Diese bestimmte Zeit im Jahr

Der große Olympia-Ausblick

Es ist wieder soweit: Das Olympia Weekend 2018 steht bevor.

September ist Olympia-Time! Am kommenden Wochenende wird es in Las Vegas wieder heiß hergehen, denn die besten Bodybuilder der Welt treten an, um den einen Besten zu bestimmen. Doch wer hat die besten Karten? Wir werfen einen Blick auf die Teilnehmer.

Zieht Phil mit Lee und Ronnie gleich?

Phil Heath ist schickt sich an, seine achte Sandow zu holen und damit an Arnold vorbei- und mit Lee Haney und Ronnie Coleman gleichzuziehen. Im Vorjahr war Phil durch seine Nabelverletzung doch gehandicapt, was man vor allem an seiner Mittelpartie sah, die alles andere als schön anzusehen war. Dennoch gewann er souverän und sicher den Titel und das aus Sicht der meisten Experten nicht zu Unrecht. Nachdem er sich im Anschluss an die letztjährige Olympia hat operieren lassen, sollte er in diesem Jahr seine Mittelpartie wieder im Griff haben und des damit noch unwahrscheinlicher machen, dass sich doch jemand vor ihn schiebt. Obwohl Phil durch seine recht schmalen Schlüsselbeine nicht die Weite eines Big Ramy oder Roelly Winklaar erreicht, bringt er eine unglaubliche Masse mit, vor allem aber hat er noch nie seine Form so richtig versaut, kommt immer in Shape und profitiert dann eben von seinen einzigartigen 3D-Muskeln. Auch zeigten die Judges in den Vorjahren nicht auch nur den Hauch eines Ansatzes, etwas an der Dominanz Phils zu ändern. Die Chancen auf den achten Titel von Phil stehen also sehr gut.

Diese Back Double Biceps gilt es zu schlagen! Phil Heath beim Mr. Olympia 2017.


Wer sind die Top-Herausforderer?

Doch nehmen wir einmal an, es liegt am Wochenende ein Wechsel in der Luft. Wer könnte Phil beerben?

Zunächst muss man da sicherlich Big Ramy nennen. Der Vorjahreszweite hat in den letzten Jahren immer mehr für seine Form getan und sich in dieser Hinsicht von Jahr zu Jahr gesteigert. Ein Big Ramy in absoluter Topform könnte das Rennen um den Sieg wirklich spannend machen, denn Masse bringt er wahrlich ohne Ende mit und dass unter Beibehaltung einer wirklich ansprechenden Linie, wenn man die Berge an Muskeln berücksichtigt. Doch reicht das, um einen Phil in Topform zu schlagen? Vermutlich nicht. Wenn dieser sich aber auch nur einen kleinen Fehler erlaubt, könnte Ramys große Stunde schlagen. Dafür muss er jedoch etwas schaffen, was ihm bislang nie gelungen ist: Knüppelhart und prall zugleich erscheinen, denn seiner Muskulatur fehlt bei aller Masse eben der 3D-Effekt von Phil. Diese feinen Details, diese tiefen Einkerbungen, diese einzigartige Genetik hat Ramy nicht. Dennoch: Ganz sicher ist er einer der absoluten Topfavoriten auf den Titel, sollte Phil sich einen Fehler erlauben.

Kann Ramy diesmal Phil schlagen?


Die Sensation des Vorjahres war sicherlich William Bonac. William ist im Grunde der perfekte Bodybuilder, der eigentlich alles mitbringt: unglaubliche Härte, dicke und pralle Muskeln, eine gute Linie, einzig ist er damit an einem Punkt, an dem er sich kaum noch steigern kann, denn sein Frame ist einfach voll beladen. Im Gegenteil: Es ist zu befürchten, dass ein Mehr an Muskelmasse ihm optisch eher zum Nachteil reichen würde. Dennoch ist William brandgefährlich, ließ beispielsweise bei dem EVLS Prague Showdown 2016 Ramy hinter sich. Er wird alles dafür tun, seinen dritten Platz des Vorjahres mindestens zu verteidigen.

