Tabakkonsum

Rauchen und die Auswirkungen auf unseren Körper (I)

In dem folgenden Artikel möchte ich dir den Tabakkonsum und dessen Auswirkungen auf den Körper etwas näher bringen. Tabak weist viele negative Einflüsse auf unseren Körper auf, dabei sind Zigaretten neben dem Alkohol, die wohl am häufigsten konsumierte Droge überhaupt. Im ersten Teil des Artikels werde ich auf den Wirtschaftsfaktor von Tabak eingehen, es wird um Toxine im Tabak, den Zusammenhang zwischen Rauchen und gesundheitlichen Folgen und Todesfällen, sowie Passivrauchen gehen. Im zweiten Teil werde ich neben weiteren wichtigen Aspekten auch auf Rauchen und Sport eingehen.

Der Wirtschaftsfaktor Rauchen

Der Konsum von Tabakprodukten ist in der Bundesrepublik hoch und bringt dieser rund 10 Milliarden Euro Steuern pro Jahr - damit steht der Tabakkonsum auf Rang 5 der Einnahmeposten. Wenn man bedenkt, dass die zwölf größten Tabakkonzerne rund 150 Milliarden Euro Umsatz machen, brauchen wir uns nicht zu wundern, warum Rauchen zwar immer stark kritisiert wird, aber strikte Maßnahmen schwierig umzusetzen sind, da die Machtverhältnisse beeindruckend sein sollen. Die direkten Kosten für den deutschen Staat betragen rund 8,66 Milliarden Euro. In diese Summe fallen alle Verwaltungs-, Krankenhaus-, Arzt- und viele weitere Kosten, die mit Tabakkonsum in Verbindung kommen. In dieser Hochrechnung sind jedoch keine Schäden oder Unfälle, etc. berücksichtigt. Es existieren viele Rechnungen, welche weitaus mehr Faktoren berücksichtigen, wie verlorene Arbeitsstunden von Verstorbenen und dessen Steuern, Zigarettenpausen, usw.. Diese Rechnungen kommen bei der Beachtung von direkten und indirekten Kosten auf über 20 Milliarden Euro, was bei einem Vergleich von Gewinn und Kosten einen Verlust der Staatskasse von fast 10 Milliarden Euro darstellen würde. Der Widerstand von den mächtigen Konzernen ist jedoch viel zu groß, um gesundheitsfördernde Maßnahmen in diesem Bereich schnell und wirksam einzubeziehen und umzusetzen. Aus diesem Grund werden auch viele Zusammenhänge mit Krankheiten und dessen Entstehung relativ klein gehalten. Es kommt dabei sogar zur Leugnung von Krankheiten und zum Verschleppen von aussagekräftigen Berichten, um den Konsumenten und die Öffentlichkeit zu täuschen. Viele Länder sehen jedoch in der heutigen Zeit das große Einsparpotential, welches trotz der lockenden Steuern im Hintergrund steht. Erste wirklich wirksame Ansätze und Maßnahmen werden ergriffen, um die Bevölkerung und die Staatskassen zu schützen. Die wohl strengsten Maßnahmen gegen das Rauchen wurden wohl in den USA ergriffen. In dieser Maßnahme, welche von 46 US-Bundesstaaten unterschrieben wurde, verpflichtete sich die Tabakindustrie im Zeitraum von 25 Jahren rund 206 Milliarden US-Dollar zu zahlen, um Kosten für durch Rauchen verursachte Krankheiten zu erstatten. Die Tabakkontrollmaßnahmen sind in Deutschland bisher leider im unteren Viertel. [1] [2]

Rauchen in Deutschland

Der Anteil der Raucher ist trotz einiger Maßnahmen immer noch im Bereich von 30% der Gesamtbevölkerung. Ab dem Jahre 1995 gab es einen Anstieg des Tabakkonsums, welcher sich seitdem wieder etwas beruhigt hat. Trotzdem beträgt der Anteil der 18 bis 19-jährigen ca. 50%. Fast 90% dieser Raucher sind regelmäßige Konsumenten. [3]
Seit den letzten Jahren hat sich allerdings einiges getan, sodass die Anzahl der rauchenden Jugendlichen von über 20 Prozent auf ca. 12 Prozent gesunken ist. Rauchen ist mit der Gesundheitswelle der letzten paar Jahre „out“ geworden. Das lässt hoffen, dass sich der Raucheranteil in den nächsten Jahren stark reduzieren wird und Rauchen auch im höheren Alter unattraktiv wird. Auch durch die Werbeverbote, die Erhöhung der Tabaksteuern und anderen Maßnahmen ist ein substanzieller Beitrag zum Gesundheitsschutz der Bevölkerung getan worden.

Tabakrauch und dessen Toxine

Neben dem Alkaloid Nikotin wurden über 100 Stoffe im Tabakrauch nachgewiesen. Einige dieser Stoffe sind toxisch - darunter Nikotin, Kohlenmonoxid, Aldehyde, Ammoniak und Teerprodukte.

