Die Geschichte des besten Bodybuilders aller Zeiten

Ronnie Coleman: Vom Außenseiter zum G.O.A.T. zum Pflegefall?

Der beste Bodybuilder aller Zeiten? Eine überwältigende Mehrheit der Fans unseres Sports werden auf diese Frage entweder "Ronnie Coleman" antworten oder einem ein lautes "light weight baby, ain’t nothin‘ but a peanut" entgegenbrüllen. Werfen wir einen Blick auf das Leben von King Coleman, das geprägt war von Höhen und Tiefen, von unglaublichen Erfolgen und argen Rückschlägen!

The one and only Ronnie Coleman.
Quelle: Generationiron

Ronnie Coleman in Zahlen

  • Ronnie wurde am 13. Mai 1964 in Bastrop, Lousiana, geboren.
  • Ronnie ist 180cm groß.
  • Zu seiner aktiven Zeit brachte er in der Offseason bis zu 145 Kilogramm auf die Waage, sein höchstes Wettkampfgewicht waren 136 Kilogramm.
  • Ronnie Colemans Wettkampf-Statistik



Von Lousiana nach Texas

Ronald "Ronnie" Dean Coleman wurde am 13. Mai 1964 in Monroe, der achtgrößten Stadt des US-Bundesstaats Lousiana, geboren. Er wurde gemeinsam mit einem jüngeren Bruder und zwei Schwestern von der alleinerziehenden Mutter großgezogen und entdeckte schon früh sein sportliches Talent. In der High School überzeugte er vor allem im American Football, wobei ihm seine starke Physis zugutekam.

Schon zu College-Zeiten zeigte Ronnie beeindruckende Muskularität.
Quelle: Greatestphysiques


Ronnie ruhte sich aber nicht auf seiner Genetik aus, sondern begann, seinen Körper intensiv zu trainieren, um den physischen Vorteil noch zu vergrößern und das, obwohl er mit seinen 180cm für einen Middle Linebacker, dem Spielführer der Defense, doch recht klein war. Diese Mühe zahlte sich aus und wurde neben herausragenden Leistungen im Sport auch mit einem Stipendium für die Grambling State University belohnt. Doch Ronnie konzentrierte sich nicht nur auf den Sport, sondern nahm auch sein Studium sehr ernst, sodass er 1984 sein Bachelor-Studium zum Wirtschaftsprüfer mit cum laude abschloss.

Trotz dieses guten Universitätsabschlusses fand Ronnie zunächst keine Arbeit, sodass er beschloss, in den Nachbarstaat Texas zu ziehen, wo er sich bessere berufliche Chancen erhoffte. Doch auch in Texas blieb die Jobsuche erfolglos. Ronnie schlug sich mit Gelegenheitsjobs als Pizzalieferant durch, einer Arbeit, die ihn wenig befriedigte. In einem späteren Interview sagte er über diese Zeit:

"Domino’s was the hardest job I ever had. I dreaded every day working there, but I knew I was destined for something better."


Bei seiner Jobsuche stieß er schließlich auf eine Zeitungsanzeige, in der die Polizei von Arlington nach neuen Rekruten suchte. Ronnie bewarb sich und bestand die Eignungstests. 1985 wurde er im Alter von 25 Jahren Polizist.

Der wohl muskulöseste Cop der Welt.
Quelle: Neverfailure


Eine schicksalhafte Begegnung

Auf der Polizeiwache stand Ronnie ein Fitnessraum zur Verfügung, den er ausgiebig nutzte. Schon bald jedoch merkte er, dass die spärliche Ausstattung seine Fortschritte limitierte und ließ sich von einem Kollegen überreden, sich einmal das naheliegende Metroflex Gym anzuschauen.

