Alles aus dem Nichts

Roman Fritz: der Mann aus dem Bunker

Der IFBB-Pro Roman Fritz repräsentiert das deutsche Bodybuilding in bester Manier. Nach einer vielversprechenden Laufbahn bei den Amateuren ist ihm der große Wurf bei den Profis bislang zwar verwehrt geblieben – vor allem aufgrund ernsthafter gesundheitlicher Probleme. Doch das Stehaufmännchen Fritz hält an höchsten Zielen fest und begeisterte die Fans dabei durch Bodenständigkeit.

Flex-Magazin im Internat: So kam Roman Fritz zum Bodybuilding


Roman Fritz wurde am 13. April 1988 in Süddeutschland geboren. Als Zwölfjähriger kam er nach einem Scheidungskrieg seiner Eltern in ein Internat. Stressbedingt tat er sich mit dem Essen schwer. Mit 15 wog er grade einmal 55 Kilogramm. Ärzte legten seiner Mutter sogar nah, ihn wegen eventueller Essstörungen in eine psychiatrische Behandlung zu geben.

Foto: Matthias Busse

Im gleichen Zeitraum fand Fritz in dem Kraftraum des Internats Flex-Magazine, die ungarische Austauschschüler dort vergessen hätten. Sofort packte ihn eine Mischung aus Abscheu und Bewunderung für die dort abgebildeten Körper – mit eindeutiger Tendenz zu letztgenanntem. So begann der bis dahin Basketball-verrückte Teenager mit dem Krafttraining.

Wie es sich für einen Anfänger gehört zunächst völlig konzeptlos, mit sechs identischen Oberkörpereinheiten pro Woche. Innerhalb weniger Wochen nahm er trotz der suboptimalen Herangehensweise 10 Kilogramm zu. Dass ihn seine Mitschüler mit einem „Aus Nichts kann man auch nichts machen“ zu demoralisieren versuchten, hielt ihn nicht von dem eingeschlagenen Weg ab. Der heute auf seinem Merchandise verwendete Slogan „Alles aus nichts“ ist wohl eine Hommage an die damaligen Kritiker.

Fritz Einstieg ins Wettkampfbodybuilding


In seiner Anfangszeit telefonierte Fritz täglich mit seinem Cousin, der als Trainer in einem Fitnessstudio arbeitet, und sog dessen Wissen begierig auf. 2006, rund drei Jahre nach Trainingsbeginn, stand Roman Fritz das erste Mal auf einer Bühne. Er hatte mittlerweile fast 30 Kilogramm zugelegt. Bei der Bayrischen Meisterschaft wurde er auf Junioren-Gesamtsieger, bei den Deutschen Meisterschaften Fünfter bei den Männern.

Im Anschluss legte Fritz eine zweijährige Wettkampfpause ein, in der er sein Abitur beendete. 2008 wurde er wieder Bayrischer sowie Deutscher Meister. Die Fachwelt nahm ihn nun endgültig als Ausnahmetalent wahr. Betreut vom Leiter des Allstars Leistungszentrum in Augsburg, Bernhard Schuber, wollte Fritz jetzt so richtig angreifen. In Allstars Nutrition fand er auch seinen ersten Sponsor.

Tatsächlich feierte er im Amateurbereich tolle Erfolge. 2009 wurde er Junioren-Weltmeister in der Klasse über 90 Kilo und Gesamtsieger, 2012 Zweiter auf der Arnold Classic Europe. 2013 kündigte er nach dem Gewinn der Internationalen DM sogar seinen Job als Leiter eines Kettenstudios, da er fest mit dem Gewinn der Pro-Card rechnete. Doch nach einer Regeländerung des IFBB reichte seine Bronzemedaille auf der Arnold Classic Amateur dafür nicht mehr aus.

