Nierenversagen

Probekapitel des Buches "Krank durch Doping"

Hinweis der Redaktion:
Beim nachfolgenden Text handelt es sich um ein Probekapitel des Buches "Krank durch Doping" des erfolgreichen Ex-Bodybuilders Ingo Bolz.


Wir befinden uns im August 2005, dem wohl mit Abstand miserabelsten Monat meines Lebens. Ohne vorherige Symptome, die auf ein Nierenversagen hätten hindeuten können (aus meiner Sicht), hatten meine Nieren die Funktion eingestellt. Ich bekam acht Tage vor meiner Einlieferung ins Krankenhaus einen grippalen Infekt, begleitet von Fieber, Husten, Schnupfen, Durchfall, Übelkeit, Erbrechen usw.

Hört sich ja bis jetzt nach einer normalen bis starken Viruserkrankung an. Aber dieses geschilderte Krankheitsbild besserte sich nach über einer Woche Bettruhe überhaupt nicht. Als sich ab dem achten Tag an einigen Körperregionen starke Ödeme (Wasseransammlungen) bildeten und ich auf der Toilette kein Wasser (Urin) mehr lassen konnte, war mir eigentlich klar, dass mit meinem Körper etwas nicht in Ordnung war.

Vor meiner Erkrankung lag mein Körpergewicht bei 105 kg, jetzt jedoch stieg es rasch auf 115 kg, obwohl ich an starker Übelkeit litt, und das bei einer sehr geringen Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme. Meine Diagnose konnte ich dann schon selbst stellen, nachdem ich einen Blick in meine schlauen Medizinbücher und in den Spiegel geworfen hatte. Da wurde mir klar: Nierenversagen (Niereninsuffizienz). Mein Verdacht bestätigte sich später im Krankenhaus, wohin ich mich nach intensivem Drängen meiner Frau begeben hatte. Wer weiß, wie lange ich gewartet hätte, bis ich selbst zu diesem Entschluss gekommen wäre.

Im Krankenhaus angekommen, wurde ich nach einer kurzen Untersuchung in der Notfallstation innerhalb weniger Minuten auf die Intensivstation gebracht. Dort stellte man sofort fest, dass man mich nicht ausreichend behandeln könnte, deshalb sollte ich in ein anderes Krankenhaus verlegt werden. Das geschah alles blitzschnell, ab in den Krankenwagen und mit Blaulicht in ein anderes Krankenhaus. Ich verstand die ganze Aufregung und die Verlegung in ein anderes Krankenhaus nicht, ich dachte nur:
Du bist im falschen Film.

Meiner Frau und mir wurde mitgeteilt, dass ich mich in Lebensgefahr befände. Aber selbst zu diesem Zeitpunkt wurde mir der Ernst der ganzen Angelegenheit immer noch nicht bewusst. Da ich mich mitten in der Wettkampfvorbereitung befand, war das Erste, was ich zu meiner Frau sagte: Jetzt kann ich ja gar nicht an der deutschen Meisterschaft und an der Mr.-Universum-Wahl in Aachen teilnehmen, oder schaffe ich das noch bis November? War etwa meine ganze Vorbereitung umsonst? Unglaublich, oder? Die Wettkampfvorbereitung war selbst in so einer ernsten Situation wie immer das Wichtigste. Mir war meine lebensbedrohliche Lage irgendwie nicht bewusst, sonst hätte ich bestimmt nicht so einen Blödsinn geredet.

Doch so langsam wurde mir meine ernste Situation klar, wozu ich aber sehr viel Zeit brauchte. Ich merkte, nachdem man mich darauf hingewiesen hatte, wie mein Herz raste. Erst dann kam mir der Gedanke, dass ich mich wohl wirklich in Lebensgefahr befinden könnte. Ich glaube, dass ich die bittere Wahrheit nur irgendwie verdrängen wollte. Mein Blutdruck und meine Pulsfrequenz waren wirklich erschreckend hoch. Als sich dann noch innerhalb weniger Minuten einige Ärzte an meinem Bett versammelten, bekam ich es doch langsam mit der Angst zu tun. Während meiner Behandlung wurden mir natürlich einige unangenehme Fragen gestellt. Da es – glaube ich – zu diesem Zeitpunkt nicht zu übersehen war, dass ich sehr intensiv Bodybuilding betrieb, kann sich jeder vorstellen, was für Fragen auf mich einregneten. Nehmen Sie Hormonpräparate, Anabolika, anabole Steroide? Nehmen Sie Drogen oder Schmerzmittel? Um nur einige zu nennen.

