Die komplette Anleitung, um Deine Höhlenmenschen Haltung zu verbessern

Nie mehr Neandertaler Teil I/V

Ein Artikel von T-Nation.com
Von Eric Cressey und Mike Robertson

Erklärung: Was Ihr jetzt lesen werdet, ist sehr technischer, sehr fachlicher Kram. Aber keine Panik, falls Ihr Euer Kinesiologie Diplom noch nicht in der Tasche habt. In den kommenden Artikeln dieser Serie werden Eric und Mike Euch alles haarklein erklären und Euch zeigen, wie Ihr Eure Haltung und Euren Körperbau verbessern könnt. Also nehmt erst mal Eure Poser-Trucker-Kappe ab und setzt die Denker-Mütze auf.

Mach mir die Evolution, Baby!

Evolution wird definiert als "Ein Prozess, in welchem sich etwas Stück für Stück auf eine höher entwickelte oder reifere Stufe hin entwickelt." Denkt zurück in prähistorische Zeiten, und versucht, Euch Eure Vorfahren vorzustellen. Wahrscheinlich habt Ihr ein Bild von einem Neandertaler vor Augen, der einen Lendenschurz trägt, Frauen angrunzt, seine Mahlzeiten selbst erlegt und sich vor ein offenes Feuer kauert um warm zu bleiben. Seine DNA hat Jahrhundert über Jahrhundert überdauert, um zu garantieren, dass Ihr genau so hardcore seid, richtig?

Wenn man aber genauer drüber nachdenkt, tragt Ihr Boxershorts, versucht jede Frau mit billigen Anmachsprüchen rum zu kriegen, jagt Euer Essen im Supermarkt nebenan und kauert den ganzen Tag vor Eurem Computer. Mit anderen Worten: das Einzige, was Ihr mit diesem harten, prähistorischen Typen gemein habt, ist Eure erbärmliche, S-förmige Haltung: Schultern und Kopf nach vorne gehängt, übertriebene Kyphose (Rundrücken), nach vorn gekippte Pelvis (Becken), exzessive Lordose(Hohlkreuz), nach innen rotierte Oberschenkelknochen und nach außen rotierte, platte Füße.

Nun, es ist Zeit, sich ein für alle Mal von den Neandertalern zu distanzieren, indem Ihr diese strukturellen Probleme löst. Und wir sind hier, um Euch dabei zu helfen. Diese fünfteilige Serie wird die häufigsten Haltungsfehler aufzeigen und ein übergreifendes Programm zur Verfügung stellen, um sie zu beheben.

Die Länge – Spannungs Beziehung

Sprechen wir zuerst über muskuläre Kontraktion. Ihr habt schon mal von der Gleit-Filament-Theorie gehört, richtig? Nein? Seid wohl nicht so Kinesiologiefreaks wie wir, was? Nun, hier ist eine kurze Zusammenfassung:

In den Sarkomeren (den kontraktilen[="zur Anspannung fähigen"] Einheiten der Skelettmuskeln), findet man Aktin und Myosin Filamente. Das Myosin heftet sich im Querbrückenzyklus an die Aktin Filamente und zieht sie zusammen, was in einer Verkürzung der Muskelfaser resultiert. Passiert das bei mehreren Fasern gleichzeitig, haben wir eine konzentrische Muskelaktion (Kontraktion oder Verkürzung).

Mit der Gleit-Filament-Theorie im Hinterkopf kann man sich denken, dass Veränderungen in der Länge einer Muskelfaser die Fähigkeit des Muskels optimal zu kontrahieren beeinflussen können. Wenn zum Beispiel ein Sarkomer zu kurz ist, kann es keine maximale Kraft mehr erzeugen, da sich die Aktin Filamente bereits überschneiden. Diese Überschneidung nimmt wertvollen Platz ein, wo sich anderenfalls die Myosin-Querbrücken anheften könnten.

