Wie neu

Sportkleidung und Equipment richtig reinigen

Jeder von uns steht ab einem gewissen Punkt vor dem Problem, die getragene Sportkleidung zu waschen. Also raus aus Shirt und Hose, rein in Maschine und ab geht´s! Alles aus Baumwolle oder Polyester, 30°, Waschmittel dazu und kein Problem! Dann kommt da plötzlich das Laufshirt aus Merinowolle oder Funktionsfaser, danach die Handschuhe aus Kunstleder und zum Schluss der lieb gewonnene Gewichthebergürtel, ohne den man sich den nächsten Kniebeuge-PR gar nicht mehr vorstellen könnte. Kleidung und Equipment können einem zu einem liebgewonnenen Begleiter im alltäglichen Fitness-Hustle werden.

Um noch lange etwas von ihnen zu haben, wollen sie richtig gereinigt und gepflegt werden. Und nicht zuletzt fangen manche Sachen einfach an zu müffeln, wenn man sie nicht ab und zu säubert. In diesem Artikel fassen wir zusammen, welche Materialien einem unterkommen könnten, wie man sie richtig behandelt und was man unbedingt vermeiden sollte.

Foto: Thomas Koch

Equipment aus Leder/Kunstleder

Das wird gebraucht:
  • Milde Seife zur Gesichtsreinigung (eventuell von der Dame des Hauses klauen) oder ein Feinwaschmittel,
  • Destilliertes Wasser (fürs Bügeleisen) oder stilles Mineralwasser (kein Leitungswasser!),
  • Sprühflasche,
  • Fusselfreies Tuch oder Schwamm
Die milde Seife 1:7 mit Wasser mischen (also zB 10 mL Seife mit 70 mL Wasser) und in die Sprühflasche füllen. Dann die Seifenlösung auf das Tuch sprühen. Mit dem befeuchteten Tuch das Lederequipment abwischen und danach an der Luft gut trocknen lassen.

Im Anschluss das Leder einfach ganz dünn mit Niveacreme, klarer Schuhcreme oder Melkfett einreiben. Auch Pflanzenöle (wie Olivenöl) funktionieren prima. Mit einem weichen Lappen nochmal polieren und alles ist wie neu. So spart man sich die teure Lederpflege.

Wer einen Dampfreiniger hat, kann den auch auf Leder anwenden aber nur kurz und auf niedrigster Stufe. Wenn man das Sofa oder die Autositz mal reinigt, kann man ja auch mal schnell über den Gürtel gehen. Dann auch gut trocknen lassen und eincremen. Generell ist viel Feuchtigkeit für Leder schädlich. Das Equipment also in einem gut belüfteten Raum und keinesfalls in der Sonne aufbewahren oder trocknen.

Funktionskleidung und imprägnierte Kleidungsstücke

Unter Funktionskleidung versteht man Kleidung aus Material, welches aus einem von außen wasserfesten aber von innen atmungsaktiven Gewebe hergestellt wurde. Hierbei ist es besonders wichtig bei der Reinigung die Eigenschaften des Materials nicht zu zerstören. Generell sollte nur Flüssigwaschmittel verwendet und Funktionskleidung separat gewaschen werden. Es gibt von verschiedenen Anbietern auch Sportwaschmittel für kleines Geld, welche bei niedrigen Temperaturen antibakteriell wirken und Gerüche binden sollen.

Pulverwaschmittel lösen sich nicht vollständig und setzen die Poren der Kleidung zu, Weichspüler haben eine ähnliche Wirkung. Um die Faser zu schonen, sollten die Kleidungsstücke in einem Wäschesack gewaschen oder wenigstens auf links gedreht werden. Funktionskleidung sollte nicht geschleudert und auf einem Bügel langsam getrocknet werden.