Hier baute Ronnie seinen Mr. Olympia-Körper auf: das Metroflex Gym in Arlington.
Quelle: Facebook


Dort traf er auf den Besitzer Brian Dobson, der sofort Ronnies einmalige Genetik erkannte und ihm eine lebenslange kostenlose Mitgliedschaft anbot, wenn Ronnie ihm erlauben würde, ihn für einen Bodybuildingwettkampf vorzubereiten. Ronnie war einverstanden und ließ sich von Brian für seinen ersten Wettkampf, den Mr. Texas 1990, vorbereiten.

Auf dem Weg zum Profi

Als totaler Neuling und mit nur wenigen Monaten Vorbereitung trat Ronnie bei seinem ersten Wettkampf an und holte sich sowohl Klassen- als auch Gesamtsieg, unter anderem vor seinem Coach Brian Dobson. Motiviert durch diesen Erfolg trat er in der Folge gleich noch bei einer zweiten Show an, der NPC Texas Championships, bei der er jedoch nur Dritter hinter Jeffry Rodgers und Edgar Fletcher wurde. Ronnie erkannte, dass er trotz seines augenscheinlichen Talents, noch einen weiten Weg zu gehen hatte, wenn er in diesem Sport an die Spitze kommen wollte. Daher nahm er sich ein Jahr Pause, um seinen Körper weiter zu optimieren.



1991 reiste Ronnie dann zur Amateur Weltmeisterschaft der IFBB nach Polen, wo er sich mit einem überragenden Sieg im Schwergewicht bei seinem erst dritten Wettkampf als Bodybuilder im Alter von 27 Jahren die Pro Card holte.

Auf der IFBB Amateur Weltmeisterschaft 1991 holte sich Ronnie seine Pro Card.Quelle: Greatestphysiques


Kein leichter Start

Anders, als es die späteren Erfolge vielleicht erwarten ließen, waren Ronnies erste Jahre als Profi keineswegs von Erfolgen gesäumt. Bei seinem Pro Debut bei der Chicago Pro 1992 wurde er in einem starken Line Up – unter anderem traten dort Kevin Levrone, Bob Paris und Milos Sarcev an – nur Elfter. Bei der hoch angesehenen Night of Champions in New York reichte es dann gar nur für Platz 14. Trotz dieser ernüchternden Ergebnisse trat Ronnie beim Mr. Olympia an, wo er jedoch auf dem geteilten letzten Platz landete, gemeinsam mit Athleten wie Samir Bannout und Milos Sarcev, während Dorian Yates seinen ersten Titel bei der berühmtesten Show der Welt holte.

Ronnie Colemans Profikarriere begann steinig.
Quelle: Musclememory


In den beiden folgenden Jahren konnte sich Ronnie zwar stetig verbessern, kam jedoch über zwei dritte Plätze bei den Wettkämpfen in Frankreich und Deutschland 1994 nicht hinaus. Doch seine Zeit sollte noch kommen.

1995, das Jahr der Wende

Ronnie ließ sich von diesen Platzierungen jedoch nie entmutigen und arbeitete weiter energisch daran, seinen Körper zu verbessern. All das tat er neben seinem regulären Job als Polizist, den er bis ins Jahr 2000 ausüben sollte.



Die erste Show, die Ronnie gewinnen konnte, war der Canada Pro Cup 1995. Dabei setzte er sich unter anderem gegen Günter Schlierkamp, Rich Gaspari und Milos Sarcev durch. In der Folge konnte Ronnie einige weitere Siege einfahren, unter anderem, als er im Folgejahr seinen Titel in Canada verteidigte und den Grand Prix in Russland gewann. Dennoch war Ronnie zu diesem Zeitpunkt noch nicht der Dominator der späteren Jahre. In einer Zeit, die mit Athleten wie Dorian Yates, Flex Wheeler, Kevin Levrone, Shawn Ray, Chris Cormier, Nasser El Sonbaty und vielen anderen wohl als die leistungsstärkste überhaupt in die Geschichte eingehen würde, wurde Ronnie kein Sieg geschenkt, schon gar nicht beim Mr. Olympia, wo er 1995 Sechster und 1997 Neunter wurde.

