Der Mutant

Nick Walker im Portrait

Die offene Klasse des Bodybuildings ist endlich wieder spannend. Zu den aktuellen Hoffnungsträgern, die dem zweifachen Mr. Olympia-Sieger Big Ramy ernsthaft gefährlich werden können, zählt auch Nick Walker. Der Amerikaner hat in den vergangenen Jahren einen kometenhaften Aufstieg zum ernsthaften Sandow-Aspiranten hingelegt.

Die schwierige Vergangenheit des Nick Walker


Nickolas Walker wurde 1994 in Pine Hill im amerikanischen Bundesstaat New Jersey geboren. Er hat einen älteren Bruder, der sich ebenfalls dem Bodybuilding verschrieben hat. Zu seinen Eltern pflegt er bis heute ein sehr inniges Verhältnis.

Foto: Instagram

Walkers sportliche Wurzeln liegen im Baseball. In seiner Jugend musste er Erfahrungen mit sexuellem Missbrauch machen und isolierte sich in der Folge zunehmend von seinen Mitmenschen. Als einsamer Teenager wandte er sich den Drogen und dem Alkohol zu, den Ausweg aus der Misere fand er schließlich im Kraftsport. Schon mit 13 begann er, seine Wut im Fitnessstudio abzureagieren. Schnell zeigte sich dabei auch die Ausnahmegenetik, mit der Walker gesegnet wurde.

Erste Schritte im Bodybuilding


Sein Wettkampfdebüt gab Walker direkt nach dem Highschool-Abschluss auf der NPC Gold’s Classic. Der damals 18-Jährige lieferte zwar laut eigener Aussage eine sehr dürftige Leistung ab, doch das positive Feedback des Publikums entschädigte für die sportliche Enttäuschung. Zum ersten Mal fühlte der strauchelnde Walker, dass er aus eigener Kraft große Dinge erreichen konnte.

In den Folgejahren sammelte er fleißig Erfahrungen auf nationalen NPC-Wettkämpfen, wechselte dabei zwischen dem Middle- und Heavyweight hin und her, um sich schließlich bei den schweren Jungs zu etablieren.

Nick Walker wird IFBB Pro


Die Fans und Fachleute waren schon längst auf den talentierten Amateur aufmerksam geworden. Auf der North American Championships 2020 sicherte sich Walker, mittlerweile 25 Jahre alt, endlich die verdient IFBB Pro Card. Aus dem Teenager war ein echter Schwergewichtschampion geworden, nur 1,70 Meter groß, aber mit über 110 Kilogramm auf der Bühne. Sein Spitzname „The Mutant“ hält, was er verspricht.

Seinen Einstand bei den Profis auf der Chicago Pro 2020 beendete Walker auf einem guten vierten Platz.

Ein erstaunliches Mr. Olympia Debüt


2021 lief alles rund bei Nick Walker. Mit der New York Pro und der Arnold Classic gewann er gleich zwei überaus prestigeträchtige Wettkämpfe. Zwei Profisiege bedeutete auch die sichere Qualifikation für den Mr. Olympia. Hier zog der Debütant auf Anhieb ins Finale ein und belegte den fünften Platz - ein mehr als überzeugender Einstand.

Was kommt 2022?


Als Top 5-Finisher ist Nick Walker bereits für den Mr. Olympia 2022 qualifiziert. Und die Vorfreude unter den Fans und Experten steigt: Jüngsten Updates zufolge hat sich der Schwergewichtler in den vergangenen Monaten noch einmal steigern können. Sollte seine überragende Masse diesmal auf eine verbesserte Härte treffen, könnte es für ganz vorne reichen - auch wenn mit ihm andere hochgehandelte Megatalenten wie Andrew Jacked oder Michal Krizo auf der Bühne stehen werden. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Amerikaner zumindest nicht und er rechnet sich gern öffentlich reale Gewinnchancen aus.

Dabei war das Jahr bislang von einigen Querelen geprägt. Im Februar trennte sich Walker von seinem langjährigen Coach Matt Jansen, den er zuvor immer als Freund und Bruder im Geiste bezeichnet hatte. Die darauffolgende Zusammenarbeit mit Dominick Mustacio hielt nur wenige Monate. Im Oktober 2022 kehrte Walker zu Jansen zurück. Ein Trainerwechsel nur wenige Wochen vor dem Mr. Olympia – viel zusätzlicher Stress für jemanden, auf dem ohnehin großer externer und selbsterzeugter Erwartungsdruck lastet.


Nick Walkers Leben abseits vom Bodybuilding


Walker lebt mittlerweile die meiste Zeit des Jahres in der Bodybuilding-Hochburg Tampa in Florida. Er zählt nur zwei Jahre nach dem Erhalt der Pro Card zu den Superstars des Bodybuildings, bringt es auf seinem Instagram-Account @nick_walker39 zu mehr als einer Millionen Follower und 217.000 Abonnenten auf YouTube. Mit seiner Reichweite und den damit einhergehenden Sponsorings bestreitet er seinen Lebensunterhalt. Nach einigen kurzen Beziehungen mit Wettkampfathletinnen ist er derzeit alleinstehend.

Walker ist ein harter Arbeiter, der nie die Wertschätzung für den Sport verloren hat, der ihn einst von der schiefen Bahn holte. Scheu vor großen Zielen hat er nicht: Seinem Coach soll er gesagt haben, dass er nicht weniger als zehn Mr. Olympia-Titel anstrebt. Er wäre damit der mit Abstand erfolgreichste Bodybuilder aller Zeiten. Ob Walker aus seinem Hype einen derartigen Legendenstatus formen kann, bleibt gespannt abzuwarten.

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