Magic Mushrooms

Pilze für Bodybuilder

Pilze sind schon seltsam. Neben Tieren und Pflanzen bilden sie ihr ganz eigenes Reich. Insbesondere als konzentrierter Extrakt entfalten einige medizinische Pilze ihre volle Wirkung und bieten damit ein breites Anwendungsgebiet: Vom Gesundheitsbooster bis zur Leistungssteigerung. Es gibt über 1.5 Millionen verschiedene Arten, aber nur etwa 300 von ihnen wirken sich positiv auf uns aus. Im folgenden Artikel möchte ich euch die meist genutzten und vielversprechendsten Vertreter vorstellen.

Cordyceps Sinensis - Chinesische Raupenpilz

Cordyceps Sinensis ist im Himalaya zu Hause und wurde dort schon vor tausenden von Jahren genutzt. im Jahre 1993 wurde dieser Pilz durch die Olympiade bekannt. Damals gewannen chinesischen Frauen im 1500 m, 3000 m und 10.000 m Laufen und brachen dabei die früheren Weltrekorde. Ihr Coach schrieb ihren Erfolg unter anderem dem supplementierten Cordyceps zu.1

Vorteile des Chinesischen Raupenpilz

ATP dient unserem Körper als primäre Energiequelle. In Cordyceps finden wir Adenosin, eine Vorstufe des ATPs, welches unser Körper daraus dann produzieren kann. Darüber hinaus gibt Cordyceps einem einen kleinen Energieschub- ähnlich wie Koffein, weil beide an die gleichen Rezeptoren im Gehirn andocken. Das führt zu einer besseren Ausdauer und Vitalität.

In einer kleinen Studie wurde dabei die "Zeit bis zur Erschöpfung" um bis zu 8 % gesteigert und gleichzeitig die Herzfrequenz im Durchschnitt um fünf Schläge die Minute verringert.2 Gleichzeitig konnte die VO2max (kurz gesagt- die maximale Sauerstoffaufnahmefähigkeit) um fast 10 % gesteigert werden3, was einem, einen riesigen Vorteil verschaffen kann.

Der chinesische Raupenpilz gehört zu den sogenannten Adaptogenen und ermöglicht uns, vor Schäden durch übermäßigen chronischen Stress zu schützen. Zusätzlich scheint Cordyceps sich sehr positiv auf unsere Immunsystem auszuwirken, fördert unsere Immunabwehr und zeigt insbesondere durch die erhöhte Aktivität der natürlichen Killerzellen, eine schützende Wirkung gegen Krebs und Infektionen.

Selbst in der Autoimmunerkrankung Multiple Sklerose wurde ein Medikament basierend auf einen Cordyceps Inhaltsstoff entwickelt.

Zu guter Letzt wird unser Leberstoffwechsel verbessert, unsere Nieren geschützt und unsere Insulinsensibilität positiv beeinflusst.4 Auch scheinen Bestandteile wie Cordycepin in der Lage zu sein, unser Testosteronlevel positiv zu modulieren.5

Alles in allem ist Cordyceps ein echtes Allroundtalent. Besonders profitieren Sportler, bei denen die Ausdauer im Fokus steht, von Marathonläufer bis Kampfsportler. Allerdings auch Menschen mit langanhaltendem Stress oder einfach Athleten, die mehr aus sich herausholen wollen. Insbesondere die Möglichkeit unsere Ermüdung hinauszuzögern, kann uns im Fitnessstudio einen extra Reiz geben. Auch während einer Diät kann eine Supplementierung von Vorteil sein, weil wir dabei zusätzlichem Stress ausgesetzt sind.

Viele renommierte Supplementhersteller wurden auch schon auf Cordyceps aufmerksam und bieten dementsprechende Pilzextrakte an. Es wird generell eine Zufuhr von 1000 mg bis 3000 mg täglich empfohlen. Am besten auf nüchternen Magen.

Reishi - Glänzender Lackporling

Genauso wie Cordyceps, wird Reishi schon über 2000 Jahren in der traditionellen Chinesischen Medizin genutzt und ist damit keineswegs eine neuartige Modeerscheinung. Insgesamt finden sich über 400 bioaktive Substanzen in diesem Pilz, darunter unter anderem Polysacharide, Glykoproteine, Terpenoide, Nukleotide und Phenole. Die genaue Wirkungsweise vieler Substanzen ist dabei noch nicht vollends geklärt.