Wenn ein Trockner vorhanden ist, ist dieser zu benutzen. Funktionskleidung, beziehungsweise dessen Imprägnierung, wird wieder reaktiviert, wenn sie warm getrocknet wird. Die Imprägnierung der Kleidung sollte einmal im Jahr erneuert werden. Am besten funktionieren hier Produkte, die einfach aufgesprüht, getrocknet und dann teilweise auch nochmal durch Wärme aktiviert werden. Genaueres gibt der Hersteller an. Manchmal reicht auch ein dampffreies Bügeln mit einem Handtuch zwischen Eisen und Kleidungsstück um die wasserabweisenden Eigenschaften des Stoffs wieder zu erneuern.

Spezialfall GoreTex: Kleidungsstücke der Marke GoreTex können bei 30° in der Waschmaschine gewaschen und auf niedrigster Stufe geschleudert werden.

Merinowolle

Für diese Naturfaser gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten. Entweder die Kleidungsstücke werden per Hand mit Flüssigwaschmittel in einer Schüssel oder in der Maschine gewaschen. Bei der Handwäsche sollte man die Faser nur einweichen und massieren, nicht wringen oder schrubben. Zum Trocknen die Kleidung in ein Handtuch einwickeln und überflüssige Nässe rausdrücken.

Trocknen nur mit einem Kaltluftprogramm im Trockner oder liegend an der Luft. Nicht auf einen Bügel hängen, da sich das Material sonst lang zieht. In der Maschine kann Merino bei 30°C gewaschen und mit maximal 600 Runden leicht trocken geschleudert werden. Hier auch wieder nur Flüssigwaschmittel und keinen Weichspüler verwenden.

Merinowolle muss nur gewaschen werden, wenn sie wirklich riecht oder Flecken hat. Schon alternativ eine Nacht bei Regen oder Nebel gut auslüften macht das Kleidungsstück wieder frisch. Die Faser profitiert nicht von zu vielen Waschgängen.

Handtücher

Ein eigenes Kapitel bekommen hier Handtücher, da sie so häufig wie kein anderes Textil im Training gleichzeitig mit Keimen und unserer Haut in Berührung kommen. Handtücher sollte man immer mindestens bei 60°C in der Maschine mit einem Vollwaschmittel waschen oder sogar bei 95°C kochen. Unterhalb dieser Temperaturen gehen einfach nicht alle Keime zuverlässig kaputt.

Durch das Unterlegen auf den Geräten im Studio sammeln sich eine Menge Bakterien darin an, die wir uns im schlimmsten Fall auch noch beim Schweiß abwischen ins Gesicht reiben. Auch sollte man die Handtücher nach jedem Studiobesuch wechseln.

Handtücher nicht bügeln denn das mindert ihre Saugfähigkeit. Man sollte sie gesondert waschen und dabei nur maximal zwei Drittel der Maschine befüllen. Da das Material viel Wasser aufsaugt, werden Handtücher verhältnismäßig schwer und können einen Lagerschaden an der Maschine verursachen wenn man zu viele hineinstopft. Trocknen in der Sonne ist auch eine gute Idee, wenn man Bakterien vertreiben will. Ihre UV Strahlung wirkt antibakteriell.

Turnschuhe

Turnschuhe können nach einiger Zeit übel müffeln und sollten ab und zu auch gewaschen werden. Vor dem Waschen jedoch den gröbsten Schmutz mit warmen Wasser und einem Lappen entfernen. Sind die Schuhe aus Leder, können sie wie oben angegeben gereinigt werden und gehören nicht in die Maschine. Besteht jedoch nur ein Teil des Schuhs aus Leder und der Rest oder der gesamte Schuh aus synthetischen Fasern (wie Polyester) kann er bei 30 bis 40°C im Feinwäscheprogramm gewaschen werden.

Eine höhere Temperatur zerstört den Kleber, mit dem die Sohlen angeklebt sind. Muss der Schuh mit anderen Kleidungsstücken in die Maschine, packt man ihn einfach in einen weißen Stoffbeutel, wie man ihn zum Einkaufen verwendet. Zum Trocknen die Schuhe mit Zeitungspapier ausstopfen und dieses regelmäßig wechseln. Neue Waschmaschinen haben manchmal sogar ein Schuhprogramm!

