Fester Halt

Der Sport-BH für Frauen in Fitness und Bodybuilding

Jede sportlich aktive Frau sieht sich irgendwann einmal in der Situation sich einen unterstützenden BH für solche Aktivitäten anzuschaffen. Dieser Artikel soll einen Einblick in die Notwendigkeit eines Sport-BHs und ein paar Tipps zu dessen Kauf geben.

Warum sollte Frau einen Sport-BH tragen?

Die weibliche Brust liegt unter der Haut auf dem großen und kleinen Brustmuskel (Musculus pectoralis major und minor) auf und erstreckt sich von der zweiten bis zur siebten Rippe.

Wie wir alle wissen, besitzt sie selbst kein Muskelgewebe, sondern wird nur vom darunter liegenden Muskel gestützt. Schauen wir auf die Zusammensetzung, so besteht die weibliche Brust nur aus Fett- und Bindegewebe, sowie den Brustdrüsen und einem System von Milchgängen. Die äußere Form wird ihr von Kollagenfasern, den sogenannten Cooper´schen Bändern verliehen. Und nun kommt auch schon die schlechte Nachricht: Mit dem Ende ihrer Ausbildung im Laufe der Pubertät beginnen diese Fasern zu erschlaffen und die Schwerkraft beginnt die Brust nach unten zu ziehen.

Foto: Frank-Holger Acker

Faktoren, die diesen Prozess zusätzlich negativ beeinflussen können sind Rauchen, Stillen und Schwangerschaft, Gewichtsreduktionen und natürlich auch fehlende Unterstützung im Alltag und bei Aktivitäten.

Die Gewebsdichte der Brust ist von Frau zu Frau unterschiedlich ausgeprägt. Brüste mit dichtem Bindegewebe sacken zwar nicht so schnell, aber leider mit der Zeit genauso bestimmt ab, wie Brüste mit lockerem Gewebe. Und am Ende sein noch erwähnt: Es tut schlichtweg auch weh, wenn die Dinger nicht richtig festgehalten werden.

Im Mittel hüpft die Brust ohne Support bis zu 8 cm auf und ab. Auf 180 Schritte Dauerlauf kommt man da schon auf beeindruckende 14,4 m Brusthopping in jede Richtung! Bei großen Brüsten führt fehlender Support zu Brust- und Rückenschmerzen. Außerdem können unabhängig von der Körbchengröße beim Joggen oder Hüpfen ohne Sport-BH Geweberisse auftreten, die schmerzhaft und ähnlich wie Dehnungsstreifen dann auch auf der Haut sichtbar sind.

Somit sei es Frauen unabhängig von Form, Größe, Dichte und Konsistenz der Brust empfohlen, sich lieber früher als später einen passenden Sport-BH zuzulegen.

Gedanken vor dem Kauf eines Sport-BHs

Da wir nun wissen, warum wir Geld in die Hand nehmen sollten, um einen Sport-BH zu kaufen, schreiten wir zur Tat und besuchen das Sportgeschäft unseres Vertrauens.
Merke: Onlinekäufe sind in Ordnung, nur sollte der BH immer ausgiebig getestet werden. Hierbei genügt als Minimum das Anlegen und Hüpfen auf der Stelle oder das Imitieren der sportlichen Aktivität. Nicht enttäuscht sein, wenn der BH dann jedoch seinen Zweck nicht erfüllt und zurück geschickt werden muss. Das Hin- und Her-Geschicke dauert alles so seine Zeit. Außerdem ist die Auswahl der richtigen Größe so eine Sache. Darauf gehe ich weiter unten im Artikel noch einmal ein.
Will man mit dem erworbenen BH sofort und bis er auseinanderfällt glücklich sein, muss wie bei allem im Leben zunächst Hirnschmalz investiert werden. Über die folgenden drei Punkte sollte man sich bereits vor dem Kauf Gedanken gemacht haben:
  • das Material,
  • den Grad der Unterstützung und
  • den Verschluss und die Träger.
Was heißt das im Detail?