Mit Vodka zum Sieg

Eine der kuriosesten Geschichten rund um Ronnie ist wohl die Vorbereitung auf seinen Sieg in Russland 1997. Die Show war die letzte in einer Reihe von sieben Wettkämpfen in Europa, von denen Kevin Levrone die ersten sechs für sich entscheiden konnte. Ronnie platzierte sich derweil je einmal auf dem dritten, vierten, sechsten und siebten sowie zweimal auf dem fünften Platz.

Ronnie Coleman zusammen mit Kevin Levrone und Flex Wheeler.
Quelle: Reddit


Am Vorabend der Show in Russland suchte Ronnie dann das Gespräch mit Kevin, der ihn auf sein Hotelzimmer einlud. Dort fragte Ronnie ihn, wie er es schaffe, bei den vielen Shows und Reisen immer die Form auf den Punkt zu bringen. Auf dem Zimmer füllte Kevin eine Tasse halbvoll mit kaltem Kaffee, um sie dann mit kaltem Vodka aufzufüllen und Ronnie zu reichen. Dieser hielt das zunächst für einen Scherz, doch ließ sich schließlich von Kevins Ernsthaftigkeit überzeugen und leerte die Tasse. Der Rest ist Geschichte.

"Well, all that night and the next day I was in and out of the bathroom passing water. At the contest I was shredded and dry as hell and got first place ahead of Kevin."


1998, der große Triumph

1997 war auch das letzte Jahr, in dem Dorian Yates Wettkämpfe bestritt. Nach sechs Siegen in Folge beim Mr. Olympia trat er zurück und machte so den Weg für einen neuen Champion frei. Für die meisten Experten war Flex Wheeler der Topfavorit auf Dorians Erbe, aber auch Kevin Levrone und Nasser El Sonbaty wurden Chancen eingeräumt. Trotz seiner Erfolge bei kleineren Shows hatte fast niemand Ronnie auf dem Schirm, wenn es darum ging, den Favoriten für den Mr. Olmypia 1998 zu benennen.

Ronnie wenige Wochen vor der Night of Champions 1998
Quelle: Fitnessvolt


Vor 5600 Zuschauern im Madison Square Garden in New York sollte es jedoch anders kommen. Anwesende berichten, dass die Halle in geschlossenes Schweigen verfiel, als Ronnie die Bühne betrat. Zwar hatte er bereits zuvor bei der Toronto Pro Invitational einen sehr starken Eindruck hinterlassen, doch das, was er an diesem Abend auf die Bühne brachte, stellte alles bislang Dagewesene in den Schatten. Es sei angemerkt, dass sich in diesem Schatten unter anderem ein Flex Wheeler in der vielleicht besten Form seines Lebens befand. Bis zur letzten Sekunde glaubte Ronnie nicht daran, Flex an diesem Tag schlagen zu können, wie er später berichtete.

"Going into the show my goal was to make top five. The previous year I had finished ninth, and my best at the Olympia had been sixth in 1996, so I figured top five was possible especially when Dorian announced he wouldn’t defend his title. That was the coolest thing ever ‘cos I thought that’s one less to worry about, maybe I’ll move up a spot. I made the posedown and when they called Chris Cormier in sixth, I was elated because I had fifth at least. Then they called out fifth through third and I was left standing there with Flex Wheeler. I thought, Dang this is the greatest day of my life – I got second at the Olympia! I was as proud as can be. When they called me as the winner I just went into shock. I can’t remember hitting the deck and lying there facedown blubbing, or Flex kneeling down to talk into my ear and then trying to get me up. I have no recollection of Chris Cormier attempting to get me to my feet, or Vickie Gates coming onstage and finally getting me up. I don’t remember any of that – I only know those things happened by seeing videos later on. When I thought I was second I felt it was the greatest day of my life, but winning…"


Ronnie und Flex beim Prejudging des Mr. Olympia 1998
Quelle: Getbig


Chad Nicholls, der Mann im Hintergrund

In einem Interview mit dem vielleicht berühmtesten Bodybuilding-Journalisten Peter McGough – der im Übrigen als einer der ganz wenigen Ronnie vor dem Mr. Olympia 1998 in den Kreis der Favoriten zählte – erklärte Ronnie später, dass dieser unglaubliche Entwicklungssprung im Jahr 1998 wesentlich auf seine Zusammenarbeit mit Chad Nicholls zurückzuführen sei, die zu Beginn dieses Jahres begann.

