Showdown in Florida

Tim Budesheim vs. Roman Fritz: Tampa Pro 2022

In der drittgrößten Stadt Floridas und Heimat der Tampa Bay Buccaneers rund um Starquarterback Tom Brady findet an diesem Wochenende die Tampa Pro 2022 statt. Mit dabei sind unter anderem Akim Williams, der wohl als Topfavorit ins Rennen geht, dem ehemaligen 212 Mr. Olympia Kamal Elgargni, der nun in der offenen Klasse startet und Quinton Eriya, der in den letzten Jahren eine beeindruckende Entwicklung durchlaufen hat. Und dann ist da noch das deutsche Duell, das erste Aufeinandertreffen von Tim Budesheim und Roman Fritz auf einer Wettkampfbühne, zweier Teamkameraden, die körperlich unterschiedlicher kaum sein könnten.



Das deutsche Duell: Tim Budesheim vs. Roman Fritz


Das Duell der beiden ESN-Athleten ist aus deutscher Sicht natürlich das dominierende Thema des Wochenendes. Auf der einen Seite Tim Budesheim, der den letzten Wettkampf der Saison bestreiten wird, einer Saison, in der er Fortschritte zeigen konnte, aber auch eingestehen musste, dass diese Fortschritte nicht ausreichend waren, um seine hochgesteckten Ziele zu erreichen. Auf der anderen Seite Roman Fritz, dessen letzter Profiwettkampf nunmehr vier Jahre zurückliegt und der sich nach seinen schwerwiegenden gesundheitlichen Problemen wieder zurück gekämpft hat, eben so wie man es von Roman kennt. Für ihn ist die Tampa Pro der Auftakt einer Wettkampfserie, bis zu zehn Wettkämpfe hat er angekündigt. Das große Ziel: der Mr. Olympia im Dezember in Las Vegas. Ein Ziel, das Tim für dieses Jahr aufgegeben hat. Doch schauen wir uns die beiden Kontrahenten einmal ein wenig genauer an.


Muskelmasse


Tim stand zuletzt mit etwas unter 110 Kilogramm bei einer Größe von 176 cm auf der Bühne, Roman peilt ein etwas höheres Wettkampfgewicht an, ist aber auch vier Zentimeter größer. Tim hatte zuletzt in Sachen Masse keine gravierenden Nachteile gegenüber den Athleten, die sich vor ihm platzierten, sieht man einmal vom mittleren und unteren Rücken ab (dazu gleich mehr). Roman wirkte bei seinen letzten Wettkämpfen häufig schmal im Vergleich zu der Konkurrenz, stand jedoch auch vier Jahre auf keiner Bühne mehr, sodass Prognosen in diesem Punkt sehr schwierig sind. Insgesamt kann man aber davon ausgehen, dass Tim hier leichte Vorteile haben wird.

Härte


Wenn man sich bei Roman auf eines verlassen kann, dann ist es eine extreme Wettkampfhärte. Aber auch Tim zeigte sich zuletzt komplett „abgezogen“. Und doch wirken beide sehr unterschiedlich: Tim zeigt den klassischen „grainy“ Look, der häufig an Dorian Yates erinnert, ist äußerst vaskulär, Roman kann dafür vor allem in den Beinen mit den tieferen Einschnitten punkten.



Linie


Tim ist von beiden mit Sicherheit der kompaktere Athlet, der jedoch seit der letzten Saison seine Linie deutlich verbessern konnte. Von vorne war Tim zuletzt absolut konkurrenzfähig und hätte viele Posen gegen vor ihm platzierte Athleten gewinnen müssen. Seine klare Schwäche ist derzeit die Doppelbizepspose von hinten, bei der deutlich wird, dass es ihm noch an Masse im Bereich des mittleren und unteren Rückens fehlt. Romans Linie wirkt durch die schmale Taille und die ausladenden Oberschenkel und Schultern klassischer. Die seit 2018 hinzugekommene Masse im Bereich der Adduktoren lässt die Beine von vorne voller wirken, was früher zum Teil etwas fehlte. In Sachen Linie hat Roman damit klare Vorteile.

Präsentation


Tims Präsentation wurde in der Vergangenheit häufig als zu ungelenk und unsicher kritisiert. Diese Kritik hat er sich spürbar zu Herzen genommen. Das Posing ist zwar nach wie vor ausbaufähig, aber wirkt deutlich souveräner als noch 2021. Gleiches gilt für die Bühnenpräsenz. Roman hat in Sachen Präsentation sicherlich leichte Vorteile, jedoch besteht bei ihm, der immer 200 Prozent erreichen will, jederzeit das Risiko, dass er es dabei übertreibt, wodurch seine Präsenz auf der Bühne durchaus leiden kann.

