Blick auf das Leben des McFit-Gründers

Rainer Schaller: ein Nachruf

Mit der Gründung von McFit stellte Rainer Schaller den Fitnessmarkt auf den Kopf. Und nach der Gründung des ersten deutschen Fitnessdiscounter war noch lange nicht Schluss mit dem Ideenreichtum des Visionärs. Schaller hatte noch einiges vor mit der Branche - jetzt verstarb er bei einem Flugzeugabsturz auf tragische Weise. Hier kommt ein Nachruf auf einen Mann, der große Spuren in der Fitnesslandschaft hinterlässt.

Kraftsport und Edeka: Schallers frühe Jahre


Rainer Schaller wurde 1969 in Bamberg geboren. Er wuchs in einem kleinen Dorf nahe der bayrischen Universitätsstadt auf. Seine Familie besaß mehrere Edeka-Märkte, von denen Schaller nach seiner Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann einige Filialen übernahm. Bis zum Schluss blieb ihm ein Standort in Schlüsselfeld, dem späteren Hauptsitz von McFit.


In seiner Freizeit galt Schallers Liebe immer dem Sport. Im Laufe seiner Kindheit versuchte er sich an diversen Sportarten und entdeckte schließlich als 15-Jähriger seine Leidenschaft für das Krafttraining. Diesem blieb er sein Leben lang nicht nur geschäftlich, sondern auch als Aktiver verbunden. Noch mit über 50 Jahren soll er 120 Kilogramm im Bankdrücken geschafft haben.

1995 eröffnete Schaller sein erstes eigenes „Studio“, wobei es sich hierbei um eine unrenovierte Halle mit einigen gebrauchten Gym80-Geräten handelte. In dieser Versuchsanordnung hatte Schaller die Gelegenheit, den Menschen zuzuhören und so die Bedürfnisse der Kraftsportgemeinde zu erfahren.

Im Lebensmitteleinzelhandel groß geworden, hatte Schaller früh eine Bewunderung für das Aldi-Konzept entwickelt: Gute Qualität zum kleinen Preis, keine große Auswahl, aber alles, was man zum Leben braucht. Im Kontrast dazu die damalige Fitnessstudiolandschaft voller Prunk: Schwimmbad, Sauna, Solarium, „Hüpfkurse“ – die Branche bestand quasi nur aus Edekas, aber es gab keinen Aldi, der den Minimalisten bediente. Die Idee zum Fitnessdiscounter war geboren.

Wie McFit entstanden ist


1997 eröffnete Rainer Schaller die erste McFit-Filiale in Würzburg. Bei seiner Familie stieß er damit auf wenig Begeisterung, doch Schaller glaubte trotz schwieriger Startbedingungen fest an seine Idee.

Aus Geldmangel betrieb er das erste Studio als Ein-Mann-Show: Mitgliederverwaltung, Buchhaltung, Finanzen, Instandhaltung, Reinigung – alles wurde in Personalunion gehändelt. Auch alles rund um das Thema Marketing musste sich Schaller autodidaktisch aneignen. Umso gewiefter erscheint der zur Eröffnung des allerersten Standorts verwendete Slogan: „McFit – jetzt auch in Würzburg!“ Auf die häufig gestellte Frage, wo es denn noch McFit-Studios gäbe, lautete die Standardantwort: „Demnächst auch in Erlangen!“

Apropos Marketing:
Den Namen McFit hatte Schallers damalige Freundin ganz nebenbei erfunden.
Zu Beginn wurde Schallers Konzept von der Konkurrenz belächelt. Zum Preis von anfänglich 15 Euro im Monat wurde den Mitgliedern ein absolutes Minimum an Service geboten. Selbst Duschen waren zunächst noch kostenpflichtig. Wellness gab es überhaupt nicht, und wo andere Studios sich gegenseitig mit immer teureren Geräten überboten, setzte Schaller schon früh auf freie Gewichte. Dies hatte aber tatsächlich weniger Kostenspargründe, sondern entsprach seiner Philosophie vom idealen Krafttraining. Einmal mehr war Schaller hier seiner Zeit voraus. Heute sind Lang- und Kurzhanteln der absolute Standard in jedem Gym.

Bis er die Früchte seiner Mühen ernten durfte, sollte es allerdings noch eine Weile dauern. Die ersten drei Jahre seines Bestehens schrammte McFit mehrfach knapp an der Insolvenz vorbei. Dann entwickelten sich die Zahlen in eine Richtung, die die Branchenkenner verblüffte.

McFit auf dem Siegeszug


Aus seiner Zeit im Einzelhandel brachte Schaller das notwendige Knowhow für Expansion und Corporate Branding mit. Als die ersten McFit-Studios profitabel wurden, setzte er das freiwerdende Kapital effektiv ein. Der Siegeszug des heutigen Marktführers begann.

Nach einer Mitgliederbefragung wurden die Klitschko-Brüder zu den Werbegesichtern der Kette ernannt. Fast zehn Jahre dauerte die erfolgreiche Kooperation zwischen den Boxern und der Marke mit der ikonischen Banane, die mittlerweile durch ein schlichteres Logo ersetzt wurde.

McFit marschierte durch. Anfang der 2000er überschritt die Anzahl der Studios deutschlandweit die 100er-Marke, heute sind es 250. Schaller gründete die RSG Group, zu der auch Marken wie die Functional Gym-Kette High Five oder das höherpreisige John Reed gehören. 2020 kaufte die Gruppe gar die legendäre, aber finanziell angeschlagene Marke Gold’s Gym und eröffnete bislang fünf Studios in Deutschland.