"The improvement in 1998 was totally to do with Chad. He changed my diet and training philosophy."


Chad steigerte Ronnies Cardiopensum auf zwei Stunden am Tag und das, obwohl Ronnie zu diesem Zeitpunkt noch Vollzeit als Polizist arbeitete. Darüber hinaus stellte Chad Ronnies komplette Ernährung auf den Kopf, verordnete ihm bis zu neun Mahlzeiten pro Tag, erhöhte die Proteinzufuhr rapide und strich dafür Kohlenhydrate aus Ronnies Ernährungsplan. Diese Ernährung behielt Ronnie für den Rest seiner Karriere weitgehend bei. Darüber hinaus passte er das Ladeschema vor dem Wettkampf an.

"He changed everything so much it made me think that up to that point I’d been doing everything wrong. I didn’t realize how little I knew. In fact the 1998 Olympia was the first time, due to Chad’s guidance, that I’d really nailed down the carb loading process. Before Chad I was just kidding myself that I knew what I was doing."


An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass Chad 1998 nicht nur Ronnie vorbereitete, sondern ebenfalls die zweit- und drittplatzierten Flex Wheeler und Nasser El Sonbaty. Insbesondere mit Flex verband Ronnie eine intensive Beziehung.

Ronnies legendäre Rückansicht
Quelle: Pinterest


Flex Wheeler, Ronnies ärgster Konkurrent

Es war übrigens Flex Wheeler selbst, der Ronnie Kontakt zu Chad verschaffte. Ähnlich wie auch bei Kevin suchte der ehrgeizige Ronnie den Kontakt zu Flex, der ihm auch Chads Telefonnummer gab.

"Not many people know it but Flex taught me a lot about the sport of bodybuilding. Again it goes back to what I said earlier about getting smarter by learning from the smartest guy in the class. After a couple of years of being a pro I thought here’s Flex winning all these shows, he must know a thing a or two about this game. So I asked him certain things and he gave me information that helped me get better. He was helpful in a way that took me from top six to winning contests. He helped me win that first Olympia."


Gefragt nach seinem stärksten Konkurrenten auf der Bühne, gab es für Ronnie stets nur eine mögliche Antwort:

"Flex. He had that combination of full muscle bellies, shape, condition and mass. He’s like the bodybuilder’s bodybuilder."


Und doch konnte ihn Flex nach Ronnies erstem Sieg beim Mr. Olympia 1998 nie wieder schlagen und trat als ungekrönter König des Bodybuildings ab.

Ronnie im Vergleich mit Nasser El Sonbaty beim Mr. Olympia 1998
Quelle: Bodybuilding.com


1998 bis 2005: Nur einer konnte ihn schlagen

Nicht nur Flex biss sich in den Folgejahren an Ronnie die Zähne aus, auch andere Superstars dieser Zeit wie Kevin Levrone und Shawn Ray, die Ronnie jahrelang auf die Plätze verwiesen hatten, konnten ihn nie wieder schlagen. In diesen acht Jahren stellte Ronnie nicht nur den Rekord von Lee Haney ein, indem er ebenfalls acht Sandows holte, insgesamt konnte Ronnie in dieser Zeit zwanzig Shows gewinnen, darunter auch die Arnold Classic 2001.