Andererseits, wenn ein Sarkomere zu lang ist, sind die Aktin Filamente zu weit auseinander, als dass alle Myosin-Querbrücken sie erreichen und sich anheften könnten.

Also, wir wissen, dass eine Muskelfaser (und dadurch der gesamte Muskel) am stärksten ist, wenn die Sarkomere eine optimale Ruhelänge besitzen (normalerweise in Ruheposition oder leicht gedehnt). In allen anderen Positionen sind die Sarkomere außerhalb des Bereichs ihrer optimalen Länge und können somit keine maximale Kraft erzeugen. Denkt nur mal daran, wie sehr sich Eure Kraft in den verschiedenen Abschnitten eines Langhantelcurls unterscheidet und Ihr werdet verstehen, wovon wir sprechen.

Körperhaltung und die Länge – Spannungs Beziehung

Die Beziehung zwischen Länge und Spannung ist nicht nur auf zellulärer Ebene von Bedeutung. Training – oder das Fehlen davon – kann die normale Ruhelänge eines Muskels verändern. Einfach ausgedrückt, je mehr man einen Muskel trainiert, desto kürzer will er werden.

Gleichzeitig wird der Antagonist mit der Zeit immer länger, damit sich der Agonist weiter verkürzen kann. Wenn Du dir das nicht vorstellen kannst, wickel ein elastisches Band um dein Handgelenk. Jetzt ziehe an einer Seite um es zu lockern (der Antagonist) und Du wirst sehen, dass die andere Seite enger wird (der Agonist). So funktionieren auch normale konzentrische Muskelaktionen: der Antagonist muss entspannen, damit der Agonist sich verkürzen kann.

Probleme können auftreten, wenn der Agonist durch falsches Training und/oder schlechten Lebensstil chronisch verkürzt wird. Zusammengefasst haben wir dann verkürzte (hypertonische oder überaktive) Muskeln und überdehnte (hypotonische oder gehemmte) Muskeln, die sich gegenüber stehen. Erinnern wir uns jetzt nochmal an die Länge – Spannungs Beziehung. Glaubt Ihr, dass Muskeln (und ihre einzelnen Fasern), die sich immer außerhalb ihres optimalen Längenbereichs befinden, fähig sind maximale Kraft zu produzieren? Ist der Papst Hindu?

Wenn man über Länge und Spannung redet, muss man daran denken, dass es zwei verschiedene Dinge sind. Ein Muskel kann die perfekte Länge besitzen, aber trotzdem unglaublich verspannt sein und umgekehrt (auch wenn das nicht so oft vorkommt). Mit der Länge verhält es sich generell so, dass mehr besser ist, es sei denn du bist flexibel wie ein Zirkus Freak. Die Länge des Muskels kann normalerweise durch Stretching verbessert werden (statisch, dynamisch, PNF, etc.).

Andererseits braucht man bei der Spannung ein gesundes Mittelmaß. Zu große Spannung ist, wie bereits oben erwähnt, problematisch. Aber zu starke Entspannung ist auch nicht von Vorteil. Die richtige Spannung ist ein wahrer Drahtseilakt und sollte immer wieder überprüft werden. Die Muskelspannung wird am effektivsten verbessert durch konventionelle Massage, Wärme, elektrische Stimulation, oder Bindegewebsmassage.

Der Höhlenmenschen Look

Es wird Zeit, die zuvor genannten Prinzipien auf Eure Höhlenmenschen Statur anzuwenden. Die klassische S-förmige Haltung impliziert, dass Ihr überaktive und gehemmte Muskeln vom Scheitel bis zur Sohle besitzt. Die Ursachen solcher Deformationen unterscheiden sich von Fall zu Fall. In manchen Fällen resultieren sie aus entwicklungstechnischen oder angeborenen, strukturellen Abnormalitäten, wie Rückfuss - oder Vorfuss – Varus, der Scheuermann Krankheit oder Spondylolisthesis (um nur ein paar zu nennen).

