Bodybuilding in Corona-Zeiten

Zwei Wochen Quarantäne für einen Wettkampf – der irre Plan des Samson Dauda

Update:

Der Wettkampf in Korea wurde abgesagt. Mehr Infos unten im Text!

Update #2:

Die Show fand im "privaten Rahmen" statt. Mehr Infos dazu unten im Text!

Update #3:

Nun wurde ein Video von der Show veröffentlicht, dass einige Aussagen wieder relativiert.


Samson Dauda will zum Mr. Olympia. Im vergangenen Jahr verbrachte er einige Wochen in Kuwait, um seinen Körper weiter zu verbessern und sein großes Ziel zu erreichen. 2019 bleiben die Anstrengungen jedoch erfolglos, wenngleich er sich durchaus verbessert präsentierte.

Samson Dauda bei der Vancouver Pro 2019. Ein Platz in den Top 6 blieb ihm aufgrund von Formschwächen verwehrt.

Für 2020 waren nun diverse Wettkämpfe geplant: die Arnold Classic Brazil, der British Grand Prix, die California Pro und die New York Pro. Doch dann kam Corona und all diese Wettkämpfe wurden abgesagt oder verschoben. Also bereitete Samson sich auf die Tampa Pro vor, jedoch wurde ihm der Flug in die USA verweigert. Was nun?


Andere hätten vielleicht die Vorbereitung abgebrochen, aber Samson will unbedingt seinen Traum von einer Teilnahme am Mr. Olympia verwirklichen. Auf eigene Faust flog er daher vor einigen Tagen nach Korea, um dort an der Korea Pro, die vom 22. bis zum 23. August stattfinden wird, teilzunehmen. Doch dafür muss er einen hohen Preis bezahlen, denn als eingereister Ausländer muss er nun zwei Wochen in seinem Hotelzimmer in Quarantäne verbringen. Er darf also sein Hotelzimmer nicht verlassen, weder um sich mit Lebensmitteln zu versorgen, noch um zu trainieren.

Der Plan für die kommenden Tage bis zum Wettkampf sieht nun so aus, dass er täglich 60 Minuten Cardio am Morgen in Form von auf der Stelle Laufen macht und abends ein Körpergewichtsworkout absolviert. Das Ganze auf eigene Kosten, denn einen Sponsor hat Samson bislang nicht finden können.

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Guys please take time you read this post ( long post )🙏🏾. Last night @ifbbpro_samsondauda called me and said bro I am in Korea . I said whaaaaaaaaat ???? So @ifbbpro_samsondauda prepped for Arnold Brazil , British Grand Prix , California pro, New York pro ( the first one ) and they all got postponed. Then he prepped for Tampa pro but got stopped at the airport on his way to the show and was not aloud to fly .Any normal man would obviously break down and go insane . What did @ifbbpro_samsondauda do ? He went to Korea without anyone knowing and is currently in a two week isolated hotel / prison room to do Korea pro . He is not aloud to go outside of the room in 2 weeks . His schedule is doing cardio in the morning ( 60 minutes) everyday running on the spot ( video included in the post ) . At night he does body type training ( video included ) . He is doing WHATEVER IT TAKES to fulfill his dream of winning a pro show and qualify for this 2020 @mrolympiallc . Samson has not aloud corona to ruin him as a man and is on his way to dominate Korea pro and achieve his first pro ifbb pro win . Guys also for some weird reason no sponsors have put trust in Samson yet . I pray someone sees this and put faith in him . Professional bodybuilders the most dedicated and mentally strong athletes in the world @ifbbpro_samsondauda the Nigerian Lion 🦁 coming for gold in Korea. Yeah buddy light weight baby #epic #bodybuilding #bodybuilders#mrolympia #arnoldschwarzenegger #training #gymmotivation #dedication #gymmotivation #training #nigeria #blackpower

