Text 1: Bodybuilding - mehr als nur ein Sport

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Text 1: Bodybuilding - mehr als nur ein Sport

Beitragvon TEAM-ANDRO Redaktion » 15 Jul 2013 12:54

„Auch wenn du noch jung bist, es ist nie verkehrt etwas gegen die Schwerkraft zu tun!“, mit diesen Worten und einem Augenzwinkern trug der Trainer Brustpresse 3x 15 Wiederholungen a 10 kg ein. War ich mir vorher noch nicht ganz sicher gewesen, so war jetzt der Zeitpunkt gekommen, an dem ich ihn nicht mochte. Aber ich sagte nichts, vielmehr wurde ich ein wenig rot, denn es war meine erste Trainingsstunde. Stattdessen hörte ich weiter seinen Tipps zu; Adduktoren und Abduktoren darst du nicht trainieren, dadurch werden deine Beine nur dicker. Dreimal wöchentlich ein Ganzkörpertraining mit niedrigen Gewichten und vielen Wiederholungen und täglich 20 minuten Cardio. Dann erreichst du dein Ziel.
 
Verbissen fing ich an zu trainieren und wunderte mich. Ich wunderte mich, wieso ich nach 20 Minuten auf dem Crosstrainer nicht mal 100 kcal verbrannte. Wieso meine Beine nicht muskulöser wurden und wieso eigentlich jede Frau den gleichen Trainingsplan erhielt. Wieso kaum eine Frau am Ball blieb und bald das Fitnessstudio nicht mehr betrat. Warum sich manche Frauen die Brüste nach oben pressten und Bauch-weg-Slips unter ihren Leggings trugen.
 
Nach ein paar Monaten der erste Check-up. „Wenn du wirklich Muskeln an den Beinen aufbauen willst, musst du Kniebeugen machen. 3x 20 Stück“ Dazu drückte er mir einen Ball in die Hand, den ich dabei gegen die Wand werfen sollte. Es versteht sich von selbst, dass ich das nie gemacht habe.
„Du bist so weiblich. Du wirst nie anders aussehen, konzentrier dich auf Ausdauertraining“ sagte mir eines Abends der Trainer. Und da reichte es mir.
 
Also fing ich selbst an zu recherchieren, zu lesen und auszuprobieren. Ich suchte mir Basisübungen heraus. Kniebeugen, Ausfallschritte, Kreuzheben.
„Was machst du denn da mit der Langhantel? Leg sie mal weg und schließ dich doch lieber unserer Laufgruppe an. Wir trainieren für den Halbmarathon“ waren die ersten Reaktionen auf mein verändertes Training. Von den Frauen im Studio wurde ich betrachtet wie eine Außerirdische. „Was macht die da im Freihantelbereich?“
Ich begann mein Training zu splitten, plante feste Tage ein für Beine, Arme, Bauch, Schultern und Rücken. Ich erhöhte die Gewichte, minimierte die Wiederholungen und reduzierte das Cardio-Training, welches ich nie wirklich leiden konnte. Fast täglich war ich mittlerweile im Fitnessstudio anzutreffen.
 
Mit den ersten Erfolgen folgten auch die ersten dummen Kommentare. Jeder meinte mir etwas sagen zu müssen. Angefangen von harmlosen Sprüchen wie „Na Blondie, warst du heute wieder fleißig“ bis hin zu „Kein Mann will eine muskulöse und durchtrainierte Frau anfassen.“ Letzteres kam und kommt noch heute bevorzugt von Männern, deren Bizeps kleiner als der von mir ist.
 
Ich bin eine Frau, ich lackiere meine Nägel, ich blondiere mir die Haare, ich trage hohe Schuhe und auch kurze Kleider und Röcke. Ich mache mich gerne schön und ich will beim Training auch nicht aussehen wie aus der Altkleidersammlung. Aber deshalb bin ich noch lange keine Barbie, die man aufs Laufband stellt und dort stehen lässt.
 
 Aber auch von Frauen durfte und darf ich mir einiges anhören. „Guck mal wie sie übertreibt. Durch die Muskeln wirkt sie total kräftig.
 
Ich trainiere fast täglich. Ich weiß, was Splits und Sätze sind und wie man Hanteln benutzt. Ich habe Hornhaut an den Händen und habe schönere Oberarme als manch ein Trainer in meinem Fitnessstudio. Aber deshalb bin ich noch lange kein Mann.
 
Mittlerweile gibt es keine Check-ups mehr und mit der Laufgruppe lassen sie mich auch in Ruhe. Ich bin stolz auf mich selbst, weil die Verunsicherung durch die Anderen mich nie davon abgebracht hat, an meinem Ziel zu arbeiten. Und daran arbeite ich immer noch.
Auch wenn man es als Frau schwerer hat im Bereich Bodybuildung, so darfst du nie aufgeben. Du kannst nicht wie jemand anderes werden. Aber wenn du an dich glaubst, kannst du die beste Version von dir selbst werden!


Wer die Werbung nicht mag, der kann sie in seinen Persönl. Einstellungen ausschalten.
 


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