Allerdings sind die Fälle nicht die Norm, wenn es um schlechte Körperhaltung geht. Der Neandertaler Look ist viel eher ein Zusammenspiel von schlechten Haltungsgewohnheiten und schlecht ausbalanciertem Trainingsfokus auf verschiedene Gelenke. Deswegen sind Programme, die das Problem an jedem einzelnen betroffenen Gelenk lösen, die beste Herangehensweise für Trainierende mit strukturellen Unregelmäßigkeiten (sprich: für Dich!).

Beginnend mit der Körpermitte (eine typische Quelle von Haltungsproblemen), ist hier eine Darstellung davon, wie verschiedene Gelenke in dieser geläufigen Fehlhaltung zusammenarbeiten:

  • Der Kern und Gluteus sind gehemmt; die Hüftbeuger, Beinbizeps und Rückenstrecker sind überaktiv. Dies resultiert in einer Vorneigung des Beckens und einer übertrieben Lendenlordose (Hohlkreuz).
  • Die Brustwirbelsäule besitzt eine natürliche Kyphose (Außenkrümmung). Wenn die Wirbelsäule durchgehend in einer Lordose (Innenkrümmung) verlaufen würde, würde unsere Brust die ganze Zeit zur Decke zeigen. Die Kyphose hilft uns, trotz der Lordose der Lendenwirbelsäule, aufrecht zu bleiben. Mit anderen Worten gibt es eine direkte Verbindung zwischen Lordose und Kyphose: wenn die eine zunimmt, zieht die andere nach, um eine aufrechte Haltung zu gewährleisten. Man muss sich erinnern, dass Lordose und Kyphose ganz natürlich sind. Nur wenn sie ins Übermäßige gesteigert werden, wird die Sache hässlich.

  • Zu erwähnen wäre noch, dass der Ursprung des Latissimus dorsi bei den untersten 6 Brustwirbeln, den Lendenwirbeln und dem Kreuz- und Steißbein liegt und dieser somit eine direkte muskuläre Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper bildet. Gleichermaßen haben die Rückenstrecker weitgefächerte Verbindungen an Becken, Rippen, Wirbeln und dem Schädel, was es ihnen ermöglicht, umfassend auf die Haltung von Unter- und Oberkörper Einfluss zu nehmen.

  • Die Schwäche des Kerns äußert ebenfalls darin, dass der Oberkörper die Möglichkeit bekommt, sich essenziell auszudehnen und seine Masse nach vorne zu verlagern. Wenn das geschieht, bewegt sich die Skapula (Schulterblatt) nach oben und außen um den Brustkorb, die Clavicula (Schlüsselbein) wird gegen die erste Rippe gepresst, der Humerus (Oberarmknochen) dreht sich nach innen und der Kopf fällt nach vorne, damit der Körper in dieser veränderten Haltung weiter funktionieren kann.

  • So wie eine durchgängige Lordose unpraktisch ist, würde eine Weiterführung der Kyphose in den Halswirbeln dazu führen, dass wir die ganze Zeit auf den Boden schauen würden. Wenn also eine zu starke Kyphose vorliegt, müssen die hinteren Nackenmuskeln durchgängig aktiv sein, um den Kopf zurück zu ziehen (wodurch das Kinn sich hebt), damit die Vorwärtsbewegung der Halswirbelsäule kompensiert wird. Denkt nur mal an jemanden, der sich vor seinen Computer kauert (so wie Ihr gerade!) und Ihr wisst, was wir meinen.

  • Was den Unterkörper angeht, hat eine Vorwärtsneigung des Beckens in jedem Fall Auswirkungen auf den Femur (Oberschenkelknochen). Um genau zu sein, zwingt eine Vorwärtsneigung des Beckens den Femur dazu, sich nach innen zu drehen. Dies setzt eine große Belastung auf den äußeren Teil des Quadrizeps, vor allem den vastus lateralis Muskel, den Tensor fascia latae (TFL) und den Tractus iliotibialis (ITB). Diese Bereiche werden verkürzt, verspannt und sind typischerweise Ursache von Schmerzen an der Außenseite des Knies.