  • Nikotin: Dieser Stoff ist giftig, beeinflusst das zentrale Nervensystem und macht süchtig. Durch die Erhöhung der Dopaminkonzentration im Nucleus accumbens (=eine Kernstruktur im unteren Vorderhirn) und im Tegmentum (= die Schicht im Bereich des Hirnstamms) des Gehirns, entsteht ein Genussgefühl, welches der Körper wieder erfahren möchte. Wird Nikotin entzogen, entsteht Verlangen nach diesem Genuss, Nikotin wirkt dabei ebenfalls stimulierend, was sich durch die erhöhte Konzentration von Noradrenalin erklären lässt. Diese Erkenntnis erklärt auch die Reizbarkeit bei einem Entzug.
  • Kohlenmonoxid: Durch den dauerhaften Konsum von Tabakrauch und in diesem enthaltenen Kohlenmonoxid kann die Konzentration von Kohlenmonoxid-Hämoglobin (CO-Hb) auf 10% ansteigen. Dies kann zu erheblichen Einbußen des Sauerstofftransportes führen. [4]
  • Verschiedene Aldehyde und Ammoniak: Diese Stoffe wirken schleimhautreizend und werden mit dem „Raucherhusten“ in Zusammenhang gebracht. Außerdem können diese Stoffe zu Erkrankungen und Schädigung der Atemwege führen.
  • Teerprodukte: Durch aufgenommenen Teerprodukte wird das Risiko an Krebs zu erkranken erhöht. Teerprodukte sind die häufigsten Auslöser für Lungenkarzinome. Teer kann außerdem den Verlauf eines an Krebs erkrankten Patienten negativ beeinflussen.

Rauchen und dessen schlimmsten gesundheitlichen Folgen

Die am besten untersuchten Folgen des Rauchens sind wohl Krebserkrankungen, arterielles Gefäßleiden sowie Erkrankungen der Lunge. Rauchen erhöht dabei signifikant das Risiko an Karzinomen in der Mundhöhle, im Nasen- und Rachenraum, der Speiseröhre, Luftröhre, Lunge und Bauchspeicheldrüse. Außerdem gibt es die Vermutung, dass es zu einer Nieren- und Dickdarmschädigung kommen kann. [5]
Schauen wir auf die Anzahl an Karzinomen im Lungenbereich, werden diese zu 80% durch die Folgen von inhaliertem Rauch verursacht. Das Rauchen von 20 Zigaretten/Tag erhöht das Risiko für Karzinome um den Faktor 20. Ebenfalls steigt das Risiko an koronaren Herzkrankheiten und arterieller Hypertonie sowie die Mortalität des akuten Herzinfarktes. Der Zusammenhang zu arterieller Hypertonie ist jedoch etwas umstritten. Es ist zwar bekannt, dass Rauchen zu einem vorübergehenden Blutdruckanstieg führt, jedoch nicht dauerhaft. Es wurde aber ebenfalls schon bewiesen, dass der Blutdruck von jahrelangen Rauchern - nach Beendigung des Rauchens - gesunken ist, deshalb ist ein Zusammenhang praktisch erwiesen. Zigarettenrauchen hat einen eindeutig negativen Einfluss auf Diabetes Typ 2 und zählt deshalb als diabetogen. Durch die Beendigung vom Rauchen wird oft an Gewicht zugelegt und es kommt so zu einem erhöhten Risiko an Diabetes. Der Grund für den Zusammenhang zwischen Rauchen und Diabetes Typ 2, lässt sich auch anhand der insulinresistenten Wirkung von Nikotin beschreiben. [6]
Durch das Rauchen kann es auch zu einer Fettstoffwechselstörung kommen, dabei beeinflusst das Rauchen zahlreiche Blutfette negativ. Bei einem hohen Maß an konsumiertem Tabakrauch kann es zu einem erhöhten Risiko an Frakturen in Knochen kommen. Es gibt viele Studien, die aufzeigen, dass das Osteoporoserisiko bei Rauchern ansteigt, was auch mit der Gewichtszunahme in Verbindung steht.

Todesursache Rauchen?

Die Zahl der tabakbedingten Todesfälle liegt pro Jahr bei ca. 110.000 Bürgern in Deutschland. Dabei werden fast 50.000 durch Krebs, ca. 40.000 durch Kreislauferkrankungen und rund 20.000 durch Atemwegserkrankungen verursacht. [3]
Diese Zahlen sind jedoch je nach Quelle sehr unterschiedlich und fallen meist sogar fast 10.000 Fälle höher aus. Durchschnittlich sterben, je nach Angabe, ca. 284 Bürger am Tag durch Tabakkonsum und den Folgen des Rauchens. Vergleicht man dies mit den Todesfällen im Straßenverkehr mit 21 pro Tag, sollte man sich im Klaren sein, was Rauchen und dessen Folgen für eine gesundheitliche Bedeutung haben. Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern ist ca. 8 Jahre kürzer. Je nach Länge und konsumierter Menge an Zigaretten erreichen nur 50-70% der Raucher das 70. Lebensjahr. Raucher, welche im Alter von 35 Jahren mit dem Rauchen aufhören, haben hingegen die gleiche Lebenserwartung wie Nicht-Raucher, jedoch dauert das Risiko von verschiedenen Krankheiten und Gesundheitsaspekten noch längere Zeit an.