Natürlich hatte ich die Einnahme einiger Hormonpräparate zugegeben, da es mit Sicherheit nicht möglich gewesen wäre, dies vor den Ärzten zu verheimlichen, allerdings nicht aller Präparate. In solch einer Situation ist es wohl vernünftiger, die Wahrheit zu sagen. Denn bei den Bluttests wäre ja so oder so zumindest mein deutlich erhöhter Testosteronwert zutage gekommen, dies war mir klar. Mit einer Lüge wäre ich spätestens dann aufgeflogen, das wäre doch nur peinlich gewesen. Durch die Labortests wäre eine Einnahme der besagten Hormonpräparate bewiesen worden.

In den darauf folgenden Tagen versuchte man, meine Nierenfunktion mit einer medikamentösen Therapie zu retten, was sich leider als weniger erfolgreich erwies. Da es mir zusehends schlechter ging, legte man mir einen Katheter in eine entsprechend große Körpervene in den Halsbereich, um mich eventuell dialysieren zu können. Die Ödeme hatten sich mittlerweile auf meinem ganzen Körper verteilt. Ich war so aufgedunsen, dass mir noch nicht einmal die weißen Krankenhaushemdchen mehr passten.

Nach einer anschließenden Nierenpunktion (Nierenbiopsie) wurde mir mitgeteilt, dass mein Nierengewebe sehr schwer geschädigt sei und ich in naher Zukunft vorerst regelmäßig zur Dialyse (Blutwäsche) müsste. Nach einigen Dialysen in den darauf folgenden Tagen ging es mit meinem Allgemeinbefinden wieder aufwärts, was sehr erfreulich war. Nachdem mein Zustand sich etwas stabilisiert hatte, wurde in einer kleinen Operation der Katheter vom Hals in den Brustbereich verlegt. Diese Verlegung des Katheters war für mich eine willkommene Erleichterung, da mein Bewegungsspielraum nach diesem Eingriff nicht mehr so eingeschränkt war. Endlich konnte ich mich wieder einigermaßen frei bewegen, was mir aber in den ersten Tagen ohne Hilfe sehr schwerfiel, weil ich mich wirklich sehr geschwächt fühlte. Selbst Treppensteigen war einfach zu anstrengend und in den ersten Tagen nach meinem Gastspiel auf der Intensivstation nicht zu bewältigen. Ich war zu diesem Zeitraum körperlich am Ende.

Nach einigen Wochen Aufenthalt im Krankenhaus wurde mir schonend beigebracht, dass ich zukünftig dreimal wöchentlich für jeweils sechs Stunden zur Dialyse müsste und wohl keine Besserung in Aussicht wäre. Das war eine sehr bittere Diagnose. Ich kann mir sparen, meine damaligen Gefühle zu beschreiben, denn die könnte ich nicht in Worte fassen. Der Wettkampfbodybuildingsport war bis zu diesem Zeitpunkt mein Leben gewesen, aber innerhalb weniger Tage sollte alles aus sein? Glaubt mir, es war nicht einfach, das zu verarbeiten.

Mein Krankenhausaufenthalt dauerte insgesamt vier Wochen, die wirklich nötig waren, um wieder halbwegs auf die Beine zu kommen. Seit meiner Erkrankung hatte ich noch einige Krankenhausaufenthalte, die wohl auch teilweise auf meine Nierenerkrankung zurückzuführen waren.

Ich möchte in diesem Kapitel noch einmal darauf hinweisen, dass ein Nierenversagen wie in meinem Fall ganz plötzlich auftreten kann. Deshalb ist es bei einem Gebrauch von Hormonpräparaten und anderen Dopingmitteln sehr wichtig, zumindest regelmäßig einen Arzt aufzusuchen und den Gebrauch medizinisch überwachen zu lassen. Ich kann nicht oft genug darauf hinweisen, damit es wirklich jeder versteht. Jedem von euch könnte dies oder anderes auch passieren.

Selbst ein mir bekannter Bodybuilder, der über meine Erkrankung genau informiert war, meinte mir sagen zu müssen: dass bei ihm keine medizinische Überwachung nötig wäre, weil er eine Erkrankung bei ihm für unmöglich halten würde. Er würde so etwas rechtzeitig bemerken.

Dazu kann ich nur sagen: ein typischer Fall von einem Supermann-Syndrom. Vielleicht hätte ich mich zu meiner Glanzzeit im Testosteronwahn auch nicht anders zu solchen Themen geäußert.

Nach meiner Erkrankung und nach dem, was ich habe lernen müssen, kann ich nur dazu raten, auf den Gebrauch von Hormonpräparaten und anderen Dopingmitteln zu verzichten.

"Krank durch Doping" - das Buch des Ex-Mr. Universe und Ex-Weltmeisters Ingo Bolz umfasst gut 100 Seiten und ist auf seiner Homepage ingo-bolz.de erwerbbar. Im Diskussionsbereich im Forum stellt sich Ingo Bolz zudem Euren Fragen.

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