Rauchen und Sport

Rauchen und die Auswirkungen auf unseren Körper (II)

Im zweiten Teil werde ich Rauchen und soziale Schichten sowie Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen ansprechen, die Entwöhnung vom Rauchen und dem Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Rauchen verdeutlichen. Außerdem möchte ich das Thema Rauchen und Ernährung beleuchten und als letzten Punkt Sport und Rauchen kritisch betrachten.

Rauchen und soziale Schichten

In den Anfangszeiten des Tabakkonsums konnten sich meist nur die Wohlhabenden den Konsum von Tabak erlauben, doch wie sieht das heute aus? In der heutigen Zeit hat sich das Blatt gewendet, denn heute raucht die sogenannte Unterschicht wesentlich mehr als die Gutbetuchten, die sich von den Zigaretten abgewandt haben. Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat in einer Studie gezeigt, dass bei Männern mit einem Einkommen unter 730 Euro im Monat, der Anteil der Rauchenden bei 43% liegt. Hingegen liegt der Anteil der Männer mit einem monatlichen Einkommen über 3.350 Euro bei gerade einmal 23%. Bei einer Gruppe von 18-19 Jährigen die einen Hauptschulabschluss haben liegt der Anteil der Rauchenden bei 64%, wobei der Anteil von Gymnasiasten bei 39% liegt. Auch wenn viele einen Zusammenhang der sozialen Schichten nicht sehen wollen, es gibt sehr viele Studien, die ebenfalls sehr ähnliche Ergebnisse erzielen - Rauchen wird somit ein Problem der unteren Schichten unserer Gesellschaft. Betrachtet man, dass im Jahre 2004 die durchschnittlichen Kosten für einen Raucher in Deutschland bei ca. 1.300 Euro lagen, dann sollte man meinen dass gerade Bürger mit wenig finanziellen Mitteln Rauchen als überflüssig ansehen sollten. [1] [2]

Prävention

Der Staat kann in Sachen Prävention viel Einfluss nehmen, indem er vor allem Jugendliche davon abbringt Rauchen zu tolerieren und den Raucher als unattraktiv darstellt. Durch die Werbeverbote, Steuererhöhung und durch ein Verbot Zigarettenautomaten aufzustellen, ist das Rauchen im jungen Alter, vor allem in den letzten Jahren, zurückgegangen. Interessant ist, dass Deutschland – das sogenannte "Gesundheitsland" und Vorreiter der EU jedoch weniger Energie in präventive Maßnahmen im Bereich Tabakkonsum steckt, als es andere Staaten tun. Der Bürger hingegen hat einen direkten Einfluss auf seine Mitmenschen und vor allem seine Familie und sollte als Nichtraucher nicht zu tolerant mit anderen umgehen. In erster Linie sollten Kinder vor Tabakrauch geschützt werden, was leider in vielen Familien nicht eingehalten wird. Trotz der höheren Aufklärungsarbeit zum Rauchen und dessen Wirkung auf ein Kind, sehen viele Erwachsene keinen Grund dafür, nicht am Küchentisch oder im Wohnzimmer zu rauchen, obwohl sich ein Kind im selben Raum aufhält.

Ernährungsempfehlungen für Raucher

Es zeigt sich, dass besonders Carotinoide, Vitamin C und Folsäure bei Rauchern deutlich niedrigere Plasmawerte ergeben. Dies kann zu einem erhöhten Infektionsrisiko und allgemeinen Krankheitsrisiko führen. Aus diesem Grund wird empfohlen, dass Raucher besonders auf ihre Frucht- und Gemüsezufuhr achten sollten, um mögliche Defizite auszugleichen. Diese Ernährungsempfehlungen haben in der Praxis gezeigt, dass bei einer solchen Ernährung rund 20-30% weniger Lungenkrebs auftritt. Es wird empfohlen, dass ca. 400-800g an Früchten und Gemüse pro Tag aufgenommen werden sollte. Die krebshemmende Wirkung durch Antioxidantien ist heute leider nicht mehr ganz so eindeutig, wie sie noch vor ein paar Jahren dargestellt wurde. Früher berief man sich auf die Wirkung von Antioxidantien, um dem Raucher klarzumachen. warum er Früchte und Gemüse essen sollte, heute verweist man auf das Zusammenspiel der Inhaltsstoffe und spricht Antioxidantien nur am Rande an. Raucher sollten außerdem keine Beta-Carotin haltigen Präparate einnehmen. Eine Großstudie hat gezeigt, dass eine zusätzliche Einnahme von Beta- Carotin das Krebsrisiko wieder erhöhen kann. [3]

Mit dem Rauchen aufhören!?