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Einschätzung: Bodybuilder sind für ihre verrückten Maßnahmen bekannt, aber dieses Vorgehen ist schon radikal. Die letzten Tage vor einem Wettkampf sind sowohl körperlich als auch mental enorm belastend. Diese Zeit komplett alleine in einem Hotelzimmer zu verbringen, keinerlei Möglichkeit zu haben, normal zu trainieren oder auch nur einmal an die frische Luft zu gehen, das ist extrem. Auf der anderen Seite sind seine Chancen, den Wettkampf zu gewinnen, nicht schlecht. Bereits im Juli fand in Korea eine Profi-Meisterschaft statt, damals in den Kategorien Classic Physique und 212, mit zwei, bzw. drei Teilnehmern, allesamt Koreaner. Als Ausländer wird er es vor Ort sicher nicht leicht haben, auf der anderen Seite gab es in den letzten Jahren in der offenen Klasse keinen nennenswerten Profi aus Korea. Um andere nicht-koreanische Athleten muss er sich wohl nicht sorgen, zumindest ist nicht bekannt, dass auch andere Athleten eine solche Tortur auf sich nehmen. So könnte sein Plan, sich in Korea für den Mr. Olympia zu qualifizieren, wirklich aufgehen. Zu wünschen wäre es ihm nach dieser extremen Vorbereitung in jedem Fall.

Samson Dauda bei der EVLS Prague Pro 2018. Schon damals bestach er durch seine klassische Linie.


Update:Nachdem die Meisterschaft zwischenzeitlich bereits einmal verschoben worden war, wurde sie nun endgültig abgesagt. Ein harter Schlag für Samson, der sich nach dem Ende seiner Quarantäne in einem Interview noch kämpferisch gab.

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IFBB Monsterzym Pro

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Gestern dann die Gewissheit: Die Monsterenzym Pro 2020 wird endgültig abgesagt. Ein harter Rückschlag für Samson, nach all dem, was er für diese Show, für diese Chance, auf sich genommen hat. Noch ist unklar, ob er bei den noch ausstehenden Wettkämpfen erneut sein Glück versuchen wird. Da die Einreise in die USA sich derzeit schwierig gestaltet, wäre die Europa Pro in Alicante eine denkbare Option, zumal gerade bekanntgegeben wurde, dass hier in jeder Kategorie die Top 3 ein Ticket zum Mr. Olympia erhalten. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Aber auch wenn Samson ohne ein Ticket nach Vegas nach Hause fliegen muss, dürfte er das mit einem lachenden und einem weinenden Auge tun, denn die mediale Aufmerksamkeit hat ihm nun immerhin einen Sponsor beschert, wie man auf Instagram sehen konnte.

Update #2: Nach Verschiebungen und Absagen fand die Monsterenzym Pro in Korea nun doch statt, wenn auch anders als vielleicht erwartet.



Wie Samson in einem Interview mit Foud Abiad berichtet, teilte man ihm kurzfristig mit, dass die Show doch stattfinden würde, jedoch aufgrund von Regierungsvorgaben in einem "privaten Rahmen". Bei dieser Veranstaltung, die wohl nur von koreanischen Kampfrichtern bewertet wurde, waren private Smartphones gänzlich untersagt, weshalb Samson - wie er sagt - auch keinerlei Kontakt zu seiner Freundin, die ihn auch gleichzeitig vorbereitet, hatte. Obwohl es nur vier Teilnehmer gab, hätte es unzählige Vergleiche gegeben, allesamt bei katastrophaler Bühnenbelichtung. Letztlich blieb Samson dann auch der Sieg verwehrt: Er wurde von den Judges nur auf Platz 2 gewertet (Scorecard). Eine Entscheidung, die man auf Basis der wenigen vorliegenden Bilder durchaus hinterfragen kann. Wie auch das ganze Procedere. Dass die behördlichen Vorgaben in Zeiten von Corona vielen Planungen kurzfristig einen Strich durch die Rechnung machen, ist verständlich. Ein solches Hin und her mit so einem fragwürdigen Abschluss ist aber doch kritisch zu sehen. Zumal es hier immerhin um eine Qualifikation zum Mr. Olympia ging.

Für Samson hat sich der ganze Aufwand also rein sportlich nicht gelohnt. Er sagt jedoch, dass ihn diese Erfahrung als Mensch und Athlet habe reifen lassen. Der neue Sponsor dürfte diese Einstellung noch verstärken.



Update #3: Es wurde mittlerweile ein Video von der Show veröffentlicht. Es zeigt, dass Samsons Platzierung durchaus nachvollziehbar ist. Zudem relativiert es die Kritik an der Bühnenbeleuchtung.



Damit endet eine kuriose Epsiode des Wettkampfbodybuildings in Pandemie-Zeiten.

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