Vorteile des Glänzenden Lackporlings

Reishi gehört wie Cordyceps zur Gruppe der Adaptogene und ist damit besonders in außergewöhnlichen Stresssituationen hilfreich. Selbst der erfahrene und bekannte Strengthcoach, Charles Poliquin, verwendet einen Reishi-Extrakt bei seinen Athleten, um unser Stresshormon Cortisol in Schach zu halten.6 Er verwendet dabei einen konzentrierten Extrakt als natürliches Entspannungssupplement und nutzt den positiven Einfluss auf unseren Schlaf. Sein genereller Leitspruch lautet: Es gibt für alle Situationen einen Pilz.

Doch damit nicht genug. Die Inhaltsstoffe wirken nachweislich stark anti-entzündlich, immunomedulatorisch, bekämpfen Atherosklerose, wirken antibakteriell und antiviral, beschützen die Leber (selbst bei Hepatitis), erhöhen die Insulinsensibilität, schützen vor Krebs, senken den Blutdruck, zeigen Wirkung in Alzheimers/ Parkinson und noch vieles mehr.7,8 Die möglichen Anwendungsgebiete sind unzählbar und könnten alleine schon einen ganzen Artikel füllen. Kein Wunder, dass dieser Pilz auch unter dem Namen Pilz der Langlebigkeit bekannt ist.

Typischerweise startet man mit 200 mg Extrakt direkt vor dem Schlafengehen.

Hericium erinaceus – Affenkopfpilz

Auch besser bekannt als Lions Mane, wächst dieser Pilz auf natürlicherweise in Asien, Nordamerika und in Teilen von Europa. In der traditionellen chinesischen Medizin wird der Affenkopfpilz insbesondere für Krankheiten aller Art rund um unser Gehirn, peripheres Nervensystem / Muskelkoordination und Verdauung verwendet.


Vorteile des Affenkopfpilz

Neue Studien bestätigen auf wissenschaftliche Weise nur, wofür dieser Pilz schon seit tausenden Jahren genutzt wird: Die Inhaltsstoffe dieses Pilzes sind in der Lage unsere Neurogenesis (Neugewinnung von Nervenzellen) über einen Nerven-Botenstoff anzuregen.

Des Weiteren wird die Myelination (die Isolierung rund um unsere Nervenzellen) angeregt und Beta-Amyloid Ablagerungen (ein Marker für Alzheimer) verringert. Auch bei Angstzuständen und Depressionen konnte Lions Mane in klinischen Studien unterstützend wirken.

Die Wirkung von Lions Mane auf unser Nervensystem machen sich Supplementherstellern zu Nutzen. Sie wenden Extrakte insbesondere in Entspannungs- und Regenerationssupplemente, als Lernhilfen oder auch in Preworkout-Boostern an. Besonders in Trainingsboostern macht ein Extrakt Sinn, weil unser Nervensystem vor übermäßigen Stress geschützt und gleichzeitig die Regeneration unterstützt wird.

Für ein 10:1 Extrakt empfehlen sich 500 mg bis 1000 mg täglich aufgeteilt auf ein bis drei Portionen am besten auf nüchternen Magen.

Chaga - Schiefer Schillerporling

Chaga findet man in besonders kühlen Regionen unserer Erde, wie z.B. in den Wäldern Sibiriens, Europa oder Nordamerika. In den letzten Jahren entstand ein wahrer Chaga-Hype, besonders Biohacker und Fitnessenthusiasten schwören auf seine gesundheitsfördernde Wirkung. Besonders fünf Inhaltsstoffe stehen dabei im Fokus: Polysacharide, Beta-D-Glucan, Phytosterole, Betulin und Betulinsäure, SOD (Superoxid Dismutase).

In Sibirien nennt man diesen Pilz auch Pilz der Unsterblichkeit und tatsächlich ist diese Art auf seine Weise einzigartig: Dieser Pilz ist sehr hart und wächst symbiotisch an Birken. Um dabei in der lebensfeindlichen Umgebung zu wachsen und um sich selbst zu schützen, konzentriert der Schillerporling viele natürlich vorkommende Substanzen in seinem Fruchtkörper.9

Vorteile des Schiefer Schillerporlings

Wenn man über Superfood redet, darf Chaga nicht fehlen. Oft wird auf den besonders hohen Gehalt an Antioxidantien hingewiesen, denn im Vergleich zu Chaga ziehen Goji-Beeren, Blaubeeren und Co. den Kürzeren. Zum Vergleich wird der sogenannte ORAC Score genutzt, um die Antioxidative Aktivität eines Lebensmittels zu messen. Chaga kommt dabei auf bis zu 146.000 Einheiten. Acai-Beeren kommen im Vergleich auf knapp 80.000.10