Es war ein junger Deutscher, der bei der GNC Show of Strength 2002 besiegen konnte, nur drei Wochen, nachdem dieser seinen fünften Mr. Olympia gewonnen hatte. Dieser junge Deutsche hieß Günter Schlierkamp. Günter war bereits beim Mr. Olympia zum Fanliebling mutiert, als er sich zum Vorjahr sehr stark verbessert präsentierte, jedoch nur als Fünfter platziert wurde. Ronnie war 2002 hingegen keineswegs in Bestform und hatte trotz der Abwesenheit seines mittlerweile ärgsten Konkurrenten, Jay Cutler, zu kämpfen, um seinen Titel zu verteidigen. Nach der Olympia ging es für Ronnie gleich weiter nach Europa, während Günter in den USA blieb und die Zeit nutzte, um zu regenerieren. An diesem Abend in New Orleans brachte er dann mit 300 Pfund in unglaublicher Form seine persönliche Bestform auf die Bühne und schaffte das Unglaubliche, er besiegte den amtierenden Mr. Olympia.

Günter Schlierkamp war der einzige Athlet, der Ronnie zu seiner Hochzeit schlagen konnte.
Quelle: Musculardevelopment


Unvergessen dürfte aber auch der Auftritt bei seinem letzten Sieg 2005 gewesen sein, als Ronnie mit rotem Samtmantel, Krone und Zepter die Bühne betrat – ein Bild, dass Bodybuildingfans, die es live erlebt haben, wohl nie wieder vergessen werden.



Jay Cutler, die Wachablösung

Die Niederlage gegen Günter war das vielleicht sichtbarste Zeichen dessen, was nicht wenige Bodybuildingfans mit jedem Jahr, in dem Ronnie gewann, mehr monierten: Ronnie wurde im Lauf der Jahre nicht besser, im Gegenteil. Ohne jeden Zweifel war Ronnie zu jeder Zeit ein unfassbarer Bodybuilder: irrwitzige Masse gepaart mit brutaler Härte in einem vorher noch nie gesehenen Ausmaß; doch mit den Jahren litt seine Linie doch deutlich, was sich vor allem in der Mittelpartie zeigte. Nachdem aber seine alten Rivalen langsam dem Karriereende entgegensahen, brauchte es einen neuen Herausforderer für Big Ron und dieser kam in Gestalt eines jungen Bodybuilders aus Massechussetts namens Jay Cutler.

Ronnie vs Jay beim Mr. Olympia 2004
Quelle: Musculardevelopment


2001 war Jay bereits bedrohlich nahe an Ronnie herangerückt. Am Freitag lag er nach Punkten sogar vor dem amtierenden Champion, der zwar am Samstag zurückschlagen konnte, aber zeigte, dass auch ein Ronnie Coleman verwundbar ist. Bis heute philosophieren viele Fans darüber, was passiert wäre, wäre Jay 2002 in Las Vegas angetreten. Hätte er Ronnies Siegesserie schon viel früher stoppen können?

In den Folgejahren entwickelte sich das Duell zwischen den beide auf jeden Fall zu einem der wohl packendsten Zweikämpfe der Bodybuildinggeschichte. Ronnie konnte 2003 und 2004 jeweils mit Idealpunktzahl siegen, was jedoch nicht unumstritten ist. Auch die Veranstalter des Mr. Olympia erkannten das Potenzial dieses Zweikampfs und inszenierten den Wettkampf mehr und mehr zum Duell dieser beiden Giganten. Unvergessen ist dabei das Backstage-Interview der beiden vom Mr. Olympia 2004, in dem sich Ronnie und Jay, angestachelt von den Moderatoren Kevin Levrone und Tripple H, einen verbalen Schlagabtausch lieferten.



2006 war es dann soweit: Ronnie, die schon lange nicht mehr die Dominanz vergangener Jahre ausstrahlte, gelang es nicht mehr, den viermaligen Zweitplatzierten Jay Cutler hinter sich zu lassen und wurde entthront.

King Coleman im standesgemäßen Bühnenoutfit
Quelle: Mandesager


2007, die Legende tritt ab

Wäre Ronnie nach der Niederlage 2006 abgetreten, niemand hätte es ihm verdenken können. Er hatte eine unglaubliche Karriere und es war kaum absehbar, dass er noch einmal näher an Jay heranrücken könnte. Dennoch wollte Ronnie diese Niederlage nicht auf sich sitzen lassen und quälte sich noch einmal durch eine Vorbereitung – zum allerletzen Mal in seiner Karriere.