Material eines Sport-BHs

Prinzipiell werden bei Sport-BHs vier verschiedene Materialien angeboten. Es gibt Modelle aus Baumwolle, Merinowolle, Polyester/Polyamid und als Zusatz Elastan (oder Elasthan).

Baumwolle hat den Vorteil, dass das Gefühl auf der Haut meist als angenehmer empfunden wird als andere Materialien. Das Gewebe ist sehr atmungsaktiv, was besonders für die Frauen von Vorteil ist, die sich schnell in einem Sport-BH wie in einer Folie eingepackt fühlen. Durch die Verwendung der Naturfaser läuft man zudem weniger Gefahr Scheuerstellen auf der Haut zu bekommen. Leider absorbiert Baumwolle Schweiß gut und trocknet sehr langsam. Für Frauen, die viel und stark schwitzen also nicht unbedingt eine Option, besonders wenn der BH bei Aktivitäten im Freien getragen werden soll.

Eine Naturfaser, die eine gute Alternative zu Baumwolle darstellt, ist Merinowolle. Aus dieser Wollfaser wird vermehrt Funktionskleidung hergestellt. Merinowolle ist atmungsaktiv, isoliert gleichzeitig und trocknet schneller als Baumwolle. Obwohl die Faser nicht als haut-reizend gilt, empfinden manche Frauen diese Sport-BHs dennoch als unangenehm kratzig. Auch ist die Wolle nicht unbedingt billig. Sport-BHs aus Merino kosten locker 50 € aufwärts. Zu empfehlen ist dieses Material daher eher für Outdoor Aktivitäten, wie Klettern und Wandern.

Polyester und Polyamid sind synthetische Stoffe aus denen zurzeit die Mehrheit der Sport-BHs hergestellt wird. Das Material vereint gleich mehrere Vorteile in sich. Die BHs sind atmungsaktiv, leiten dennoch den Schweiß vom Körper weg und trocknen schnell, sie sind stabil und auf der Haut angenehm zu tragen. Manche Menschen empfinden dennoch ein Gefühl von "in Folie gepackt zu sein". Das muss jede Frau bei der Anprobe für sich entscheiden. Auch ganz große Körbchen sind für Modelle aus Polyester/Polyamid kein Problem, da das Material sehr reißfest ist und nicht ausleiert. Bei diesen Materialien muss jedoch auf ein regelmäßiges Waschen des Sport-BHs geachtet werden. Die synthetischen Fasern riechen schnell unangenehm und sind vermehrt ein Boden für Keime. Waschen aber bitte ohne Weichspüler, da der die synthetischen Fasern angreifen und ihre Eigenschaften zerstören kann.

Das Elastan ist meist ein Bestandteil von Sport-BHs in Verbindung mit anderem Material. Es verleiht dem Stoff, wer hätte es bei dem Namen gedacht, Elastizität. Somit findet sich Elastan in BHs aus Natur- sowie in BHs aus synthetischer Faser. Nur der Anteil des Elastans variiert je nach Modell.

Fazit zu Material: Frauen, die Naturfaser bevorzugen, sollten auf Baumwoll-BHs setzen. Schwitzt ihr jedoch sehr oder sportelt draußen, lieber Merinowolle, welche jedoch teurer ist. Alle anderen und vor allem Damen mit viel Brust sollten eher einen BH aus Polyester/Polyamid kaufen, da diese stabiler sind.

Unterstützung

Jedes Sport-BH Modell hat ein eigenes Level der Unterstützung bei Aktivitäten. Die unten angegebenen Level sind natürlich nur Annährungen. Hersteller schreiben meist die Stärke des BHs in eigenen Worten dazu. Hierbei gilt ungefähr folgende Abstufung:
  • Level 1, leichter Support: Betätigung ohne Laufen oder Hüpfen wie Yoga, Pilates, Tai Chi
  • Level 2, mittlerer Support: Spinning, Krafttraining (frei, Maschine), Sportarten mit wenig laufender oder hüpfender Bewegung
  • Level 3, hoher Support: Ballsportarten im Laufen (Fußball, Handball, Basketball), (Step-) Aerobic, funktionelles Training, Zirkeltraining, Zumba
  • Level 4, sehr hoher Support: Reiten, Kampfsport, Joggen
Optimal ist es, sich vorher zu überlegen, wofür man den BH kaufen möchte. Soll er bei mehreren Sportarten zum Einsatz kommen, orientiert man sich natürlich an der Sportart mit der größten Belastung.

