Beef for Beef

Rindfleisch aus artgerechter Haltung

Das Fleisch von grasgefütterten Rindern gilt unter Fleischessern als besonders empfehlenswert. Es stellt einen Balanceakt zwischen dem Anspruch an ein möglichst großes Tierwohl und dem gleichzeitigen Genuss von tierischen Lebensmitteln dar, so dass bereits vor Jahren entsprechende Diskussionen auch in der Bodybuilding-Community geführt wurden. Doch während man damals noch auf den Fleischer um die Ecke angewiesen war, gibt es inzwischen auch für diejenigen, die kein regionales Fleisch kaufen können, die Möglichkeit, online eine Bestellung abzugeben.

Rinderhaltung: Worauf kommt es (dir) an?


Gemäß Bundesministerium für Ernährung Landwirtschaft werden 80 Prozent der über 12 Millionen in Deutschland lebenden Rinder in sogenannten Laufställen gehalten, deren Gestaltung stark variieren kann. Während insbesondere Rindermastbetriebe oftmals einen vollständig aus Betonspalten bestehenden Boden besitzen, bieten andere Bauern ihren Tieren großzügige Boxenlaufställe mit Einstreu und Ruhezonen. Die Anbindehaltung, bei der das Tier sich lediglich hinstellen und hinlegen kann, stellt inzwischen eher die Ausnahme als die Regel dar.

Wer sein Fleisch im Supermarkt kauft, wird seit April 2019 in den meisten Geschäften das einheitliche vierstufige Label auf dem Fleisch der Selbstbedientheken finden. Die Rangstufe ist dabei gegensätzlich zum Schulnotensystem zu verstehen. Die Stufe 1 entspricht der gesetzlichen Stallhaltung mit den Mindeststandards.



Bei Stufe 2 erhalten die Tiere ein wenig mehr Platz und Kühe dürfen nicht angebunden werden. Gleiches gilt für Stufe 3, wobei sich der Platz für das Tier nochmals erhöht. Darüber hinaus haben diese Tiere Kontakt zum Außenklima, was bereits mit einer offenen Stallseite erfüllt wäre. Das Futter darf ab Stufe 3 außerdem nicht mit Hilfe von Gentechnik erzeugt worden sein.

Um schließlich Stufe 4 zu erfüllen, wird den Tieren noch mehr Platz geboten (beim Schwein doppelt so viel wie in Stufe 1) und die Tiere erhalten tatsächlich Auslauf ins Freie. Die Verbraucher zentrale warnt allerdings, dass das Label letztendlich keine Aussage über das Tierwohl trifft.

Die aktuell vermutlich beste Haltungsform, die man für Rinder in Deutschland haben kann, ist die sogenannte muttergebundene Kälberaufzucht. Während Kälber normalerweise nach der Geburt von der Mutter getrennt werden und zunächst in einer Kälberbox aufwachsen, bevor sie mit anderen Jungtieren zusammengebracht werden, bleibt das Kalb bei der muttergebundenen Aufzucht sechs bis neun Monate bei der Kuh.

Weidehaltung und Weidemilch sind keine geschützten Begriffe

Wer glaubt, mit dem Kauf von Fleisch aus Weidehaltung in jedem Fall optimale Haltungsbedingungen zu unterstützen, irrt leider. Erneut ist es die Verbraucherzentrale, die in einem eigenen Beitrag auf undurchsichtige Werbeversprechen aufmerksam machte. Der Begriff Weidehaltung ist schlichtweg nicht rechtlich geschützt.

Gleiches gilt für den Begriff Weidemilch. In Deutschland gibt es keine gesetzlichen Vorgaben, wie lange eine Kuh auf der Weide gewesen sein muss, damit diese Bezeichnung genutzt werden darf. Als niedrigste Schwelle darf man als Verbraucher von 120 Tagen im Jahr für mindestens 6 Stunden pro Tag ausgehen, wie das Oberlandesgericht Nürnberg 2017 entschied. Das bedeutet, dass selbst mit diesem Urteil eine Haltung im Innenbereich für 245 Tage im Jahr zulässig wäre. Dies macht vielleicht auch verständlich, wie das Angebot an Weidemilch in den letzten Jahren im Supermarkt so stark ansteigen konnte und woher all das Whey-Protein aus Weidemilch stammt.