Nach seinem dritten Platz im Vorjahr ist William Bonac heiß auf mehr.


Dann haben wir da Roelly Winklaar, der sich in den vergangenen Jahren deutlich steigern konnte, vor allem in Sachen Konstanz bei der Form. In Prag setzte er sich im Vorjahr nicht unverdient gegen William und Dexter durch und holte sich den Sieg. Roelly hat von allen Athleten den größten Freakfaktor und weiß diesen auszuspielen. Ob es für die ganz vorderen Plätze bei der O reicht, wird sich jedoch erst zeigen müssen. Strukturell hat Roelly nämlich sicherlich gegen die drei erstgenannten Athleten Nachteile. Dennoch: Kommt er in Topform, werden einige das Zittern bekommen.

Ob sich Roelly hier gerade seinen Schlachtplan für den Mr. Olympia 2018 überlegt?


Was ist mit Shawn und Dexter?

Immer im Kampf um die Topplätze mit dabei sind sicher Dexter Jackson und Shawn Rhoden. Dexter ist einfach ein Phänomen, der scheinbar einfach nicht altert. Zwar fehlt ihm zu den bereits genannten Athleten doch deutlich die Masse, aber in Form kann er davon viel durch seine Linie und seine Routine ausgleichen. Auf jeden Fall ist Dexter immer ein Kandidat für die Top 3.

Was geht noch für die Routiniers Shawn Rhoden und Dexter Jackson?


Inwieweit das für Shawn gilt, muss man abwarten. Im Vorjahr enttäuschte er doch einige, war jedoch auch durch eine Verletzung benachteiligt. In diesem Jahr hat er angekündigt, deutlich schwerer kommen zu wollen. Das wäre auf jeden Fall spannend, denn von den Topathleten hat Shawn sicherlich die gefälligste Linie. Aufpassen muss er, dass er das Mehr an Masse nicht mit Einbußen im Bereich der Definition bezahlt, denn das könnte ihn dann sogar aus den Top 6 katapultieren. Passt alles zusammen, kann er aber nahezu jeden im Feld schlagen.

Der Spaßvogel: Cedric McMillan bei seinem Sieg auf der Arnold Classic 2017 mit Arnold himself. Wird es ihm gelingen, in Vegas seine Topform zu bringen?


Dark Horses?

Cedric McMillan ist ein Athlet, der alles mitbringt, um ganz vorne mitzuspielen, jedoch ist er äußerst unbeständig und hat bei der O noch nie seine Form auf den Punkt gebracht. Sollte das endlich einmal gelingen, könnte es gleich weit nach vorne für ihn gehen.

Das derzeit vielleicht größte Nachwuchstalent: Nathan de Asha. Doch ist er schon bereit für die Top 6?


Nathan de Asha ist das derzeit wohl vielversprechendste Talent in der offenen Klasse. Unglaubliche Linie, tolle Muskelbäuche und eine unverschämt schmale Taille zeichnen ihn aus. Doch die Top 6 dürften auch in diesem Jahr noch nicht in Reichweite für Nathan liegen, dem aber durchaus die Zukunft gehören kann. Jedoch besteht auch das Risiko, dass er nicht über den Status des ewigen Talents hinauskommen wird.

Brandon Curry will in diesem Jahr ganz vorne angreifen. Doch dafür muss er seine Form auf den Punkt bringen und verbebesserte Beine präsentieren.


Diesen Status hat momentan Brandon Curry noch für sich gepachtet, wenngleich er in den letzten Jahren deutliche Fortschritte gemacht hat. Brandons Oberkörper ist eine Wucht, die Beine sind jedoch nach wie vor eine Schwäche und dazu zeigt Brandon immer wieder eklatante Formschwächen. Doch was wäre, wenn er mal richtig in Form kommt? Dann könnte er, wie auch Nathan, an den Top 6 rütteln. Sehr wahrscheinlich ist das jedoch nicht.