Die Belastungs-Level sollten jedoch nicht zu sehr auseinanderliegen. Mit einem Sport-BH Level 4 fürs Joggen bekommt man in der Yogastunde eventuell Beklemmungen, weil man sich wie in einem Brustpanzer eingeschlossen fühlt.

Für vollbusige Frauen gilt: Lieber ein Level höher wählen, als am Ende zu wenig Unterstützung für die Mädels haben.

Foto: Frank-Holger Acker

Verschluss und Träger

Auch beim Verschluss des Sport-BHs gibt es einige Varianten. Auf dem Markt findet man Verschlüsse am Rücken, wie man sie von BHs kennt, Verschlüsse vorne und Modelle ohne Verschluss, welche man wie ein Bustier nur über den Kopf ziehen muss. Träger gibt es in verschiedenen Breiten von Spaghetti bis handbreit, hinten gerade, gekreuzt oder als Ringerrücken-Modell.

Damen mit eher kleinen Körbchen und solche, die wenig Schwankung in ihrem Unterbrust-Umfang (zum Beispiel durch Diäten oder überraschendes, explosives Latissimus-Wachstum) haben, profitieren von BHs ohne Verschluss.

Beim Kauf sollte das Unterbrustband gut und bequem anliegen, nicht kratzen und nicht am Atmen hindern. Bei den Trägern gilt hier, dass sie auch dünner und wie normale BH-Träger geformt sein können. Wer kleine Körbchen hat aber doch im Studio den Vorbau effektvoll zur Schau stellen mag, kauft einen Sport-BH mit Vorderverschluss. Die pushen ganz gut hoch, sitzen am Rücken sehr bequem und bieten zudem genug Einblicke.

Sport-BHs mit Verschluss am Rücken eignen sich gut für Damen, welche Veränderungen im Unterbrustumfang erwarten. Steht eine Diät an, schon einmal einen BH kaufen, der sich gerade so schließen lässt. Das Gegenteil gilt für einen Kauf im Aufbau. Ist man sich nicht sicher, was als nächstes kommt, so passt die goldene Mitte. Die meisten BHs haben zum Glück drei oder mehr Stufen im Verschluss.

Je größer die Körbchen, desto breiter sollten die Träger und Unterbrustbänder gewählt werden. Mehr Fläche führt bei den Trägern dazu, dass sich das Gewicht besser verteilt. Außerdem profitieren vollbusige Damen von gekreuzten Trägern oder von Modellen mit Ringerrücken (x-förmige Träger, die vernäht wurden). Diese Modelle schützen im Rücken und verteilen das anfallende Gewicht der Brust nochmal besser.

Es gibt auch Sport-BHs mit Metallbügeln, welche aber schnell mal durch das Material gucken und piksen. Wenn diese Modelle vermieden werden können, sollte man das tun.

Fazit Verschluss und Träger: Modelle ohne Verschluss, wenn man keine Änderung in den Maßen erwartet, Verschluss vorne für Push-Up-Effekt und Verschluss hinten bei Variation im Unterbrustumfang. Je breiter die Träger, desto besser verteilt sich das Gewicht der Brust. Ergänzend kann man sich für zusätzlichen Support für gekreuzte oder Ringerrücken-Träger entscheiden. Metallbügel eher vermeiden.
Achtung: BH Größen lassen sich nicht eins zu eins auf Sport-BHs übertragen. Online findet man oft Tabellen zum Umrechnen. Vor dem Kauf sollte der Unterbrustumfang und das Körbchen bestimmt werden. Ansonsten heißt es Geduld mitbringen und testen, testen, testen...

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