Passivrauchen

Toxine des Tabakrauchs stellen vor allem für Nicht-Raucher eine große Gefahr dar, da viele der schädlichen Stoffe vom Raucher selbst nicht eingeatmet werden. Beispielsweise gelangen nur 30% an Nikotin wirklich in den Mund des Rauchers. 70% des Nikotins gelangen somit in die Luft und können von anderen Personen aufgenommen werden, was Nicht-Raucher in geschlossenen Räumen ebenfalls zu Rauchern machen kann. Dabei verursacht natürlich auch Passivrauchen Bronchialkarzinome und koronare Herzkrankheiten. Durch regelmäßiges Passivrauchen entsteht auch hier ein erhöhtes Herzinfarktrisiko.[7]

Kinder hingegen werden in doppelter Hinsicht durch Raucher geschädigt:

  1. Bei Kindern besteht ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Asthma bronchiale. Auch der plötzliche Kindstod und ein erhöhtes Infektrisiko, können durch das Rauchen ausgelöst werden.
  2. Rauchen ist in der Schwangerschaft ein großes Risiko für Fehlgeburten, dabei steigt die Mortalität der Ungeborenen an, ebenso wie die Unterentwicklung des Kindes.
Jedes Jahr sterben in Deutschland rund 2.200 Menschen an koronarer Herzkrankheit, welche durch Passivrauchen ausgelöst wurde und über 770 Nichtraucher an einem Schlaganfall, welcher eindeutig mit dem Rauchen in Zusammenhang gebracht werden kann.

Die Publikation „Passivrauchen – ein unterschätztes Gesundheitsrisiko“ wurde 2005 veröffentlicht und entfachte sofort eine rege Diskussion rund um das Passivrauchen und die Gefahren. Seit 2007 wurde das Nichtraucherschutzgesetz eingeführt, was einen wichtigen Grundstein für ein rauchfreies Bewusstsein liefert und Nicht-Rauchern hilft.

Aktuell

Am 19. Dezember 2012 hat die EU-Kommission einen Vorschlag zur Änderung der Tabakproduktrichtlinie vorgelegt. Unter anderem müssen danach alle Packungen von Zigaretten und Tabak zum Selbstdrehen einen kombinierten textlichen und bildlichen Warnhinweis tragen.

Zusammenfassung

Rauchen birgt viele gesundheitliche Risiken und wird trotz der riesigen Bericht- und Studienlage nicht schnell genug durch entsprechende Maßnahmen erschwert. Einen großen Anteil an diesem „Nichteingreifen“ haben die Herstellerkonzerne und ebenso unsere Regierung, welche trotz der vielen Krankheiten und Risiken für die Bürger auf die Steuereinnahmen durch Tabakwaren angewiesen sind. Langsam versuchen jedoch auch Länder ihre Ansicht auf das Rauchen schneller zu ändern. Auf kurze Zeit eingenommene Steuern sind wohl auch für Länder nicht mehr so attraktiv, wenn man sich die Kosten der jahrzehntelangen Folgeschäden anschaut. Deshalb ist in den letzten Jahren doch einiges an Maßnahmen umgesetzt worden. Für den Verbraucher ist Tabakrauch ein toxischer Mix, welcher zu sehr vielen Krankheiten führen kann. Dabei schadet sich der Konsument nicht nur selbst, sondern ebenfalls durch Passivrauchen seinen Mitmenschen.

Quellen

  1. Consortium TA (2004): Tobacco or Health in the European Union. European Communities, Luxembourg 1-292
  2. King CIII, Siegel M (2001): The Master Settlement Agreement with the tobacco industry ans cigarette advertising in mazines. N Engl J Med 3455: 504-511
  3. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (2003): Jahrbuch Sucht 2003. Neuland, Geesthach.
  4. Kuschinsky G, Lüllemann H (1964): Kurzes Lehrbuch der Pharmakologie, Georg Thieme Verlag, Stuttgart. S. 290-291
  5. World Cancer Research Fund-American Institute for Cancer Research, Washington DC, Food, Nutrition and the Prevention of Cancer (1997): a Global Perspective
  6. Eliasson B (2003): Cigarette smoking and diabetes. Prog. Cardiovasc. Dis 45(5): 405-413
  7. Pechaek TF, Babb S (2004): How acute and reversible are the cardiovascular risks of secondhand smoke? BMJ 328(7446): 980-983

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