Markantes Posing und brutale Härte in der Beinrückseite zeichnen Lukas Osladil aus.


Top 10?

Neben den drei Dark Horses gibt es noch eine ganze Reihe von Athleten, die um den Einzug in die Top 10 kämpft. Prognosen sind hier äußerst schwierig. Spannend wird zu sehen sein, wie sich Lukas Osladil schlägt, der sich in den letzten Jahren extrem verbessert hat. Gleiches gilt für Juan Morel. Mit Spannung dürfte sicher auch das Debut von Sergio Oliva Jr bei der O erwartet werden.

Im Vorjahr durfte Flex Lewis seinen sechsten Titel bejubeln. Reicht es bei seinem letzten Start in der 212 für Nummer 7?


212: Flex greift zum letzten Mal nach dem Titel

Als sechsmaliger Titelträger geht Flex Lewis erneut als absoluter Topfavorit ins Rennen, sein letztes Rennen um d en 212-Titel, wie er bereits ankündigte. Und doch waren seine letzten Siege nicht so deutlich, wie es ihm wohl lieb gewesen wäre. Mit Ahmad Ashkanani hat er einen extrem starken Gegner, der jeden kleinen Fehler des amtierenden Champions zu nutzen versuchen wird. Spannend bis zuletzt bleibt die Frage, ob Hadi Choopan eine Einreisegenehmigung erhält. Sollte das doch noch passieren, könnte es für Flex sehr eng werden, denn nicht wenige sahen Hadi bereits im Vorjahr beim Asian Grand Prix vor Flex. Derzeit sieht es jedoch so aus, dass Hadi nicht einreisen darf und damit auch nicht in den Kampf um den Titel eingreifen kann.

Da es nicht danach aussieht, das Hadi Choopan noch eine Einreisegenehmigung bekommt, dürfte wohl erneut Ahmad Ashkanani der größte Konkurrent von Flex sein.


Die weiteren Plätze in den Top 6 werden vermutlich über Jose Raymond und David Henry entschieden. Die beiden Routiniers haben jeweils individuelle Stärken und Schwächen und werden nicht um den Sieg mitreden. Für einen Platz in den Top 6 kann es jedoch immer reichen. Mit Spannung warten wir auf den Auftritt des Schweizers Nicolas Vullioud, der sich zuletzt in beeindruckender Form zeigte und im Juli diesen Jahres in Portugal Hadi durchaus in Bedrängnis brachte. Und dann ist da auch noch Derek Lunsford, dem Mr. USA 2017, der im Vorjahr bei seinem Debut direkt den fünften Platz holen konnte und ganz vorne angreifen will.

2015 holte sich David Hoffmann bei der Amateur Olympia seine Pro Card. Nun will er in der Classic Physique in die Topränge vorstoßen.


Classic Physique: Breon, Chris oder gar David?

Titelverteidiger Breon Ansley wird auch in diesem Jahr ganz vorne mitspielen. Breon hat keine Schwäche, könnte aber im direkten Vergleich mit Chris Bumstead etwas weniger spektakulär wirken, zumal Chris allem Anschein nach nochmal zugelegt hat. Spannend wird auch der Auftritt von Regan Grimes, der in New York überraschend in die Classic Physique wechselte und dort auf Anhieb gewann. Regan ist massiver als Breon und Chris, hat gegenüber den beiden jedoch Nachteile hinsichtlich der Linie.

Breon Ansley holte sich im Vorjahr den Titel in der Classic Physique und dürfte auch in diesem Jahr ein Topanwärter auf den Titel sein.


Und dann ist da natürlich David Hoffmann, der nach einer starken Saison erstmals in Las Vegas auf der Bühne stehen wird. David ist an sich der Prototyp dieser Klasse, wird es aber vermutlich nicht leicht gegen die namenhafte Konkurrenz haben. Ein Platz in den Top 6 ist dennoch drin, wenn alles passt.