Ronnies Körper war jedoch anzusehen, dass er nach all den Jahren des Wettkampfsports müde war. Die unglaubliche Härte, die den Ronnie Coleman um die Jahrtausendwende ausgezeichnet hatte, fehlte, die Mittelpartie wurde immer breiter. Dass der vierte Platz an diesem Tag ein Abschiedsgeschenk war, war wohl jedem der Anwesenden klar. Als Ronnie dann aber zum Publikum sprach und mit sichtbarer Rührung seinen Rücktritt verkündete, hatte wohl jeder im Saal eine Gänsehaut.



Light weight baby, Ronnies Trainingsphilosophie

Ronnie Colemans Training zeichnete sich vor allem durch eine Sache aus: unfassbar hohe Gewichte. Ronnie gehörte ganz sicher zu den stärksten Bodybuildern aller Zeiten. Kein Wunder, dass er zu Beginn seiner Karriere auch Powerlifting-Wettkämpfe bestritt. Unvergessen sind seine Trainingsvideos, in denen er jeweils 360 Kilogramm beugte und vom Boden hob sowie die legendäre Tonne auf der Beinpresse.



Ronnie führte immer an, er brauche diese enormen Gewichte, um die irrwitzige Masse aufzubauen, die ihn auszeichnete. Nicht selten opferte er für noch mehr Last auch die Form; im Allgemeinen war sein Training kaum das, was man unter sauber versteht. Ronnie arbeitete stets mit Schwung, legte alles an Kraft, was sein Körper hergab, in jede einzelne Wiederholung.

"It's always just been real hard and real heavy. That's always been what's worked for me and that's what has gotten me to where I am today."


Für ihn war es ein Erfolgsrezept, jedoch eines, das sich später rächen sollte.

Schwere Gewichte kennzeichneten Ronnies Training.
Quelle: Spotmebro


Zu seiner aktiven Zeit trainierte er gewöhnlich nach einem Plan wie diesem:

Monday
Barbell Squats – 3 sets of 10-15 reps
Barbell Hack Squats – 3 sets of 15-20 reps
Leg Extensions – 3 sets of 15-20 reps
Standing Leg Curls – 3 sets of 15-20 reps
Lying Leg Curls – 3 sets of 15-20 reps
Seated Leg Curls – 3 sets of 15-20 reps
Single Seated leg Curls – 3 sets of 15-20 reps
Seated Calf Raises – 3 sets of 15-20 reps

Tuesday
Bent Over Barbell Rows – 3 sets of 10-15 reps
Lying T-Bar Rows – 3 sets of 15-20 reps
Wide-Grip Lat Pulldowns – 3 sets of 15-20 reps
Dip Machine – 3 sets of 15-20 reps
Standing Dumbbell Tricep Extensions – 3 sets of 15-20 reps
Lying Tricep Press – 3 sets of 15-20 reps

Wednesday
Smith Machine Overhead Shoulder Press
Side Lateral Raise – 3 sets of 15-20 reps
Front Dumbbel Raise – 3 sets of 15-20 reps
Seated Bent-Over Rear Delt Raise – 3 sets of 15-20 reps

Thursday
Barbell Bench Press (Medium Grip – 3 sets of 15-20 reps
Barbell Incline Bench Press (Medium Grip) – 3 sets of 15-20 reps
Decline Barbell Bench Press – 3 sets of 15-20 reps
Barbell Curls – 3 sets of 15-20 reps
One Arm Dumbbell Preacher Curls – 3 sets of 15-20 reps
Alternate Hammer Curl – 3 sets of 15-20 reps