Wo kannst du hochwertiges Rindfleisch kaufen?


Diejenigen, die einen regionalen Fleischer haben, der ihnen transparent die Herkunft seines Fleisches erläutern und die Haltungsbedingungen beschreiben kann, können sich ohne Frage glücklich schätzen. Tatsache ist jedoch auch, dass der Großteil des Fleischs im Supermarkt oder bei der anonymen Großfleischerei gekauft wird. Wer auf der Suche nach Alternativen ist, erhält im Folgenden zwei Vorschläge, die ich persönlich in der Vergangenheit zu schätzen lernte.

Kauf ne (ganze) Kuh

Die Plattform KaufNeKuh.de bietet sogenanntes Crowdbutching an. Das bedeutet, dass eine Kuh erst dann zur Schlachtung gelangt, wenn diese vollständige verkauft wurde. Die Rinder stammen aus familiengeführten Bauernhöfen aus Baden-Württemberg oder Bayern, wo die Tiere artgerecht aufwachsen. Neben der saisonalen Außenhaltung wird im Winter auf offene Laufställe mit Stroh-Einstreu vertraut.

Das Futter stammt zum Großteil aus eigenem Anbau und den Tieren wird keine Antibiotika verabreicht. Der große Nachteil für Bodybuilder und Fitnesssportler wird hingegen die Tatsache sein, dass man ganze Fleischpakete kaufen muss. Diese enthalten neben Filesteak und Roastbeef auch Hamburger Patties und Würste mit entsprechendem Fettanteil.

Tim Budesheim empfiehlt den Beefgourmet

Wer den deutschen IFBB Pro Tim Budesheim im Social Media Bereich verfolgt, wird wissen, dass dieser nicht nur Tatar liebt, sondern dieses auch ausschließlich von der Fleischerei Schäfer bezieht. Diese wiederum arbeitet mit einem regionalen Bauern zusammen, der die oben angesprochene muttergebundene Kälberzucht umsetzt, wie man sich im entsprechenden Video auf Tims Kanal vergewissern kann.


Der große Vorteil gegenüber KaufNeKuh besteht darin, dass die Fleischerei Schäfer auf ihrer Website Beefgourmet.de den Kauf einzelner Produkte ermöglicht. Wer möchte, kann also ausschließlich Tatar in den virtuellen Warenkorb tun und muss nicht weitere Fleischerzeugnisse erwerben, die man sich normalerweise nicht kaufen würde.

Tierwohl liegt in der Hand des Konsumenten


Vor einiger Zeit veröffentlichte ich den Artikel Vegan ist für Pussies, der darauf aufmerksam machen sollte, dass der Fleischkonsum in Deutschland oftmals zu Lasten der Tiere geht. Das bedeutet jedoch nicht, dass man keinerlei Wahl hätte oder auf jede Form von tierischen Lebensmittel verzichten müsste. Ich selbst esse Fleisch, Eier und Milchprodukte, so dass die Darstellungen keinesfalls missverstanden werden sollte.

Als Verbraucher hat man die Möglichkeit einen entscheidenden Teil zum Tierwohl beizutragen. Wer Fleisch oder Milch aus vermeintlicher Weidehaltung zu Billigpreisen kauft, sollte sich fragen, inwiefern er lediglich eine Etikettierung fürs Gewissen betreibt. Wer dagegen tatsächlich verantwortungsvoll konsumieren will und vor Ort keine Möglichkeiten besitzt, hat zumindest beim Rindfleisch inzwischen mehr als nur eine Möglichkeit dies tatsächlich auch umzusetzen.



Hinweis: Der Autor dieses Artikels bietet individuelle Trainings- und Ernährungsberatung an. Weiteres erfahrt ihr unter become-fit.de oder schaut einfach bei seinem Podcast-Magazin TheCoachCoachCorner vorbei.

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