Etwa 90% aller Raucher haben schon mindestens einmal versucht mit dem Rauchen aufzuhören, jedoch gelingt dies den meisten Rauchern ohne fremde Hilfe nicht. Gerade einmal 3-5% aller Raucher schaffen den Absprung alleine von der Zigarette – immerhin 10% aller Raucher halten die Nikotinkarenz für ein paar Monate aus. Dabei ist die Reduzierung von Zigaretten meist nicht wirkungsvoll. Fast alle Raucher, welche ihr Rauchpensum nur reduziert haben, statt komplett das Rauchen zu stoppen, konnten im weiteren Verlauf nicht komplett aufhören. Es zeigt sich, dass allein eine 10 minütige Beratung durch einen Arzt oft die Ansicht vom Rauchen verändert. Auch Nikotinersatztherapien zeigen eine gute Wirkung und können so nochmals 10% der Raucher bei der Entwöhnung helfen. In den USA wurden klinische Richtlinien festgelegt, welche vom Arzt durchgeführt werden müssen, um präventiv tätig zu sein.
Es handelt sich dabei um die 5-A-Strategie:
  • Ask: Jeden Patienten nach dem Nikotinabusus fragen
  • Advise: Beratung über die Folgen des Rauchens durchführen
  • Assess: Wenn nötig Bereitschaft zum Behandlungsversuch erfragen
  • Assist: Unterstützung in der Entwöhnungsphase geben
  • Arrange: Regelmäßige Termine für Kontrollen vereinbaren
Der Patient wird so vom Arzt betreut und ist von Anfang an bei seiner möglichen Entwöhnung unter Beobachtung und nicht auf sich alleine gestellt. Das System ist sehr effektiv und zeigt, dass es viele Ansätze geben kann – Rauchen einzudämmen. [4]

Positive Folgen nach einem Rauchverzicht

  • Der Blutdruck wird gesenkt: bereits 20min nach Rauchverzicht
  • CO-Hb-Konzentration im Blut normalisiert: nach 8 Stunden
  • Geruchs- und Geschmackssinn verbessert: nach 2 Tagen
  • Bessere Atmung: nach 3 Tagen
  • Verbesserung der Lungenfunktionen: nach 3 Monaten
  • Raucherhusten verschwindet: nach 9 Monaten
  • Das KHK Risiko reduziert sich auf 50%: nach 1 Jahr
  • Lungenkrebsrisiko halbiert sich: nach 10 Jahren
  • Herzinfarktrisiko wie bei Nicht-Rauchern: nach 10 Jahren


Raucherentwöhnung

Die Raucherentwöhnung ist seit Jahren ein anerkanntes medizinisches Problem. Bei etwa 1/3 der Raucher besteht eine Abhängigkeit, sodass eine Entwöhnung ohne ärztliche Hilfe meist nicht möglich ist. Angaben von plötzlichem Rauchstopp schwanken sehr stark und sind meist auch unzuverlässig. Ein möglicher Rauchstopp ist dabei oft noch nicht einmal gewollt, sondern wird durch verschiedene Lebensphasen, wie zum Beispiel eine Schwangerschaft eingeleitet. Der wohl am häufigsten genannte Grund mit dem Rauchen aufzuhören, ist die Gesundheit oder finanzielle Aspekte. Wie schon genannt sind Reduktionsbehandlungen meist nicht sehr wirksam, deshalb sollte beim Entzug die Zigarette komplett vermieden werden und das für 6, besser 12 Monate. Bei der Entwöhnung sollte neben ärztlicher Beratung und Kontrolle auch das soziale Umfeld mit einbezogen werden und wenn nötig psychologische Betreuung den Ablauf begleiten. Etwa 20-30% aller Raucher sind bereit das Rauchen aufzugeben. Neben nicht-medikamentösen Behandlungen, welche oft auch mit Therapeuten, Gruppensitzungen und Selbsthilfe begleitet werden, gibt es auch medikamentöse Behandlungen des Rauchens. Empfohlen werden immer wieder Nikotin-Präparate (Pflaster, Kaugummi, Nasalspray). Die Bewertung solcher Präparate und die Erfolgsquote sind recht hoch. Dabei haben höher dosierte Präparate, mit zum Beispiel 4 mg Nikotin, eine höhere Erfolgsquote, als nur 2 mg Kaugummis. Die Raucherentwöhnung ist und bleibt ein komplexes Thema mit vielen Therapiemöglichkeiten, um dem Raucher zu helfen. Wer es schafft einen totalen Rauchstopp durchzuhalten und die Entzugserscheinungen überwindet, der hat die größten Chancen auf ein rauchfreies Leben. [5]