  • Da die Innenrotation des Oberschenkelknochens auch auf die Tibiae (Schienbeine) übergreift, ist es wichtig zu bemerken, dass daraus oft ein Zustand namens genu valgum (X-Beine) entsteht. In diesem Zustand abduzieren die Schienbeine (sie bewegen sich von der Körpermitte weg) in Verhältnis zur Stellung des Oberschenkelknochens. Daraus kann eine enorme Überbelastung auf den medialen (der Körpermitte zugewandten) Teil des Kniegelenks resultieren. In der sogenannten "geschlossenen Kette" (Die Füße befinden sich auf festem Boden), erfährt das Schienbein eine Innenrotation auf dem Talus (Sprunggelenk des Fußes). Diese Innenrotation wird begleitet von einer Pronation (Einwärtsdrehung) des Subtalargelenkes (des unteren Sprunggelenks, bestehend aus Talus und Calcaneus). Auf Deutsch bedeutet das: man bekommt Plattfüße!

  • Menschliche Bewegung – vor allem Kniebeugen – erfordert ein gewisses Maß an Dorsalextension (Annäherung von Fußrücken und Schienbein). Eine Pronation des Fußgelenks hängt oft mit zu festen Plantarflexoren (in diesem Fall die Waden) zusammen. Man proniert das Fußgelenk, um die eingeschränkte Bewegungsfreiheit in der Dorsalextension zu umgehen.

  • Trainierende können diese mangelnde Dorsalextension auch durch Außenrotation des Fußes kompensieren. Daraus resultiert normalerweise eine Verkürzung der äußeren Beinmuskulatur und eine Verlängerung und Hemmung der vorderen Unterschenkelmuskulatur. Die schräg vom Körper weg gerichtete Haltung der Schienbeine erzeugt ein dem Genu valgum (X-Beine) ähnliches Bild des gesamten Unterkörpers.


Allerdings bezieht sich das alles nur auf eine statische Haltung. Man muss sich nur vorstellen was passiert, wenn jemand mit solchen Haltungsproblemen tatsächlich versucht sich zu bewegen! Verschiedenste Verletzungen und/oder Beschwerden können daraus resultieren:

Potentielle Schäden durch exzessive Kyphose / nach vorn hängende Schultern:

Entzündung der Bizeps-Sehne, Schädigung des Labrum glenoidale (Pfannenlippe), subakromiales Impingement (Funktionsbeeinträchtigung des Schultergelenks) und daraus resultierende Schädigung der Rotatorenmanschette, Schädigung des Teres major, Abkippen des Schulterblattes (scapular winging), Brustkorbverengung, Abbau der Wirbelgelenke und der Schulterblatt/Schlüsselbein Gelenke, sowie verschiedene Ellenbogenverletzungen (hervorgerufen durch kompensatorische Überbelastung).

Potentielle Schäden durch dauerhaft nach vorne hängenden Kopf:

Kopfschmerzen, exzessive Trockenheit im Mund (durch ständige Mundatmung), Schluckbeschwerden, Verspannungen im vorderen und hinteren Nackenbereich, sowie Beschwerden entlang des medialen Schulterblattrandes.

Potentielle Schädigungen des Unterkörpers:

Schmerzen im unteren Rücken, Bandscheibenvorfälle, Ischias-Schmerzen, wandernde Schmerzen vom unteren Rücken in die Beine und Füße, verringerte Unterkörperkraft, Schmerzen an der Außenseite des Knies, Schädigung vom Innenband des Knies, Schädigung des vorderen Kreuzbands, exzessive Pronation des Fußgelenks (Plattfüße), Verrenkungen des Fußgelenks, Zerrungen der Hamstrings/ des unteren Rückens, Störungen des Iliosakralgelenks, Piriformis-Syndrom, Vorfußschmerzen (Metatarsalgie), entzündete Fußballen, sowie plantare Fasciitis (Fersenschmerz). Ach ja, die allseits beliebte Inkontinenz sollten wir hier nicht vergessen.