Foto: Thomas Koch

Kleinkram – nützliche Tipps

Um uns nicht in Details zu verzetteln, an dieser Stelle stichpunktartig noch ein paar Tipps:
  • Generell die Sportsachen zu Hause sofort auspacken, damit sie nicht feucht in der Tasche vor sich hin gammeln können.
  • Sport BHs können einfach mit unter die Dusche und dort mit klarem Wasser ausgespült werden. Nach jeder fünften Handwäsche in die Maschine geben. Weichspüler vermeiden denn der leiert die Fasern aus.
  • Die Sporttasche kann auch ab und zu mit einem milden Shampoo oder milder Seife ausgewischt werden. Wenn sie waschbar ist (siehe Etikett), auf links drehen, bei 30°C in die Maschine, nur langsam schleudern und danach gut trocknen lassen.
  • Handschuhe sollten regelmäßig dem Material entsprechen gereinigt werden. Einmal im Monat reicht dort vollkommen. Und immer daran denken: Die Hanteln hatten schon eine Menge Menschen in der Hand. Also nicht zu viel mit den Handschuhen ins Gesicht fassen. Die Schleimhäute in Mund und Nase sind beliebte Eintrittspforten für Keime.
  • Yogamatten mit einer Essig-Wasser-Mischung (1:3) absprühen und dann mehrfach feucht abwischen. Beim letzten Mal wischen etwas ätherisches Öl dazugeben (zB Lavendel). Das hilft gegen des Essiggeruchs.
  • Trinkflaschen/Shaker auch mit einer Essig-Wasser-Mischung (1:3) über Nacht befüllen und einwirken lassen. Am nächsten Morgen gründlich ausspülen und die Flasche ist wieder frisch.
  • Bei Schwimmkleidung reicht das Spülen mit Leitungswasser nach jedem Badbesuch.
  • Gelbe Deoflecken auf weißen Baumwoll-Shirts bekommt man mit Zitronensäure weg (Drogeriemarkt). Nur eintupfen, nicht reiben! Für die fettlöslichen Bestandteile von Flecken Gallseife verwenden.
  • Bei besonders hartnäckigem Schweißgeruch die Kleidung in Brandweinessig einweichen und danach waschen. Hierfür eine halbe Tasse Essig mit vier Liter Wasser mischen. Manche schwören auf Essig statt Weichspüler in der Waschmaschine. Eine halbe Tasse reicht hierbei auch. Einfach unverdünnt ins Fach für den Weichspüler geben.
  • Das Gefrierfach wird ab und zu als Hausmittel gegen Bakterien angepriesen. Das funktioniert nicht! Bakterien können Winterschlaf halten und sind, wenn es warm wird, wieder munter am Wachsen.

Die Keime der Anderen

Das Reinigen von Sportkleidung und Equipment ist nicht zuletzt auch wichtig, weil unter den Keimen, die man während des Trainings in einem öffentlichen Studio aufsammelt, auch der ein oder andere Krankheitserreger sein kann.

Nicht selten hapert es an der Hygiene des einen oder anderen Studiogängers, ohne hierbei mit dem Finger auf Menschen zeigen zu wollen. Ich denke, es ist jedem bewusst, von welchem Typ ich da rede. Außerdem gibt es genug Personen, welche schon eine beginnende Erkältung oder gar Grippe haben und trotzdem noch ans Eisen wollen.

Die Erreger werden dann natürlich schön auf dem allgemeinen Equipment verteilt. Klar sollte man es mit der Reinlichkeit nicht neurotisch übertreiben, denn die Begegnung mit fremden Keimen trainiert ja auch unser Immunsystem. Dieses ist jedoch nach schweren Trainingseinheiten für einen gewissen Zeitraum beeinträchtigt und wir damit anfälliger für Viren und Bakterien als sonst. Daher sollte man generell darauf achten, sich während des Trainings nicht allzu viel ins Gesicht zu fassen und das Handtuch sowie die Handschuhe regelmäßig zu reinigen. Ein Gang zum Waschbecken nach dem Besuch im Studio oder unter die Dusche bringt dann alles wieder in Ordnung.

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