Glücklicherweise kam Fritz aber bei Universal Nutrition und dem Bekleidungslabel Animal unter Vertrag. So verdiente er erstmalig genug Geld, um sich in Vollzeit dem Bodybuilding zu widmen.

2014 gewann er die lang ersehnte Profilizenz dann durch den Gesamtsieg auf der Amateur Olympia Prague. Er träumt seither von nichts Geringerem als dem Titelgewinn beim Mr. Olympia.

Neue Hüfte und künstliches Koma


In insgesamt fünf Profi-Wettkämpfen seit 2015 erreichte Fritz stets Top-10-Platzierungen. Sein bislang bestes Ergebnis ist der dritte Platz auf der Bigman Weekend Pro-Show 2018. Danach platzten alle bereits geplanten Shows auf dramatische Art und Weise. Aufgrund einer schmerzhaften Arthrose musste sich Fritz bereits mit 32 Jahren eine künstliche Hüfte einsetzen lassen. Die Mischung aus einer genetischen Disposition und dem jahrelangen schweren Training hatte zu dem vorzeitigen Verschleiß des Gelenkes geführt.

Bei der ersten OP hatten sich Keime in der künstlichen Hüfte eingesetzt, die zu einer schweren Entzündung führten. Bei der Nach-OP kam es zu weiteren Komplikationen bis hin zu einem Nierenversagen und einem mehrtägigen künstlichen Koma.

Fritz kämpfte sich aus dem schweren Schicksalsschlag zurück. Nicht nur ins Leben, sondern auch ins Bodybuilding. Einige Monate nach dem gesundheitlichen Tiefpunkt zeigt er sich wieder in toller Form und macht allen Mut, die in einer ähnlichen Situation stecken.

Roman Fritz ist ein harter Arbeiter


Mit 105 Kilogramm Bühnengewicht bei einer Größe von 1,80 m zählt Roman Fritz nicht zu den massigsten Athleten. Er besticht dafür durch eine schöne Linie und beeindruckende Härte, die er selbst in der tiefsten Offseason noch weitgehend aufrechterhält. Er ist für seine Arbeitermentalität bekannt, trainiert häufig zweimal am Tag und ernährt sich auch außerhalb der Wettkampfsaison fast ausschließlich clean.

Nach einigen Trainerwechseln von Pit Trenz über Dave Palumbo bis zu Justin Compton arbeitet er nun mit dem Amerikaner Matt Jansen zusammen. Mit dessen Beratung greift er in seinem Münchener Homegym, dem berühmten „Bunker“, nach überstandener Krankheit noch einmal richtig an.


Lieber Influencer als Tierarzt


Nach einem durchwachsenen Abi begann Roman „Rex“ Fritz zunächst ein Tiermedizinstudium, brach es aber nach kürzester Zeit ab. Um seine Familie zu beruhigen absolvierte er einen Bachelor in Fitnessmanagement, wusste aber bereits früh, dass er sein Leben dem Bodybuilding widmen würde.

Das ist ihm heute gelungen. Mit über 100.000 Followern auf Instagram und 30.000 Abonnenten auf YouTube hat er eine monetarisierbare Reichweite aufgebaut. Dabei hat Fritz vielen deutschen Bodybuildern etwas voraus: Er produziert auch Content in sehr gutem Englisch und spricht somit eine internationale Zielgruppe an.

Fans in aller Welt schätzen ihn für seine bodenständige, direkte Art. Er lebt mit seiner Frau Maren Fritz in der Heimat, die beiden betreiben gemeinsam ein Coaching-Business und das Label Rextreme. Nach dem Rückzug von Animal aus dem europäischen Markt ist Fritz heute bei ESN unter Vertrag.

Es bleibt dem Sympathieträger zu wünschen, dass keine weiteren gesundheitlichen Rückschläge sein Vorankommen behindern und wir ihn zumindest einmal auf der Mr. Olympia-Bühne bewundern dürfen – welche Platzierung auch immer dabei herausspringen mag.

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