Unzählige Muskeln passieren diese Gelenke und alle Aktionen, von jedem dieser Muskel, werden durch Veränderungen der optimalen Ruhelänge beeinträchtigt. Damit Ihr eine Idee davon habt, welch dramatische Effekte diese feinen Störungen auf jede Übung haben können, die Ihr ausführt, haben wir im Folgenden einige Muskeln inklusive Funktionen aufgelistet und nach den für sie typischen Abweichungen von der Ruhelänge (hypertonisch/verkürzt/überaktiv VS. hypotonisch/überdehnt/gehemmt), sortiert:

Hypertonische/verkürzte/überaktive Oberkörpermuskulatur


  1. Pectoralis Major
    Bewegungen des Schultergelenks: Extension (nur die Fasern vom Brustbein), Flexion (nur die Fasern vom Schlüsselbein), horizontale Adduktion, Innenrotation, vertikale Adduktion (nur vom Brustbein, bei einer horiz. Abduktion unter 90°), sowie vertikale Abduktion (nur vom Schlüsselbein, bei einer horiz. Abduktion von 90° oder mehr).

  2. Latissimus dorsi
    Bewegungen des Schultergelenks: Extension, Adduktion, Innenrotation, sowie horizontale Abduktion.
    Bewegungen der Schulterblätter: Depression, Retraktion, Abwärtsrotation, sowie Rückwärtsneigung.

  3. Teres Major
    Bewegungen des Schultergelenks: Extension, Innenrotation und Adduktion.

  4. Vorderer Schultermuskel
    Bewegungen des Schultergelenks: Abduktion, Flexion, horizontale Adduktion und Innenrotation.

  5. Subscapularis (Unterschulterblattmuskel)
    Bewegungen des Schultergelenks: Innenrotation, Adduktion, Extension und Stabilisierung.

  6. Oberer Trapezius
    Bewegungen der Schulterblätter. Elevation, Aufwärtsrotation und Retraktion (in bestimmten Positionen). Außerdem Extension von Kopf/Nacken.

  7. Levator Scapulae (Schulterblattheber)
    Bewegungen der Schulterblätter: Elevation (wer hätte das gedacht?), Retraktion, Abwärtsrotation und Vorwärtsneigung.

  8. Sternocleidomastoideus (Kopfnickermuskel)
    Bewegungen des Kopfes/Nackens: Flexion, kontralaterale Rotation, ipsilaterale Flexion.

  9. Pectoralis Minor
    Bewegungen der Schulterblätter: Protraktion, Abwärtsrotation, Depression und Vorwärtsneigung.

  10. Die Suboccipitalen (die tiefen Nackenmuskeln) Rectus Capitis Posterior major/minor, sowie Obliquus Capitis inferior/superior
    Bewegungen des Kopfes/Nackens: Extension und ipsilaterale Flexion/Rotation.


Anmerkung: Der Temporalis (Schläfenmuskel) und Masseter (ein Kaumuskel) werden bei nach vorne hängendem Kopf auch überaktiv, da sie unter konstanter Spannung bleiben müssen, um den Mund in dieser Position geschlossen zu halten.

Hypotonische/überdehnte/gehemmte Oberkörpermuskulatur


  1. Großer und kleiner Rhomboidmuskel
    Bewegungen der Schulterblätter: Retraktion, Abwärtsrotation und Elevation (kaum bemerkbar; diese Bewegung tritt während der Retraktion auf).

  2. Infraspinatus und Teres Minor
    Bewegungen des Schultergelenks: Außenrotation, horizontale Abduktion, Extension und Stabilisierung.