Chris Bumstead war schon 2017 für viele der wahre Champion. Reicht es in diesem Jahr für den Sieg?


Men’s Physique: Der nächste Seriensieger?

Jeremy Buedina geht als vierfacher Champion ins Rennen und alles andere als ein Sieg wäre eine große Überraschung. Dennoch: Die Leistungsdichte in der Klasse ist brutal. Zu den Mitfavoriten zählen sicherlich Andre Ferguson, Brandon Hendrickson, Raymont Edmonds und Jeremy Potvin.

Jeremy Buedina greift nach seinem fünfte Titel.


Pro Wheelchair: Die Premiere in Las Vegas

Erstmals wird es beim diesjährigen Olympia Weekend eine Konkurrenz in der Klasse Pro Wheelchair geben. Favorit dürfte der dreimalige Sieger der Arnold Classic Harold Kelley sein.

Nach drei Titeln in Columbus will Harold Kelley bei der Premiere der Klasse in Vegas natürlich auch hier abräumen.


Women’s Physique: Eine neue Königin wird gesucht

Juliana Malacarne ist das Maß aller Dinge in der Women’s Physique, wird aber in diesem Jahr aussetzen. Man darf also gespannt sein, wer sie beerben wird. Gute Chancen dürften Jennifer Taylor, Heather Grace und Kira Neuman sein.

Dieses gewohnte Bild wird es 2018 nicht geben, denn Seriensiegerin Juliana Malacarne setzt 2018 aus.


Fitness Olympia: Wer folgt auf Oksana?

Oksana Grishina dominierte die Klasse über Jahre. Nach ihrem Rücktritt und der Tatsache, dass mit Regiane da Silva die nächste Topathletin der vergangenen Jahre ebenfalls nicht antreten wird, wird es spannend. Den Sieg werden vermutlich Myriam Capes, Bethany Wagner und Ryall Gaber unter sich ausmachen, aber auch Whitney Jones sollte nicht unterschätzt werden.

Whitney Jones kommt nach ihrem Sieg in Columbus mit Rückenwind nach Las Vegas.


Figure Olympia: Ein Dreikampf um den Titel

Mit dem Sieg bei der diesjährigen Figure International kommt Candice Carter-Lewis mit viel Rückenwind. Doch reicht das? Auch im Vorjahr gewann sie in Columbus, um dann in Las Vegas Dritte hinter Latorya Watts und Vorjahressiegerin Cydney Gillon zu werden. Eine Prognose, wer dieser drei Athletinnen den Titel holen wird, ist pure Spekulation. Sicher scheint aber: Die Top 3 sind besetzt.

Candice Carter-Lewis siegte bereits zweimal in Columbus, doch in Las Vegas sollte es bisher nicht für einen Sieg reichen.


Bikini Olympia: Ashleys Rückkehr

Ashley Kaltwasser dominierte die Klasse über Jahre, bevor sie 2016 vom Thron gestürzt wurde und 2017 aussetzte. Jetzt ist sie zurück und wird Vorjahressiegerin Angelica Teixeira den Titel wieder abknüpfen wollen. Immer gefährlich in dieser Klasse ist auch Janet Layug.

Mit drei Titeln ist Ashley Kaltwasser die erfolgreichste Bikiniathletin in der Geschichte des Mr. Oylmpia. 2018 ist sie zurück, um Nummer 4 zu holen.


Ihr seht, wir haben einiges vor uns! Wie gewohnt werden wir live aus Las Vegas berichten und euch mit Bildern, Videos und Eindrücken versorgen! Wir wünschen euch viel Spaß beim diesjährigen Olympia Weekend mit Günther Schlierkamp!

Unser Experte für das Olympia Weekend 2018: Günther Schlierkamp.

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