Ernährungsempfehlungen bei Raucherentwöhnung

Viele Raucher nehmen während einer Rauchentwöhnung an Gewicht zu, dessen sollte man sich bewusst sein, um nicht überrascht zu werden. Die Gewichtszunahme ist jedoch meist nur leicht und kein Vergleich zu den Schäden durch das Rauchen. Wichtig ist, dass die Person jedoch nicht gleichzeitig mit einer Diät beginnt, da gezeigt wurde, dass eine gleichzeitige Diät die Rauchentwöhnung gefährden kann. Der ehemalige Raucher soll sich darauf konzentrieren nicht mehr zu rauchen und seine Energie nicht in eine für ihn vielleicht schwere Ernährungssituation zu bringen. Genaue Ernährungsrichtlinien bei einer Entwöhnung gibt es nicht. Es sollte eine ganz normale Mischkost zu sich genommen werden. [6]

Rauchen und das Körpergewicht

Das Risiko, eine mögliche Gewichtszunahme bei der Rauchentwöhnung zu erleiden, ist mit bis zu 80% sehr hoch. Der durchschnittliche Gewichtsanstieg liegt bei Männern bei ca. 3kg, bei Frauen sind es ca. 4kg. Immerhin über 10% der Betroffenen erleiden eine Gewichtszunahme von ca. 13kg. Dabei ist eindeutig zu erkennen, dass eine Person, die rückfällig wird, wieder an Gewicht verliert. Die Gewichtszunahme nach Beendigung des Nikotinabusus ist meist multifaktoriell. Die wohl häufigste Ursache ist eine Substitution des verlorenen Genusses "Zigarette". Die möglichen Ursachen und Gründe für Änderungen im Essverhalten, sind jedoch je nach Patient sehr unterschiedlich.[6]

Sport und Rauchen?