  3. Mittlerer Trapezius
    Bewegungen der Schulterblätter: Elevation, Retraktion und Aufwärtsrotation.

  4. Unterer Trapezius
    Bewegungen der Schulterblätter: Depression, Retraktion, Aufwärtsrotation und Rückwärtsneigung.

  5. Halsflexoren (Longus Colli, Longus Capitis)
    Bewegungen des Halses: Flexion, ipsilaterale Flexion und Rotation.

  6. Hinterer Schultermuskel
    Bewegungen des Schultergelenks: horizontale Abduktion, Extension, vertikale Abduktion und Außenrotation.

  7. Serratus Anterior
    Bewegungen der Schulterblätter: Protraktion, Aufwärtsrotation und Rückwärtsneigung.

  8. Erektoren von Hals und Thorax (Semispinalis, Spinalis, Longissimus und Brust- sowie Halsteil des Iliocostalis)
    Bewegungen von Hals und Oberkörper: Extension, ipsilateral Flexion und Rotation.


Hypertonische/verkürzte/überaktive Unterkörpermuskulatur


  1. Iliacus (Darmbeinmuskel)/ Psoas (Lendenmuskel) major und minor, sowie Rectus Femoris
    Bewegungen der Hüfte: Flexion und Außenrotation.

  2. Rectus Femoris
    Flexion der Hüfte und Extension des Knies.

  3. Erector Spinae im Lendenbereich (Spinalis, Longissimus und Iliocostalis)
    Extension der Hüfte und Seitwärtsneigung der Wirbelsäule.

  4. Quadratus Lomborum (quadratischer Lendenmuskel)
    Ipsilaterale Flexion und Stabilisation des Beckens und der Lendenwirbelsäule.
    Ist der QL allerdings beidseitig aktiv, so trägt er auch zur Streckung der Lendenwirbelsäule bei, was die Vorwärtsneigung des Beckens noch hervorheben kann.

  5. Hamstrings (Semitendinosus, Semimembranosus, Bizeps femoris)
    Bewegungen der Hüfte: Extension (alle), Innenrotation (Semitendinosus und Semimembranosus), sowie Außenrotation (nur Bizeps femoris).
    Bewegungen des Knies: Flexion (alle), Innenrotation (Semitendinosus und Semimembranosus), sowie Außenrotation (nur Bizeps femoris).

  6. TFL/ITB (das ITB ist die Faszie)
    Bewegungen der Hüfte: Abduktion, Flexion und Innenrotation.

  7. Adduktoren (Adduktor longus/brevis/magnus, Gracilis und Pectineus)
    Bewegungen der Hüfte: Adduktion, Flexion oder Extension (kommt auf die Haltung an), sowie Innen- oder Außenrotation (kommt ebenfalls auf die Haltung an).
    Außerdem Flexion des Knies (nur Gracilis).

  8. Piriformis, Gemellus superior/inferior, Obturator internus/externus und Quadratus femoris
    Außenrotation der Hüfte.

  9. Vastus lateralis
    Extension des Knies.

  10. Peronealmuskulatur (Peronaeus longus/brevis/tertius)
    Bewegungen des Fußes: Pronation, Plantarflexion und Dorsalextensionn (nur Peroneus tertius).

  11. Soleus
    Plantarflexion des Fußes.

  12. Gastrocnemius (vor allem der äußere Kopf)
    Plantarflexion des Fußes, sowie Flexion des Knies.


Hypotonische/überdehnte/gehemmte Unterkörpermuskulatur


  1. Gluteus maximus
    Bewegungen der Hüfte: Extension, Außenrotation und Adduktion (nur untere Muskelfasern).

  2. Gluteus medius und minimus
    Bewegungen der Hüfte: Abduktion, Innenrotation (beide) und Außenrotation (medius nur in dem Fall, dass die Hüfte abduziert ist).

  3. Rectus Abdominis
    Bewegungen der Lendenwirbelsäule: Flexion und ipsilaterale Flexion.

  4. Transversus Adominis (TVA)
    Stabilisation des unteren Rückens (zusammen mit dem Multifidus und der Beckenbodenmuskulatur).

