Mr. Muscle

Steve Benthin: der Mann, der immer abliefert

Kaum ein anderer hat den Starstatus in der deutschen Bodybuilding-Szene so lange aufrecht halten können wie Steve Benthin. Seine große Popularität hat er von den frühen 2000ern bis ins Instagram-Zeitalter konservieren können. Dabei hat der IFBB Pro mehr als einmal irgendwo angeeckt – doch seine sportliche Leistung gibt ihm immer wieder Recht.

Steve Benthins holpriger Weg ins Bodybuilding


Steve Benthin wurde 1982 in der ehemaligen DDR, genauer gesagt in der späteren Landeshauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns, Schwerin, geboren. Teile seiner Kindheit und Jugend verbrachte er in Nordrhein-Westfalen, ehe er in die Heimat zurückkehrte.

Foto: RepOne.de

Seine frühen sportlichen Wurzeln liegen im Fußball, später wechselte er zum Boxen. Mit 15 nahm ihn sein Stiefvater zum ersten Mal mit in den Kraftraum. Bei einem Körpergewicht von grade einmal 55 Kilogramm stieg Steve gleich mit 60 Kilogramm ins Bankdrücken ein. Von da an wurde das Fitnessstudio zu seinem zweiten Wohnzimmer.


Nach dem Schulabschluss begann Steve eine Ausbildung zum Koch. Über die harte Arbeit im Schichtsystem verlor er das Interesse am Kraftsport. Erst als 19-Jähriger ließ er sich wieder im Studio blicken, und nach dem zeitweiligen Ausstieg ging es dann umso rasanter weiter.

Enrico Schütz, Inhaber eines Supplement-Ladens in Schwerin und erfahrener Athlet und Coach, wurde auf Steve aufmerksam – auf sein sportliches Talent ebenso wie auf seine außergewöhnliche, anziehende Art. Der zuvor etwas ins Straucheln geratene Steve bereitete sich nun gezielt auf erste Wettkämpfe vor, allerdings nicht im Bodybuilding, sondern zunächst im Bankdrücken. Erst ein weiterer Entdecker – kein Geringerer als Günter Schlierkamp – leitete seine Bodybuilding-Karriere in die Wege. Unter dem Betreuer Olaf Godedarov wurde Steve in seiner ersten Wettkampfsaison 2002 auf Anhieb Gesamtsieger auf der Deutschen Meisterschaft der Junioren.

Steve Betnhin: Der Mann, der immer liefert


Mit rund 20 Jahren im aktiven Wettkampfgeschehen zählt Steve zu den Veteranen des Sports. Die Konstanz, mit der er sich der Bühne stellt, ist bemerkenswert.

Er startete sowohl im NAC als auch beim IFBB, holte zahlreiche Titel und Podiumsplätze sowohl auf nationalem als auch auf internationalem Niveau. Das „Verbands-Hopping“ bescherte seiner Karriere allerdings eine Zwangspause: Nach dem Start bei dem NAC-Event FREY CLASSICS wurde er für alle vom DBFV und IFBB ausgetragenen Veranstaltungen zeitweilig gesperrt. Steve nahm es mit dem für ihn typischen bissigen Humor. Heute konzentriert er sich dennoch ausschließlich auf den sportlich bedeutsameren IFBB.

Die IFBB Pro-Card wurde ihm mit dem Gesamtsieg der Internationalen Deutschen Meisterschaft 2011 verliehen. Auch bei den Profis kann Steve seither immer vorne mitmischen. Unter anderem wurde er Fünfter bei der renommierten New York Pro und Dritter bei der Vancover Pro jeweils 2019. Hierdurch sicherte er sich die Qualifikation für den Mr. Olympia 2019, wo er in der 212er-Klasse an den Start ging und 16. wurde.

Auch 2021 wird Steve Deutschland beim Mr. Olympia vertreten. Mit Platz 4 auf der Europa Pro in Allicante und einem starken Platz 2 auf der Portugal Pro sicherte er sich die Qualifikation nach Punkten. Der mittlerweile fast 40-Jährige beweist auch seinen Kritikern: Er ist einfach der Mann, der stets liefert.

Mr. M oder Hans Hoffmann? Steve Benthin in den sozialen Medien


Schon zu einer Zeit, in der Bodybuilding-Fans nicht täglich via Instagram-Stories ihren Stars durch den Alltag folgen konnten, brachte Steve sich besser ins Gespräch als jeder andere. Bei den einschlägigen Internetportalen, die damals exklusiv von den Bodybuilding-Events berichteten, war der so erfrischende wie provokante Schweriner ein gern gesehener Show Act vor der Kamera. Sogar das Trash-TV arbeitete häufiger mit Steve zusammen, lange bevor Bodybuilding und Fitness im Mainstream angekommen waren.

Steve erschuf mit „Mr. M“ schon zu Beginn seiner Sportlerkarriere eine wertvolle Marke. Das M steht hier offiziell für „Masse“ – und für was immer sich der Fan in seiner Fantasie ausmalen mag.

Dem Instagram-Account @steve_benthin_ folgen heute mehr als 90.000 User, mehr als 77.000 Abonnenten sind es auf seinem YouTube-Channel Steve Benthin. Dabei hatte er diesen 2020 schon für beendet erklärt, nachdem ihm jede Inspiration für neuen Content ausgegangen war.

Aus der sehr inkonsequenten „Schaffenspause“ ging sein Zweitkanal Hans Hoffmann hervor, auf dem er dem Publikum eher seichte Unterhaltung wie Fresschallenges anbietet – Inhalte mit Sportbezug fanden während der Corona-bedingten Studioschließung ohnehin kaum Beachtung. Der Kanal wird von der Kölner Marketingagentur Athletia Sport betreut, die auch anderen Bodybuildern wie dem aktuellen Shootingstar Hollywood Matze zu großer Reichweite verhilft.


Hans Hoffmann ist übrigens eine Hommage an einen „Künstlernamen“, unter dem Steve einst in pornografischen Produktionen auftrat. Hiermit geht er ebenso offen um wie mit seinem Gebrach leistungssteigernde Substanzen. Zu ehrlich angesichts der Vorbildfunktion eines Influencers, oder eine Offenheit, die der geblendeten Szene guttut?

Nicht nur in diesem Sachgebiet stößt Steve auf Gegenwind; Zu laut, zu plump, zu sehr das Klischee vom stumpfen Pumper bedienend, so die Stimmen der Kritiker. Und ja, Steve polarisiert. Er bleibt aber auch ein unstrittig starker Athlet – und ein wertvolles sportliches Aushängeschild des deutschen Bodybuildings.

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