Wie viel Kritik muss sich ein Wettkampfbodybuilder...

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Wie viel Kritik muss sich ein Wettkampfbodybuilder...

Beitragvon Fazcinate » 08 Sep 2010 15:50

...gefallen lassen?

Von Frank-Holger Acker, 05.09.2010 (No Brain - No Gain #16/2010)

link: http://www.team-andro.com/wie-viel-krit ... assen.html

Die Idee zu dieser "No Brain – No Gain"-Ausgabe kam mir erstmals vor ein paar Tagen beim Verfolgen einiger Threads im Wettkampfbereich des Forums. Genauso wie ein Athlet mit Lob überschüttet wird, wenn er gute Leistungen bringt, kann sich die Windrichtung schnell drehen, wenn es möglicherweise in dem ein oder anderen Wettkampf nicht mehr so gut funktionierte, wie in den Jahren davor, oder erwartete Steigerungen ausblieben. Und genauso wie Kritiker in Internetforen daraufhin immer wieder laut werden, werden auch die Stimmen, die sich gegen solche Art von Kritik aussprechen, in diesen Momenten nie leiser. - Wie viel Kritik muss ein Wettkampfbodybuilder sich also gefallen lassen? Ein Antwortversuch..



Designer Whey

Nun, wie einleitend geschrieben, kann dieser Artikel nur einen Versuch darstellen und soll sicherlich keine Position über den Köpfen aller sein. Viel mehr handelt es sich um einen schriftlich festgehaltenen Gedankengang.

Zuerst einmal ist eine Wettkampfdiät im Bodybuilding keine angenehme Sache und nicht annähernd mit dem vergleichbar, was viele Leser sicherlich bereits für das Freibad, das andere Geschlecht oder das eigene Wohlbefinden hinter sich gebracht haben. Man muss schon einen enormen Willen besitzen, um eine Wettkampfdiät in vollem Maße und mit voller Disziplin durchzuhalten und spätestens, wenn die letzten Tage anbrechen, die eigene Energie im Keller ist, man jeden Tag nur noch an Essen denkt und man damit beginnt die Salzzufuhr zu erhöhen, ist man an einem Punkt angelangt, die der Großteil aller Trainierenden niemals erleben werden.

Hinzu kommt die Tatsache, dass es niemanden interessiert, ob man einen Tag vor oder nach dem Wettkampf die Form seines Lebens hat. Das mag gut für anschließende Shootings sein, die Judges interessieren sich jedoch nur für den einen Moment, wenn der Athlet auf der Bühne steht und versucht all seine Muskeln unter Spannung zu halten, während das Gesicht ausdrücken soll, dass man dies am liebsten den ganzen Tag machen würde.

Das sollte jedem bewusst sein: Nur weil man sportlich Auto fährt, ist man kein Rennfahrer, genauso wie das Durchhalten einer Diät noch lange nicht die Dimensionen einer Wettkampfdiät umfässt.

Auf der anderen Seite stehen diese Jungs nur auf Bühnen, weil es Fans gibt. Und wenn Person A von Hersteller B Supplement X kauft, weil er Fan vom gesponserten Bodybuilder Y ist, der dieses Supp laut eigener Aussage selbst benutzt und darauf in voller Gänze vertraut, so finanziert man diesen Bodybuilder mehr oder weniger direkt sicherlich mit. Bis zu welchen Dimensionen dies führen kann, zeigt sicherlich der Profifußball in Deutschland, bei dem jeder eine Meinung hat und die Äußerungen wohl oftmals deutlich dramatischer sind, als es Wettkampfbodybuilder erleben müssen. Doch wie bei der Wettkampfdiät verwechseln wohl auch hier einige das Kicken am Wochenende mit dem Profigeschäft, das heutzutage unglaublich viele Faktoren hat.

Dennoch, und da führt kein Weg dran vorbei, würde es keine Wettkampfbodybuilder ohne ihre Fans geben. Überspitzt ausgedrückt, arbeitet ein Profibodybuilder für seine Fans und wenn ich schlechte Arbeit leiste, so muss ich dazu stehen und mich meist auch rechtfertigen. Egal, ob mein Arbeitgeber Ahnung davon hat, was ich mache, oder nicht.

Wie schließt man also einen Kompromiss? Nun, zum einen spielt der Ton ohne Frage immer die Musik. Ich kann jemandem sagen, dass ich seine Form absolut beschissen finde, oder ich kann sagen, dass die Ladephase nicht so wirklich hin gehauen hat und er beim letzten Wettkampf deutlich härter und vaskulärer war. Das mag beides dieselbe Intention haben, jedoch ist die zweite Variante nicht nur respektvoller, sondern zeigt auch, dass man sich über das Geäußerte Gedanken gemacht hat. Ein jeder wird es aus den eigenen Beobachtungen kennen und wissen, dass man andere je nach Einstellung, die man zu diesen Personen hat, behandelt. Verhält sich jemand mir gegenüber wie ein Arschloch, behandle ich ihn wie ein Arschloch. Bringt mir jemand Respekt entgegen, was in diesem Zusammenhang nicht bedeutet, dass man ein Fan-Boy-Verhalten an den Tag legen soll, bekommt er meinen Respekt.

Zum anderen ist es sicher nicht so, dass man selbst erst einmal eine Wettkampfdiät durchgezogen haben muss, um sich eine Meinung erlauben zu dürfen. Bodybuilding hat seine Wurzeln in Aufführungen auf dem Jahrmarkt und bei Festen und wie sein Vorfahre lebt auch das heutige Bodybuilding von den Zuschauern. Nun, wenn ich schon eine Wettkampfdiät nicht als Kriterium anführen würde, ob jemand sich äußern darf, so wäre jedoch ein Besuch bei einem Wettkampf live vor Ort keine verkehrte Sache. Inzwischen gibt es so viele Verbände mit teils einigen regionalen Meisterschaften, dass es kein Problem sein sollte, dies über kurz oder lang zu realisieren.

Ohne Frage darf dies jedoch kein Ausschlusskriterium sein: Ich kann auch Fan eines Rockstars sein, ohne jemals ein Konzert von ihm besucht zu haben und besitze dennoch sicherlich das Recht mich zu äußern. Das sollten diejenigen, die am liebsten jede negative Kritik im Keim ersticken würden, ebenso wenig vergessen.

Letztendlich, und das wurde eingangs bereits angedeutet, ist dieses emotionale Thema sicherlich nicht mit schwarz oder weiß zu beantworten, dafür spielen einfach zu viele Faktoren eine Rolle. Wichtig ist jedoch, dass man sich gerade des gebotenen Respekts bewusst sein sollte und das Internet nicht als wärmende Decke der Anonymität missbrauchen, sondern vielmehr als Chance verstehen sollte, sich mit gleich Interessierten an einem gemeinsamen Ort konstruktiv auszutauschen.

Der Gran Prix in Spanien steht vor der Tür und auch der Mr. Olympia 2010 lässt nicht mehr lange auf sich warten und sicherlich wird die ein oder andere Erwartung einiger Personen nicht erfüllt. Genau dann sollte man sich diesen Artikel ins Bewusstsein rufen.


Diskussions-Thread wie-viel-kritik-muss-sich-ein-bodybuilder-gefallen-lassen-t182747.html
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