  5. Multifidus lumbalis
    Bewegungen der Lendenwirbelsäule: Extension und Rotation (sowohl contra-, als auch ipsilateral).
    Außerdem teilweise Stabilisierung der gesamten Wirbelsäule (zusammen mit dem TVA).

  6. Obliquus internus abdominis (schräger innerer Bauchmuskel)
    Bewegungen der Lendenwirbelsäule: Flexion, ipsilaterale Flexion und ipsilaterale Rotation.

  7. Obliquus externus abdominis (schräger äußerer Bauchmuskel)
    Bewegungen der Lendenwirbelsäule: Flexion, ipsilaterale Flexion und contralaterale Rotation.

  8. Vastus medialis
    Extension des Knies.

  9. Tibialis anterior (vorderer Schienbeinmuskel)
    Bewegungen des Fußes: Supination und Dorsalextension.

  10. Tibialis posterior (hinterer Schienbeinmuskel)
    Bewegungen des Fußes: Supination und Plantarflexion.


Eure Hausaufgaben

Und da dachtet Ihr, eine schlechte Haltung würde Euer Training nicht beeinflussen! In Teil 2 werden wir einige funktionelle Tests und Beurteilungen der Körperhaltung hervorheben, die Ihr durchführen könnt, um einen besseren Eindruck von Euren ganz persönlichen Haltungsfehlern zu bekommen.

Unterdessen ist es Eure Hausaufgabe jemanden zu finden, der vom Scheitel bis zur Sohle von Eurem ganzen Körper Fotos macht, während Ihr in normaler Haltung vor ihm steht. Von vorne, hinten und von beiden Seiten (am besten nur in Unterwäsche).

Zieht jetzt nicht den Schwanz ein! Ihr müsst auf jeden Fall Fotos von Euch selbst machen, um zu wissen wie Ihr da steht (Wortwitz beabsichtigt). Ihr könnt das natürlich auch vor einem Spiegel machen, aber meistens ist diese Methode weniger effektiver, da man immer unterbewusst versucht, seine Haltung zu verbessern, wenn man vor einem Spiegel steht. Vor allem ist es verdammt schwer, gute Fotos vom eigenen Rücken zu machen. Wie auch immer Ihr es anstellt, macht auf jeden Fall die verdammten Fotos, damit Ihr Euch beim nächsten Artikel direkt auf die eigenen Schwächen konzentrieren könnt.

Zu den Autoren

Eric Cressey arbeitet momentan auf einen Master Abschluss in Kinesiologie hin, mit Fokus auf Sportwissenschaft, an der University of Connecticut. Er machte einen doppelten Abschluss an der University of New England in Sportwissenschaften und Sport und Fitness Management. Eric hat bereits Erfahrung in den Bereichen der professionellen Athletik, Reha und der generellen Fitness. Man kann ihn kontaktieren per ericcressey@hotmail.com.

Mike Robertson ist Geschäftsführer des Athletic Performance Center (APC) in Fort Wayne, Indiana. Das APC bietet Training für Leistungssportler, Reha und Personal Training für seine Mitglieder. Mike erhielt seinen Master in "Sport Biomechanik" vom "Human Performance Lab" an der Ball State University. Er war die letzten 3 Jahre Wettkampfpowerlifter und ist zur Zeit Vorsitzender in Indiana von der USAPL. Man kann ihn kontaktieren per mikerob022@yahoo.com.

Quellen


  1. Anderson, M.K., Hall, S.J., & Martin, M. Sports Injury Management: 2nd Edition. Lippincott Williams & Wilkins, 2000.

  2. Floyd, R.T., & Thompson, C.W. Manual of Structural Kinesiology. McGraw Hill, 2001.

  3. Smith, L.K., Weiss, E.L., & Lehmkuhl, L.D. Brunnstrom's Clinical Kinesiology: 5th Edition. F.A. Davis Company, 1996.

  4. Tiberio, D. Pathomechanics of structural foot deformities. J Am Phys Ther Assoc. 1988 Dec;68:1840-49.

Nach oben