Antioxidantien schützen all unsere Zellen vor freien Radikalen, welche unter Umständen, diese Beschädigen können. Auf diese Weise war Chaga selbst bei Parkinson und entzündlichen Darmkrankheiten hilfreich.11,12

Neben der Gesundheit ist die Leistungsfähigkeit ein zentraler Aspekt für uns Sportler. Chaga kann euch dabei gleich auf mehreren Ebenen unterstützen: Chaga aktiviert Stoffwechselvorgänge, die eure Insulinsensibilität und Energiestoffwechsel direkt positiv beeinflussen.13 Darüber hinaus konnten in Tierversuchen während dem Training die Laktat-und Harnstoffstoffwerte verringert werden. Zusätzlich vergrößerten sich die Glykogenspeicher im Muskel und der Leber. Das führt alles in allem zu einer verbesserten Ausdauer und höherem Energielevel.14

Doch damit noch nicht genug, der Schillerporling wirkt auf die gleiche Weise wie Aspirin und Ibuprofen und stellt damit eine natürliche Alternative dar.15

Eine typische Dosierung startet mit 1000 mg als Extrakt und kann bis auf 2000 mg bei Bedarf erhöht werden. Optimal wäre die Einnahme auf nüchternen Magen. Vorsicht ist bei Menschen mit Vorerkrankungen der Niere geboten. Die höheren Oxalatwerte können bei ihnen zu Nierensteinen und Nierenschäden führen.

Coprinus comatus - Schopftintling

Ist ein interessanter Pilz, der auch in Europa heimisch ist. Im weitesten Sinne gehört er zu den Verwandten des bekannten Champignons und ist normalerweise ein Speisepilz.

Vorteile des Schoptintlings

Insulinsensibilität ist ein beliebtes Thema und das insbesondere in den letzten Jahren. Jeder der sich in einer Diät befindet oder auch Athleten, die sich im Aufbau befinden, profitieren besonders von einer besseren Insulinsensibilität. Menschen mit einer besseren Insulinsensibilität können den Blutzuckerspiegel besser regulieren. Das unterstützt die Bauchspeicheldrüse und verringert das Ansetzen von Hüftspeck. Kohlenhydrate landen somit direkt in den Muskeln und nicht in der Fettzelle, wenn sich entsprechend bewegt wurde.

Dieser Pilz ist besonders in der Lage, eure Insulinsensibilität deutlich zu verbessern.16,17 Mit dieser Wirkungsweise spielt er vor allem auch bei Diabetikern eine große Rolle. Aber auch Menschen mit einer genetisch schlechteren Insulinsensibilität sollten schon einmal diesen Pilz ausprobiert haben.18

Starten sollte man mit einer Dosierung ab 1500 mg, am besten aufgeteilt in zwei Dosen auf nüchternen Magen.

Wie sieht es bei euch aus? Habt ihr Erfahrung mit einer dieser Pilzeextrakte?

Quellen

  1. Effect of Cs-4® (Cordyceps sinensis) on Exercise Performance in Healthy Older Subjects: A Double-Blind, Placebo-Controlled Trial
  2. PeakO2: Performance Enhancing Mushrooms
  3. VO2 Max: What is it? What does it mean? Can you improve it?
  4. Cordyceps sinensis
  5. Cordyceps
  6. There Is Always Mushroom For Improvement
  7. Ganoderma lucidum: a potent pharmacological macrofungus
  8. 20 Amazing Health Benefits Of Ganoderma Mushrooms
  9. The "Gift from God"
  10. ORAC Wert – der Chaga Pilz ist die Nummer 1
  11. 3,4-dihydroxybenzalacetone protects against Parkinson's disease-related neurotoxin 6-OHDA through Akt/Nrf2/glutathione pathway
  12. Chaga mushroom extract inhibits oxidative DNA damage in lymphocytes of patients with inflammatory bowel disease.
  13. Extract of Chaga mushroom (Inonotus obliquus) stimulates 3t3‐l1 adipocyte differentiation
  14. Effect of Inonotus Obliquus Polysaccharides on physical fatigue in mice
  15. In situ click chemistry generation of cyclooxygenase-2 inhibitors.
  16. Ivo Bianchi: "Moderne Mykotherapie"; Hinckel Druck, 2008
  17. Han C., et al.: "Hypoglycemic activity of fermented mushroom of Coprinus comatus rich in vanadium"; Journal of Trace Elements in Medicine and Biology. Vol. 20(3):191-196, 2006
  18. Diabetes

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