Heute verzeichnet die RSG Group mehr als 6 Millionen Mitglieder in rund 1000 Studios in 48 Ländern. In den Zentralen in Schlüsselfeld und Berlin sowie an allen Standorten sind über 41.000 Mitarbeiter beschäftigt. Schaller hat damit ein Imperium aufgebaut, das ohne jede Übertreibung weltweit seinesgleichen sucht.

Rainer Schaller: der Fitness-Visionär


Rainer Schallers beispielloser Erfolg ist vor allem auf seinen Rundumblick zurückzuführen. Er selbst verstand McFit und später die McFit-Gruppe als weltweiter Innovationsführer im Fitnessbereich. Für jeden, der Sport treiben wollte, wollte Schaller der, so wörtlich, „360-Grad-Anbieter“ werden. Entsprechend breit ist das RSG-Portfolio aufgestellt, enthält neben den Studioketten auch Marken rund um das Thema Sportnahrung, Sportmedien, Sportbekleidung usw.

Der Einfallsreichtum des Visionärs kannte kein Limit. Unter anderem eröffnete er das Studio „Heimat“ in Los Angeles, das neben einem Premiumtrainingsbereich einen Rooftop-Pool, Coworking Spaces und eine Sternegastronomie enthält. Er versuchte sich im Bereich DJ-Produktion, gründete mehrere John Reed Radiosender oder den John Reed Innovation Hub.

Sein zweifelsohne größtes Projekt sollte „The Mirai“ werden, das größte Fitnessstudio aller Zeiten. Im nordrhein-westfälischen Oberhausen war ein mehr 50.000 Quadratmeter großer Bau geplant, der rund 120 Millionen Euro kosten sollte – und das bei anvisierter kostenfreier Nutzung! Die Vision: Das Studio sollte als Forschungszentrum für Medizin und Industrie genutzt werden, um Erkenntnisse aus der Bewegung des Menschen zu ziehen. Schaller wollte unter anderem neue therapeutische Ansätze in der Physiotherapie entwickeln, „um der Allgemeinheit etwas zurück zu geben“. Die Corona-Pandemie beendete das Vorhaben. Es wird nun im digitalen Raum fortgesetzt.

Zu Schaller passt auch sein unkonventioneller und offensiver Umgang mit der Coronazeit. So ließ McFit Trainingsgeräte unter dem Banner „Don’t forget Fitness“ auf einer Ackerfläche abstellen, um auf die Notsituation der Branche aufmerksam zu machen. Im Winter 2021 eröffnete McFit trotz hartem Wintereinbruch Outdoor-Gyms auf Parkplätzen, ungeachtet vielfacher behördlicher Schließungen.

Die Love Parade 2010


Dem nicht-sportaffinen Publikum wurde Rainer Schaller vor allem durch die Love Parade 2010 bekannt. McFit war hier längere Zeit Sponsor gewesen. Dann kaufte Schaller 2007 die Markenrechte und nahm die Organisation des strauchelnden Technofestivals selbst in die Hand. Er verlegte das Event ins Ruhrgebiet, wo es in den Folgejahren in wechselnden Städten durchgeführt wurde.

Trotz zuvor geäußerter Sicherheitsbedenken fand die Love Parade 2010 unter Schallers Federführung in Duisburg statt. Hier kam es zu der bekannten Massenpanik, bei der 21 Festivalteilnehmer ums Leben kamen.

Die Geschehnisse von Duisburg teilten Schallers Leben „in ein Davor und ein Danach.“ Dass der Organisator selbst nur als Zeuge, nie als Beschuldigter vor Gericht treten musste und das Verfahren schließlich ohne Verurteilung eingestellt wurde, nehmen viele dem Bamberger bis heute übel. Die Love Parade hinterließ Spuren in der Biografie eines Geschäftsmannes, der bis dahin einen glatten Durchmarsch an die Spitze der deutschen Wirtschaftseliten hingelegt hatte.

Kein Mann der großen Worte


Rainer Schaller war nie ein Mann, der den Weg in die Öffentlichkeit suchte. Nach 2010 zog er sich noch mehr ins Private zurück, gab nur noch selten Interviews und arbeite still an seinen Visionen. Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 250 Millionen Euro gehörte er zuletzt still und heimlich zu den reichsten deutschen Unternehmern.

Ein tragisches Ende


Am 22. Oktober stürzte Schallers Privatflugzeug auf dem Weg von Mexiko nach Costa Rica über dem Karibischen Meer ab. Mit Schaller starben seine Lebensgefährtin und deren zwei Kinder sowie der Pilot und ein weiterer an Bord anwesender Mann unbekannter Identität.

Mit nur 53 Jahren endete damit das Leben eines Mannes, der die heute weltweit beliebteste Sportart nachhaltig geprägt hat. Schaller hinterlässt eine komplett veränderte Branche, in der Sport und ein gesundes Leben jedem Menschen in jeder Einkommensschicht zugängig ist. Ein Verdienst, der viel zu oft als Selbstverständlichkeit hingenommen wird.

Schallers Hinterbliebenen ist für die kommende Zeit viel Kraft zu wünschen. Ein großer Denker und Macher ist von uns gegangen.

Nach oben