Der Abschluss

Die Beinroundtable (X): Rumänisches Kreuzheben

TEAM-ANDRO: Da Ihr es schon angesprochen habt, wie steht Ihr denn zu Kreuzhebvarianten im Beintraining?

Thomas:
Halte ich für die beste Möglichkeit, die Oberschenkelrückseite adäquat zu trainieren. Nichts gibt einen besseren Stretch und kann für mehr Überlastung sorgen, als striktes rumänisches Kreuzheben. Ich möchte hier, wie auch Loriot, die strikte Ausführung betonen! Es geht nicht um riesige Gewichte, es geht um den perfekten Stretch und zielgenaues Ziehen aus Beuger und Arsch. Ich persönlich bevorzuge hier Kurzhanteln, aber auch mit der Langhantel ist das eine grandiose Übung. Ich würde grundsätzlich auf höhere Wiederholungszahlen abzielen, was eben dem nicht so hohen Load geschuldet ist. Vor allem aber eine strikte, langsame Ausführung!

Was ich persönlich sehr gerne ergänze sind Hyperextensions, wobei die auch 100 % strikt sein müssen und einen langen Hebel erfordern. Das bedeutet Oberkörper gerade lassen und nur durch Anspannen von Arsch und Beuger aufrichten!

Abergau: Kreuzheben ist für mich ein Teil des Rückentrainings - Beinbizepsbelastung hin, Oberschenkelbeanspruchung her. Gewiss geht Kreuzheben, insbesondere Kreuzheben mit gestreckten Beinen, ordentlich auf die hinteren Oberschenkel, aber erstens ist die Belastung der Rückenstrecker noch größer, und zweitens erachte ich es für suboptimal, Kreuzheben nach Kniebeugen auszuführen (und das müsste man ja tun, wenn man Kreuzheben als Teil des Beintrainings behandeln wollte).

Wer Kreuzheben als Beintrainingskomponente ansieht, liegt damit natürlich nicht grottenfalsch - er muss sich aber, wie Thomas schon angemerkt hat, große Gewichte abschminken. Das wäre für mich schon ein K.O.-Kriterium, denn Kreuzheben ohne große Gewichte ist ja wie Autofahren ohne großen Hubraum: möglich, aber sinnlos.


Friedhofschiller: Mag ich eigentlich recht gerne, aber nur auf eine der folgenden Arten in einem Workout:

Als letzte Übung mit sehr geringem Gewicht, um die gesamte Beinrückseite nochmal zu dehnen und hart zu kontrahieren. Diese Variante mache ich am häufigsten, da die bereits aufgepumpten Bereiche der Oberschenkelrückseite sich zu gut in der Dehnung anfühlen.

Die andere Möglichkeit ist mit hohem Gewicht als zweite Übung nach ein paar Beincurls. Hier geht es dann um "Heavy Ass weights" und richtet den gesamten Fokus des Trainings eher auf die Rückseite.

Ein kleiner Insider-Tipp ist Kreuzheben an der Hammer Strength oder Magnum Shrug Maschine. Hier kann man sogar RP Sätze sicher machen, was echt großartig ist.

Biqmil: Ich steh zwar voll hinter der Aussage, dass Kreuzheben und Kniebeugen in einer Einheit etwas schwierig zu vereinbaren sind, aber wenn es der Split oder das Trainingssystem zulässt und man Kniebeugen von der / einer Kreuzhebenvariante trennen kann (z.B. jeweils an verschiedenen Trainingstagen), dann ist für mich eine beinbizepslastige Kreuzhebenvariante ein Muss im Beintraining.

Mein Favorit ist ganz klar rumänisches Kreuzheben. Gibt es eine andere Beinbizepsübung, bei der man soviel Gewicht so kontrolliert bewegen kann, wie bei rumänischem Kreuzheben? Mir fällt keine ein. Und auch wenn man noch so schwer auflegen kann, ist die Übung doch kinderleicht. Entenarsch raus, Rücken anspannen / durchstrecken und dann kann ja (bis auf fehlende Oberkörperspannung) eigentlich nichts mehr falsch laufen. Ok... vielleicht etwas zu optimistisch gedacht, aber im Gegensatz zu anderen Übungen muss man, meine ich, nicht wirklich viel beachten - besonders wenn man schon dem klassischen Kreuzheben mächtig ist.

Als unkonventionelle Alternative gibt es in meinem Training hin und wieder die "Kreuzhebenvariante" an der Hackenschmidt-Maschine, die ich im Kontext von verschiedenen Beinpressenvarianten bereits erwähnt habe. Wie das dann genau aussieht, kann sich unter anderem im Kai Greene Video Blog: Legs Part 3 (Hamstrings) vom Februar 2010 anschauen.

Loriot_MP:
Finde ich eine gute Übung, aber nur zum Abschluss, und dann nur gestreckt. Wie Abergau sagte: Schweres Kreuzheben vorrangig für Rückenentwicklung, gestrecktes Kreuzheben also nur dann, wenn der Beuger schon vorbelastet ist, und man diesen zuerst schrottet, bevor man den Rückenstrecker zum Aufgeben bringt.

Mit der LH- Variante komm ich besser zurecht, als mit den Kurzhanteln... aber das ist nur eine persönliche Meinung.

TEAM-ANDRO: Danke, danke, danke: Schluss aus und ENDE! Nachdem die Sonne schon mehrfach um die Erde kreiste im Laufe dieses Rountables ist es nun an der Zeit ihn zu beenden. Nach über 17.000 Wörter habt ihr so ziemlich jeden einzelnen Funken an Ratschlägen ausgeschüttet, der euch spontan einfiel und ich zweifle nicht daran, dass wir noch weitere 100 Seiten füllen könnten.

TEAM-ANDRO bedankt sich sehr herzlich bei allen Teilnehmern und hofft, dass die Leser nicht nur die ein oder andere, sondern eine Menge Weisheiten aus diesem Roundtable mit in ihr eigenes Training mitnehmen konnten.


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Bilder: Frank-Holger Acker

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