Friday
Barbell Squat – 3 sets of 10-15 reps
Barbell Hack Squat – 3 sets of 15-20 reps
Leg Extensions – 3 sets of 15-20 reps
Standing Leg Curls – 3 sets of 15-20 reps
Lying Leg Curls – 3 sets of 15-20 reps
Seated Leg Curls – 3 sets of 15-20 reps
Single Seated Leg Curl – 3 sets of 15-20 reps

Saturday
Rest

Sunday
Rest

Das Leben nach der Karriere: Business und Operationen

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn bereist Ronnie die Welt nach wie vor als gerngesehener Repräsentant des Bodybuildingsports, seit 2011 als Vertreter der Ronnie Coleman Signature Line. Dabei kam Ronnie in unzählige Länder und verbrachte zeitweise mehr Zeit in Flugzeugen als zu Hause.

Mit der Zeit machten sich jedoch die Folgen seines jahrelangen exzessiven Trainings immer mehr bemerkbar. Die ersten Anzeichen liegen jedoch bereits weit in der Vergangenheit. Erstmals will er 1996 Anzeichen dessen, was ihn später einholen sollte, gespürt haben, als er bei einem Satz Kniebeugen mit 270 Kilogramm ein Knacksen im Rücken verspürte. Bereits damals legte man ihm nahe, sein Training anzupassen, was er jedoch verweigerte. Dieses Knacksen sollte nur ein Vorbote dessen sein, was ihm bald zwanzig Jahre später wiederfahren sollte.



Insbesondere nach 2016 häuften sich die Operationen. Ronnie musste sich mehreren Eingriffen an der Wirbelsäule unterziehen lassen, zudem wurden ihm zwei neue Hüftgelenke eingesetzt. Jedoch gab es immer wieder Rückschläge. Worauf diese zurückzuführen sind, darüber streitet Big Ron mit den behandelnden Ärzten. Denen wirft er vor, ein falsches Operationsverfahren gewählt zu haben, was die Folgeschäden verursacht habe. Darüber hinaus wären die Ärzte nur an seinem Geld interessiert gewesen. Allein für die letzten drei Operationen habe er fast zwei Millionen Dollar gezahlt, die Leistung der Ärzte sei jedoch indiskutabel. Auf der anderen Seite häufen sich die Stimmen, die Ronnies Umgang mit seinen Verletzungen kritisieren. So präsentierte Ronnie sich kurz nach seinen Operationen wieder in Videos, die er auf Instagram postete und in denen an seinem gewohnten Trainingsstil festhielt. Diese Art zu trainieren, scheint wohl die einzige zu sein, die Ronnie kennt und die er für sich akzeptiert. Jedoch nimmt er die Konsequenzen auch aufrecht in Kauf. Nach einer Operation im Jahr 2016 postete er folgendes Statement:

"So you guy's still wanna be like me, you still want to have the same work ethic is I had. Well as you can see I'm 8 X Mr Olympia and I can't walk. I endured an 11 hour major back surgery last Tuesday. Do I have any regrets?, if I had a chance to do it all over again would I change anything? Yes if I had a chance to do it all over again I would change one thing. That is when I squatted that 800lbs I would do 4 reps instead of 2, that is my only regret in my career. Those 2 reps I did still haunts me today because I know I had 4 in me but the coward in me only did 2. That is my only regret."


Ob er das heute auch noch so sieht, ist zumindest fraglich, denn nach seiner letzten Operation ist nicht sicher, ob er überhaupt jemals wieder wird ohne Hilfe laufen können.



Ronnie, der Privatmann

Ronnie ist gläubiger Christ.

"That's something my mum started, from day one, as far back as I can remember. I've had a good Christian background. We've always believed in God, and for the most part I've always believed that we're all here for a purpose, and everybody has a purpose in life - a calling. My calling is to be Mr. Olympia."


Im Dezember 2007 heiratete er Rouaida Christine Achkar, die er 1998 kennenlernte. Aus dieser Beziehung stammen zwei Kinder. Die Eheschließung war jedoch kein gutes Omen für die Beziehung der beiden, die kurz darauf in die Brüche ging.