Rauchen und Sport ist definitiv ein Widerspruch, denn Rauchen ist die wichtigste vermeidbare Ursache von Krankheit und frühzeitigem Tod - wobei regelmäßiger Sport die Gesundheit fördert und erhält. Rauchen reduziert allgemein die Fitness eines Sportlers. Dies hat viele verschiedene Gründe. Durch regelmäßiges Rauchen wird die Atmung erschwert und dem Sportler geht schneller die Luft aus. Dabei belastet Rauchen ebenfalls das Herz und den Kreislauf durch den erhöhten Blutdruck und die erhöhte Herzschlagrate und auch die Durchblutung der Herzkranzgefäße wird beeinträchtigt. Im Gegensatz zu einem Nicht-Raucher verbraucht der Raucher unnötig viele Herzschläge durch das in der Zigarette enthaltene Nikotin. Sportler sind auf ihre Leistungsfähigkeit angewiesen und wollen sich ständig verbessern, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen. Durch das Rauchen ist jedoch das Krankheitsrisiko erhöht, nicht nur für Langzeitfolgeschäden, was die Sportkarriere beenden könnte, sondern ebenfalls für Infektionen, welche zu Trainings- und Wettkampfausfall führen kann. Durch das im Tabakrauch enthaltende Kohlenmonoxid wird die Aufnahmefähigkeit von Sauerstoff behindert, indem sich das CO an das Hämoglobin bindet. Seit 2001 gibt es "Smoke Free Sports", in welcher sich die Gesundheitsorganisation (WHO) sowie die US-Gesundheitsbehörde(CDC), der Fußballweltverband (FIFA) und das Internationale Olympische Komitee (IOC) engagiert, um Sport rauchfrei zu gestalten - alle stehen in diesem Sinne für einen tabakfreien Sport. Es ist bewiesen, dass Sportler allgemein weniger zur Zigarette greifen und diese auch in höherem Alter weniger rauchen, als Nicht-Sportler. Sportler, welche Krafteinheiten trainieren, reagieren oft sehr unterschiedlich auf Zigaretten, manche merken einen Unterschied bei Kraft, Schnelligkeit und Konzentrationsfähigkeit, andere Sportler haben in den ersten Jahren keine Probleme in diesen Bereichen. Oft ist im Kraftsport der Leistungsabfall erst nach längerer Rauchzeit zu bemerken, jedoch ist das Rauchen zu diesem Zeitpunkt schwer wieder loszuwerden oder es ist nach längerer Zeit schon zu schwerwiegenden Schäden am Körper gekommen. Sehr schnell hingegen fällt die Leistungsfähigkeit im Ausdauerbereich ab, sodass schon bei einer Zigarette vor der Sporteinheit eine klare Leistungsminderung zu sehen ist. Der direkte Effekt der Wirkung auf die Ausdauerleistung ist evtl. auch ein Grund dafür, dass sich der größere Anteil der Raucher im Schnellkraftsportbereich wiederfindet. Egal welcher Sport, je intensiver die Einheiten durchgeführt werden, desto mehr Erholungszeit wird für den Körper benötigt, dies unterbindet das Rauchen und führt zu einer individuellen Verlängerung des Erholungsprozesses. Dabei sollte man ebenfalls bedenken, dass negative Auswirkungen von Nikotin über Stunden anhalten können und die Auswirkungen von Kohlenmonoxid sogar über Tage. An Trainingstagen die Zigarette wegzulassen vermindert evtl. den Leistungsabfall gering, der Sportler wird jedoch nicht seine Topleistung erbringen können. Auch die verschiedenen Reizwirkungen und Einflüsse auf die Atemwege können bis zur vollständigen Genesung Jahre in Anspruch nehmen. Wie stark sich die negative Wirkung von Tabakrauch auf Gelegenheitsraucher auswirkt, ist schwer zu sagen, denn jeder Körper reagiert auf den Rauch unterschiedlich, sicher ist auch hier die Frage, wie oft geraucht wird und wie viel. [7] [8] [9]

Schlussfolgerung

Durch die vielen negativen Einflüsse durch die im Rauch enthaltenen Inhaltsstoffe, ist Rauchen immer ein Risikofaktor für unseren Körper. Deshalb ist ein rauchfreies Leben definitiv ein gesünderes Leben, nicht nur für dich, sondern ebenso für deine Mitmenschen. Auch durch Einflüsse auf den Stoffwechsel, den Sauerstofftransport und auf den Nährstoffhaushalt des Organismus, sollte Rauchen für einen Sportler sowieso einen Widerspruch darstellen.

Quellen

  1. WHO: tobacco and poverty A VICIOUS CIRCLE (PDF; 803 kB), Bericht von 2004, abgerufen am 25. Oktober 2012.
  2. Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Rauchen und soziale Ungleichheit – Konsequenzen für die Tabakkontrollpolitik (PDF; 51 kB) Factsheet von 2004, abgerufen am 25. Oktober 2012.
  3. World Cancer Research Fund-American Institute for Cancer Research, Washington DC, Food, Nutrition and the Prevention of Cancer (1997): a Global Perspektive.
  4. Parrot (1998): Smoking Cessation guidelines. Thorax 53 Suppl 5(Part 2): S 1-27
  5. Haustein KO (2004): Möglichkeiten, das Rauchen zu kontrollieren. tägl prax 45: 595-596
  6. Danielsson T, Rossner S, Westin A (1999): Open randomised trial of intermittent very low energy diet together with nicotine gum for stopping smoking in women who gained weight in previous attempts to quit. Bmj 319(7208): 490-494
  7. Cheng YJ, Macera CA, Addy CL, Sy FS, Wieland D, Blair SN (2003) Effects of physical activity on exercise tests and respiratory function. British Journal of Sports Medicine, 37, 521–528
  8. Hollmann W, Hettinger (Hrsg.) (2000) Sportmedizin. 4. Auflage, Schattauer, Stuttgart
  9. Adachi-Mejia AM, Primack BA, Beach ML, Titus-Ernstoff L, Longacre MR, Weiss JE, et al. (2009) Influence of movie smoking exposure and team sports participation on established smoking. Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine, 7, 638–43.

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