzelnen Süßstoff nicht mit gesundheitlichen Konsequenzen zu rechnen.

Mehr Informationen zum Autor und dessen Coaching-Service erhaltet ihr unter www.logisch-ernaehren.de .

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