Drei weitere Kinder, von denen eines kurz nach der Geburt starb, entstammen einer höchst kuriosen Geschichte: Ronnie wurde 2006 von einer langjährigen Freundin gebeten, ihr ein Kind zu zeugen, was er jedoch ablehnte. Er ließ sich jedoch überreden, Samen zu spenden, woraufhin Drillinge zur Welt kamen. Kurz nach der Geburt verklagte die Mutter Ronnie dann auf Unterhalt, was einen Rechtstreit nach sich zog, den Ronnie erst 2012 für sich entscheiden konnte.

"I learned a valuable lesson: Never donate sperm."


Seit 2016 ist Ronnie mit Susan Williamson verheiratet. Das Paar hat vier Kinder.




Ronnie als wissenschaftlicher Namensgeber

Ronnie Colemans Körper inspierierte nicht nur Bodybuildingfans auf der ganzen Welt. Seine unglaubliche Rückenmuskulatur bewegte US-Forscher dazu, eine mittlerweile ausgestorbene Art der Brackwespe nach Ronnie zu benennen: Colemanus keeleyorum.

Der beste Bodybuilder aller Zeiten?
Quelle: Reddit


Ronnies Wettkämpfe

1990 Mr. Texas - Heavyweight 1st & Overall
1990 NPC Texas - Heavyweight 3rd
1991 IFBB World Amateur Championships - Heavyweight 1st
1993 IFBB Niagara Falls Pro Invitational - 6th
1993 IFBB Grand Prix Germany - 6th
1993 IFBB Grand Prix France - 4th
1993 IFBB Chicago Pro Invitational - 6th
1994 IFBB Mr. Olympia - 15th
1995 IFBB Mr. Olympia - 11th
1995 IFBB Night of Champions - 3rd
1995 IFBB Grand Prix Ukraine - 3rd
1995 IFBB Grand Prix Russia - 6th
1995 IFBB Grand Prix France - 4th
1996 IFBB Mr. Olympia - 6th
1996 IFBB Night of Champions - 2nd
1996 IFBB Grand Prix Spain - 5th
1996 IFBB Grand Prix Germany - 5th
1996 IFBB Grand Prix England - 5th
1997 IFBB San Jose Pro Invitational - 6th
1997 IFBB Mr. Olympia - 9th
1997 IFBB Ironman Pro Invitational - 3rd
1997 IFBB Grand Prix Spain - 7th
1997 IFBB Grand Prix Russia - 1st
1997 IFBB Grand Prix Hungary - 6th
1997 IFBB Grand Prix Germany - 5th
1997 IFBB Grand Prix Finland - 3rd
1997 IFBB Grand Prix England - 5th
1997 IFBB Grand Prix Czech Republic - 4th
1997 IFBB Arnold Schwarzenegger Classic - 4th
1998 IFBB Mr. Olympia - 1st
1999 IFBB Mr. Olympia - 1st
1999 IFBB Joe Weider's Pro World - 1st
1999 IFBB Grand Prix England - 1st
2000 Mr. Olympia - 1st
2000 Grand Prix England - 1st
2000 Joe Weider’s World Pro Cup - 1st
2001 Arnold Schwarzenegger Classic - 1st
2001 Mr. Olympia - 1st
2001 New Zealand Grand Prix - 1st
2002 Mr. Olympia - 1st
2002 Grand Prix Holland - 1st
2002 GNC Show of Strength - 2nd
2003 Mr. Olympia - 1st
2003 Russian Grand Prix - 1st
2004 Mr. Olympia - 1st
2005 Mr. Olympia - 1st
2006 Grand Prix Austria - 2nd
2006 Grand Prix Holland - 2nd
2006 Grand Prix Romania - 2nd
2006 Mr. Olympia - 2nd
2007 Mr. Olympia – 4th

Ronnie Coleman – eine lebende Legende
Quelle: Youtube


Und wer jetzt immer noch nicht genug von King Coleman hat, sollte sich auf Netflix die Doku Ronnie Coleman: The King anschauen!

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