Standing


Auch wenn dieser Punkt eigentlich keine Rolle bei einem sportlichen Wettkampf spielen sollte, sind die Judges natürlich nicht ganz frei von externen Einflüssen. Tim war in den letzten Jahren auf den Wettkampfbühnen deutlich präsenter, wenngleich auch primär in Europa. Roman kommt nach einer langen Pause zurück und hat im Vergleich zu Tim auf dem Papier die deutlich schlechteren Profiergebnisse vorzuweisen. Dafür ist er in den USA gut vernetzt und bekannt. Dennoch dürfte Tim hier durchaus leichte Vorteile haben.

Fazit


Im Endeffekt wissen wir nun also, dass wir nichts wissen. Da die beiden noch nie auf der Bühne aufeinandergetroffen sind und Romans letzte Wettkämpfe doch einige Zeit zurückliegen, sind alle Vergleiche höchst schwierig und in den meisten Fällen spekulativ. Wie heißt es so schön: Die Wahrheit liegt auf der Bühne… Aber was meint ihr? In unserem Forentopic findet ihr hierzu eine Abstimmung.



Doch einmal abseits des innerdeutschen Duells: Ist ein Sieg für einen der beiden möglich?

Schwierig! Denn die Konkurrenz ist hochklassig und namenhaft. Werfen wir einen Blick auf die aussichtsreichsten Kandidaten:

Akim Williams: Der Topfavorit


Sechster des Mr. Olympia 2020, Neunter des Mr. Olympia 2021, zwei Profisiege, diverse Top 3-Platzierungen: Akim ist ohne jeden Zweifel der Athlet, den es in Tampa zu schlagen gilt. 2021 holte er weit weg von einer Topform in Puerto Rico den Sieg unter anderem gegen Andrea Presti und Andrea Muzi, die beide zuletzt Tim hinter sich ließen. Akim vereint brachiale Masse mit einer immer noch ansprechenden Linie, hat unfassbare Arme, einen starken Rücken und gute Beine. Sollte er in Topform kommen, wird es extrem schwierig, ihn zu schlagen.



Kamal Elgargni: Der Veteran


212 Mr. Olympia, 212 Arnold Classic-Sieger: Kamal hat in dieser Klasse alles gewonnen, was es zu gewinnen gab. Daraufhin gab er 2019 nach seinem Sieg beim Mr. Olympia seinen Rücktritt bekannt, um diesen kurze Zeit später zu widerrufen und einen Klassenwechsel in die offene Klasse zu wagen. Kamal hat eine unfassbare Muskelqualität, die man beispielsweise an den Details im Rücken sehr gut erkennen kann. Aufgrund seiner im Vergleich zur Konkurrenz geringeren Körpergröße wirkt er trotz einer gefälligen Linie äußerst kompakt. Dazu kommt eine im Grunde immer nahezu perfekte Form und die Ausstrahlung und Präsentation eines Champions. Kurzum: Kamal ist verdammt schwer zu schlagen.



Quinton Eriya: Das Darkhorse


„Worlds best genetics“, „Future Mr. Olympia“, so lauten die Titel von Videos, die von dem Kanadier handeln. Und keine Frage: Quintons Linie, seine Proportionen, die runden Muskelbäuche, das ist schlicht sensationell. Bislang fehlte ihm schlicht die nötige Masse, um ganz vorne mitzuspielen, doch das Material, was man derzeit von ihm in sozialen Netzwerken finden kann, lässt erahnen, dass Quinton seine Offseason sehr erfolgreich genutzt hat.



Diese drei dürften die Topfavoriten in Tampa sein und damit auch die Athleten, mit denen sich die beiden deutschen Athleten werden messen wollen und müssen, wenn sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden wollen. Das restliche Feld (soweit heute bekannt) ist sicherlich nicht aus den Augen zu lassen, aber wenn Tim und Roman ihre bestmögliche Performance abrufen können, sollte für beide ein Finalplatz möglich sein.

Infos zum Livestream


Ob es dazu kommt, das erfahrt ihr natürlich im Laufe des Samstagabends hier bei uns.

Wer live dabei sein will, dem sei der Livestream ans Herz gelegt.

Das Prejudging ist für 17:30 Uhr deutscher Zeit angesetzt, das Finale für 21:30 Uhr.

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